Migräne-Piercing und Entzündungen: Ursachen, Behandlung und Komplikationen

Piercings erfreuen sich großer Beliebtheit, insbesondere bei jungen Menschen. Allerdings sind sie nicht ohne Risiken. Gesundheitliche Probleme wie Schwellungen, Blutungen, Infektionen, Allergien oder Verletzungen können auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten entzündeter Piercings, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne-Piercings, und gibt einen Überblick über mögliche Komplikationen.

Piercings: Ein anhaltender Trend mit Risiken

Piercings und andere Körpermodifikationen wie Tunnel-Piercings oder das sogenannte Elfenohr sind nach wie vor im Trend. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) warnt jedoch vor Komplikationen, insbesondere am Knorpelgewebe, das schwer heilen kann.

Komplikationen durch Piercings

Eine Studie aus Bremen aus dem Jahr 2000 dokumentierte fast 700 Piercings bei 273 Personen. Dabei gaben 28 Prozent der gepiercten Personen Probleme beim Heilungsprozess an, neun von ihnen mussten sogar stationär behandelt werden. Eine britische Studie im BMJ zeigte, dass bei 27,5 Prozent der Piercings Probleme auftraten und 13 Prozent professionelle Hilfe benötigten. Eine Übersichtsstudie in Pediatrics fasst die Daten für die US-Bevölkerung zusammen und zeigt, dass fast jeder vierte Teenager zwischen 18 und 29 Jahren ein Piercing hat (ohne Ohrringe im Ohrläppchen).

Gefahren im Knorpelbereich

Ohrmuschel und Nase sind beliebte Stellen für Piercings. Der Knorpel in diesen Bereichen ist jedoch sehr empfindlich. Wenn die Knorpelhaut beim Piercing durchtrennt wird, können Bakterien und Viren eindringen und eine Infektion auslösen. Dies kann zum Absterben von Knorpelgewebe und zu Deformierungen bis hin zum vollständigen Verlust von Teilen der Ohrmuschel oder der Nase führen. Die Behandlung solcher Folgen ist komplex und sollte von spezialisierten Ärzten durchgeführt werden.

Tunnel-Piercings und Elfenohren

Auch das Tunnel-Piercing, bei dem das Ohrläppchen langsam aufgeweitet wird, kann Probleme verursachen. Wenn der Tunnel entfernt werden soll, reichen die verbliebenen Hautreste oft nicht aus, um das Loch wieder zu verschließen. Eine relativ neue Körpermodifikation ist das sogenannte Elfenohr, bei dem die Ohrmuschel durch das Einsetzen eines Implantats spitz geformt wird. Dieser Eingriff birgt jedoch eine große Gefahr für das Haut-Knorpel-Gerüst des Ohres und kann zu Rötungen, Schmerzen, Missempfindungen und schweren Infektionen bis hin zum Absterben von Knorpelgewebe führen.

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Warnung vor Körpermodifikationen im Knorpelbereich

Die DGHNO-KHC rät grundsätzlich von Körpermodifikationen im Knorpelbereich von Nase und Ohr ab. Auch bei anderen Piercings, wie dem Zungenpiercing, ist Vorsicht geboten, da es hier immer wieder zu erheblichen Einblutungen mit Schwellungen bis zur Atemnot kommen kann. Das Komplikationsrisiko hängt von der Lokalisation des Piercings, dem verwendeten Material, der Erfahrung des Piercers, den hygienischen Bedingungen und der Nachsorge ab.

Das Migräne-Piercing (Daith-Piercing)

Ein Migräne-Piercing, auch Daith-Piercing genannt, ist ein Piercing, das an der inneren Wölbung der Ohrmuschel, dem Crus Helix, angebracht wird. Befürworter gehen davon aus, dass die Stimulation des Vagusnervs an dieser Stelle Migräneschmerzen lindern kann. Der Vagusnerv ist der einzige Hirnnerv, der vom Gehirn bis zur Brust und in den Bauch hineinreicht und Einfluss auf die Regeneration des Körpers nehmen soll. Das Migräne-Piercing soll sich ähnlich wie Akupunktur auswirken und durch den konstanten Druck auf den Vagusnerv eine dauerhafte Wirkung erzielen.

Vorteile eines Migräne-Piercings

  • Ästhetik: Das Piercing verbindet potenziellen Nutzen mit einem ansprechenden Aussehen.
  • Vielfalt: Es besteht die Möglichkeit, verschiedenen Piercingschmuck zu verwenden und ihn der Mode anzupassen.

Nachteile und Risiken eines Migräne-Piercings

  • Schmerzen: Das Piercen des Knorpels ist schmerzhafter als das Piercen des Ohrläppchens.
  • Heilungsdauer: Die Heilung des Knorpels kann länger dauern und von zusätzlichen Schmerzen begleitet sein.
  • Komplikationen: Es können Blutungen, Entzündungen, Wundinfektionen, Schwellungen und Allergien auftreten.
  • Gewöhnungseffekt: Der Körper kann sich an die Stimulation des Vagusnervs gewöhnen, wodurch das Piercing seine Wirkung verliert.
  • Verschlimmerung: Einige Betroffene berichten von einer Verschlimmerung der Migränebeschwerden.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Migräne-Piercing

Die Datenlage zur Wirkung eines Daith-Piercings ist noch sehr dünn. Es liegen keine umfangreichen wissenschaftlichen Studien vor. Ob die von Betroffenen wahrgenommene positive Wirkung auf einem Placebo-Effekt oder einer tatsächlichen Wirkung beruht, ist unklar.

Ist ein Migräne-Piercing sinnvoll?

Ob ein Migräne-Piercing sinnvoll ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt keine Garantie für eine Linderung der Migränebeschwerden. Vor einer Entscheidung sollte man sich umfassend informieren und sich der Risiken bewusst sein.

Ursachen für ein entzündetes Piercing

Ein entzündetes Piercing kann verschiedene Ursachen haben:

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  • Allergische Reaktion: Der Körper reagiert allergisch auf das Piercingmaterial.
  • Mangelnde Hygiene: Unsauberes Stechen oder mangelnde Pflege nach dem Stechen führen zu einer Infektion.
  • Reizung: Ständige Reibung durch Kleidung oder andere Einflüsse reizen das Piercing.

Vorbeugung von Piercing-Entzündungen

  • Sauberes Stechen: Ein guter Piercer verwendet steril verpackte Materialien und trägt Handschuhe.
  • Richtige Pflege: Die Pflege der frischen Wunde ist entscheidend. Der Piercer klärt über die richtige Pflege auf.
  • Vermeidung von Reizungen: Sauna-, Solarium- und Schwimmbadbesuche sollten vermieden werden. Das Piercing sollte so wenig wie möglich berührt werden und wenn, dann nur mit desinfizierten Händen.
  • Schutz des Piercings: Das Piercing kann mit einem Pflaster geschützt werden, wenn die Kleidung für zu viel Reibung sorgt.

Behandlung eines entzündeten Piercings

Bei leichten Entzündungen können Hausmittel helfen:

  • Salzwasserlösung: Einen Teelöffel Salz auf ein Glas lauwarmes Wasser geben und die betroffene Stelle vorsichtig abtupfen.
  • Kamillentee: Wirkt entzündungshemmend und antibakteriell.

Neben Hausmitteln eignen sich auch desinfizierende Pflegesprays wie Prontolind oder Octenisept. Bei stärkeren Entzündungen können desinfizierende Cremes wie Betaisodona oder Wund-Gels wie Tyrosur angewendet werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei starken Schmerzen, Eiterbildung, Kreislaufproblemen oder Fieber sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen. Eine verschleppte Entzündung kann sich im ganzen Körper ausbreiten und den Organismus belasten.

Was tun bei einem entzündeten Bauchnabelpiercing?

Ein entzündetes Bauchnabelpiercing ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch schmerzhaft sein. Ursachen können mangelnde Hygiene, Reibung durch Kleidung oder eine allergische Reaktion sein.

Symptome einer Entzündung

  • Rötung
  • Schwellung
  • Schmerzen
  • Eiterbildung
  • Blutung

Behandlung eines entzündeten Bauchnabelpiercings

  • Hygiene: Das Piercing und die umliegende Haut sollten sauber gehalten werden.
  • Desinfektion: Die Stelle sollte regelmäßig desinfiziert werden.
  • Vermeidung von Reizungen: Enge Kleidung sollte vermieden werden.
  • Arztbesuch: Bei starken Entzündungen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Piercings und Allergien

Etwa 10 Prozent der Deutschen leiden unter einer Nickelallergie, die sich durch Rötungen, Juckreiz und Hautausschlag äußern kann. Daher sollte der Reinheitsgrad von Gold- oder Silberschmuck möglichst hoch sein. Auch Titanallergien sind möglich. Empfindliche Personen kommen oft besser mit Glas oder natürlichen Materialien wie Holz oder Bernstein zurecht.

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Piercings und Traditionelle Chinesische Medizin

Gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) können Piercings energetische Bahnen, die Meridiane, stören und so gesundheitliche Probleme verursachen. Insbesondere Piercings im Knorpelbereich der Ohren oder in der Körpermitte gelten als problematisch. Andererseits kann man sich die Wirkung auch zunutze machen, indem bei bestimmten gesundheitlichen Problemen das Piercing gezielt als Dauerakupunktur an dem entsprechenden Punkt angebracht wird.

Die Rolle des Piercers

Die Wahl des Piercers ist entscheidend. Wichtig sind Hygiene, eine professionelle Atmosphäre und ein Vertrauensverhältnis. Als Ersteinsatz eignet sich Piercingschmuck aus PTFE (Bio-Kunststoff) oder Titan am besten.

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