Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 10 bis 15 % der deutschen Bevölkerung betroffen sind. Es handelt sich um ein komplexes Krankheitsbild, das sich in verschiedenster Ausprägung zeigen kann. Da eine Heilung im klassischen Sinne oft nicht möglich ist, konzentrieren sich die Behandlungsansätze auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Symptomen und Ursachen bis hin zu Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis ihrer Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, starke Kopfschmerzen äußert, die Stunden bis Tage andauern können. Die Kopfschmerzen sind oft von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Die Symptome der Migräne sind vielfältig und betreffen den ganzen Körper, was die Betroffenen oft stark einschränkt.
Es gibt keine allgemeingültige Definition von Migräne, da sie sich in verschiedenster Ausprägung zeigen kann. Eine wichtige Unterscheidung ist jedoch, ob eine Migräne mit oder ohne Aura auftritt. Die Aura ist eine Sonderform der Migräne, bei der anfallsartige, temporäre neurologische Ausfälle auftreten, die weniger als eine Stunde anhalten.
Symptome der Migräne
Die Migräne weist eine hohe Symptomdiversität auf, sodass hier nur die wichtigsten Symptome der Erkrankung beschrieben werden können.
Viele Patientinnen und Patienten spüren bereits Stunden oder Tage vor einem Migräneanfall, dass dieser auftreten wird. Das merken sie etwa daran, dass sie typische Stimmungsveränderungen an sich feststellen oder dass sie Schwierigkeiten beim Lesen oder Schreiben haben.
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Leitsymptome
Das Leitsymptom der Migräne sind Kopfschmerzen, die in ca. 60% der Fälle nur einseitig auftreten und nicht den gesamten Kopf betreffen. Die Schmerzen fangen langsam an und bauen sich dann immer weiter auf, bis ein bohrender, pulsierender und hämmernder Schmerzcharakter entsteht. Neben den Kopfschmerzen können weitere Symptome auftreten, die typisch für die Migräne sind. Zu nennen sind hier vor allem eine ausgeprägte Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Von Betroffenen wird berichtet, dass körperliche Anstrengung die Symptome verschlimmert.
Migräne mit Aura
Wie bereits erwähnt, gibt es bei der Migräne eine Sonderform, die sog. Migräne mit Aura. Hierbei treten anfallsartige, temporäre neurologische Ausfälle auf, die weniger als eine Stunde anhalten. Diese Symptome werden häufig von Kopfschmerzen begleitet, können jedoch auch allein auftreten. Auch hier ist die Symptomausprägung sehr divers.
Typische Symptome der Anfallsankündigung (z.B.
Begleitsymptome
Anders als beispielsweise bei Spannungskopfschmerzen tut bei einer Migräne nicht nur der Kopf weh. Die Symptome der Migräne sind vielfältig, betreffen den ganzen Körper und schränken Betroffene oft stark ein.
Die häufigsten Begleitsymptome sind Übelkeit und Erbrechen. Fast alle Migränikerinnen und Migräniker berichten, dass ihnen während und oft schon vor Migräneattacken übel ist. Viele Betroffene übergeben sich auch aufgrund der Migräne. Hinzu kommt oft auch völlige Appetitlosigkeit.
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Auch verschiedene Formen von Hypersensibilität sind nicht selten. Ob Licht, laute Geräusche oder sogar Gerüche - im Zusammenhang mit Migräne sind Erkrankte oft besonders empfindlich gegenüber solchen Reizen. Daraus resultiert meist das Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen.
Die Kopfschmerzen selbst sind bei der Migräne ebenfalls sehr charakteristisch. In den meisten Fällen beginnt der Schmerz im Nacken und wandert von dort über die Schläfen bis zu den Augen. Häufig ist dieses Areal nur auf einer Seite betroffen, aber auch bilaterale Migräne kann auftreten. Dabei fühlen sich die Schmerzen pulsierend, hämmernd oder pochend an. Ebenfalls typisch ist, dass schon geringe körperliche Aktivität die Schmerzen verschlimmert.
Anzeichen auf Migräne: die Aura
Nicht immer tritt Migräne ganz aus dem Nichts auf. Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen merken durch eine sogenannte Aura bereits im Voraus, dass sich eine Migräneattacke ankündigt. Auch hier gibt es eine Reihe von Symptomen, die klassisch für eine solche Migräneaura sind. Obwohl es Migränekranken nicht immer klar ist, läuft eine Migräne mit Aura meist in fünf Phasen ab:
- Stunden oder sogar Tage vor der Attacke tritt Müdigkeit und manchmal Blässe ein. Gepaart sind diese Symptome teils mit Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen.
- Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen kommen die bewusst wahrgenommenen Aura-Symptome hinzu: Sehstörungen (meist in Form eines Flimmerns, verschwommenen Sehens, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, seltener Sprachstörungen.
- Die Kopfschmerzphase ist der Teil der Migräneattacke, die auch Betroffene ohne Aura durchleiden.
- Nach den Kopfschmerzen folgt die Auflösungsphase, in der sich oft Symptome zeigen, die der Anfangsphase konträr gegenüberstehen. Während die Kopfschmerzen abnehmen, setzt beispielsweise völlige Appetitlosigkeit ein.
- Zuletzt kommt die Erholungsphase, in der keine Symptome mehr vorhanden sind, die Betroffenen aber brauchen, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.
Dauer und Häufigkeit
Die Einteilung in verschiedene Phasen gibt auch Aufschluss darüber, wie lange Migräne anhält. Während die ersten Vorbotensymptome bereits Tage vor der Attacke auftreten können, dauert die bewusste Aura der Migräne mit Symptomen an den Augen etwa fünf bis 30 Minuten, in Ausnahmefällen bis zu einer Stunde.
Die Migräne-Dauer, also die alles entscheidende Schmerzphase, kann deutlich länger sein und variiert stark. Ohne Behandlung halten die heftigen Kopfschmerzen für mindestens vier Stunden an und können sogar für bis zu drei Tage andauern. Da Migränikerinnen und Migräniker in dieser Zeit meist nicht am Alltag teilnehmen können, stellt die Erkrankung eine große Einschränkung für das Leben Betroffener dar.
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Auch die folgenden zwei Tage können noch an die Migräne „verloren gehen“ - denn so lange dauert mitunter die Erholungsphase der Erkrankten. Die Dauer eines Migräneanfalls liegt also insgesamt bei maximal einer Woche - wobei nur drei Tage davon mit Schmerzen einhergehen.
Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen haben Betroffene mehr schmerzfreie Tage als Tage mit Migräne. Wie oft im Monat Migräne auftritt, ist von Person zu Person verschieden, eine tatsächliche Dauer-Migräne gibt es aber nicht. In vereinzelten Fällen kann die Erkrankung allerdings chronisch werden - die Erkrankten haben dann für mindestens zwei Wochen pro Monat Schmerzen, und zwar über mehrere Monate hinweg.
Ursachen und Auslöser
Die genaue Ursache für die Migräne ist nicht bekannt. Die Migräne kann in Familien gehäuft vorkommen. Auch hormonelle Einflüsse stehen im Zusammenhang mit der Migräne, sodass es bei Frauen zu der sog. „Menstruationsmigräne“ kommen kann.
Die Migräne steht außerdem mit typischen Triggerfaktoren in Zusammenhang. Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus können ebenfalls der Grund für das Auftreten einer Migräne sein. Die sog. Nackenverspannungen und Erkrankungen der Halswirbelsäule werden in manchen Fällen von Patientinnen und Patienten mit Migräne ebenfalls beklagt.
Trotz intensiver Forschung sind die genauen Ursachen der Migräne bis heute nicht geklärt.
Trigger einer Migräne-Attacke
- Stress und generell starke Emotionen wie überschwängliche Freude oder Angst (die Migräne-Attacke kommt dann oft erst nach dem Abklingen der Belastung)
- Hormonelle Veränderungen (z. B. Hormonschwankungen innerhalb des Menstruationszyklus, hormonelle Verhütungsmethoden)
- Unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten (z. B. intermittierendes Fasten)
- Bestimmte Lebensmittel wie Käse und Rotwein
- Wetterveränderungen (z. B. Föhn, plötzliche Temperaturschwankung)
- Unregelmäßiger Schlaf (z. B. mal zu viel, mal zu wenig Schlaf)
- Äußere Reize (z. B. helles Licht, Straßenlärm, Gerüche, Rauch)
- Bestimmte Medikamente (z. B.
Diagnose
Die Diagnose einer Migräne wird häufig durch eine ausführliche Anamnese gestellt. Dabei ist entscheidend, ob mindestens fünf Migräneattacken aufgetreten sind, die nicht in Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung stehen. Um dies auszuschließen, kann mitunter weiterführende Diagnostik nötig sein. Dazu zählt eine ausführliche neurologische Untersuchung, die vor allem die Funktion der Hirnnerven berücksichtigt. Aber auch die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und die Nackenmuskulatur sollten bei der körperlichen Untersuchung beurteilt werden, genauso wie eine (ggf.
Wichtigstes diagnostisches Instrument ist neben der neurologischen Untersuchung das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Aufgrund der beschriebenen und aufgeschriebenen Krankheitszeichen können Fachärztinnen und Fachärzte eine Migräne eindeutig erkennen und diagnostizieren. Falls dies nicht eindeutig möglich ist oder falls ein Verdacht auf eine andere Ursache für die Symptome besteht, können weitere Untersuchungen des Gehirns wie eine Bildgebung des Kopfes notwendig sein.
Behandlung von Migräne
Bei der Behandlung von Migräne können verschiedene Medikamente und zusätzliche Maßnahmen eingesetzt werden. Für die Betroffenen ist es zunächst von höchster Relevanz, zu wissen, was sie bei einem akuten Migräneanfall tun können.
Akutbehandlung
Ein ruhiges, dunkles und kühles Zimmer, in dem die oder der Betroffene ungestört ist, ist die Grundlage dafür, dass der akute Anfall abklingen kann. Bei leichten bis mittelschweren Schmerzen werden sog. nicht-steroidale Antirheumatika eingesetzt. Zu dieser Medikamentengruppe gehören u.a. Aspirin und Ibuprofen. Bei stärker ausgeprägten Kopfschmerzen können sog. Triptane eingesetzt werden. Sollte die Migräne von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein, können sog. Antiemetika wie beispielsweise Metoclopramid eingesetzt werden. Wenn dies nicht zu einer Besserung führt, können die Medikamente in höherer Dosierung und ggf.
Medikamentöse Akuttherapie
- Leichte bis mittlere Schmerzen: Hier eignen sich Migräneschmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika).
- Mittlere bis starke Schmerzen: Triptane sind spezielle Migränemedikamente, die ihre Wirkung auf mehreren Wegen entfalten.
- Übelkeit und Brechreiz: Antiemetika lindern die bekannten Begleitsymptome bei Migräne.
Wichtig: Schmerzmittel und Triptane können bei häufigem Gebrauch Kopfschmerzen auslösen. Damit dieser Teufelskreis gar nicht erst entsteht, achte auf eine wohldosierte und nicht zu häufige Einnahme.
Alternative und ergänzende Behandlungsmethoden
Neben diesen medikamentösen Ansätzen gibt es die Möglichkeit, die Migräne mit Triggerpunkt-Akupunktur oder mit einer Okzipitalisblockade zu behandeln. Bei der Triggerpunkt-Akupunktur werden bestimmte Stellen der Muskulatur an Nacken und Kopf so behandelt, dass die Muskulatur entspannt und so die Spannungskomponente einer Migräne oder die Spannung als Trigger für eine Migräne beseitigt werden können. Die Nerven N. occiptalis major und N. occipitalis minor verlaufen vom Nacken zum Hinterkopf und sind für die sensible Versorgung dieses Bereiches verantwortlich.
Eine weitere, interessante Methode, um akute Migräneattacken zu behandeln und diesen vorzubeugen ist Cefaly. Dabei handelt es sich um ein innovatives medikamentfreies Gerät zur Migränetherapie und Prophylaxe, das durch transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) funktioniert. Es wird auf die Stirn aufgelegt und stimuliert die Hirnnerven, um Schmerzen zu lindern und Migräneattacken vorzubeugen. Die Therapie ist einfach anzuwenden und kann von den Patienten selbstständig zuhause durchgeführt werden. Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Anwendung von Cefaly sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Migräneepisoden reduzieren kann, was es zu einer vielversprechenden Alternative oder Ergänzung zu traditionellen medikamentösen Behandlungen macht.
Migräneprophylaxe
Zwar können viele der Symptome der Migräne gut behandelt werden, eine Heilung ist jedoch nach heutigem Stand nicht möglich. Auch die Migräne mit Aura kann nicht im klassischen Sinne geheilt werden.
Migräne lässt sich nicht vollständig verhindern, aber ihre Häufigkeit und Intensität können durch gezielte Maßnahmen reduziert werden. Physiotherapie spielt eine entscheidende Rolle, um Spannungen im Nacken- und Schulterbereich zu lösen, die Migräneattacken begünstigen können. Durch gezielte Übungen wird die Muskulatur gestärkt und die Haltung verbessert, was langfristig Migräneattacken verringern kann. Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder Atemtechniken sind ebenfalls wirksam, um Stress abzubauen. Sie fördern die mentale und körperliche Entspannung und tragen dazu bei, dass der Körper weniger empfindlich auf äußere Reize reagiert. Auch in der Physiotherapie werden Entspannungstechniken oft integriert, um muskuläre und nervale Anspannungen gezielt zu mindern.
Migräne mit Aura lässt sich am besten durch eine Kombination aus Stressmanagement, regelmäßigem Schlaf und moderater körperlicher Aktivität vorbeugen. Zudem sollte bei häufigen Anfällen eine medikamentöse Prophylaxe in Absprache mit einem Arzt erwogen werden, um das Risiko schwerer Attacken zu minimieren.
Medikamentöse Prophylaxe
Zusätzlich stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl, die vorbeugend gegen Migräne eingenommen werden können. Die meisten davon werden eigentlich bei anderen Erkrankungen eingesetzt, ihre Wirkung gegen Migräne wurde zufällig entdeckt. Dazu gehören beispielsweise Antidepressiva oder Betablocker. Eine neuartige und gezielte Migräneprophylaxe ist eine Antikörpertherapie: Dazu injiziert der Arzt oder der Patient sich selbst einmal monatlich den Wirkstoff unter die Haut. Dieser greift in den Prozess der Schmerzentstehung ein.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe
- Regelmäßiger Schlafrhythmus: Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
- Stressmanagement: Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel möglichst vermeiden
- Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßig essen
- Vermeidung schneller Wechsel: Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten
- Bewusste Pausen: Bewusste Pausen einplanen
Migräne-Spritze
Viele Menschen mit schwerer Migräne erhielten erst spät moderne Migränemittel[1], beklagt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) Dabei sei insbesondere die Migräne-Spritze, sogenannte monoklonale Antikörper, zur Vorbeugung (Migräneprophylaxe) der episodischen und chronischen Migräne effektiv und gut verträglich, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) erklärt.[2] Gegen Migräneattacken und zur Vorbeugung werden aber nicht nur Medikamente empfohlen - auch der Lebensstil hat großen Einfluss.
Wie wirkt die Migräne-Spritze?
Die monoklonale Antikörper-Therapie, die bei ihrer Zulassung in der Öffentlichkeit als sogenannte Migräne-Spritze bekannt wurde, soll als vorbeugendes Medikament die Häufigkeit der Migräneattacken reduzieren.
Die Wirkstoffe setzen an einem Botenstoff an, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle zu spielen scheint: dem sogenannten Calcitonin-Gene-Related-Peptide, kurz CGRP.
Das CGRP spielt bei Entzündungsvorgängen im Körper eine Rolle. Bei Migräne ist es wesentlich an der Entstehung und Erhaltung der Attacke beteiligt und wird vermehrt ausgeschüttet. Bei Menschen, die regelmäßig Migräneanfälle haben, ist der CGRP-Spiegel dauerhaft erhöht.
Genau hier setzt die Antikörper-Therapie an. Sie hemmt wie bei den Wirkstoffen Galcanezumab und Fremanezumab das Molekül CGRP selbst oder richtet sich wie im Fall der Wirkstoffs Erenumab und Eptinezumab gegen den Rezeptor, also die Andockstelle des Moleküls.
Ein weiteres Drittel der Betroffenen reagiere gut auf die Behandlung. „Das letzte Drittel spricht gar nicht darauf an - auch nicht bei einem Wechsel der Wirkstoffe. Zugelassen ist die Behandlung für erwachsene Migräne-Patientinnen und -Patienten ab vier Mirgänetagen beziehungsweise Schmerztagen im Monat. Üblicherweise wird erst auf andere Weise versucht, den Migräneanfällen vorzubeugen. Wirken die üblichen Mittel nicht, oder werden nicht vertragen, kommt eventuell in die Migräne-Spritze in Betracht. Betroffene klären das am besten zunächst in ihrer hausärztlichen Praxis, gegebenenfalls werden sie zu einer Neurologin oder einem Neurologen überwiesen.
Welche Nebenwirkungen gibt es bei der Migräne-Spritze?
Betroffene berichteten über Rötungen an der Einstichstelle oder Verstopfung als typische Nebenwirkungen, so die Erfahrung der Neurologin. Daten legen zudem eine erhöhte Infektanfälligkeit nahe.
Nach bisheriger Studienlage ist die Therapie jedoch wirksam. Nebenwirkungen der bisherigen migränevorbeugenden Mittel wie etwa Gewichtszunahme, Stimmungsveränderungen, Müdigkeit, Antriebsreduktion oder Benommenheit sind laut Schmerzklinik Kiel nicht zu erwarten. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, müssen weitere Studien zeigen.
Anwendung und Dosierung der Migräne-Spritze
Die Dosierung von Migräne-Spritzen hängt vom jeweiligen Medikament ab und wird von der Ärztin oder dem Arzt festgelegt. Auch wie häufig die Spritze gegen Migräne verwendet wird, ist abhängig vom Wirkstoff. Eine typische Häufigkeit ist beispielsweise einmal pro Monat über mehrere Monate hinweg.
Injiziert wird die Spritze unter die Haut. Die drei Medikamente Galcanezumab, Fremanezumab und Erenumab kann man sich mithilfe spezieller und leicht anzuwendender Fertigpens und Fertigspritzen selbst verabreichen. Darin ist das Präparat schon für je eine einzelne Dosis vorportioniert. Eptinezumab wird üblicherweise alle zwölf Wochen intravenös verabreicht.[3]
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten von rund 400 Euro pro Spritze nur, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben. Ein Grund, warum die Krankenkassen so hohe Hürden vor Erstattung der Therapie eingebaut haben, sind die hohen Kosten der Migräne-Spritze.
Zugelassen ist die Antikörpertherapie für Erwachsene mit Migräne ab vier Schmerztagen im Monat.
Für wen ist die Migräne-Spritze nicht geeignet?
Für manche Menschen kommt die Anti-CGRP-Therapie nicht infrage. Bei Frauen mit Kinderwunsch ist sie nicht geeignet, weil man keine Daten hat, wie sich die Spritze in der Schwangerschaft auswirkt. Auch in der Stillzeit ist sie tabu.
Bei bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen schweren Begleiterkrankungen ist besondere Vorsicht geboten; die Entscheidung für die Behandlung sollte daher immer individuell durch einen erfahrenen Neurologen oder eine Neurologin erfolgen.
Alternativen zur Migräne-Spritze
Die monoklonalen Antikörper gelten als Meilenstein in der Migräne-Behandlung. Vor ihrer Zulassung gab es zur Vorbeugung der schmerzhaften Attacken nur Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt worden waren und sich im Nebeneffekt auch positiv auf Migräne auswirkten. Diese Standard-Therapien sind nach wie vor wichtig. „Eine wirksame und kostengünstige Möglichkeit der Anfallsprophylaxe ist Ausdauersport“, betont Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. Auch Kraftsport, Entspannungsübungen, ein gesunder Takt bei Schlaf und Mahlzeiten sowie Methoden der Stressbewältigung könnten helfen, Migräneattacken zu vermeiden. „Die Einnahme eines Medikaments scheint bequemer, insbesondere, wenn es gut vertragen wird“, sagt Berlit.
Hausmittel und alternative Ansätze
Neben den medikamentösen Behandlungen gibt es auch verschiedene Hausmittel und alternative Ansätze, die bei Migräne helfen können.
- Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
- Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
- Entspannungsübungen: Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder auch Meditation können Ihnen dabei helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Neben einer entspannenden Wirkung wird die Informationsverarbeitung während der Kopfschmerzphase heruntergefahren, was Schmerzen verringern kann.
- Verhaltenstherapie: Durch die starken Schmerzen bei einer Migräneattacke leidet vor allem auch die Psyche. Allein die Angst vor der nächsten Schmerzepisode kann innerlichen Stress auslösen, der ein neuerliches Auftreten von Migräne wahrscheinlicher macht.
- Migräne-Tagebuch: Ein Migräne-Tagebuch hilft dabei, Ihre persönlichen Triggerfaktoren besser kennenzulernen. Durch das regelmäßige Beobachten und Festhalten Ihrer Migräne-Verläufe erhalten Sie wichtige Erkenntnisse, um Migräne-Anfälle zu reduzieren.
- Ernährung: Die Ernährung bei Migräne ist ein komplexes Thema und kann Diäten, Fasten, Entgiftungen und Darmreinigungen umfassen. Generell ist es vorteilhaft, den Körper nicht allzu großen Schwankungen auszusetzen. Versuchen Sie deshalb Blutzuckerschwankungen zu minimieren, regelmäßige Tagesabläufe und Schlafzyklen einzuhalten und Suchtstoffe wie Koffein, Alkohol und Nikotin zu meiden.
Neue Behandlungsformen
Es gibt einen dritten Grund für Optimismus, denn wir haben heutzutage völlig neue Behandlungsformen - sowohl für den Akutfall als auch prophylaktisch. Es wird nicht mehr nach der Ursache gesucht, sondern nach dem Entstehungsmechanismus der einzelnen Migräne-Attacken. Zwar spielen auch hier psychische und soziale Aspekte sowie verschiedene Umweltfaktoren mit hinein, doch wir können messen, wie das Migränegehirn in einem Wechselspiel physiologischer Reaktionen außer Kontrolle gerät.
Genau wie wir meteorologische Messdaten erheben und Unwetter vorhersagen können, werden wir vielleicht bald Gehirngewitter vorhersagen können. Diese Forschung bietet Hinweise auf eine spezifische Behandlung. Auch Schlagzeilen wie »Strom gegen Migräne«, »Impfung gegen Migräne« oder »Der Migräne-Kampf per Smartphone«, zeugen von dieser neuen Forschung, die Therapieformen entwickeln, die nicht auf eine Krankheitsursache angewiesen sind.
Darüber hinaus gibt es neue Erkenntnisse in Bezug auf Ernährung bei Migräne: Eine Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig-stabil hält (niedrig-glykämisch), kann laut neueren Studien eine effektive Migräneprophylaxe sein1-4! Denn starke Blutzuckerschwankungen können nachweislich Migräneanfälle fördern5-7.