Migräne in der Schwangerschaft: Ursachen, Erfahrungen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne kann für jede Frau eine Herausforderung sein, aber während der Schwangerschaft kann sie besonders belastend sein. Hormonelle Veränderungen, Stress und andere Faktoren können zu häufigeren oder stärkeren Migräneattacken führen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Möglichkeiten, Migräne während der Schwangerschaft zu behandeln und vorzubeugen.

Einführung

Viele Frauen, die unter Migräne leiden, beobachten während einer Schwangerschaft eine Veränderung ihrer Beschwerden. Einfluss darauf haben unter anderem der Hormonspiegel und die Lebensumstände. Migräne und ihre Behandlungsmöglichkeiten spielen vor allem in der Schwangerschaft eine große Rolle. Denn aus Angst, das ungeborene Kind zu gefährden, herrscht bei vielen werdenden Müttern oft Unsicherheit darüber, ob sie ein Migränemedikament einnehmen dürfen - und falls ja, in welcher Dosierung.

Erfahrungen von Schwangeren mit Migräne

Viele Frauen berichten von unterschiedlichen Erfahrungen mit Migräne während der Schwangerschaft. Einige stellen fest, dass sich ihre Migräne bessert oder sogar ganz verschwindet, während andere unter häufigeren und stärkeren Attacken leiden.

Eine Frau berichtete, dass sie in ihrer ersten Schwangerschaft kaum Kopfschmerzen hatte, während es in ihrer zweiten Schwangerschaft am Anfang schlechter aussah. Sie wachte oft morgens mit starken Kopfschmerzen auf und versuchte, so wenig Tabletten wie möglich zu nehmen. Kühlung oder Wärme halfen ihr, und gelegentlich nahm sie Paracetamol, das ihr von ihren Ärzten als unbedenklich bestätigt wurde.

Andere Frauen haben positive Erfahrungen mit Akupunktur gemacht, um ihre Migräne während der Schwangerschaft zu behandeln. Eine Frau im Vorbereitungskurs wurde durch Akupunktur von ihrer Hebamme behandelt.

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Einige Frauen leiden während der Schwangerschaft häufiger unter Migräne. Eine Frau in der 24. Schwangerschaftswoche hatte innerhalb von 10 Tagen ihre sechste Migräneattacke und wurde im Notfall mit Paracetamol intravenös behandelt. Sie suchte nach Ratschlägen und fand Unterstützung in der Erkenntnis, dass sie nicht die Einzige mit Migräne ist.

Ursachen von Migräne in der Schwangerschaft

Die Ursachen für Migräne in der Schwangerschaft sind noch nicht ausreichend erforscht und beruhen vor allem auf individuellen Faktoren. Besonders die hormonellen Veränderungen und der an die Schwangerschaft angepasste Kreislauf von Schwangeren führen zu Migräne-Symptomen. Andererseits können die veränderten Hormonspiegel aber auch zu einer Besserung der Symptome beitragen.

Ein niedriger Östrogenspiegel ist eine mögliche Ursache für Migräne. Daher spielen Schwankungen und Veränderungen eine Rolle bei Migräne. Die hohen Östrogenwerte, die natürlicherweise in der Schwangerschaft auftreten, können die Migräne aber auch lindern. Außerdem verändert sich während der Schwangerschaft der Kreislauf der Frau: Ihr Körper versorgt nun nicht nur ihren eigenen, sondern gleich zwei (oder bei Mehrlingen sogar mehrere) Körper mit Blut, das Nährstoffe und Sauerstoff transportiert. Puls und Blutdruck verändern sich. Das wirkt sich auch auf das Gehirn der Patientin aus. Es reagiert auf diese veränderte Blutversorgung unterschiedlich, in manchen Fällen mit Migräne.

Hinzu kommen persönliche Trigger, die einen Migräne-Anfall begünstigen können. Wenn die Migräne während der Schwangerschaft weiterbesteht, haben sich auch diese verursachenden Faktoren nicht verändert. Zu den möglichen Auslösern gehören beispielsweise Stress und Wetteränderungen.

Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft

Was können Betroffene bei Kopfschmerzen und Migräne in der Schwangerschaft tun? Sie sollten zunächst versuchen, die Schmerzen ohne Medikamente zu therapieren. Auch wenn einige Schmerzmittel in der Schwangerschaft zugelassen sind, solltest du sie dennoch auf ein Minimum reduzieren. Lass dir in jedem Fall von deinem Arzt dazu beraten.

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Medikamentöse Behandlung

Grundsätzlich gilt: Versichere dich vor allem in der Schwangerschaft bei deinem Arzt, welche Mittel sich bei Migräne eignen und wie die richtige Dosierung ist. Solltest du von starker Übelkeit während der Migräne betroffen sein, gibt es Medikamente, die dir Linderung verschaffen. Die Migräne in der Schwangerschaft ist nach heutigen Kenntnissen nicht gefährlich für dein Kind, wenn du ansonsten gesund bist. Ein gewisses Risiko ist natürlich nie ganz auszuschließen.

Paracetamol ist zwar während der ganzen Schwangerschaft erlaubt, sollte jedoch die letzte Option für eine Behandlung von Migränekopfschmerzen sein. Wenn kein anderes Medikament zur Verfügung steht, ist Paracetamol jedoch das Mittel der Wahl. Bei starken Schmerzen wird Paracetamol nicht empfohlen. Zudem wirkt Paracetamol bei Migräne-Symptomen nicht besonders gut. Paracetamol sollte in der Schwangerschaft nicht leichtfertig eingenommen werden. Paracetamol ist plazentagängig und es ist möglich, dass das ungeborene Kind in der Folge mit Entwicklungsstörungen zu kämpfen hat. Bei Fragen und vor der Einnahme von Paracetamol sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin sprechen.

Triptane sind bei der Behandlung von Migräne-Schmerzen eine beliebte Alternative zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen. Sie sind auch in der Schwangerschaft zugelassen. In der Schwangerschaft ist Sumatriptan die erste Wahl.

Bei Übelkeit und Erbrechen sind in der Schwangerschaft Medikamente wie Metoclopramid und Ondansetron sinnvoll. Ondansetron sollte allerdings nicht leichtfertig verschrieben werden (strenge Indikationsstellung). Metoclopramid und Ondansetron sind nicht an ein bestimmtes Trimester gebunden und dürfen während der ganzen Schwangerschaft eingesetzt werden.

In den verschiedenen Schwangerschaftsphasen dürfen die folgenden Medikamente angewandt werden:

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  • 1. Trimester: Acetylsalicylsäure (besser bekannt als ASS), Ibuprofen und Metamizol dürfen besonders in den ersten beiden Trimestern zum Einsatz kommen. Das sind allgemeine Schmerzmittel, die vor allem den Kopfschmerz bei einer Migräne-Attacke, aber auch andere Schmerzen lindern.
  • 2. Trimester: Auch im 2. Trimester sind ASS, NSAR (zu denen Ibuprofen gehört) und Metamizol als Schmerzmittel zugelassen. Sie schädigen den Fötus in seiner Entwicklung nicht.
  • 3. Trimester: Im 3. Trimester werden ASS, NSAR (wie Ibuprofen) und Metamizol nicht empfohlen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Sind die Schmerzen erträglich, kannst du bei Migräne in der Schwangerschaft möglicherweise ganz auf Medikamente verzichten. Wichtig ist es, sich viel Ruhe und vor allem Schlaf zu gönnen. Am besten gelingt das in einem abgedunkelten Raum. Ein gekühltes Tuch an Schläfen oder Stirn und eine Wärmflasche auf dem Bauch empfinden viele Frauen ebenfalls als angenehm.

Generell helfen bei leichten Migräne-Attacken Reizabschirmung und Ruhe gleichermaßen. Es handelt sich um allgemeine, nicht-medikamentöse Maßnahmen, die auch bei Migräne in der Schwangerschaft hilfreich sind.

Einige weitere Tipps zur nicht-medikamentösen Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft:

  • Regelmäßiger moderater Sport, beispielsweise Walken, Schwimmen oder Yoga
  • Entspannungsübungen wie Meditationen oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Migräne-Trigger vermeiden
  • Viel trinken, mindestens zwei Liter täglich
  • Geregelter Tagesablauf mit Ruhepausen sowie ausreichend Nachtschlaf
  • Massagen zur Behandlung und Vorbeugung von Verspannungen
  • Pfefferminzöl auf Stirn oder Schläfen auftragen

Einige Mediziner und Hebammen empfehlen die Einnahme von Magnesium - dies sollte jedoch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Darüber hinaus können die Biofeedback-Therapie und Akupunktur weitere Behandlungsalternativen in der Schwangerschaft sein.

Vorbeugung von Migräne in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft gibt es Möglichkeiten, um einer Migräne vorzubeugen. Nicht-medikamentöse Methoden sind meistens unbedenklich. Verschiedene Entspannungstechniken, Biofeedback oder Akupunktur sind beliebte Prophylaxe-Maßnahmen.

Eine weitere hilfreiche Prophylaxe-Maßnahme ist das Meiden von Triggern. Diese lassen sich zum Beispiel mithilfe eines Migräne-Tagebuchs sehr gut aufspüren.

Einige Medikamente, die während der gesamten Schwangerschaft zur Vorbeugung eingenommen werden dürfen, sind Metoprolol, Propranolol und Amitriptylin. Es gibt zwar ausreichend medizinische Erfahrung zu ihrer Anwendung in der Schwangerschaft, wissenschaftlich geklärt ist die jeweilige Wirkung aber noch nicht lückenlos.

Topiramat darf in der Schwangerschaft nicht zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt werden. Es verursacht Entwicklungsstörungen beim heranwachsenden Kind.

Flunarizin wird außerhalb einer Schwangerschaft zur Migräne-Prophylaxe empfohlen. Bei schwangeren Patientinnen gibt es bisher nur wenig Erfahrung mit dem Mittel und seinen möglichen Auswirkungen auf Mutter und Kind. Obwohl es keine Hinweise darauf gibt, dass die Einnahme von Flunarizin zu einer Fehlgeburt führt, sollte die Migräne-Prophylaxe trotzdem mit einem anderen Mittel erfolgen, bei dem mehr Erfahrungswerte vorliegen.

OnabotulinumtoxinA (im Volksmund Botox) ist außerhalb der Schwangerschaft ebenfalls ein bewährtes Mittel zur Vorbeugung von chronischer Migräne.

Migräne kurz vor und während der Geburt

Je näher der errechnete Geburtstermin rückt, desto mehr Unruhe verbreitet sich und Fragen tauchen auf: Wird mein Kind gesund auf die Welt kommen? Sind die Schmerzen erträglich für mich? Was ist, wenn ich während der Entbindung eine Migräne-Attacke bekomme? All diese Ungewissheiten kann dir niemand vor der Geburt beantworten, trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Ängste zu reduzieren.

Viele werdende Eltern besuchen zudem einen Geburtsvorbereitungskurs, in dem sie Fragen zum Geburtsablauf klären, Tipps bekommen und über ihre Bedenken im Hinblick auf die Entbindung sprechen. Dabei erlernen die Paare unter anderem Massagetechniken, die nicht nur bei Migräne-Patientinnen entspannend wirken können. Dadurch vermeidest du vielleicht auch Stress und Verspannungen als Auslöser von Migräne, die ansonsten kurz vor der Geburt Kopfschmerzen verursachen könnten.

Grundsätzlich solltest du während der Schwangerschaft möglichst keine Schmerzmittel einnehmen, bei besonders starken Schmerzen gibt dir ein Arzt jedoch - auch bei der Entbindung - Akutmedikamente. Eine Schmerzlinderung gegen die Wehen, wie zum Beispiel eine Periduralanästhesie (PDA), kannst du ebenfalls bekommen.

Migräne nach der Geburt

Nach der Entbindung gibt es erneut Hormonumstellungen im Körper der Frau, wodurch eine Migräne, die eventuell während der Schwangerschaft seltener vorkam, wieder zunehmen kann. Das Wochenbett beschreibt die Zeit nach der Entbindung, in der sich der weibliche Körper von der Geburt erholt und sich zurückbildet. Damit gehen auch Hormonveränderungen einher, die sich auf das Auftreten von Migräne auswirken können. Sogar Frauen, die vor der Geburt nie von Migräne geplagt waren, können im Wochenbett erstmals darunter leiden. Oft neigen die Betroffenen dann zu einer Migräne mit Aura.

Wer sich während der Schwangerschaft bereits prophylaktisch auf das Wochenbett vorbereiten möchte, sollte vor allem Ruhe bewahren. Gut ist es immer, mögliche Migräne-Auslöser zu vermeiden. Bei der Behandlung der Migräne nach der Schwangerschaft müssen besonders stillende Mütter aufpassen, welche Medikamente sie einnehmen können, ohne ihrem Säugling zu schaden. Schmerzmittel sowie Triptane gelangen möglicherweise in die Muttermilch.

Einige Arzneimittel darfst du während der Stillzeit gar nicht einnehmen, bei anderen solltest du eine Zeit lang (je nach Wirkstoff 12 bis 24 Stunden) bis zum nächsten Stillen warten. Da insbesondere Säuglinge nicht mehrere Stunden ohne Mahlzeit bleiben können, ist eine Möglichkeit, die Milch vor der Medikamenteneinnahme abzupumpen. Migräne-Mittel haben womöglich auch nach der Entbindung negative Auswirkungen auf das Kind oder sie können die Milchproduktion beeinträchtigen.

Sprich die medikamentöse Behandlung immer zunächst mit deinem Arzt ab. So kannst du gemeinsam eine passende Therapie für deine individuelle Situation finden.

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