Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Fachleute unterscheiden über 200 Formen von Kopfschmerzen - je nach Ursache und Ausprägung. Am meisten verbreitet sind Spannungskopfschmerz und Migräne. Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, ihre Migräne selbst zu beeinflussen und die Anzahl der Attacken zu reduzieren. Hier kommt sinCephalea ins Spiel, eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die als Migräneprophylaxe dient. Die App zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen Blutzuckerschwankungen und Migräneattacken zu nutzen, um durch personalisierte Ernährungsempfehlungen eine Linderung zu erzielen.
Der Zusammenhang zwischen Blutzucker und Migräne
Neue Studien zeigen den Zusammenhang zwischen Blutzuckerschwankungen und Migräne. Neuere Studien belegen, dass der Zuckerstoffwechsel und insbesondere starke Blutzuckerschwankungen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräneanfällen spielen. Blutzuckerschwankungen nach dem Essen oder Trinken können Entzündungsprozesse auslösen, die zu Migräneattacken führen. sinCephalea ermittelt gemeinsam mit dem Nutzer, welche Lebensmittel solche Blutzuckerschwankungen hervorrufen können, und hilft gezielt, diese zu vermeiden. Dadurch sollen Migräneattacken effektiv reduziert werden.
Grundlage für die Entwicklung der App seien die Zusammenhänge zwischen ungünstigen Blutzuckerkurven und Migräneattacken. Das Ziel ist davon ausgehend eine Stabilisierung der postprandialen Blutzuckerantwort. Die Blutzuckerantworten seien für dasselbe Lebensmittel bei jedem Menschen individuell. Dominik Burziwoda, CEO und Mitgründer von Perfood, weiß: „Bei mir sind es unter anderem Tomaten, Hafer, aber sogar Früchtetee, die meinen Blutzucker in die Höhe schnellen lassen.“
Wie funktioniert sinCephalea?
Die sinCephalea App kann über 12 Wochen genutzt werden. Die App ist kostenfrei auf Rezept verfügbar. Zunächst muss ein Arzt oder eine Ärztin ein Rezept für die App ausstellen. Dies kann entweder durch einen Besuch vor Ort oder über einen Videoanruf mit dem Partner Teleclinic erfolgen. Nach Erhalt des Rezepts und des "Päckchens fürs Köpfchen" kann die App freigeschaltet und mit der Anwendung begonnen werden.
Die zweiwöchige Sensorphase
In der 2-wöchigen Sensorphase wird mittels Glukosesensors der Gewebezucker gemessen, den man live in der App verfolgen kann. Der Glukosesensor wird am Oberarm befestigt, der kontinuierlich den Gewebezucker analysiert und auf ein Lesegerät überträgt. Dabei wird ein klitzekleiner „Faden“ in die obere Hautschicht eingebracht. Dies tut nicht weh, und man kann weiterhin Sport treiben, duschen oder schwimmen gehen. Durch den Sensor kann man sehen, wie der Blutzucker auf bestimmte Lebensmittel, Lieblingsessen und verschiedene Testmahlzeiten (sog. Challenges) reagiert. Um den Blutzucker direkt zu messen, müsste der Sensor (die Messelektrode) in einem Blutgefäß liegen. Hier liegt der Sensor jedoch als feiner Faden im Unterhautfettgewebe und misst dort den Gewebezucker. Blutzucker und Gewebezucker stimmen gut überein, solange der Blutzucker stabil ist. Schwankt er stark, wird der veränderte Gewebezucker-Wert circa 5 bis 25 Minuten später angezeigt. Bei der Analyse der Daten wird diese Zeitverzögerung selbstverständlich berücksichtigt.
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Um die Blutzuckerreaktionen auf Mahlzeiten noch besser zu verstehen, werden diese im Ampelsystem bewertet und auf einer Skala von null bis neun eingestuft (je höher die Zahl, desto stärker war die Blutzuckerreaktion).
Ernährungstagebuch und Kopfschmerztagebuch
Während der gesamten Anwendungsdauer hat man die Möglichkeit, ein Ernährungstagebuch zu führen. Es reicht aus, ein einfaches Foto der Mahlzeit zu hinterlegen. Der Vorteil beim Abwiegen bzw. den genauen Angaben zu der Zusammensetzung der Mahlzeit ist, dass man zusätzlich Aufschluss über die Energie- und Nährstoffaufnahme (Kohlenhydrate, Proteine, Fett und Ballaststoffe) bekommt. Neben Mahlzeiten können im Ernährungstagebuch auch weitere Faktoren wie Trinkmenge, Schlaf, Bewegung und Befinden dokumentiert werden.
Die Migräne-App sinCephalea beinhaltet auch ein Kopfschmerztagebuch, in dem die Kopfschmerzen und Migräne sowie die eingenommenen Migränemedikamente eingetragen werden können. Beim Einloggen einer Attacke fragt die App automatisch Informationen wie die Art der Attacke, Start, Ende und Schmerzintensität ab. Die schnell eingegebenen Daten können dann über einen monatlichen Arztreport z.B. dem behandelnden Fachpersonal zukommen lassen. Bei Bedarf kann auch der Menstruationszyklus dokumentiert und so überprüft werden, ob die Kopfschmerzen und Periode zusammenhängen bzw. die Menstruation möglicherweise einen Effekt auf die Migräne hat. Auch kann die Wirkung der Migränemedikamente vermerkt werden. Basierend auf der 10-20-Regel in Form eines Ampelsystems wird man zusätzlich gewarnt, wenn man einen Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK) riskierst.
Migräneprophylaxe durch niedrig-glykämische Ernährung
Um Migräne-Attacken zu reduzieren, wird ein Ernährungsreport zur Verfügung gestellt. In diesem findet man ein Ranking der Mahlzeiten bzw. Blutzuckerreaktionen darauf und ggf. auch Ergebnisse der Challenges. Somit kann man im Anschluss an die Sensorphase die Lebensmittel, die für schnell ansteigende und hohe Blutzuckerwerte verantwortlich sind, reduzieren und die bevorzugen, die den Blutzucker eher niedrig-stabil halten. Mithilfe Tipps und Tricks, z.B. durch kleine Modifikationen in der Reihenfolge oder Zusammensetzung der Mahlzeiten, sowie durch blutzuckerstabile Rezepte, kann man lernen, die Blutzuckerreaktionen positiv zu beeinflussen ohne Genuss einbüßen zu müssen. Zusammen mit dem Kopfschmerztagebuch kann man somit beobachten, ob sich durch die Umsetzung der personalisierten Ernährung etwas im Migräneverhalten verändert.
sinCephalea ermittelt mit dem Nutzer gemeinsam, welche Lebensmittel solche Blutzuckerschwankungen hervorrufen können und hilft gezielt, diese zu vermeiden. Dadurch werden Migräneattacken effektiv reduziert.
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Weitere Funktionen der App
- Arztreport: Eine Übersicht des Kopfschmerz- und Ernährungstagebuchs kann in einem Arztbericht im PDF-Format von der App zur Verfügung gestellt werden.
- Wissenslektionen: sinCephalea enthält interessante Wissenslektionen rund um die Themen Migräne, Blutzucker, Ernährung, Entspannung und Sport bei Migräne. Dazu bekommt man jeden Tag ein Contenthäppchen im Story-Format. Im Entdecken-Bereich finden sich außerdem verschiedene Videos, Tipps und Tricks sowie leckere Rezepte für einen niedrig-stabilen Blutzucker.
Ergebnisse der Anwendung
Bei einer Anwendungserprobung mit 71 Patient:innen konnte gezeigt werden, dass bei Betroffenen mit episodischer Migräne, die an mindestens drei Migränetagen pro Monat leiden, die Anzahl der Kopfschmerztage nach 12 Wochen unter Einhaltung der personalisierten, niedrig-glykämischen Ernährungsempfehlungen 44 Prozent niedriger war als zu Beginn (Reduktion um durchschnittlich 2,4 Tage). 58 Prozent der Patient:innen hatten eine mindestens 30-prozentige Reduktion der Migränetage.
Erfahrungen von Nutzern
Die Erfahrungen von Nutzern der sinCephalea App sind überwiegend positiv:
- Eine Nutzerin berichtet, dass sie sich in vier Monaten nur an zwei Migräneattacken erinnern kann, seit sie ihre Ernährung nach den Empfehlungen von sinCephalea angepasst hat. Vorher hatte sie die Krankheit mindestens jeden zweiten bis dritten Tag gequält.
- Eine andere Patientin stellte fest, dass sich die Anzahl ihrer monatlichen Migränetage um ein bis zwei Tage pro Monat reduziert hat, seit sie die Ernährungsempfehlungen einhält.
- Viele Nutzer heben hervor, dass sie dank sinCephalea gelernt haben, welche Lebensmittel ihnen in Bezug auf die Migräne gut tun und welche sie triggern.
- Einige Teilnehmer einer Studie berichten von einer signifikanten Reduktion ihrer Schmerztage im Monat und einem unglaublichen Gewinn an Lebensqualität.
- Eine Nutzerin konnte dank der Messung ihrer Glukosewerte besser verstehen, wie ihr Körper auf gewisse Nahrungsmittel reagiert. Mit kleinen Änderungen in ihrer Ernährung konnte sie ihre Attacken von teils 3x die Woche auf 3x im Monat reduzieren.
- Eine andere Nutzerin mit vestibulärer Migräne konnte ihre Schmerztage um sieben Tage reduzieren und ein Stück ihrer Lebensqualität zurückerlangen.
Kosten und Verfügbarkeit
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Nutzung der sinCephalea App zu 100%. Viele private Krankenversicherungen und Beihilfen übernehmen auch die Kosten für sinCephalea. Es wird empfohlen, die Kostenübernahme zuvor zu klären. Als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) kann „sinCephalea“ als GKV-Leistung quartalsweise vom Arzt verordnet werden und zählt dabei nicht ins ärztliche Budget. Die Kosten dafür betragen 690 Euro. Privatpatienten wird empfohlen, vorher einen Kostenvoranschlag einzureichen.
Patienten bekommen ein Rezept für die App (PZN 18358966) mit entsprechender Diagnose (Migräne mit oder ohne Aura) ausgestellt, das sie direkt bei ihrer Krankenkasse einreichen können.
Kontraindikationen
Kontraindiziert ist die Anwendung der App bei Diabetes Typ-1.
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Fazit
Die Migräne-App sinCephalea bietet einen innovativen Ansatz zur Migräneprophylaxe, indem sie den Zusammenhang zwischen Blutzuckerschwankungen und Migräneattacken nutzt. Durch personalisierte Ernährungsempfehlungen, die auf individuellen Blutzuckerreaktionen basieren, können Nutzer lernen, ihre Migräne selbst zu beeinflussen und die Anzahl der Attacken zu reduzieren. Die positiven Erfahrungen vieler Nutzer und die Kostenübernahme durch die Krankenkassen machen sinCephalea zu einer attraktiven Option für Menschen, die unter Migräne leiden. Studien zeigen, dass eine personalisierte Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig-stabil hält, eine effektive Migräneprophylaxe ist. Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea Migräneprophylaxe unterstützt dabei, Migräneanfälle vorzubeugen. Dafür analysiert sie die Blutzuckerreaktionen, um daraus personalisierte Ernährungsempfehlungen abzuleiten. Die App steht kostenlos zur Verfügung und kann von dem Fachpersonal verschrieben werden.
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