Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine weit verbreitete, aber oft verkannte Erkrankung, die vielfältige Symptome verursachen kann, darunter Migräne und Taubheitsgefühle im Oberkiefer. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von CMD, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne und Taubheitsgefühlen im Gesicht.
Was ist CMD?
CMD steht für Craniomandibuläre Dysfunktion, was so viel bedeutet wie eine Fehlfunktion im Bereich des Schädels (Cranium) und des Unterkiefers (Mandibula). Es handelt sich um eine strukturelle oder funktionelle Störung im Zusammenspiel von Oberkiefer und Unterkiefer, der Kiefergelenke, der Kaumuskulatur oder des Zusammenbisses. Kurz gesagt, die Zähne von Ober- und Unterkiefer greifen nicht mehr richtig ineinander, was das gesamte Kausystem in seiner Funktion stört.
Schätzungsweise 5 bis 10 Prozent der deutschen Bevölkerung weisen Symptome dieser Erkrankung auf. Interessanterweise sind etwa 80 Prozent der Patienten weiblich, und die Erkrankung tritt meistens im Alter von 20 bis 40 Jahren auf.
Symptome der CMD
Die Symptome der CMD sind vielfältig und können sich in nahezu allen Bereichen des Körpers manifestieren. Sie lassen sich grob in gelenknahe und gelenkferne Beschwerden unterteilen:
Gelenknahe Beschwerden:
- Kiefergelenkschmerzen
- Kiefergelenkknacken oder Reibegeräusche
- Bewegungseinschränkungen der Kiefergelenke
- Schmerzen beim Kauen
- Erschwerte Mundöffnung
Gelenkferne Beschwerden:
- Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen, Migräne)
- Gesichtsschmerzen
- Nackensteifigkeit und Nackenschmerzen
- Schulterschmerzen
- Rückenschmerzen
- Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Schwindel
- Sehstörungen, Augenflimmern
- Taubheitsgefühl im Gesicht, in Armen oder Fingern
- Schluckbeschwerden, Kloßgefühl im Hals
- Schlafstörungen
- Psychische Belastungen (Stress, Angst, Depression)
Es ist wichtig zu beachten, dass das Auftreten dieser Symptome nicht zwangsläufig auf CMD zurückzuführen sein muss. Die Diagnose wird durch die Vielzahl der möglichen Symptome erschwert.
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CMD und Migräne
Ein Zusammenhang zwischen CMD und Migräne ist wissenschaftlich belegt. Migräne kann durch Craniomandibuläre Dysfunktionen ausgelöst werden, da die Kiefergelenke eine enge örtliche Beziehung zu wichtigen Strukturen des Schädels haben. Ist das Zusammenspiel zwischen Zähnen, Kiefergelenk und Kaumuskeln aus dem Gleichgewicht, versucht die Muskulatur, der Fehlstellung durch eine erhöhte Spannung entgegenzuwirken. Dadurch können Kopfschmerzen entstehen. Da Kau- und Nackenmuskulatur eng miteinander verbunden sind, kommt es häufig auch zu schmerzhaften Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, die wiederum Kopfschmerzen auslösen können.
CMD und Taubheitsgefühl im Oberkiefer
Auch Taubheitsgefühle im Gesicht, insbesondere im Oberkieferbereich, können ein Symptom von CMD sein. Diese Sensibilitätsstörungen treten typischerweise einseitig auf, können aber auch beidseitig vorkommen. Sie werden von Patienten oft als prickelndes Gefühl, Ziehen oder spinnenwebenartiges Gefühl beschrieben. In manchen Fällen kann es auch zu einer Taubheit in einem größeren Gesichtsbereich kommen.
Die Ursache für diese Taubheitsgefühle liegt in der verspannten Muskulatur im Hals-, Schulter- und Nackenbereich, die Nervenverläufe irritieren kann. In seltenen Fällen können sich die Sensibilitätsstörungen bis in die Fingerspitzen hinunterziehen und sich in Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in Arm und Fingerspitzen äußern.
Ursachen der CMD
Die Ursachen für CMD sind vielfältig. Zu den häufigsten Faktoren gehören:
- Zahnfehlstellungen: Wenn die Zähne des Ober- und Unterkiefers nicht harmonisch ineinandergreifen, kann dies zu einer Fehlbelastung der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur führen.
- Fehlender Zahnersatz oder schlecht sitzender Zahnersatz: Nicht exakt eingeschliffene Zahnfüllungen oder Zahnersatz können die Bisshöhe verändern und das korrekte Aufeinanderbeißen der Zähne beeinträchtigen.
- Stress und emotionale Belastungen: Viele Menschen neigen dazu, Stress über das Kausystem „abzureagieren“, indem sie die Zähne unkontrolliert mit enormer Kraft aufeinanderpressen oder aneinanderreiben (Bruxismus).
- Fehlhaltungen: Eine Schiefhaltung des Kopfes, Nackens oder Rückens kann zu einem muskulären Ungleichgewicht führen, das sich bis auf den Kiefer übertragen kann.
- Unfälle und Verletzungen: Schleudertraumata, Verletzungen oder Operationen im Kieferbereich können eine CMD zur Folge haben.
- Erkrankungen: Rheumatische Erkrankungen, Erkrankungen des Bindegewebes oder hormonelle Faktoren können ebenfalls eine CMD begünstigen.
Diagnose der CMD
Die Diagnose einer CMD kann aufgrund der vielfältigen Symptome und Ursachen schwierig sein. In der Regel erfolgt die Diagnose durch einen Zahnarzt oder einen spezialisierten CMD-Zahnarzt. Die Diagnostik umfasst:
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- Anamnese: Erfassung der Krankheitsgeschichte und der aktuellen Schmerzsymptomatik.
- Klinische Funktionsdiagnostik: Untersuchung der Kaumuskulatur, der Kieferbewegungen und der Okklusion (Zusammenbiss).
- Instrumentelle Funktionsdiagnostik: Simulation der Kiefergelenksbewegung mittels Artikulator oder computergestützter Verfahren.
- Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um die Kiefergelenke und die umliegenden Strukturen genauer zu beurteilen.
Behandlung der CMD
Die Behandlung der CMD richtet sich nach den individuellen Beschwerden und den Ergebnissen der Diagnose. Ziel der Behandlung ist es, eine harmonische Kiefergelenkstellung und Okklusion wiederherzustellen und die Symptome zu lindern. Zu den gängigen Behandlungsmethoden gehören:
- Aufbissschienen: Transparente, adjustierte Aufbissschienen aus Kunststoff, die hauptsächlich nachts getragen werden, können die Kiefermuskulatur entspannen und die Hartsubstanz der Zähne schützen.
- Funktionstherapie: Physiotherapeutische Übungen und manuelle Therapie können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Beweglichkeit der Kiefergelenke zu verbessern.
- Zahnkorrekturen: In manchen Fällen kann es erforderlich sein, Zahnfehlstellungen zu korrigieren oder schlecht sitzenden Zahnersatz anzupassen.
- Medikamentöse Therapie: Bei akuten Schmerzen können Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden.
- Osteopathie: Osteopathen können Blockaden und Spannungen im Körper lösen und den Ober- und Unterkiefer optimal aufeinander ausrichten.
- Stressmanagement: Stressreduktionstechniken wie Meditation, Atemübungen oder Yoga können helfen, die Muskelspannung zu senken und die Symptome der CMD zu lindern.
Was Sie selbst tun können
Neben den professionellen Behandlungen gibt es auch einige Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um die Symptome der CMD zu lindern:
- Bewusstmachung: Achten Sie darauf, in welchen Situationen Sie dazu neigen, Ihre Zähne aufeinanderzubeißen oder zu knirschen.
- Entspannung: Versuchen Sie, zwischendurch immer wieder bewusst lockerzulassen und die Kiefermuskulatur zu entspannen.
- Stressabbau: Finden Sie Methoden zur Stressreduktion, die für Sie funktionieren.
- Ernährung: Vermeiden Sie übermäßigen Koffeinkonsum und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium und Vitamin B2.
- Schlafhygiene: Sorgen Sie für einen guten Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
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