Migräne: Wann ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig?

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das in den meisten Fällen harmlos ist und mit rezeptfreien Schmerzmitteln behandelt werden kann. Doch es gibt Situationen, in denen Kopfschmerzen ein Warnsignal für eine ernsthafte Erkrankung sein können und ein sofortiger Krankenhausaufenthalt erforderlich ist. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Alarmsignale zu erkennen und zu entscheiden, wann Sie medizinische Hilfe suchen sollten.

Wann ist ein Arztbesuch ratsam?

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt einen Arztbesuch, wenn:

  • Kopfschmerzen regelmäßig auftreten.
  • Schmerzmittel nicht ausreichend wirken.
  • Attacken immer häufiger vorkommen.

Zusätzlich zu diesen allgemeinen Empfehlungen gibt es weitere Alarmsignale, bei denen die Frage "Wann zum Arzt?" klar mit "Ja" beantwortet werden sollte.

Alarmsignale: Wann Sie sofort ins Krankenhaus müssen

In einigen Fällen ist es ratsam, sich direkt an den Notarzt zu wenden oder die Notaufnahme aufzusuchen. Dies gilt insbesondere bei folgenden Symptomen:

  • Vernichtungskopfschmerz: Extrem starke Kopfschmerzen, die schlagartig innerhalb von Sekunden ihr Maximum erreichen. Solche Vernichtungskopfschmerzen, unbekannte, ungewöhnlich lang anhaltende Kopfschmerzen können eine lebensbedrohliche Ursache haben.
  • Neurologische Symptome: Kopfschmerzen in Verbindung mit Nackensteife, Bewusstseinsstörungen, epileptischen Anfällen oder akuten neurologischen Ausfallsymptomen wie Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder Wesensänderungen. Nackensteifigkeit und ein starkes Ziehen im Hals sind ebenfalls Alarmsymptome, die eine neurologische Untersuchung begründen.
  • Fieber: Kopfschmerzen mit gleichzeitigem Fieber über 39,5 Grad können ein Zeichen für eine Gehirnhautentzündung sein. Hat der Betroffene Fieber oder sind Anzeichen einer Entzündung in den Blutwerten zu finden, kann eine Hirnhautentzündung bestehen, die per Liquorpunktion abgeklärt werden muss.
  • Kopfschmerzen nach Verletzungen: Starke Schmerzen nach einer Kopfverletzung.
  • Neu auftretende Kopfschmerzen bei älteren Menschen: Neu auftretende Kopfschmerzen bei Patienten über 50 Jahre.
  • Kopfschmerzen bei bestimmten Vorerkrankungen: Bei fast jedem Zehnten, der diese Symptome aufweist, könnte eine potenziell lebensbedrohliche Ursache wie ein Herzinfarkt oder ein Tumor vorliegen.

Es ist wichtig zu betonen, dass das Vorliegen dieser Symptome nicht zwingend bedeutet, dass eine ernste Krankheit vorliegt. Aber es kann sein, dass die Beschwerden eine Ursache haben, die schnell behandelt werden muss.

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Mögliche Ursachen für gefährliche Kopfschmerzen

Stärkste, sogenannte Vernichtungskopfschmerzen, unbekannte, ungewöhnlich lang anhaltende Kopfschmerzen oder bei zusätzlichen neurologischen Symptomen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, rät die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Zu den neurologischen Symptomen zählen Nackensteifigkeit, Bewusstseinsminderung, Halbseitenlähmung und Taubheitsgefühle. Bei fast jedem Zehnten, der diese Symptome aufweist, könnte eine potenziell lebensbedrohliche Ursache wie ein Herzinfarkt oder ein Tumor vorliegen, warnt die Fachgesellschaft.

Einige der potenziell lebensbedrohlichen Ursachen für Kopfschmerzen, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern, sind:

  • Hirnblutung: Ein schlagartig einsetzender, sehr starker Kopfschmerz kann ein Zeichen für eine Blutung im Gehirn sein, insbesondere wenn er von Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörungen begleitet wird. Tritt dagegen ein Vernichtungs­kopfschmerz nach körperlicher Anstrengung, starkem Pressen oder bei Bluthochdruck auf, kann ein Blutgefäß im Gehirn gerissen sein. Blutet es in den Subarachnoidal­raum zwischen den Hirnhäuten ein, verstirbt etwa jeder sechste Patient, bevor er ein Krankenhaus erreicht.
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Kopfschmerzen in Verbindung mit Fieber, Nackensteifigkeit und Lichtempfindlichkeit können auf eine Hirnhautentzündung hindeuten, die dringend behandelt werden muss.
  • Tumor: Langsam, aber stetig zunehmende Kopfschmerzen über Tage können auf eine Verengung oder Entzündung von Gefäßen hindeuten oder durch einen Tumor verursacht werden.
  • Herzinfarkt: In seltenen Fällen können Kopfschmerzen ein Symptom eines Herzinfarkts sein, insbesondere bei Frauen.

Der Status migraenosus: Wenn die Migräne nicht aufhört

Dauert die Kopfschmerzphase einer Migräneattacke trotz Behandlung länger als 72 Stunden, wird diese als Status migraenosus bezeichnet. Gewöhnlich tritt ein Status migraenosus erst bei einer längeren, mehrjährigen Migräneerkrankung in Verbindung mit andauerndem Medikamenten-Übergebrauch auf. Bevor der Arzt konsultiert wird, hat der Patient dann mindestens 3 Tage mit ausgeprägter Übelkeit, Erbrechen und sehr starker Kopfschmerzintensität durchlebt. Der Arzt kann in solchen Fällen eine stationäre Behandlung erwägen. Anschließend wird eine mit Medikamenten bewirkte Ruhigstellung (Sedierung) eingeleitet. Als weiterer Schritt kann die zusätzliche Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten die Besserung des Status migraenosus beschleunigen.

Nach Abklingen des Status migraenosus ist eine ganz besonders tiefgehende Analyse der Migräne-Geschichte und der bisherigen Behandlung erforderlich. Gewöhnlich zeigt sich dabei eine nicht optimale Migräneprophylaxe und falscher Gebrauch von Medikamenten.

Ursachen und Symptome des Status migraenosus

Ein Status migraenosus tritt nur selten als erstmalige Migräne auf. Vielmehr wird die tagelange Migräne bei Patienten beobachtet, die über längere Zeit ohne ärztliche Beratung viele Medikamente gegen ihre Erkrankung eingenommen haben. Ein solcher Medikamentenübergebrauch kann schließlich zu einer veränderten Schmerzwahrnehmung führen.

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Den Status migraenosus kennzeichnen die üblichen Migräne-Symptome. Meist sind allerdings einseitige Kopfschmerzen, Übelkeit bis hin zu Erbrechen sowie Geräusch- und Lichtempfindlichkeit besonders ausgeprägt. Wie lange ein Status migraenosus andauert, kann individuell unterschiedlich sein - mindestens sind es drei Tage. Bei manchen Patienten gehen beispielsweise mehrere Migräne-Attacken ineinander über, ohne zwischendurch komplett abzuklingen.

Besonders bei Patienten, die wiederkehrend unter Migräne leiden, besteht die Gefahr, dass sie zu viele Schmerzmittel einnehmen. Und das kann problematisch sein, denn der Körper reagiert darauf nicht selten mit Kopfschmerzen - Ärzte sprechen von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen. Weiterhin entsteht oft ein Teufelskreis durch die Verwendung von migränespezifischen Triptanen: Dabei nimmt der Patient bei einer Attacke das Mittel ein, die Symptome bessern sich - aber nur für einige Stunden. Anschließend flammen die Schmerzen erneut auf, was wieder mit der Einnahme von Triptanen bekämpft wird. Nun schlagen die Arzneien noch schlechter an, die Schmerzen sind wieder da, sodass sich der Betroffene schließlich nur noch zurückziehen kann. Bei ihm steigen Frust und Verzweiflung über die Situation, denn die Berg- und Talfahrt ist zermürbend.

Eine weitere Ursache für die Migräne-Komplikation kann bei Frauen die hormonelle Situation sein, etwa während der Menstruation. Im Vergleich zum Status migraenosus durch Medikamentenübergebrauch sprechen die Patienten der therapieresistenten Form auf ansonsten wirksame Medikamente gar nicht an. Sie greifen zunächst auf ihre sonst übliche Dosis an Schmerzmitteln zurück, doch ohne Erfolg. Anschließend probieren sie in der Regel viele verschiedene Präparate und Substanzen aus, ohne dass sich eine Wirkung zeigt.

Behandlung des Status migraenosus

Zunächst einmal ist es wichtig, dass sich Betroffene medizinische Hilfe suchen: Hält die Migräne über mehrere Tage an, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Allgemein gestaltet sich die Behandlung eines Status migraenosus schwierig, da die Betroffenen auf die Wirkung der üblichen Medikamente nicht mehr ansprechen. Um den akuten Schmerz zu stoppen, werden gelegentlich Schmerzmittel und Triptane ausprobiert. Die Zweckmäßigkeit ist jedoch umstritten. Leiden Kinder länger als drei Tage an einer Migräne, wird dies als ein medizinischer Notfall eingestuft. Sie müssen schnellstmöglich in ein Krankenhaus, wo sie fachmännisch betreut werden.

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Nach der akuten Behandlung des Status migraenosus folgt in der Regel die Ursachenforschung. Bei Patienten, die viele Medikamente eingenommen haben, kann auch eine Medikamentenpause sinnvoll sein. Das bedeutet, die Betroffenen müssen unter stationärer oder ambulanter Kontrolle einen Entzug durchführen und dürfen bestimmte Substanzen nicht mehr verwenden. Dadurch soll sich die Schmerzempfindlichkeit wieder normalisieren. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Status migraenosus und dem weiblichen Zyklus, kann eventuell die regelmäßige Einnahme von Östrogenen vorbeugend wirken. Weiterhin existiert die Möglichkeit, Antikörpertherapien einzusetzen.

Was Sie im Krankenhaus erwartet

Wenn Sie aufgrund von Kopfschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert werden, wird der Arzt zunächst eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte durchführen. Privatdozent Dr. betont, dass es besonders wichtig sei nachzufragen, ob die Schmerzen schlagartig einsetzten und in einer noch nie da gewesenen Stärke aufgetreten sind. Die Ärzte müssen zudem wissen, ob der Schmerz für den Betroffenen neu und unbekannt ist. Verdächtig ist, wenn der Patient den Kopf nicht mehr auf die Brust legen kann, ohne eine Einschränkung zu bemerken.

Anschließend werden in der Regel neurologische Untersuchungen durchgeführt, um die Ursache der Kopfschmerzen zu ermitteln. Dazu können gehören:

  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, der Koordination und der Sinnesfunktionen.
  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Hirnnerven, der Muskelkraft und der Sensibilität.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um Blutungen, Tumore oder andere strukturelle Veränderungen auszuschließen.
  • Liquorpunktion: Entnahme von Hirnwasser zur Untersuchung auf Entzündungen oder Blutungen.
  • Blutuntersuchungen: Überprüfung der Blutwerte auf Entzündungszeichen oder andere Auffälligkeiten.

Abhängig von der Diagnose wird der Arzt eine entsprechende Behandlung einleiten. Dies kann die Gabe von Medikamenten, eine Operation oder andere Therapien umfassen.

Kopfschmerzzentren und Spezialisten

Hausärzte, Internisten, Neurologen und Schmerz-Therapeuten - sie kennen sich allesamt mit Kopfschmerzen aus. Er ist in der Regel der Ansprechpartner Nummer Eins. Nicht immer fühlen sich Patienten von ihrem Hausarzt gut beraten. Wenn Sie schon seit einigen Jahren unter Kopfschmerzen leiden, kann ein Mediziner mit Fachausbildung zum Schmerztherapeuten eine gute Empfehlung sein. Zu erkennen ist dieser an dem Zusatz „spezielle Schmerztherapie“.

Für die spezielle Therapie von Migräne und anderen chronischen Kopfschmerzen gibt es spezialisierte Kliniken wie die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr.med. Dipl.Psych. Hartmut Göbel. Diese Kliniken bieten eine umfassende Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzerkrankungen an, einschließlich medikamentöser Behandlungen, Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken.

Prävention von Kopfschmerzen

Für die Prophylaxe und Behandlung von häufigen Kopfschmerzen empfiehlt Prof. Lührs neben der medikamentösen Therapie auch nicht-medikamentöse Maßnahmen: "Regelmäßige Bewegung, Stressabbau durch Entspannungstechniken und ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus können sehr effektiv zur Vorbeugung beitragen", erläutert sie. "Auch eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ergonomische Körperhaltung spielen eine wichtige Rolle."

Für Migränepatienten können zudem Methoden wie Biofeedback hilfreich sein, um Anzeichen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

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