Migräne Sauerstofftherapie: Erfahrungen, Wirkung und Anwendung

Leiden Sie unter quälenden Migräneanfällen, die Ihre Lebensqualität beeinträchtigen? Die Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Die hämmernden, pochenden oder stechenden und brennenden Schmerzen können Betroffene außer Gefecht setzen. Oft gesellt sich noch Übelkeit, Erbrechen oder eine unangenehme Lichtempfindlichkeit hinzu. Die Sauerstofftherapie stellt eine vielversprechende Lösung dar.

Was ist Sauerstofftherapie?

Die Sauerstoffüberdrucktherapie (hyperbare Sauerstofftherapie) bietet vielversprechende Vorteile bei der Behandlung und Linderung von Migräne. Bei dieser innovativen Therapie atmen Patienten reinen Sauerstoff in einer druckvollen Umgebung ein. Die HBO ist eine Behandlungsform, bei der Patienten unter Überdruckbedingungen (= hyperbare Atmosphäre) medizinisch reinen Sauerstoff einatmen. Über eine Atemmaske wird das „Medikament Sauerstoff“ geatmet. Durch die hohe Sauerstoffkonzentration im Blut wird innerhalb weniger Minuten eine Kontraktion (Engstellung) der Blutgefäße im Gehirn bewirkt. Damit kann die für die Migräne ursächliche Gefäßerweiterung wirksam und schnell behoben werden. Sauerstoffatmung ohne Erhöhung des Umgebungsdrucks kann diesen nachhaltigen Effekt nur begrenzt erreichen.

Wie wirkt die Sauerstofftherapie bei Migräne?

Die HBOT hat sich in zahlreichen wissenschaftlichen Studien als wirksam erwiesen, insbesondere bei der Behandlung von akuten Migräneanfällen. Die zusammenfassende Analyse zeigte einen positiven Effekt der HBOT in der Akutbehandlung der Migräne. Es bestätigte sich die Hypothese, dass die HBOT eine akute Migräne terminiert.

Die Wissenschaftler um Michael Bennett vom Prince of Wales Hospital in Sydney nahmen sich dieser neueren Therapieform nun in einer Metastudie an, für die sie neun Untersuchungen zur Sauerstofftherapie auswerteten. Dabei unterschieden sie zwischen der Behandlung unter Normaldruck und unter Überdruck.

Vorteile der Sauerstofftherapie

  • Wirksam bei akuten Migräneanfällen
  • Sanfte und nicht-invasive Methode
  • Unterstützt den Körper und das allgemeine Wohlbefinden
  • Kann das Risiko von zukünftigen Migräneanfällen verringern
  • Weitgehend nebenwirkungsfrei (anders als die regelmäßige Einnahme starker Schmerztabletten)

Erleben Sie bereits in der ersten Sitzung, nach wenigen Atemzügen eine Linderung von Schmerzen. Viele Patienten erleben eine signifikante Verbesserung ihrer Lebensqualität.

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Anwendung der Sauerstofftherapie

  1. Druckerhöhung: Zu Beginn wird der Druck in der Therapie-Druckkammer langsam erhöht. Sie haben bei „normaler Atemluft“ ausreichend Zeit, sich den veränderten Druckverhältnissen anzupassen. Die Druckerhöhung spüren Sie, ähnlich wie im Flugzeug, an einem Zufallen der Ohren. Durch Schlucken oder Gähnen lässt sich leicht ein Druckausgleich durchführen.
  2. Behandlung: Wenn der vorgesehene Druck erreicht wird, setzen Sie die Atemmaske auf und atmen in regelmäßigen Abständen, unterbrochen von kurzen Pausen, unter einer Gesichtsmaske reinen Sauerstoff ein. In dieser Zeit können Sie lesen, Musik hören oder einfach nur entspannen und den hyperbaren Sauerstoff bewusst genießen.
  3. Druckreduzierung: Zum Ende der Therapiesitzung wird allmählich der Luftdruck auf den normalen Umgebungsdruck „heruntergefahren“.

Die Behandlung dauert nur ca. 60 Minuten und kann einfach in Ihren Alltag integriert werden. Nutzen Sie diese Zeit - nehmen Sie Ihr Handy mit, hören Sie Musik oder Podcasts, oder schließen Sie einfach die Augen.

Langfristige Wirkung

Die regelmäßige Anwendung der Sauerstoffüberdrucktherapie kann langfristig dazu beitragen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren. Eine Behandlungsserie in der Therapie-Druckkammer mit etwa 10 Behandlungen reduziert die Anfallshäufigkeit bei Migräne deutlich. Mit einzelnen, zusätzlichen HBO-Behandlungen können Migräneanfälle mehrere Monate verhindert werden.

Sauerstofftherapie bei Clusterkopfschmerzen

Wenn Sie an Clusterkopfschmerzen leiden, wissen Sie, wie quälend diese Attacken sein können. Aber es gibt Hoffnung: Sauerstofftherapie hat sich als wirksame Behandlungsoption für Clusterkopfschmerzen erwiesen.

Die Sauerstofftherapie ist eine vielversprechende Lösung für Menschen, die unter Clusterkopfschmerzen leiden. Diese Erkrankung ist durch wiederkehrende Attacken von intensiven Kopfschmerzen gekennzeichnet und kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Die Suche nach einer wirksamen Behandlungsmöglichkeit für Cluster-Kopfschmerzen war lange Zeit erfolglos. Medikamente gegen Migräne oder andere Schmerzmittel können zwar eine Linderung der Symptome bewirken, aber sie sind oft nicht ausreichend und haben auch Nebenwirkungen. Hier kommt die Sauerstofftherapie ins Spiel: Sie bietet den Patienten eine effektive Behandlungsalternative ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Durch das Einatmen von reinem Sauerstoff können die Schmerzen während eines Anfalls gelindert werden oder sogar ganz verschwinden. Die Therapie wird häufig ambulant durchgeführt und kann auch zu Hause angewendet werden, was den Alltag der betroffenen Patientinnen und Patienten erleichtert.

Die Sauerstofftherapie hat sich als vielversprechende Behandlungsoption für Clusterkopfschmerzen erwiesen. Bei dieser Erkrankung treten intensive Kopfschmerzattacken auf, die oft von begleitenden Symptomen wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet werden. Die genaue Ursache der Clusterkopfschmerzen ist immer noch unklar, aber es wird angenommen, dass sie mit einer Fehlfunktion im Hypothalamus zusammenhängen könnten. Die Sauerstofftherapie funktioniert durch Einatmen von 100% reinem Sauerstoff über eine Maske oder einen Schlauch für etwa 15 Minuten pro Anwendung. Dies erhöht den Blutsauerstoffgehalt und reduziert dadurch die Schwere und Dauer der Kopfschmerzattacken. Es ist wichtig zu beachten, dass die Sauerstofftherapie nicht bei allen Patienten wirksam ist und dass weitere Forschung erforderlich ist, um ihre langfristige Wirksamkeit zu bestimmen.

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Die zusammenfassende Analyse zeigte einen positiven Trend zur Terminierung der Schmerzsymptomatik bei Clusterkopfschmerz nach HBOT. NBOT war effektiv in der Akuttherapie von Clusterkopfschmerz gegenüber der Sham-Behandlung in einer Untersuchung, aber nicht gegenüber Ergotamin sublingual in einer weiteren Studie.

Cluster-Kopfschmerzen sind eine der schlimmsten Formen von Kopfschmerzen. Die Schmerzen sind oft einseitig und treten in regelmäßigen Abständen auf, oft mehrmals täglich und über Wochen oder Monate hinweg. Die Schmerzintensität ist extrem hoch und wird oft als brennend, stechend oder bohrend beschrieben.

Wie man die Sauerstofftherapie zu Hause nutzt

Die richtige Verwendung und Organisation der Sauerstofftherapie zu Hause kann dazu beitragen, Kopfschmerzattacken bei Clusterkopfschmerzen effektiv zu behandeln und zu reduzieren.

Erfahrungsberichte

Auch bei Clusterkopfschmerzen gibt es viele Patienten, die von der Sauerstofftherapie profitiert haben. Einige berichten davon, dass sie innerhalb weniger Minuten nach Beginn der Therapie eine Linderung ihrer Schmerzen verspürten und sich danach so gut wie schmerzfrei fühlten. Andere betonen, dass sie dank der regelmäßigen Anwendung der Sauerstofftherapie in der Lage sind, ihre Medikamentendosis zu reduzieren oder sogar ganz darauf zu verzichten.

Wolfgang: „Nach nur drei Sitzungen waren ihre Beschwerden komplett verschwunden“, berichtet Wolfgang über die Migräne seiner Frau. Er würde die Therapie jedem empfehlen, bei dem Sauerstoff unterstützend wirken kann - besonders bei chronischen Beschwerden oder neurologischen Problemen.

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Svenja: Svenja litt unter schwerer Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und körperlicher Schwäche. Sie empfiehlt die Sauerstofftherapie besonders Long-COVID- und ME/CFS-Betroffenen. Sie ist wahnsinnig anstrengend, aber sie gibt dir etwas zurück, das du schon verloren geglaubt hast.

Weitere Vorteile

Weitere mögliche Vorteile der Sauerstofftherapie bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen sind eine Reduzierung der Medikamentendosis sowie die Vermeidung von Nebenwirkungen. Viele Patienten mit Clusterkopfschmerzen benötigen starke Medikamente, um ihre Schmerzen zu lindern. Durch die regelmäßige Anwendung der Sauerstofftherapie können sie jedoch oft auf eine niedrigere Dosis zurückgreifen oder ganz auf Medikamente verzichten. Dies reduziert das Risiko von Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit erheblich. Darüber hinaus kann die Sauerstofftherapie auch dazu beitragen, dass sich Clusterkopfschmerz-Patienten schneller erholen und in ihrem täglichen Leben wieder aktiver werden können.

Einschränkungen und weitere Forschung

Es ist wichtig zu betonen, dass jeder Fall individuell ist und nicht alle Patienten gleichermaßen auf die Therapie ansprechen werden. Unter Aufwand-Nutzen-Überlegungen sind für die HBOT bei Migräne weitere Studien zur Patientenselektion erforderlich. Nach wie vor seien Triptane bei mittel- bis schwerer Migräne erste Wahl, sagte Busch.

Kostenübernahme

Die Therapie wird von der GKV nicht und von Privatkassen nur vereinzelt erstattet.

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