Migräne: Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Eine Migräne ist mehr als nur ein gewöhnlicher Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen sind oft einseitig, pulsierend oder pochend und dauern zwischen vier Stunden und drei Tagen an. Begleitende Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit verstärken die Beeinträchtigung der Betroffenen erheblich.

Was ist Migräne?

Eine Migräne unterscheidet sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen, die fast jeder Mensch gelegentlich erlebt. Migräneanfälle gehen mit plötzlich einsetzenden, heftigen Schmerzen einher, die oft nur auf einer Kopfseite lokalisiert sind. Diese Schmerzen sind deutlich stärker als normale Kopfschmerzen und werden meist von weiteren Beschwerden begleitet. Von einer Migräne spricht man jedoch erst, wenn die typischen Symptome mindestens fünfmal aufgetreten sind.

Migräne schränkt den Alltag der Betroffenen meist erheblich ein. Manche Menschen haben nur gelegentlich einen Migräneanfall, während andere jeden Monat für mehrere Tage außer Gefecht gesetzt sind.

Typische Symptome einer Migräne

Typisch für Migräne sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, oft auf einer Seite des Kopfes. Meist werden sie als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden. Oft verstärken sie sich bei körperlicher Aktivität, manchmal schon bei kleinen Bewegungen. Die Kopfschmerzen können mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Bei manchen Kindern können diese Symptome auch fehlen - ihnen ist hauptsächlich übel, sie müssen sich übergeben und ihnen ist schwindelig.

Viele Menschen sind während der Anfälle auch sehr licht- und geräuschempfindlich. Unbehandelt halten die Beschwerden zwischen vier Stunden und drei Tagen an.

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Aura-Symptome

Bevor die eigentliche Migräne spürbar wird, sehen manche Menschen Lichtblitze und eigenartige Formen. Andere nehmen alles etwas verschwommen, verwackelt oder wie durch Wellenlinien hindurch wahr. Vorübergehend können sich auch Sprachstörungen, Lähmungen oder Missempfindungen wie Kribbeln einstellen. In der Medizin werden solche Erscheinungen als „Aura“ bezeichnet.

Weitere mögliche Symptome

Neben den typischen Kopfschmerzen und Begleitsymptomen kann eine Migräne auch andere Schmerzen und Symptome auslösen, darunter:

  • Schmerzen im Gesicht
  • Nackenschmerzen
  • Schmerzen in den Augen
  • Schmerzen im Zahnbereich

Es ist wichtig, diese Beschwerden von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären zu lassen, um eine korrekte Diagnose zu erhalten und eine spezifische Therapie einzuleiten.

Die Phasen einer Migräne

Der Verlauf einer Migräne kann individuell sehr verschieden sein, lässt sich jedoch in bis zu vier Phasen einteilen:

  1. Prodromalphase (Vorboten): Einige Migränepatienten leiden bereits 4 bis 48 Stunden vor der eigentlichen Schmerzphase an unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Reizbarkeit, Heißhunger oder Magen-Darm-Beschwerden.
  2. Auraphase: Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen tritt eine Migräne mit Aura auf. Dabei handelt es sich um neurologische Störungen, die unterschiedlich ausfallen können, wie z. B. Lichtblitze, Zickzack-Linien, Doppelbilder oder Taubheitsgefühle.
  3. Kopfschmerzphase: In dieser Phase treten starke, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen auf, begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
  4. Rückbildungsphase (Postdromalphase): Die Symptome klingen langsam wieder ab, doch die Betroffenen fühlen sich oft erschöpft, abgeschlagen und müde. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit kann noch bis zu zwei Tage nach dem Höhepunkt der Attacke bestehen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Migräne alle Stadien durchlaufen und die Phasen unterschiedlich lang dauern können.

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Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen von Migräne sind nicht bekannt. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden.

Mögliche Auslöser (Trigger)

Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solche möglichen Auslöser, auch Trigger genannt, sind:

  • Stress und Anspannung
  • Entspannungsphasen nach Stresssituationen
  • Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Körperliche Anstrengung
  • Nackenschmerzen
  • Hormonelle Veränderungen (z. B. durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre)
  • Auslassen von Mahlzeiten
  • Bestimmte Lebensmittel (z. B. Käse, Alkohol, Kaffee, Schokolade)
  • Wetterumschwünge und Klimawechsel
  • Düfte und Gerüche (z. B. Parfüm, Zigarettenrauch)
  • Licht (z. B. blendende Scheinwerfer, Neonlicht)

Mögliche Trigger sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Ein Kopfschmerz- oder Migräne-Tagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen.

Genetische Veranlagung und weitere Faktoren

Für Migräne besteht generell eine genetische Veranlagung. Bei Menschen mit bestehender Veranlagung können die genannten Auslöser für Migräne verantwortlich sein. Weitere Faktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können, sind:

  • Schwankungen des Östrogenspiegels
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Ungenügende Flüssigkeitszufuhr
  • Psychische Belastungsfaktoren
  • Besonderheiten des persönlichen Lebensstils (Umgang mit Stress, ungesunde Lebensgewohnheiten, Bewegungsmangel)
  • Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder andere Schmerzerkrankungen

Diagnose von Migräne

Oft kann anhand der geschilderten Symptome bereits eine Migräne diagnostiziert werden, wenn keine anderen neurologischen Auffälligkeiten bestehen. Bei typischem klinischem Bild sind spezifische Untersuchungen oder Tests nicht erforderlich.

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Kopfschmerztagebuch

Bei unklarer Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen kann ein Kopfschmerzkalender hilfreich sein. Darin hält man zum Beispiel fest, wie schwer und lang ein Anfall war, was zum Zeitpunkt des Anfalls geschehen ist, was man davor gegessen oder getrunken hat und welche Medikamente man genommen hat. Anhand der Aufzeichnungen können Zusammenhänge zwischen Anfällen und möglichen Auslösern deutlich werden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Kopfschmerzen plötzlich und sehr heftig auftreten.
  • Die Kopfschmerzen sich von früheren Anfällen unterscheiden.
  • Begleitende Symptome wie Fieber, Nackensteifigkeit, Seh- oder Sprachstörungen auftreten.
  • Die Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung auftreten.
  • Die Kopfschmerzen trotz Behandlung nicht besser werden.

Behandlung von Migräne

Die Ziele der Behandlung sind das Beenden der akuten Migräneattacke sowie die Verhinderung erneuter Attacken.

Akutbehandlung

Viele Menschen mit Migräne lindern Anfälle zunächst einmal mit allem, was ihnen persönlich aus Erfahrung guttut: Sie legen sich in einem ruhigen und dunklen Raum hin und bedecken die schmerzende Kopfseite vielleicht mit einer kühlenden Auflage, etwa einem feuchten Tuch oder einem Kühlelement.

Wenn die Migräne sehr schmerzhaft ist, nehmen die meisten Menschen Medikamente, um den Anfall durchzustehen. Dazu gehören vor allem:

  • Paracetamol
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen
  • Spezielle Migränemittel wie Triptane

Paracetamol, ASS und Ibuprofen sind in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich, ebenso zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane. Bevor man sich selbst behandelt, sollte aber ärztlich abgeklärt sein, dass es sich bei den Kopfschmerz-Anfällen tatsächlich um eine Migräne handelt.

Vorbeugende Maßnahmen

Bestimmte Schlafgewohnheiten oder andere Verhaltensweisen können Migräneanfälle begünstigen. Worauf Menschen mit Migräne empfindlich reagieren, ist unterschiedlich. Ein Kopfschmerz- oder Migräne-Tagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen.

Manche Menschen probieren auch Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Arzneimittel oder Entspannungsverfahren aus, um ihren Migräneattacken vorzubeugen. Bei sehr starken oder sehr häufigen Migräneanfällen kommen auch Medikamente zur Vorbeugung oder eine psychotherapeutische Behandlung infrage.

Medikamentöse Prophylaxe

Unter bestimmten Umständen (z. B. 3 oder mehr Anfällen pro Monat) kann eine kontinuierliche Behandlung mit vorbeugenden Medikamenten sinnvoll sein. Dazu gehören z. B. Medikamente der Wirkstoffgruppe der Betablocker oder Kalziumantagonisten. Auch monoklonale Antikörper oder Botulinumtoxin können eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Den wichtigsten Teil der Behandlung leisten Sie selbst durch die Vermeidung derjenigen Trigger, die bei Ihnen Migräneattacken auslösen. Dazu gehören Stressvermeidung, regelmäßige Mahlzeiten, Entspannungsmethoden, Biofeedbackverfahren sowie regelmäßige körperliche Bewegung/Ausdauersport oder auch kognitive Verhaltenstherapie.

Achten Sie darauf, genug zu trinken. Es gibt Hinweise für eine Wirksamkeit von Vitamin B2, Coenzym Q10 und Magnesium zur Nahrungsergänzung in der Migräneprophylaxe.

Psychotherapeutische Verfahren

Auch bestimmte verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird.

Entspannungsverfahren

Die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern. Manche Menschen probieren diese Methode aus, um besser mit ihrer Migräne zurechtzukommen. Andere versuchen es mit Entspannungsverfahren wie etwa autogenem Training. Dabei lernt man, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen.

Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR)

Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.

Biofeedback-Therapie

Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.

Leben mit Migräne

Migräne ist in der Regel eine chronische Krankheit. Mit einer geeigneten Therapie lassen sich die Schmerzattacken aber häufig wirksam lindern und in ihrer Häufigkeit reduzieren.

Chronische Migräne

Sehr selten wird eine Migräne chronisch. Von einem chronischen Verlauf spricht man, wenn über mindestens 3 Monate mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat auftreten. Chronische Verläufe treten bei etwa 2 % der Bevölkerung auf.

Auswirkungen auf den Alltag

Es gibt viele Menschen, deren Migräne so stark ist oder so häufig wiederkehrt, dass sie ihr tägliches Leben erschwert. Wiederholte Anfälle können sehr belastend sein; lange anhaltende Kopfschmerzen zehren an den Kräften. Viele Menschen mit Migräne sind während eines Anfalls kaum oder gar nicht in der Lage, ihren täglichen Aktivitäten zu Hause und bei der Arbeit nachzugehen. Ihre Leistungsfähigkeit und Konzentration nimmt stark ab.

Migräneanfälle können zu bestimmten Zeiten auftreten, wie bei Frauen typischerweise in den Tagen vor ihrer monatlichen Regelblutung. Oft sind die Anfälle aber unvorhersehbar. Dies macht es auch schwer, Aktivitäten zu planen oder Verabredungen einzuhalten.

Psychische Belastung

Nicht nur die Beschwerden selbst können stark belasten und die Lebensfreude dämpfen, sondern auch die Angst vor erneuten Migräneanfällen und Sorgen, wie sich die Migräne beispielsweise auf Familie und Beruf auswirkt. Negative Gefühle und Gedanken können zudem zu einem Verhalten führen, das die Lebensqualität zusätzlich mindert: Etwa wenn man aus Furcht vor einem Migräneanfall Aktivitäten vermeidet, die einem eigentlich Freude bereiten.

Migräne bei Frauen

Frauen haben öfter Migräne als Männer. Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle. Eine Migräne kann mit der Zeit von selbst besser werden. Junge Frauen haben oft zum ersten Mal eine Migräne, wenn sie ihre Monatsblutung bekommen. Bei vielen Frauen bleiben die Anfälle während einer Schwangerschaft aus und verschwinden nach den Wechseljahren ganz.

Migräne im höheren Alter

Wenn Kopfschmerzen im höheren Lebensalter erstmals auftreten, ist es besonders wichtig, ärztliche Beratung zu suchen, um andere Ursachen auszuschließen.

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