Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das oft Anlass zur Sorge gibt, insbesondere wenn sie ungewöhnlich stark oder anders als gewohnt sind. Während die meisten Kopfschmerzen harmlos sind, befürchten viele Menschen, dass sie ein Anzeichen für eine ernstere Erkrankung wie einen Hirntumor sein könnten. Dieser Artikel vergleicht die Symptome einer Migräne mit Aura mit denen eines Hirntumors, um Klarheit zu schaffen und unbegründete Ängste zu zerstreuen.
Einleitung
Kopfschmerzen (Cephalgie) sind ein häufiges Symptom, das in verschiedenen Situationen auftreten kann. Schätzungsweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet mindestens einmal jährlich unter Kopfschmerzen [1]. Es ist wichtig, zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen zu unterscheiden. Primäre Kopfschmerzen, wie Migräne und Spannungskopfschmerzen, sind eigenständige Krankheitsbilder, während sekundäre Kopfschmerzen durch eine zugrunde liegende Erkrankung verursacht werden können. Ein kleiner Prozentsatz der Kopfschmerzen hängt mit einer Grunderkrankung zusammen und muss medizinisch abgeklärt werden.
Hirntumoren: Selten, aber ernst zu nehmen
Hirntumoren sind relativ seltene Erkrankungen. In den westlichen Industrieländern tritt die Erkrankung neu bei einem von 10.000 Einwohnern auf. Sowohl Erwachsene als auch Kinder können betroffen sein. Es gibt keine bekannten Risikogruppen oder auslösenden Faktoren, im Gegensatz zu den meisten anderen Krebserkrankungen. Risiken und Lebensgewohnheiten, wie z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen offensichtlich keine Rolle. Auch Umwelteinflüsse, Stress oder außergewöhnliche seelische Belastungen scheinen die Entwicklung eines Hirntumors nicht zu begünstigen. Ein Hirntumor bleibt dem Betroffenen manchmal längere Zeit verborgen, da er zunächst oft keinerlei Beschwerden verursacht.
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome eines Hirntumors können je nach Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors variieren. Einige der häufigsten Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Kopfschmerzen, die auf einen Hirntumor zurückzuführen sind, werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger und lassen sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur zeitweise oder gar nicht bekämpfen. Der Charakter und die Intensität des Schmerzes werden als neu empfunden. Kopfschmerzen bei Hirntumoren treten typischerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich im Laufe des Tages. Sie können in relativ kurzer Zeit an Stärke zunehmen und sind nicht selten mit Übelkeit und Erbrechen verbunden.
- Übelkeit und Erbrechen: Diese Symptome sind oft mit Kopfschmerzen verbunden und können durch den erhöhten Hirndruck verursacht werden.
- Sehstörungen: Sehstörungen können Anzeichen für einen erhöhten Hirndruck sein oder durch die Lokalisation des Tumors selbst ausgelöst werden. Als Symptome treten Flimmern vor den Augen, Gesichtsfeldausfälle oder die Wahrnehmung von Doppelbildern auf.
- Neurologische Ausfälle: Störungen der Bewegungsfähigkeit oder der Empfindungsfähigkeit allein sind bei Hirntumoren, insbesondere im Frühstadium, eher selten, können aber vorkommen und je nach Lokalisation eine Extremität oder eine Körperseite betreffen.
- Epileptische Anfälle: Bei einigen Patienten treten als erste Symptome eines Tumors epileptische Anfälle auf. Der Anfall kann aus völligem Wohlbefinden heraus auftreten. Manchmal geht eine so genannte „Aura“ voraus, bei der der Betroffene ungewohnte, besondere Wahrnehmungen hat. Es kann auch zu Empfindungsstörungen oder Zuckungen einer Extremität oder Körperseite kommen („fokale Anfälle“). Kurze Episoden geistiger Abwesenheit können auftreten, in denen die Patienten immer wieder die gleichen Bewegungen durchführen („komplex-fokale Anfälle“).
- Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen: Diese können direkte Folge des Tumorleidens sein.
- Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit: Diese sind als Krankheitszeichen unspezifisch und können allgemein bei schweren Erkrankungen auftreten.
Diagnose von Hirntumoren
Bei Verdacht auf einen Hirntumor stehen dem behandelnden Arzt mehrere diagnostische Methoden zur Verfügung. Die präzise Schilderung der Beschwerden und die Erhebung der Krankengeschichte geben wichtige Informationen, die zur richtigen Diagnose führen können.
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- Computertomographie (CT): Bei diesem Verfahren wird das Gehirn mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet und in Schnittbildern dargestellt. Damit ist es möglich, Tumoren, Verkalkungen und Blutungen zu erkennen.
- Kernspintomographie (MRT): Untersuchungsverfahren der Wahl zum Nachweis und zur Darstellung eines Hirntumors ist allerdings die Kernspintomographie (MRT). Diese hat im letzten Jahrzehnt die Computertomographie in der Diagnostik von Hirntumoren verdrängt, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht als die Computertomographie. Sie wird selbst dann durchgeführt wenn die Computertomographie trotz entsprechenden Verdachts keinen auffälligen Befund erbracht hat.
- Elektroencephalogramm (EEG): Mit dem EEG ist eine grobe Lokalisation eines Hirntumors möglich und kann die Anfallsgefährdung ermittelt werden.
- Liquor-Untersuchung: Die Liquor-Untersuchung dient in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems.
Migräne mit Aura: Eine neurologische Erkrankung
Migräne ist eine der häufigsten primären Kopfschmerzerkrankungen und betrifft etwa zwölf bis 14 Prozent der Bevölkerung, wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind [1]. Migräneattacken können von starken Kopfschmerzen begleitet werden, während einige Raumforderungen zunächst nur leichte, unspezifische Beschwerden verursachen. Charakteristisch für die Migräne sind einseitige, oft pulsierende Kopfschmerzen. Diese können über vier bis 72 Stunden andauern und werden bei vielen Patienten von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet.
Die Aura-Phase
Bei einem Teil der Betroffenen gehen den Kopfschmerzen neurologische Symptome voraus (Aura), die sich über Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen äußern können. Zwischen 15 und 20 Prozent der Migränepatienten und -patientinnen erleben ihre Migräne mit einer Aura. Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um Sehstörungen, etwa Flimmern oder Lichtblitzen.
Typische Symptome einer Migräne mit Aura:
- Visuelle Störungen: Flimmern, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle, vorübergehende Erblindung.
- Sensorische Störungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden.
- Motorische Störungen: Muskelschwäche, halbseitige Lähmung (selten).
- Kopfschmerzen: Mittelstarke bis starke, pochende oder pulsierende Schmerzen in einer oder beiden Kopfhälften.
- Übelkeit und Erbrechen.
- Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen und Licht.
- Tinnitus und Schwindel
Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräne verläuft in bis zu fünf Phasen, die nicht alle Patientinnen und Patienten bei einer Attacke durchlaufen muss:
- Prodromalphase: Noch vor der Migräne mit Aura kündigt sich diese bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten durch weitere Vorboten an. Hierzu gehören beispielsweise Heißhunger oder ein Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dieses Prodrom dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
- Auraphase: 15 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten sind von einer Aura vor den eigentlichen migränetypischen Kopfschmerzen betroffen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
- Migränephase: In der Migränephase erleiden die Patientinnen und Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
- Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
- Erholungsphase: Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.
Auslöser einer Migräne mit Aura
Zu den Auslösern einer Migräne mit Aura können etwa Schlafmangel, Hunger, Stress, Wetterveränderungen oder eine Überreizung der Sinne gehören.
- Genetische Faktoren: Das Risiko von einer Migräne mit oder ohne Aura betroffen zu werden, erhöht sich, wenn Verwandte ebenfalls unter regelmäßigen Migräneattacken leiden.
- Biochemische und neurologische Faktoren: Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Gehirnprozessen, einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer Dysregulation der Neurotransmitter könnten als Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich zeichnen. Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen.
- Umweltbedingte Faktoren: Sinnesüberreizungen, bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Hunger, Stress oder Schlafmangel, Kopfverletzungen und Nackenschmerzen können ebenfalls zu einer Migräne mit oder ohne Aura führen.
Diagnose von Migräne mit Aura
Die Diagnostik erfolgt primär klinisch anhand der typischen Symptome und der Krankengeschichte. Bildgebende Untersuchungen mittels MRT werden im Fall der Migräne nur in bestimmten Situationen, wie atypischen Verläufen, erstmaligem Auftreten im höheren Alter (über 50 Jahre), ungewöhnlichen Begleitsymptomen oder dem Vorliegen von Red-Flag-Symptomen durchgeführt. Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.
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Behandlung von Migräne mit Aura
Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit einigen Maßnahmen gut behandelt werden:
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren.
- Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
- Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.
- Medikamente: Verschiedene Medikamente können eine einsetzende Migräne unterdrücken (beispielsweise Triptane, Ditane und Geptane) oder das Verschlimmern bestehender Symptome aufhalten (unter anderem Dihydroergotamin und Antiemetika). Leiden die Betroffenen unter Übelkeit, Schwindel und starken Schmerzen, können diese ebenfalls medikamentös behandelt werden, etwa mit Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen die Übelkeit und den Schwindel. Um einer Migräne mit Aura vorzubeugen, können ebenfalls Medikamente verschrieben werden, darunter Antiepileptika, Betablocker und trizyklische Antidepressiva.
Differenzierung: Wann ist es Zeit für einen Arztbesuch?
Obwohl sich die Symptome einer Migräne mit Aura und eines Hirntumors überschneiden können, gibt es wichtige Unterschiede, die bei der Differenzierung helfen können.
- Verlauf der Kopfschmerzen: Kopfschmerzen bei Migräne treten typischerweise anfallsartig auf und können von Ruhephasen unterbrochen sein, während Kopfschmerzen bei Hirntumoren tendenziell progressiv sind und im Laufe der Zeit immer schlimmer werden.
- Begleitsymptome: Migräne wird oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet, während Hirntumoren eher mit neurologischen Ausfällen wie Schwäche, Koordinationsproblemen oder Sprachstörungen einhergehen.
- Aura: Eine Aura ist ein charakteristisches Merkmal der Migräne mit Aura, tritt aber bei Hirntumoren nicht auf.
- Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, neurologische Defizite festzustellen, die auf einen Hirntumor hindeuten könnten.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Kopfschmerzen plötzlich und sehr stark auftreten.
- Kopfschmerzen sich im Laufe der Zeit verschlimmern.
- Kopfschmerzen von neurologischen Symptomen wie Schwäche, Koordinationsproblemen, Sprachstörungen oder Sehstörungen begleitet werden.
- Neue Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr auftreten.
- Es zu einer Veränderung des Kopfschmerzmusters kommt.
- Kopfschmerzen sich im Liegen verschlimmern oder durch Valsalva-Manöver verstärken.
- Epileptische Anfälle auftreten.
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