Migräne und der Betriebsarzt: Hilfe und Unterstützung am Arbeitsplatz

Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die Erkrankung ist oft unterdiagnostiziert und Betroffene sind stigmatisiert. Die durch Migräne verursachten Fehltage im Beruf verursachen einen jährlichen Produktivitätsausfall in Höhe von 147,2 Mrd. Euro in Deutschland.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, meist einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Die Schmerzen sind oft pulsierend oder pochend und werden von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Eine Attacke kann zwischen vier und 72 Stunden dauern. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei Kindern treten die Kopfschmerzen oft im ganzen Kopf auf.

Migräne ist eine eigenständige primäre Erkrankung und nie das Symptom einer anderen Erkrankung! Betroffene sind weder arbeitsunwillig, psychisch krank noch suchen sie nach Aufmerksamkeit.

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass sich die Gefäße in der Hirnhaut weiten und entzünden. Dahinter steckt eine unüberschaubare Kaskade von Abläufen im Gehirn, bei der verschiedenste Botenstoffe und Neurotransmitter eine Rolle spielen. Verspannungen in der Schulter- und Nackenmuskulatur scheinen als Auslöser und/oder Treiber bei den Attacken ebenfalls ausschlaggebend zu sein.

Viele Betroffene kennen die Faktoren oder Situationen, die möglicherweise die Migräneattacke auslösen und versuchen diese so genannten Trigger zu vermeiden. Zu den häufigsten Triggern gehören:

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  • Stress
  • Schlafmangel
  • Hormonelle Veränderungen
  • Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke
  • Wetterwechsel
  • Lärm
  • Gerüche
  • Flackerndes Licht

Migräne im Arbeitsleben

Migräne hat massive Auswirkungen auf die Arbeitswelt und die Volkswirtschaft. Durch die Krankheit fallen in Deutschland jedes Jahr rund 547 Millionen Stunden bezahlter Arbeit aus - ein jährlicher volkswirtschaftlicher Verlust in Höhe von etwa 48,8 Milliarden Euro, das sind etwa 1,4 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung 2019. Zusätzlich gehen jährlich circa 675,8 Millionen Stunden an unbezahlter Arbeit durch Migräne verloren, was jährlich fast ein Prozent der insgesamt in Deutschland für unbezahlte Arbeit aufgewendeten Zeit bedeutet.

Viele Migränepatienten scheuen sich, ihre Erkrankung am Arbeitsplatz offen anzusprechen, aus Angst vor Stigmatisierung oder negativen Konsequenzen. Kommentare aus dem Arbeitsumfeld, auf die Migränepatienten gut verzichten können, sind: „Der macht doch schon wieder blau“, „Migräne, ein super Vorwand für ein verlängertes Wochenende“, „Drückeberger“, „Mein Gott, ist der wehleidig, sind doch nur Kopfschmerzen“. Möglicherweise kommen solche Aussagen zustande, weil ein generelles Unwissen über die schwerwiegende neurologische Erkrankung Migräne herrscht und es an transparenter Kommunikation am Arbeitsplatz zwischen Betroffenen und Kollegen oder Vorgesetzten mangelt.

Aus Angst vor Konsequenzen, wie einer Degradierung vom Chef, einer Abmahnung oder gar einer Kündigung, beschließen viele Menschen dennoch, mit Migräne arbeiten zu gehen. Und das, obwohl sie eigentlich nur eines bräuchten: Ruhe und einen abgedunkelten Raum, um sich während der Migräneattacke zurückzuziehen.

Rechtliche Aspekte

Was das Arbeitsrecht betrifft, kann dir bei Migräne nicht so ohne Weiteres gekündigt werden. Doch die Erkrankung erfordert einen offenen Austausch mit dem Arbeitgeber. Migräne ist nichts, wofür man sich schämen oder weswegen man Schuldgefühle haben müsste. Sei daher selbstbewusst und lege frühzeitig die Karten auf den Tisch: Sprich deinen Vorgesetzten offen darauf an, dass du Migräniker bist, aber weißt, damit umzugehen. Mache klar, dass es nicht an fehlendem Verantwortungsgefühl oder mangelndem Interesse für deinen Job liegt, sondern dass die Migräne eine Erkrankung ist, die dich zwingt, während einer Attacke zu Hause zu bleiben. Für solch offene Worte werden die meisten Vorgesetzten Verständnis haben.

Gut zu wissen: Bis zu drei Tage darfst du in der Regel wegen einer akuten Migräneattacke am Stück daheimbleiben, ohne dass du eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vom Arzt vorlegen musst. Meldest du dich wegen deiner Migräne zu spät krank, kann dir sogar eine Abmahnung drohen. Bemerkst du zu Hause, dass eine Migräne-Attacke bevorsteht, nimm unverzüglich deine Migränemedikamente ein und melde dich spätestens 30 Minuten nach Arbeitsbeginn krank. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt sollte dem Arbeitgeber spätestens am vierten Krankheitstag vorliegen. Auch wenn dein Chef im besten Fall von deiner Migräne weiß, bist du nicht verpflichtet, den genauen Grund anzugeben. Vermeide es auf jeden Fall, konkrete Beschwerden wie Übelkeit oder Sehstörungen zu nennen und bleibe möglichst neutral. Kehrst du nach einer Krankschreibung wegen Migräne in den Arbeitsalltag zurück, kann es passieren, dass sich Kollegen nach deinem Befinden erkundigen. Denke in dieser Situation daran, dass diese meist nur höflich sein wollen und nicht wirklich an Details deiner Erkrankung interessiert sind. Für einen Austausch auf Augenhöhe eignen sich Freunde oder Selbsthilfegruppen besser.

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Migräne-Patienten können einen Schwerbehindertenausweis beantragen.

Der Betriebsarzt als Ansprechpartner

Der Betriebsarzt spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Migränepatienten am Arbeitsplatz.

Die entstehenden jährlichen krankheitsbedingten Kosten der Migräne in einem Unternehmen mit 10.000 Mitarbeiter*innen beziffert die Untersuchung auf 1.3 Mio. Euro. Damit wird deutlich, dass die Migräne ein ernsthaftes betriebsärztliches Thema ist.

Betriebsärztinnen und -ärzte beraten Mitarbeitende zu gesundheitlichen Fragen rund um den Arbeitsplatz - vertraulich und unabhängig. Als Expert:innen für arbeitsmedizinische Zusammenhänge kennen sie typische Belastungssituationen und unterstützen Sie u. a.

  • Bei der Identifizierung von Migräne-Triggern am Arbeitsplatz
  • Bei der Entwicklung von individuellen Maßnahmen zur Vorbeugung von Migräneattacken
  • Bei der Anpassung des Arbeitsplatzes an die Bedürfnisse des Patienten
  • Bei der Vermittlung von Kontakten zu Spezialisten und Selbsthilfegruppen

Die Personalabteilung ist häufig die erste Anlaufstelle bei Fragen zu unterstützenden Angeboten im Arbeitsumfeld. Gemeinsam mit dem BGM und der Betriebsärztin/dem Betriebsarzt koordiniert sie individuelle Maßnahmen - z. B. flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Regelungen, Unterstützung bei längeren Ausfallzeiten. Niemand ist verpflichtet, eine Diagnose offenzulegen. Tipp: Scheuen Sie sich nicht, die Angebote von Betriebsärztin/Betriebsarzt oder Personalabteilung in Anspruch zu nehmen - sie erfüllen u. a.

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Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Migräne am Arbeitsplatz

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die am Arbeitsplatz ergriffen werden können, um Migräneattacken vorzubeugen oder deren Auswirkungen zu reduzieren:

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Ein ergonomischer Arbeitsplatz kann helfen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu vermeiden, die Migräneattacken auslösen können.
  • Lärmschutz: Lärm kann ein häufiger Migräne-Trigger sein. Arbeitgeber können Maßnahmen ergreifen, um den Lärmpegel am Arbeitsplatz zu reduzieren, z. B. durch den Einsatz von Trennwänden oder Schallschutzmaßnahmen.
  • Beleuchtung: Helles oder flackerndes Licht kann ebenfalls Migräneattacken auslösen. Arbeitgeber können für eine blendfreie und gleichmäßige Beleuchtung sorgen.
  • Flexible Arbeitszeiten: Flexible Arbeitszeiten können es Migränepatienten ermöglichen, ihre Arbeitszeiten an ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen und so Stress zu reduzieren.
  • Homeoffice: Für Menschen mit Migräne bietet sie unter Umständen eine gute Möglichkeit, belastenden und auslösenden Faktoren am Arbeitsplatz auszuweichen.
  • Pausen: Regelmäßige Pausen können helfen, Stress abzubauen und Verspannungen zu lösen.
  • Gesundheitsfördernde Maßnahmen: Um Migräne-Auslöser im Berufsalltag zu minimieren, könnten z. B. Angebote zur Förderung der mentalen Gesundheit nutzen (z. B.

Behandlung von Migräne

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln:

  • Akutbehandlung: Bei einer akuten Migräneattacke können Schmerzmittel wie Triptane helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Prophylaxe: Wenn Migräneattacken häufig auftreten, kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten sinnvoll sein. Dazu gehören Betablocker, Antiepileptika und Antidepressiva. Seit 2018 gibt es auch spezifische Medikamente gegen Migräne, die Antikörper enthalten, die gegen das Protein CGRP gerichtet sind.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren und Biofeedback helfen, Migräneattacken zu reduzieren.

Die Klinik für neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerztherapie in Kiel unter der Leitung von Prof. Dr.med. Dipl.Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

Für die Planung Ihres Aufnahmetermins bitten wir Sie, folgende drei Punkte zu erledigen:

  1. Ihr behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Bitten Sie Ihren Arzt, die Aufnahme-Checkliste auszufüllen.
  3. Füllen Sie den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.

Senden Sie alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift.

Je nach Krankenkasse gelten folgende Regelungen für die Kostenübernahme: Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit unserem Behandlungsnetz vertraglich geregelt. Für Versicherte der AOK Schleswig-Holstein, der Techniker Krankenkasse, der Deutschen Angestelltenkrankenkasse, der Hanseatischen Krankenkasse HEK, der Landwirtschaftlichen Krankenkasse Schleswig-Holstein und Hamburg , der Knappschaft Bahn See, der BKK vor Ort und der E.ON Betriebskrankenkasse erfolgt bei Vorliegen der Aufnahmebedingungen…

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