Migräne und COVID-19-Impfung: Was Patienten wissen sollten

Viele Migränepatienten sind besorgt über die Möglichkeit von Kopfschmerzen nach einer COVID-19-Impfung, insbesondere nach einer Booster-Impfung. Die American Migraine Foundation hat die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung und Migräne beantwortet. Dieser Artikel fasst diese Informationen zusammen und bietet einen umfassenden Überblick über die Auswirkungen der Impfung auf Migränepatienten.

Aktuelle Impfstoffe in Deutschland

Aktuell werden in Deutschland hauptsächlich die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt. Astra-Zeneca wurde bis vor kurzem ebenfalls verwendet, aber die Impfung mit diesem Stoff wurde pausiert. Es gibt weitere Impfstoffe in der Entwicklung, die möglicherweise bald zugelassen werden. Es ist wichtig zu verstehen, dass Impfstoffe nur dann das Potenzial haben, die Pandemie zu beenden, wenn genügend Menschen geimpft werden und Herdenimmunität erreicht wird.

Bedenken von Migränepatienten

Viele Migränepatienten reagieren empfindlich auf das Wort "Kopfschmerz". Da Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Impfreaktionen häufig erwähnt werden, stellen sich viele Betroffene die Frage, wie sich eine Impfung auf ihre Migräne auswirken kann und ob sie sich mit ihren Akut- oder Prophylaxe-Medikamenten wie CGRP-Antikörpern verträgt.

Sind Wechselwirkungen zwischen Corona-Impfstoffen und Akut- oder Prophylaxe-Medikamenten bekannt?

Diese Frage beschäftigt viele Patienten, und die American Migraine Foundation hat dazu einige wichtige Punkte zusammengefasst.

Häufig gestellte Fragen zur COVID-19-Impfung und Migräne

Die American Migraine Foundation hat die am häufigsten gestellten Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet.

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1. Kann ich durch den Impfstoff COVID-19 bekommen?

Nein, COVID-19-Impfstoffe enthalten keine lebenden Viren und können die Krankheit daher nicht auslösen. Sie enthalten Virus-Material (RNA), das die Zellen im Körper anweist, harmlose Kopien des Virusproteins herzustellen. Der Körper erkennt dieses Protein als fremd und bildet Antikörper und Immunzellen dagegen. Dadurch ist er für den Fall einer tatsächlichen Infektion mit dem COVID-19-Virus gewappnet und kann die Viren erfolgreich abwehren.

2. Sollte ich mich nicht impfen lassen, da ich bereits häufig unter Kopfschmerzen und Migräne leide?

Es ist richtig, dass bei einer Impfung Nebenwirkungen auftreten können. Dabei handelt es sich jedoch größtenteils um normale Impfreaktionen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Diese Symptome spiegeln die anfängliche Immunantwort des Körpers auf den Impfstoff wider. Der Körper bildet also Antikörper. Bei den meisten Menschen sind diese Symptome mild und dauern nur ein oder zwei Tage an. Im Vergleich zu einer COVID-19-Infektion sind die Impfreaktionen von kurzer Dauer und harmlos. Eine COVID-19-Infektion kann jedoch lebensgefährlich verlaufen und langfristige Organschäden verursachen (Long-COVID). Daher sind Impfreaktionen der Krankheit vorzuziehen.

3. Sollte ich die zweite Dosis auslassen oder verschieben, wenn ich von der ersten Dosis Kopfschmerzen bekomme?

Alle aktuell in Deutschland zugelassenen Impfstoffe erfordern zwei Dosen, um eine optimale Immunität und einen Schutz gegen eine COVID-19-Infektion zu erreichen. Wer nur eine Impfung erhält oder die zweite Impfung über den empfohlenen Zeitplan hinaus verschiebt, ist nicht vollständig geschützt. Es ist wichtig zu bedenken, dass die Kopfschmerzen nur von kurzer Dauer und leicht sind. Migränepatienten sind oft Schlimmeres gewöhnt.

4. Wird der Impfstoff die Wirkung meiner CGRP-Antikörper blockieren oder können diese Medikamente verhindern, dass der Impfstoff mich vor COVID-19 schützt?

In den klinischen Studien zum Impfstoff durften die Teilnehmer innerhalb von zwei Wochen vor oder nach der Verabreichung des COVID-Impfstoffs keine anderen Impfstoffe erhalten. Wechselwirkungen mit den monoklonalen CGRP-Antikörper-Behandlungen bei chronischer Migräne wurden daher nicht untersucht. Einige Wissenschaftler vermuten ein theoretisches Risiko, dass die Immunantwort auf den Impfstoff die Wirkung des CGRP-Antikörpers abschwächen könnte. Dafür gibt es aber derzeit keine direkten Nachweise. Daher sollten Patienten den Zeitpunkt der CGRP-Injektionen vor und nach der Impfung mit ihren Ärzten besprechen.

5. Gibt es Wechselwirkungen mit der COVID-19-Impfung, wenn ich Botox®-Injektionen zur Behandlung meiner chronischen Migräne erhalte?

Auch hier vermuten Botox-Spezialisten, dass der Impfstoff die Wirksamkeit von Botox® möglicherweise abschwächen könnte. Es gibt jedoch derzeit keine direkten Nachweise dafür. Daher sollten Patienten auch hier den Zeitpunkt der Botox®-Injektionen mit ihren Ärzten besprechen. Eine vorübergehende Abschwächung der Wirkung der Medikamente ist jedoch immer noch besser als eine COVID-19-Erkrankung.

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6. Darf ich die als Impfreaktion auftretenden Kopfschmerzen mit Medikamenten behandeln?

Treten Kopfschmerzen als Teil der Impfreaktion auf, wird davon abgeraten, vor oder innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Impfung rezeptfreie Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin einzunehmen. Diese Medikamente können die Immunreaktion auf den Impfstoff verringern. Es ist ratsam, sich im Einzelfall mit dem Arzt zu besprechen oder alternative, nicht-medikamentöse Maßnahmen anzuwenden.

7. Darf ich die Migräne mit meinen üblichen Medikamenten behandeln, wenn ich später am Abend Migräne bekommen könnte?

Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass migränespezifische Medikamente wie Triptane, Ditane oder Gepants die Wirksamkeit des Impfstoffs verringern würden.

8. Kann der Impfstoff lang anhaltende Kopfschmerzen verursachen, die auf keine Behandlung ansprechen?

Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom von COVID-19-Infektionen, und bei manchen Menschen können die Kopfschmerzen auch nach Abklingen der Krankheit anhalten. Dies ist nicht überraschend, da auch andere Infektionskrankheiten Kopfschmerzen verursachen können, die noch lange nach dem Abklingen der Infektion anhalten. Der Impfstoff kann nicht dazu führen, dass man eine COVID-19-Infektion entwickelt. Wer sich nicht impfen lässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken, und somit auch die Möglichkeit, anhaltende Kopfschmerzen und andere Komplikationen zu entwickeln.

Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)

Privatdozentin Dr. med. Stefanie Förderreuther, 1. Vizepräsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG e.V.), erklärt, dass aus kopfschmerztherapeutischer Sicht nichts gegen die COVID-19-Impfung spricht. Primäre Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne und Clusterkopfschmerzen stellen kein Hindernis für eine Impfung dar. Auch eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern (Galcanezumab, Fremanezumab und Erenumab) ist kein Hindernis für eine Impfung, und es ist nicht notwendig, Abstände zwischen der Injektion der Antikörper und der Impfung einzuhalten.

Müssen Patienten mit Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen mit besonderen Impfreaktionen rechnen?

Es gibt aktuell keine Datengrundlage, dass die Migränebehandlung die Wirksamkeit oder Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe beeinträchtigt. Es gibt bisher keine Daten, die zeigen, dass die durch den Impfstoff gebildeten Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Spike-Protein das Medikament Onabotulinumtoxin A unwirksam machen würden.

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Was müssen Patienten beachten, die mit einer Migräneprophylaxe medikamentös behandelt werden?

Um additive Effekte bzgl. der Nebenwirkungen (Summation von Nebenwirkungen beider Arzneimittel) zu vermeiden, wird empfohlen, einen möglichst großen Abstand zwischen der Impfung gegen Covid-19 und der Gabe von monoklonalen Antikörpern zur Migränevorbeugung einzuhalten. Da die Gabe der monoklonalen Antikörper zur Migränevorbeugung in der Regel im Abstand von vier Wochen erfolgt, entspricht dies einem möglichen Abstand von 14 Tagen. Treten Kopfschmerzen nach der Impfung auf, können diese mit Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol behandelt werden. Treten Migräneattacken nach der Impfung auf, können diese wie sonst auch mit der empfohlenen Akutmedikation behandelt werden.

Studienlage

Eine Studie mit 550 Erwachsenen, die wegen Migräne in einer spanischen Klinik behandelt wurden, zeigte, dass 44,9 % der Betroffenen mindestens einmal an Covid-19 erkrankt waren und 83,3 % geimpft waren. Die an Corona Erkrankten zeigten eine größere Sorge, unter stärkeren Migräne-Symptomen zu leiden, als jene, die noch kein Covid-19 hatten. Noch stärker war diese Sorge bei den Geimpften. Die Wissenschaftler resümierten, dass eine Corona-Erkrankung in Einzelfällen eine Migräne verschlimmern kann, dies aber eher die Ausnahme ist.

Eine kleinere Studie mit prospektiv erhobenen Kopfschmerzdaten zeigte, dass eine Impfung gegen COVID-19 die Zahl der Migränetage erhöhen kann. Allerdings gehen sie nach einem Monat wieder zurück auf den Ausgangswert.

Post-COVID-Kopfschmerzen und Migräne

Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom von fieberhaften, viralen Infekten wie COVID-19 und können auch über die akute Erkrankung hinaus persistieren oder nach einer COVID-19-Impfung auftreten. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass bei der Entstehung von Post-COVID-Kopfschmerzen und Migräne entzündliche Prozesse und das angeborene Immunsystem von Bedeutung sind. Bei Patientinnen und Patienten mit einer Kopfschmerzvorgeschichte wie Migräne treten Kopfschmerzen während und nach einer akuten COVID 19-Erkrankung intensiver und länger auf.

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