MS-Spastik in den Händen: Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Spastik ist ein häufiges Symptom bei Multipler Sklerose (MS), das sich durch eine erhöhte Muskelspannung auszeichnet. Sie betrifft schätzungsweise 60 bis 84 Prozent der MS-Patienten. Obwohl Spastik an verschiedenen Körperstellen auftreten kann, ist sie in den Händen besonders beeinträchtigend, da sie die Feinmotorik und die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen, erheblich einschränken kann. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von MS-bedingter Spastik in den Händen.

Einführung in die Spastik bei MS

Spastik wird definiert als eine übermäßig starke Ruhespannung einzelner Muskeln oder Muskelgruppen, die die Extremitäten in nichtfunktionelle Haltungsmuster zwingt. Diese Muskeltonuserhöhung kann mit schmerzhaften Krämpfen, Muskelsteifheit, Spannungsgefühl, Muskelschwäche, Lähmungen und Kontrakturen sowie Sensibilitäts-, Koordinations- und Bewegungsstörungen einhergehen.

Symptome der Spastik in den Händen

Wenn Arme und Hände spastisch sind, kann dies zu folgenden Symptomen führen:

  • Eingeschränkte Feinmotorik: Schwierigkeiten beim Greifen und Festhalten von Gegenständen, wie z. B. einer Tasse.
  • Probleme bei alltäglichen Aufgaben: Schwierigkeiten beim Schließen kleiner Knöpfe, Schreiben oder anderen Aufgaben, die eine präzise Handbewegung erfordern.
  • Muskelkrämpfe und -steifheit: Unwillkürliche Muskelkontraktionen und ein Gefühl der Steifheit in den Händen und Fingern.
  • Schmerzen: Die erhöhte Muskelspannung kann zu Schmerzen in den Händen, Handgelenken und Armen führen.
  • Veränderte Muskelspannung: Die Muskeln in den Armen sind durch eine Entzündung des Nervengewebes in der Pyramidenbahn stark angespannt. Das kann dazu führen, dass die Muskeln krampfen, sich verkürzen, versteifen oder sogar gelähmt sind.

Ursachen der Spastik bei MS

Bei MS wird Spastik durch Schädigungen der Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark verursacht, die für die Steuerung der Muskelbewegungen verantwortlich sind. Diese Schädigungen führen zu einer fehlerhaften Übertragung von Nervenimpulsen an die Muskulatur, was eine erhöhte Muskelspannung und unkontrollierte Muskelaktivität zur Folge hat.

Die Spastik betrifft bevorzugt Muskeln, die der Schwerkraft entgegenwirken. In den oberen Extremitäten ist sie in den Flexoren ausgeprägter als in den Extensoren.

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Auslösende und verstärkende Faktoren

Verschiedene Faktoren können eine Spastik auslösen oder verschlimmern. Dazu gehören:

  • Emotionale Anspannung: Angst, Wut, Stress, Verzweiflung oder Trauer.
  • Schmerzen.
  • Entzündungen/Infekte: Erkältungen oder Harnwegsinfekte.
  • Erhöhte Körpertemperatur: Fieber.
  • Kälte.
  • Stuhl- und Harndrang.
  • Verdauungsstörungen.
  • Zu enge Kleidung oder Schuhe.
  • Abrupte Bewegungsänderungen.
  • Immobilität.
  • Schlechte Körperhaltung: Zum Beispiel durch falsch angepasste Hilfsmittel (Orthesen, Rollstuhl).
  • Thrombosen, Frakturen und Dekubitalulzera.
  • Schub.

Es ist wichtig zu beachten, dass die spastikverstärkenden Faktoren individuell verschieden sein können.

Diagnose der Spastik

Die Diagnose von Spastik basiert in der Regel auf einer neurologischen Untersuchung und der Anamnese des Patienten. Der Arzt beurteilt den Muskeltonus, die Reflexe und die Beweglichkeit der Gelenke. Es gibt auch spezielle Skalen zur Bewertung der Spastik, wie z. B. die Multiple Sclerosis Spasticity Scale (MSSS-88).

Behandlungsmöglichkeiten der Spastik in den Händen

Die Behandlung von Spastik zielt darauf ab, die Muskelspannung zu reduzieren, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und dieFunktionsfähigkeit im Alltag zu erhalten. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Spastik und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.

Physiotherapie und Ergotherapie

Physiotherapie und Ergotherapie spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Spastik. Durch gezielte Übungen können steife Muskeln wieder beweglich gemacht und die Feinmotorik trainiert werden.

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  • Aktives und passives Bewegen der Muskulatur: Diese Übungen helfen, die Muskeln zu dehnen und die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern.
  • Fahrrad- und Laufbandtraining: Diese Aktivitäten fördern die Ausdauer und verbessern die Koordination. Teilweise kann das Training auch motorgetrieben ohne Widerstand erfolgen.
  • Neurophysiologische Behandlungen: PNF-, Bobath- oder Vojta-Therapie können unterstützend wirken.
  • Krankengymnastische Übungen: Diese Übungen helfen, Fehlstellungen der Gelenke und Schmerzen zu vermeiden.
  • Hippotherapie: Eine spezielle Art des Reitens, die gut für die Lockerung spastischer Beine ist.

Medikamentöse Therapie

Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von Spastik eingesetzt werden können:

  • Antispastika: Diese Medikamente reduzieren die Muskelspannung und können Krämpfe lindern. Es gibt keine pauschale Dosisempfehlung, sondern es kommt auf eine individuelle Einstellung auf die Bedürfnisse des Patienten an.
  • Botulinumtoxin (Botox): Botox wird in die betroffenen Muskeln injiziert, um die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Cannabinoid-haltige Medikamente: Diese Medikamente können bei der Linderung von Spastik und Schmerzen helfen.
  • Kortison: In seltenen Fällen kann Kortison zur Behandlung von Spastik eingesetzt werden, insbesondere im Rahmen eines Schubs.

Hilfsmittel

Je nachdem, ob gelockert, entlastet, gedehnt oder gestützt werden soll, gibt es spezielle Schienen, die für Erleichterung sorgen können.

Weitere Maßnahmen

  • Entspannungstechniken: Yoga, Feldenkrais und andere Entspannungstechniken können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um Versteifungen und Einschränkungen der Muskeln entgegenzuwirken. Geeignete Sportarten sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Nordic Walking, aber auch Yoga, Pilates oder Tanzen.
  • Dokumentation: Ein Tagebuch, in dem Muskelkrämpfe dokumentiert werden (wann treten sie auf, in welcher Intensität, wie lange halten sie an, welche Körperregion ist betroffen, gibt es Auslöser, was hilft dagegen), kann dem Arzt und Physiotherapeuten helfen, eine genaue Diagnose zu stellen und eine optimale Therapie zu erarbeiten.
  • Schubbehandlung: Unter einem Schub werden Spasmen oft schlimmer, auch wenn sie nicht Teil der neu auftretenden Symptome sind. In diesem Fall kann eine Schubbehandlung sinnvoll sein.
  • Frühzeitige Ansprache von Problemen: Je eher das medizinische Unterstützungsteam Bescheid weiß, desto eher kann es helfen.

Verlaufsmodifizierende Therapie

Eine funktionierende verlaufsmodifizierende Therapie in Kombination mit einem gesunden Lebenswandel, lieben Menschen um einen herum, die einem guttun, und möglichst wenig schädlichem Stress kann helfen, die Spastik zu reduzieren.

Auswirkungen auf den Alltag

Spastik in den Händen kann den Alltag von MS-Patienten erheblich beeinträchtigen. Sie kann die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu erledigen, einschränken, Schmerzen verursachen und die Lebensqualität reduzieren. Es ist daher wichtig, die Spastik frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Schlafstörungen

Nächtliche Spastiken können den erholsamen Schlaf verhindern und dadurch die Fatigue verschlechtern. Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei MS-Patienten und sollten behandelt werden.

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Ernährung

Eine antientzündliche Ernährung kann sich positiv auf den Verlauf der MS auswirken und möglicherweise auch die Spastik reduzieren. Es gibt keine spezielle MS-Diät, aber eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist empfehlenswert.

Koordinationsstörungen

Manchmal sind es nur kleine Ungeschicklichkeiten im Alltag, manchmal ein unkontrolliertes Zittern oder eine Gangstörung: Bei vielen Menschen mit MS sind Bewegungsabläufe gestört. Häufig sind Ataxie oder Tremor die Ursache dieser Koordinationsstörungen bei MS. Eine Kombination aus Physiotherapie und Ergotherapie kann dabei helfen, die motorischen Fähigkeiten bei Ataxie oder Tremor zu verbessern und damit möglichst lange selbstständig zu bleiben. Auch Entspannungstechniken können hilfreich sein, da Ataxie oder Tremor zum Teil von der seelischen und körperlichen Verfassung abhängig sein können.

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