Das Migräne-Piercing, auch bekannt als Piercingpunktur oder Nullpunkt-Piercing, erfreut sich wachsender Beliebtheit als vermeintliche Lösung für Migräne. Dabei wird ein Piercing im Ohrknorpel an einem Akupunkturpunkt gesetzt, der traditionell zur Migränebehandlung genutzt wird. Die Idee dahinter ist, durch die Stimulation dieses Punktes eine dauerhafte Schmerzlinderung zu erzielen. Doch was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen, Risiken und wissenschaftlichen Hintergründe des Migräne-Piercings und stellt alternative Behandlungsmethoden vor.
Was ist ein Migräne-Piercing?
Beim Migräne-Piercing, oft auch Piercingpunktur oder Nullpunkt-Piercing genannt, wird ein Loch im Bereich des Ohrknorpels an einem der Akupunkturpunkte, die zur Migränebehandlung genutzt werden, gestochen. Dies soll durch die Stimulation der Stelle bei Betroffenen dauerhaft den Schmerz lindern.
Der Hype um das Migräne-Piercing
Das Verfahren ist nicht neu. Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Studios, die diese Piercings anbieten. Befürworter berichten von einer deutlichen Reduktion ihrer Migräneattacken nach dem Stechen des Piercings. Dieser positive Zuspruch, oft in Online-Foren und sozialen Medien geteilt, hat zu einem regelrechten Hype um das Migräne-Piercing geführt.
Skepsis der Experten
Trotz der positiven Berichte vieler Betroffener stehen Experten dem Migräne-Piercing skeptisch gegenüber. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) betont: „Das Verfahren beruht auf keiner nachvollziehbaren pathophysiologischen Grundlage.“ Zwar sei eine klinische Studie angekündigt worden, die in Zusammenarbeit mit einem Arzt durchgeführt werden soll, heißt es auf deren Webseite. Die DMKG rät Migräne- und Clusterpatienten dringend von Ohrpiercings zur Behandlung ab und empfiehlt „eine an den Leitlinienempfehlungen der Fachgesellschaft orientierte nichtmedikamentöse und medikamentöse vorbeugende Behandlung der Migräne durch einen Arzt.“
Der Placeboeffekt
Gleichzeitig ist bekannt, dass der Placeboeffekt - genau wie bei anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen - bei der Schmerzlinderung eine Rolle spielen kann. Ist also jemand fest davon überzeugt, dass ihm etwa ein „Nullpunkt-Piercing“ hilft, kann allein dieser Glaube zu einer subjektiven Verbesserung der Migränesymptome führen. Ob dies ein Argument für ein Piercing sein sollte, gilt es jedoch abzuwägen.
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Risiken und Komplikationen
„Piercings gehen mit gesundheitlichen Risiken einher“, betonen die DMKG-Experten. Es seien zahlreiche Fälle publiziert, in denen es zur Entzündung des Ohrknorpels mit nachfolgend kosmetisch unschöner Verformung der Ohrmuschel gekommen sei, heißt es.
Weitere Risiken sind:
- Infektionen: Jedes Piercing birgt das Risiko einer bakteriellen Infektion. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Entzündung des Ohrknorpels kommen, die eine langwierige Behandlung erfordert und zu dauerhaften Schäden führen kann.
- Allergische Reaktionen: Das verwendete Material des Piercings kann allergische Reaktionen auslösen, die sich durch Rötungen, Juckreiz und Schwellungen äußern.
- Narbenbildung: Bei unsachgemäßer Durchführung oder bei Neigung zu Keloiden kann es zu unschönen Narbenbildungen kommen.
- Schmerzen: Das Stechen des Piercings selbst kann schmerzhaft sein, und auch in der Heilungsphase können Schmerzen auftreten.
- Blutungen: Ein Piercing blutet sehr stark oder hört nicht auf zu bluten. Keine Sorge, es ist normal, dass ein frisch gestochenes Piercing etwas blutet. Manchmal können kleine Blutgefäße getroffen werden, die etwas Zeit brauchen, um sich zu beruhigen.
Was tun bei Komplikationen?
- Blutkruste: Lass die Blutkruste am Piercing für die ersten zwei Tage in Ruhe.
- Kühlen: Kühlen verengt die Blutgefäße und kann die Blutung stoppen. Wickel ein Kühlpack in ein Tuch (z.B. Zewa) und kühle die Stelle vorsichtig.
- Druckverband: Wenn die Blutung stark ist, kannst du einen Druckverband anlegen.
- Schlafen: Wenn die Blutung nachts auftritt, versuche, nicht auf dem Piercing zu schlafen.
Wenn diese Tipps nicht helfen und die Blutung weiterhin stark ist, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen.
Entzündungen erkennen und behandeln
Sollte ein Piercing dick, rot und warm werden, könnte dies auf eine beginnende Entzündung hindeuten. In diesem Fall bitte kein Pflegemittel mehr benutzen.
- Ursache finden: Versuche, die Ursache für die Entzündung zu finden.
- Reinigung: Wenn dein Piercing dick, rot, warm ist und weh tut BITTE KEIN Octenisept oder Prontolind mehr. Diese sind zur Pflege.
- Vermeide Reizungen: Vermeide unnötige Reizungen des Piercings.
Diese Informationen dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung.
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Alternativen zum Migräne-Piercing
Bevor man sich für ein Migräne-Piercing entscheidet, sollte man sich über alternative Behandlungsmethoden informieren, die wissenschaftlich fundiert und risikoarm sind.
Medikamentöse Behandlung
Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Vorbeugung und Behandlung von Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören Schmerzmittel, Triptane und Betablocker. Ein Arzt kann die geeignete Medikation individuell festlegen.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Neben Medikamenten gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die zur Migräneprävention beitragen können.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
- Entspannungsverfahren: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten können dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Migräneattacken zu verhindern. Bestimmte Nahrungsmittel wie Alkohol, Käse oder Schokolade können bei manchen Menschen Migräne auslösen und sollten gemieden werden.
- Akupunktur: Die Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden. Studien haben gezeigt, dass Akupunktur bei manchen Menschen die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren kann.
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, Stressoren zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um besser mit Stress umzugehen.
Piercingpflege
Ein Piercing benötigt zur vollständigen Heilung zwischen einem halben und einem Jahr. Wir raten zu alkoholfreien Wunddesinfektionsmitteln wie Octenisept oder Prontolind. Sie sind in der Apotheke, aber auch in Drogeriemärkten erhältlich. Wichtig: Stelle die Desinfektion nach den ersten zwei Wochen komplett ein. Deine Haut hat eine eigene Schutzbarriere aus Bakterien, die wichtig für die Heilung und die Hautgesundheit sind. Reizungen von außen, z.B. Frühzeitiger Schmuckwechsel unter sechs Wochen. Bei Knorpelpiercings sogar noch länger. Für die Reinigung deines Piercings im Mundbereich empfehlen wir dir eine milde Mundspülung, z.B. Listerine oder ein vergleichbares Produkt. Nach dem Essen und/oder Rauchen solltest du deinen Mund gründlich mit lauwarmem Wasser ausspülen.
Weitere Reaktionen
Neben den zuvor aufgeführten Reaktionen kann es außerdem zu einer Schwellung deiner Lymphknoten (Hals oder hinter den Ohren) kommen. Auch ein Belag der Zunge sowie Blutergüsse sind möglich. Du kannst natürlich auch im Studio abklären lassen, ob alles in Ordnung ist. Da es sich bei Dermal Anchors um Wunden handelt, die in der Tiefe desinfiziert werden müssen, verwenden wir hier anstelle des Octenisept Wundsprays Octenisept Gel. Um sicherzustellen, dass sich die Wunde sauber um den Stab schließt und keine Keime eingeschlossen werden, empfehlen wir, diese die ersten 2-3 Tage komplett mit Gel zu bedecken und abzukleben. OP-Wunden werden direkt nach dem Eingriff desinfiziert und mit Leukostrips abgedeckt. Diese Pflaster sollten so lange auf der Naht verbleiben, bis sie sich von allein ablösen. Sollte dies innerhalb der ersten Tage passieren, kannst du gerne nochmal nachkleben. Die Wunde sollte die ersten Tage nicht nass werden. Sobald sich die Pflaster abgelöst haben, kannst du die Wunde gerne 1-2 Mal am Tag mit Octenisept Spray desinfizieren. Die Nähte werden nach ca. um den Einstich wird die Haut BLAUwenn die Haut sich um einen Einstich, egal ob Piercing oder Akupunkturnadel blau wird ist das überhaupt nicht schlimm und kein Grund zur Sorge. Es ist eher wie ein blauer Fleck. Blut welches unter die Haut gelaufen ist, anstatt aus dem Stichkanal auszutreten. Witz solange die Haut nicht schwarz wird ist alles gut. Eine Entzündung erkennst du daran, dass die Stelle dick, rot, warm ist und weh tut (meistens kommt dann noch Eiter hinzu). Und zwar nur dann, wenn alles zutrifft! Leider hören wir täglich von Kunden: „Mein Piercing ist entzündet“, wenn wir es uns dann ansehen, sehen wir oft nur kleine Wundwasserblasen oder eine normale Rötung während der Heilung.
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