Migräne ohne Kopfschmerzen mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist ein komplexes neurologisches Krankheitsbild, das sich in vielfältigen Erscheinungsformen äußern kann. Während viele Menschen Migräne mit starken, pochenden Kopfschmerzen assoziieren, gibt es auch die sogenannte Migräne ohne Kopfschmerzen mit Aura. Diese Form der Migräne kann für Betroffene und Ärzte gleichermaßen verwirrend sein, da die typischen Kopfschmerzen fehlen und stattdessen neurologische Symptome im Vordergrund stehen.

Was ist Migräne?

Manche Menschen erleben pochende Kopfschmerzen, andere leiden unter Übelkeit, Lichtempfindlichkeit oder sogar Sehstörungen. Diese Vielfalt kann verunsichern, doch sie bietet eine Chance: Je besser du deine Migräne kennst, desto gezielter kannst du Wege finden, um damit umzugehen. Das Gehirn von Menschen mit Migräne reagiert empfindlicher auf Reize, die ins Gehirn einströmen. Das Gehirn ist sozusagen immer auf Empfang und nimmt sehr viele Reize wahr. Analog zu den vielen einströmenden Reizen gibt es auch viele verschiedene Erscheinungsformen. Meistens wird zwischen episodischer und chronischer Migräne unterschieden. Zudem gibt es die Migräne mit und ohne Aura. Weitere Migräneformen sind beispielsweise die familiäre hemiplegische Migräne oder die menstruelle Migräne.

Migräne mit Aura: Ein Vorbote ohne Schmerz

Von einer Migräne mit Aura sprechen Medizinerinnen und Mediziner, wenn ganz bestimmte Symptome auftreten. Das Wort „Aura“ wurde ursprünglich verwendet, um eine Art Ausstrahlung, etwas Unsichtbares, zu beschreiben, was einen Menschen umgibt oder vorausgeht. Bei der Migräne beschreibt „Aura“ das Phänomen, das als „Vorbote“ der eigentlichen Migräneattacke auftritt - fast wie ein unsichtbarer Schleier, der die eigene Wahrnehmung einhüllt. Bei der Migräne mit Aura kommt es kurz vor dem Schmerz zu Sichteinschränkungen in Form von Lichtblitzen, Flackerlinien und Schleiern. Sehr selten treten außerdem Schwindel, Hautkribbeln und Taubheitsgefühle in einer Gesichtshälfte auf.

Anzeichen einer Aura bei Migräne

Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um Sehstörungen, etwa Flimmern oder Lichtblitzen.

Typische Symptome einer Migräne-Aura sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die von den Patientinnen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahrgenommen werden und die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person. Weitere, seltenere Symptome sind vorübergehende Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen, sehr selten auch Lähmungen einer Körperhälfte.

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Eine Aura kann sowohl vor dem Einsetzen der Kopfschmerzen als auch währenddessen oder danach auftreten. Manchmal kommt eine Aura auch ohne nachfolgende Kopfschmerzen vor - eine sogenannte isolierte Aura.

Zu den möglichen Symptomen einer Aura gehören:

  • Sehstörungen: Eingeschränktes Gesichtsfeld, Flimmern oder Lichtblitze, verschwommenes oder doppeltes Sehen.
  • Sprachblockade: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden.
  • Sensibilitätsstörungen: Zum Beispiel Kribbeln in den Händen.
  • Lähmungserscheinungen: Schwierigkeiten, Arme oder Beine zu heben.
  • Gleichgewichtsprobleme: Unsicherer Gang oder Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen auszuführen.

Migräne ohne Kopfschmerzen: Wenn die Aura allein auftritt

Bei einigen Patienten folgen einer typischen Aura immer Migränekopfschmerzen. Viele Patienten weisen jedoch zusätzlich Attacken mit Aura auf, denen Kopfschmerzen folgen, die nicht migränetypisch sind oder bei denen die Kopfschmerzen gänzlich fehlen. Die Tatsache, dass kein Kopfschmerz vorliegt, der die Kriterien für eine 1.1 Migräne ohne Aura erfüllt, erschwert die genaue Diagnose der Aura und ihre Abgrenzung von Imitationen der Symptome, die eine ernsthafte Erkrankung anzeigen können (z.B. eine transitorische ischämische Attacke) und kann oft weitere Untersuchungen erforderlich machen. Bei erstmaligem Auftreten der Aura nach dem 40. Lebensjahr, bei ausschließlichen Negativsymptomen (z.B.

Eine kleine Gruppe von Patienten entwickelt Auren ohne nachfolgende Kopfschmerzen. »Diese isolierten Auren wurden früher auch Migraine-sans-migraine genannt«, sagte Professor Dr. Andreas Straube von der Neurologischen Klinik der Universität München und Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Von den 20 Prozent der Betroffenen, die unter Migräne mit Aura leiden, entwickeln etwa 10 Prozent von Zeit zu Zeit solche isolierten Auren. Selten käme es vor, dass Betroffene ausschließlich isolierte Auren entwickeln.

Die Migräne ohne Kopfschmerzen (migraine sans migraine)Bei einer Migräne ohne Kopfschmerzen (migraine sans migraine) nimmt der Betroffene eine Aura wahr, die er oft gar nicht als solche erkennt. Die Aura dauert meist 15 Minuten bis maximal eine Stunde und kann auch eher schwach ausfallen.3 So werden die visuellen Probleme von den Erkrankten zwar wahrgenommen, aber nicht mit einer Migräne assoziiert.Normalerweise entwickeln Patienten mit einer Aura Migräne-Kopfschmerzen. Bei manchen Menschen bleiben diese aber hin und wieder aus. Mit höherem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Migräne ohne Kopfschmerzen auftritt, vor allem bei Männern.4 Warum das so ist, ist bisher ungeklärt. Selten haben die Patienten tatsächlich immer Migräne ohne Kopfschmerzen. Für Ärzte ist die Diagnose dann schwierig: Es besteht die Gefahr, isolierte Auren mit Symptomen für einen Schlaganfall oder anderen neurologischen Erkrankungen zu verwechseln.

Diese Form der Migräne wird auch als "stille Migräne" oder "Migraine sans Migraine" bezeichnet. Betroffene erleben die Aura-Symptome, wie beispielsweise Sehstörungen, ohne die typischen Kopfschmerzen.

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Ursachen und Auslöser

Ob eine Migräne mit Aura auftritt, hängt insbesondere mit genetischen sowie neurologischen und biochemischen Faktoren zusammen. Zu den Auslösern einer Migräne mit Aura können etwa Schlafmangel, Hunger, Stress, Wetterveränderungen oder eine Überreizung der Sinne gehören.

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Mögliche Ursachen und Auslöser für Migräne mit Aura:

  • Genetische Faktoren: Das Risiko, an Migräne zu erkranken, ist erhöht, wenn Familienmitglieder ebenfalls betroffen sind.
  • Neurologische Faktoren: Eine Übererregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn könnte eine Rolle spielen.
  • Biochemische Faktoren: Veränderungen im Serotoninspiegel und andere neurochemische Prozesse könnten Migräneattacken auslösen.
  • Hormonelle Veränderungen: Insbesondere bei Frauen können hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus, während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren Migräneattacken begünstigen.
  • Umweltfaktoren: Stress, Schlafmangel, unregelmäßige Mahlzeiten, bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Käse, Schokolade, Rotwein), Wetterumschwünge, grelles Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können Migräneattacken auslösen.

Trigger für Migräne mit Aura

Viele Patient*innen kennen Auslöser, so genannte Trigger, die bei ihnen zu einem Migräne-Anfall führen können. Das sind zum Beispiel:unregelmäßiger Schlaflängere Phasen ohne ausreichend zu essen und zu trinkenStressstarke psychische oder körperliche Belastungenbestimmte Reize wie Flackerlicht oder schlechte Luft in stickigen RäumenAlkohol, z.B. Rotwein, oder bestimmte NahrungsmittelIn jedem Fall lohnt es sich herauszufinden, ob es spezielle Trigger für die Migräne bei einem selbst gibt, die man dann vermeiden kann.

Diagnose

Eine Migräne ohne Kopfschmerzen mit Aura korrekt zu diagnostizieren, sei schwierig, weil die charakteristischen Kopfschmerzen fehlen. Viele Patienten, aber auch Hausärzte wären verunsichert und würden an einen Schlaganfall denken, sagte der Experte. Je nach vorherrschenden Symptomen der Aura kann eine Migraine-sans-migraine auch mit wiederkehrenden Hypoglykämien, Morbus Menière (einer durch Schwindelattacken gekennzeichneten Erkrankung des Innenohrs), Fibromyalgie oder neurologischen Störungen verwechselt werden.

Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte bei einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Diese untersuchen den Patienten bzw. die Patientin körperlich und neurologisch und können hierzu auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) zur Entnahme von Nervenwasser einsetzen. Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.

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Um andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können, sind möglicherweise weitere Untersuchungen erforderlich.

Differentialdiagnostische Abklärung:

  • Schlaganfall: Insbesondere bei erstmaligem Auftreten der Aura oder bei neurologischen Ausfällen muss ein Schlaganfall ausgeschlossen werden.
  • Augenerkrankungen: Bei Sehstörungen müssen Augenerkrankungen wie Netzhautablösung oder Glaukom ausgeschlossen werden.
  • Neurologische Erkrankungen: Andere neurologische Erkrankungen wie Epilepsie oder Multiple Sklerose können ähnliche Symptome verursachen.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit einigen Maßnahmen gut behandelt werden: Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren. Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden. Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern. Medikamente: Verschiedene Medikamente können eine einsetzende Migräne unterdrücken (beispielsweise Triptane, Ditane und Geptane) oder das Verschlimmern bestehender Symptome aufhalten (unter anderem Dihydroergotamin und Antiemetika). Leiden die Betroffenen unter Übelkeit, Schwindel und starken Schmerzen, können diese ebenfalls medikamentös behandelt werden, etwa mit Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen die Übelkeit und den Schwindel. Um einer Migräne mit Aura vorzubeugen, können ebenfalls Medikamente verschrieben werden, darunter Antiepileptika, Betablocker und trizyklische Antidepressiva. Diese Medikamente und Schmerzmittel wie Triptane sollten bei einer Migräne mit oder ohne Aura jedoch nicht regelmäßig eingesetzt werden, da ein Zuviel an diesen Medikamenten langfristig zu einer chronischen Migräne mit täglichen Attacken führen kann.

Akutbehandlung

Eine Akutbehandlung einer Aura ist nicht möglich. Durch vorbeugende Maßnahmen, die die Migränehäufigkeit senken, lässt sich auch die Aura reduzieren.

Medikamentöse Behandlung:

  • Schmerzmittel: Bei leichten Kopfschmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen.
  • Triptane: Diese speziellen Migränemittel können bei stärkeren Kopfschmerzen eingesetzt werden. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
  • Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen.

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugende Medikamente haben bei der Migräne auch Einfluss auf die Aura, wobei einige von ihnen besonders gut wirken.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen:

  • Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
  • Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Yoga.
  • Vermeidung von Auslösern: Identifizieren Sie Ihre individuellen Auslöser und vermeiden Sie diese so gut wie möglich.
  • Regelmäßiger Ausdauersport: Sportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Medikamentöse Prophylaxe:

  • Betablocker: Diese Medikamente werden normalerweise zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch bei Migräne helfen.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Antiepileptika: Einige Antiepileptika haben sich ebenfalls bei der Migräneprophylaxe bewährt.
  • CGRP-Antikörper: Diese relativ neuen Medikamente blockieren einen Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.

Leben mit Migräne ohne Kopfschmerzen mit Aura

Eine Migräne mit Aura kann eine starke Belastung für die Betroffenen im Alltag darstellen. Von leichten bis starken Schmerzen und Schwindel bis hin zu motorischen Beeinträchtigungen, Seh- und Sprachstörungen ist die Bandbreite an möglichen Symptomen bei einer Migräne mit Aura hoch. Viele Migränepatienten und -patientinnen leiden zusätzlich unter einer Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen, wodurch sich diese in ein dunkles Zimmer zurückziehen müssen. Den normalen Alltag zu bestreiten oder gar der Arbeit nachzugehen, bleibt für viele Betroffene während eines Migräneanfalls unmöglich. Eine Migräne mit Aura zu kontrollieren, zu behandeln und ihr vorzubeugen, gehört dementsprechend zum Anliegen vieler Patientinnen und Patienten, beispielsweise durch das Identifizieren von Auslösern und deren Vermeidung sowie Strategien bei herannahenden Anfällen oder zur Linderung bestehender Attacken.

Es ist wichtig, die eigenen Symptome gut zu kennen und zu verstehen. Je genauer du sie beschreiben kannst, desto besser kann eine Ärztin oder ein Arzt dir helfen, die richtige Diagnose zu stellen und die passende Behandlung für dich zu finden. Ein Migränetagebuch kann dabei dein stärkster Verbündeter sein. Es hilft dir, deine Migräne zu beobachten, Muster zu erkennen und Klarheit zu gewinnen. Mit jedem Eintrag kommst du näher daran, die Attacken zu verringern und besser mit der Migräne umzugehen. Doch das Erkennen und Dokumentieren ist nur der erste Schritt. Entscheidend ist, gemeinsam mit deinen Behandlern die passenden Medikamente zu finden und notwendige Anpassungen in deinen Lebensgewohnheiten vorzunehmen, um deine Lebensqualität zu steigern.

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