Migräne in der Schwangerschaft: Ursachen, Behandlung und was werdende Mütter wissen müssen

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der besonders Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Bis zu eine von vier Frauen im gebärfähigen Alter leidet unter Migräne. Viele Frauen mit Migräne sind verunsichert, wenn sie schwanger werden, da sie befürchten, dass die Medikamente, die sie zur Behandlung ihrer Migräne einnehmen, ihrem ungeborenen Kind schaden könnten. Dieser Artikel soll werdenden Müttern helfen, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne in der Schwangerschaft zu verstehen, und ihnen die notwendigen Informationen geben, um informierte Entscheidungen über ihre Gesundheit und die ihres Babys treffen zu können.

Veränderungen der Migräne während der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft stellt einen Ausnahmezustand für den weiblichen Körper dar. Während der Schwangerschaft können sich Migränesymptome wie einseitig pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit verbessern, da die Hormone sich stabilisieren. Viele langjährige Migräne-Patientinnen erleben mit fortschreitender Schwangerschaft, dass die Attacken seltener auftreten oder ganz ausbleiben. Das gilt besonders für die Migräne ohne Aura (Migräne ohne vorausgehende Seh- und Wahrnehmungsstörungen). Als Grund dafür vermuten Forschende den stabil hohen Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen. Eine Garantie für eine Besserung bestehender Migräne durch eine Schwangerschaft gibt es allerdings nicht. In manchen Fällen tritt sogar eine Migräne in der Schwangerschaft zum ersten Mal auf - zumeist im ersten Trimester, und typischerweise mit Aura.

Es gibt drei mögliche Verläufe der Migräne während der Schwangerschaft:

  • Verbesserung: Bei den meisten Frauen (50-80%) bessern sich die Migränesymptome während der Schwangerschaft. Dies ist besonders häufig bei Frauen, deren Migräne hormonell bedingt ist.
  • Unverändert: Bei manchen Frauen bleibt die Migräne während der Schwangerschaft unverändert.
  • Verschlechterung: Bei einigen wenigen Frauen verschlimmert sich die Migräne während der Schwangerschaft. Dies ist häufiger bei Frauen mit Migräne mit Aura.

Die Symptome bilden sich auch bei schwangeren Migränepatientinnen von selbst wieder zurück. Während der Schwangerschaft können neue Symptome auftreten, die Beschwerden können nachlassen oder sich verschlimmern. Der individuelle Verlauf lässt sich nicht vorhersagen. Auch wenn Sie schon vor der Schwangerschaft von Migräne betroffen waren, zeigen sich die Migräne-Symptome in dieser Zeit möglicherweise anders. „Gewohnte“ Symptome können fehlen, neue dazukommen. Auch hier gibt es individuelle Unterschiede.

Ursachen von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft

Kopfschmerzen in der Schwangerschaft sind eine häufige Begleiterscheinung, die viele werdende Mütter verunsichert. Die Ursachen für Migräne in der Schwangerschaft sind noch nicht ausreichend erforscht und beruhen vor allem auf individuellen Faktoren. Die hormonellen Veränderungen und der an die Schwangerschaft angepasste Kreislauf von Schwangeren führen zu Migräne-Symptomen. Andererseits können die veränderten Hormonspiegel aber auch zu einer Besserung der Symptome beitragen. Eine Vorhersage über den Verlauf ist schwierig.

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Verschiedene Arten von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft:

  • Spannungskopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen äußern sich meist durch einen dumpfen, beidseitigen Schmerz, der sich wie ein enges Band um den Kopf legt. In der Schwangerschaft verstärken sich diese Beschwerden häufig durch die veränderte Körperhaltung und das zusätzliche Gewicht. Besonders betroffen ist der Nacken- und Schulterbereich, von wo aus sich die Kopfschmerzen bis in den Hinterkopf ausbreiten können.
  • Migräne: Bei Frauen mit vorbestehender Migräne zeigt sich in der Schwangerschaft oft ein verändertes Muster. Während sich bei einigen Schwangeren die Migräne deutlich bessert, verschlimmern sich bei anderen die Beschwerden - vor allem im ersten Trimester. Die typischen Migräneanfälle sind meist einseitig und werden von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet.

Typische Auslöser für Kopfschmerzen in der Frühschwangerschaft sind:

  • Der starke Anstieg des Östrogenspiegels
  • Die Morgenübelkeit und veränderte Trinkgewohnheiten führen zu einem Flüssigkeitsmangel.
  • Die Anpassung des Kreislaufs führt zu Blutdruckschwankungen.
  • Die neue Lebenssituation kann Stress und Anspannung auslösen.

Weitere Gründe für Kopfschmerzen in der Schwangerschaft sind:

  • Stress
  • Verspannungen
  • Niedriger Blutzucker
  • Flüssigkeitsmangel

Risiken von Migräne in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen mit einer Migräneanamnese weisen ein höheres Risiko für komplizierte Schwangerschaftsverläufe auf. Sie sollten entsprechend sorgfältig informiert, überwacht und behandelt werden. In einem aktuellen umfangreichen Umbrella Review zeigt sich, dass bei Frauen mit Migräne generell die Wahrscheinlichkeit einer Präeklampsie, eines niedrigen Geburtsgewichtes des Kindes, einer Frühgeburt, einer Plazentaablösung und einer psychischen Erkrankung während der Schwangerschaft höher ist. Das Risiko ist bei einer schweren Migräne >50% erhöht. Eine schwere Migräne begründet eine Risikoschwangerschaft. Schwangerschaft und Migräne haben Hyperkoagulabilität gemeinsam: Während der Schwangerschaft ist Hyperkoagulabilität ein bedeutender Risikofaktor für schwerwiegende kardiovaskuläre Zwischenfälle, einschließlich venöser Thromboembolien und zerebrovaskulären Insulten. Es besteht ein 13-fach höheres Risiko für eine hypertensive Störung. Ein schwerer Migräneverlauf kann ein individuelles Beschäftigungsverbot notwendig machen.

Auswirkungen der Migräne wie Präeklampsie oder Fehlbildungen beim Kind sind nicht hinreichend wissenschaftlich belegt. Migräne in der Schwangerschaft wird oft mit Bluthochdruck und Präeklampsie assoziiert. Ebenso werden Frühgeburten, Untergewicht des Kindes, Schwangerschaftsdiabetes oder -depression als Folgeschäden diskutiert. Wissenschaftliche Studien liefern hier erste Erkenntnisse, jedoch keine hinreichenden Beweise.

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Wann ärztlichen Rat einholen?

Bei starken oder ungewöhnlichen Kopfschmerzen in der Schwangerschaft sollten werdende Mütter besonders aufmerksam sein. Vor allem nach der 20. Schwangerschaftswoche können starke Kopfschmerzen auf eine Präeklampsie hinweisen. Diese schwangerschaftsbedingte Erkrankung entwickelt sich meist schleichend: Der Blutdruck steigt stark an und im Urin findet sich vermehrt Eiweiß. Unbehandelt kann eine Präeklampsie sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind gefährlich werden, da sie die Durchblutung der Plazenta beeinträchtigt. Betroffene Frauen sollten in diesem Fall unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Anzeichen einer Präeklampsie:

  • Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder Lichtblitze
  • Starke Schwellungen, vor allem im Gesicht und an den Händen
  • Plötzlich auftretende starke Übelkeit mit heftigem Erbrechen nach der 20. Schwangerschaftswoche
  • Deutlich erhöhter Blutdruck
  • Stark schäumender Urin

Während der Schwangerschaft sollten Frauen auch dann einen Arzt konsultieren, wenn:

  • Die Kopfschmerzen plötzlich und ungewöhnlich stark auftreten
  • Die Schmerzen trotz Ruhe nicht nachlassen
  • Die üblichen Maßnahmen zur Linderung nicht mehr helfen
  • Sich das Allgemeinbefinden deutlich verschlechtert

Je früher eine Präeklampsie oder andere Komplikationen erkannt werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb ist es ratsam, auch leichte, aber ungewöhnliche Kopfschmerzen von einem Arzt abklären zu lassen.

Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft

Die Behandlung von Migräne in der Schwangerschaft erfordert eine sorgfältige Abwägung des Nutzens für die Mutter und des Risikos für das Kind. Eine standardisierte generelle Erstlinientherapie ist aufgrund der sehr unterschiedlichen klinischen Symptomatik der Migräne und der erforderlichen Differentialtherapie nicht zielführend. Eine medikamentöse Attackentherapie sollte nur dann erfolgen, wenn der angestrebte Nutzen überwiegt.

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Nicht-medikamentöse Behandlung

Nicht-pharmakologische Ansätze sollten bei Migräne in der Schwangerschaft immer als Erstbehandlung versucht werden. Leichte Migräneattacken können in der Schwangerschaft nichtmedikamentös durch Reizabschirmung, Ruhe, Entspannung und Eispackungen behandelt werden.

Weitere schonende Alternativen bei Kopfschmerzen:

  • Ausreichend Schlaf und regelmäßige Ruhepausen
  • Leichte Bewegung an der frischen Luft
  • Kalte oder warme Umschläge auf Stirn und Nacken
  • Progressive Muskelentspannung
  • Akupressur der Schläfen
  • Pfefferminzöl zur äußerlichen Anwendung

Medikamentöse Behandlung

Akutmedikamente gegen Migräne sollten nur dann bei Schwangeren angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen für die Mutter ein mögliches Risiko für das Kind überwiegt. Eine Grundregel sollte dabei sein, die niedrigste wirksame Dosis und die kürzeste Behandlungsdauer anzustreben. Eine Selbstmedikation sollte in der Schwangerschaft vermieden werden und eine ärztliche Verlaufs- und Erfolgskontrolle erfolgen.

Die Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Medikamenten hängt vom Trimester ab, in dem sich die Schwangere befindet. Je nach Schwangerschaftswoche ist die kindliche Entwicklung in einem anderen Stadium, sodass manche Medikamente entweder nicht mehr schädlich sind oder aber noch keinen Schaden anrichten. Aus diesem Grund sind - je nach Trimester - unterschiedliche Medikamente zugelassen oder kontraindiziert.

  • Paracetamol: Paracetamol ist zwar während der ganzen Schwangerschaft erlaubt, sollte jedoch die letzte Option für eine Behandlung von Migränekopfschmerzen sein. Wenn kein anderes Medikament zur Verfügung steht, ist Paracetamol jedoch das Mittel der Wahl. Bei starken Schmerzen wird Paracetamol nicht empfohlen. Zudem wirkt Paracetamol bei Migräne-Symptomen nicht besonders gut.Umfangreiche experimentelle und epidemiologische Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die pränatale Exposition gegenüber Paracetamol Auswirkungen auf die fetale Entwicklung des Kindes bedingen könnte. Die Daten werden teilweise kontrovers bewertet.
  • Triptane: Triptane sind bei der Behandlung von Migräne-Schmerzen eine beliebte Alternative zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen. Sie sind auch in der Schwangerschaft zugelassen. In der Schwangerschaft ist Sumatriptan die erste Wahl. Die aktuelle Fachinformation von Sumatriptan weist keine Kontraindikation von Sumatriptan in der Schwangerschaft aus; sie verweist mit der Formulierung „Das Arzneimittel sollte nur dann bei Schwangeren angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen für die Mutter ein mögliches Risiko für das Kind überwiegt“ auf die individuelle Nutzenabwägung. Ähnliche Formulierungen finden sich auch bei den anderen Triptanen; Frovatriptan wird als Ausnahme in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
  • Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS): Alternativen in den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln mit moderatem Nutzen bei leichten und mittelschweren Migräneattacken sind Ibuprofen und ASS. Diese Medikamente sollten jedoch nicht ab der 20. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Ibuprofen und Acetylsalicylsäure können bis zur 20. Schwangerschaftswoche eingenommen werden.
  • Metoclopramid und Ondansetron: Bei Übelkeit und Erbrechen sind in der Schwangerschaft Medikamente wie Metoclopramid und Ondansetron sinnvoll. Ondansetron sollte allerdings nicht leichtfertig verschrieben werden (strenge Indikationsstellung). Metoclopramid und Ondansetron sind nicht an ein bestimmtes Trimester gebunden und dürfen während der ganzen Schwangerschaft eingesetzt werden. Bei Übelkeit und Erbrechen kann Metoclopramid während der gesamten Gravidität verwendet werden. Eine hohe Gabe von Metoclopramid zum Ende der Schwangerschaft kann das Auftreten eines extrapyramidalen Syndroms beim Neugeborenen bedingen. Metoclopramid sollte daher am Ende der Schwangerschaft vermieden werden.

Es sollte die niedrigste wirksame Dosis und die kürzestmögliche Behandlungsdauer angestrebt werden. Eine Selbstmedikation sollte in der Schwangerschaft vermieden und eine ärztliche Verlaufs- und Erfolgskontrolle etabliert werden.

Vorbeugung von Migräne in der Schwangerschaft

Mit diesen Maßnahmen können werdende Mütter die Häufigkeit von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft verringern:

  • Täglich mindestens zwei Liter Wasser trinken
  • Auf regelmäßige Mahlzeiten achten
  • Bekannte Auslöser wie Stress oder grelles Licht vermeiden
  • Sich ausreichend bewegen, aber nicht überanstrengen
  • Regelmäßig lüften für eine gute Sauerstoffversorgung
  • Schwangerschaftskissen für eine bessere Schlafposition verwenden

Die richtige Balance zwischen Aktivität und Entspannung ist dabei entscheidend. Bei einer Erkrankung wie Kopfschmerzen sollten Frauen in der Schwangerschaft auf die Signale ihres Körpers hören und sich die nötigen Ruhepausen gönnen.

Auch in der Schwangerschaft gibt es Möglichkeiten, um einer Migräne vorzubeugen. Nicht-medikamentöse Methoden sind meistens unbedenklich. Verschiedene Entspannungstechniken, Biofeedback oder Akupunktur sind beliebte Prophylaxe-Maßnahmen. Eine weitere hilfreiche Prophylaxe-Maßnahme ist das Meiden von Triggern. Diese lassen sich zum Beispiel mithilfe eines Migräne-Tagebuchs sehr gut aufspüren.

Einige Mediziner und Hebammen empfehlen die Einnahme von Magnesium - dies sollte jedoch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Darüber hinaus können die Biofeedback-Therapie und Akupunktur weitere Behandlungsalternativen in der Schwangerschaft sein. Unabhängig von der Migräne wird allen Frauen mit Kinderwunsch zur Vorbeugung von Fehlbildungen des Embryos die Einnahme von Folsäure empfohlen. Die Verwendung einiger Medikamente kann den Bedarf an Folsäure steigern und eine Gabe von höheren Folsäuremengen erforderlich machen. Sprich dazu mit deinem Frauenarzt.

Medikamentöse Prophylaxe

Bitte beachten Sie bei der Einnahme von Medikamenten, dass nicht alle Präparate in der Schwangerschaft zugelassen sind, weil sie die Entwicklung des Kindes im Mutterleib gefährden können. Dies gilt nicht nur für Medikamente zur Behandlung einer Migräne, sondern auch für Mittel zur medikamentösen Prophylaxe.

  • Metoprolol, Propranolol und Amitriptylin: Metoprolol, Propranolol und Amitriptylin sind Medikamente, die während der gesamten Schwangerschaft zur Vorbeugung eingenommen werden dürfen. Es gibt zwar ausreichend medizinische Erfahrung zu ihrer Anwendung in der Schwangerschaft, wissenschaftlich geklärt ist die jeweilige Wirkung aber noch nicht lückenlos.

    Deshalb gilt es auch bei diesen Medikamenten einige Punkte zu beachten:

    • Metoprolol und Propranolol sollen in geringstmöglicher Dosis eingesetzt werden, da es sonst beim Kind (besonders während der Geburt) zu einem verlangsamten Herzschlag (Bradykardie) kommen kann.
    • Wird Amitriptylin bis zur Geburt eingenommen, sind Anpassungsstörungen des Kindes nach der Geburt möglich. Daher ist es ratsam, die Amitriptylin-Dosis etwa zwei Wochen vor dem Entbindungstermin zu reduzieren und das Kind nach der Geburt noch einige Zeit in einer Klinik zu überwachen.
    • Bei allen drei Medikamenten sind regelmäßige Ultraschalltermine zur Überwachung der kindlichen Entwicklung sinnvoll.
  • Topiramat: Topiramat darf in der Schwangerschaft nicht zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt werden. Es verursacht Entwicklungsstörungen beim heranwachsenden Kind.

  • Flunarizin: Flunarizin wird außerhalb einer Schwangerschaft zur Migräne-Prophylaxe empfohlen. Bei schwangeren Patientinnen gibt es bisher nur wenig Erfahrung mit dem Mittel und seinen möglichen Auswirkungen auf Mutter und Kind. Obwohl es keine Hinweise darauf gibt, dass die Einnahme von Flunarizin zu einer Fehlgeburt führt, sollte die Migräne-Prophylaxe trotzdem mit einem anderen Mittel erfolgen, bei dem mehr Erfahrungswerte vorliegen.

  • Botox: OnabotulinumtoxinA (im Volksmund Botox) ist außerhalb der Schwangerschaft ebenfalls ein bewährtes Mittel zur Vorbeugung von chronischer Migräne.

Migräne und Kinderwunsch

Migräne ist kein Grund, auf eine Schwangerschaft zu verzichten. Auch eine Kinderwunschbehandlung ist für Migränepatientinnen möglich.

Frauen, die an Migräne leiden und einen Kinderwunsch haben, sind oft verunsichert. Sie fragen sich, ob sie sich trotz Migräne eine Schwangerschaft zutrauen und wie es sein wird, wenn das Baby auf der Welt ist. Grundsätzlich kann das niemand vorhersagen, aber bei den meisten Frauen bessert sich die Migräne in der Schwangerschaft aufgrund der Hormonumstellung.

Um eine gesunde Entwicklung des Kindes zu ermöglichen, ist es allerdings nötig, auf einige Dinge zu achten. Vor allem in den ersten Tagen nach der Befruchtung und Einnistung ist der Embryo anfällig für schädliche Einflüsse. In dieser Phase bildet er Organanlagen aus, auf welche die weitere Entwicklung aufbaut. Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt ist es Frauen oft noch nicht bekannt, dass sie schwanger sind. Daher solltest du bereits während der Kinderwunschzeit möglichst auf Medikamente verzichten. Zusätzlich kannst du vorbeugende Maßnahmen ergreifen, sodass eine Migräne-Attacke gar nicht erst entsteht.

Die Einnahme von Arzneimitteln, die der Vorbeugung einer Migräne dienen, beenden Frauen optimalerweise einige Zeit vor der geplanten Empfängnis. Falls du trizyklische Antidepressiva zur Migräne-Prophylaxe einnimmst, ist es eventuell möglich, dass du diese in niedriger Dosierung auch mit Kinderwunsch weiterverwenden kannst.

Ist die werdende Mutter oder der zukünftige Vater von Migräne betroffen, können sie die Veranlagung dazu auf das Kind vererben. Der Nachwuchs leidet später in einem solchen Fall nicht zwangsläufig an Migräne, aber die Möglichkeit besteht. Auch wenn bisher kein bestimmtes Gen bekannt ist, das für die Symptomatik verantwortlich gemacht werden kann, so ist die genetische Veranlagung ein wichtiger Faktor als mögliche Migräne-Ursache .

Migräne während der Geburt

Je näher der errechnete Geburtstermin rückt, desto mehr Unruhe verbreitet sich und Fragen tauchen auf: Wird mein Kind gesund auf die Welt kommen? Sind die Schmerzen erträglich für mich? Was ist, wenn ich während der Entbindung eine Migräne-Attacke bekomme? All diese Ungewissheiten kann dir niemand vor der Geburt beantworten, trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Ängste zu reduzieren. Viele werdende Eltern besuchen zudem einen Geburtsvorbereitungskurs, in dem sie Fragen zum Geburtsablauf klären, Tipps bekommen und über ihre Bedenken im Hinblick auf die Entbindung sprechen. Dabei erlernen die Paare unter anderem Massagetechniken, die nicht nur bei Migräne-Patientinnen entspannend wirken können. Dadurch vermeidest du vielleicht auch Stress und Verspannungen als Auslöser von Migräne, die ansonsten kurz vor der Geburt Kopfschmerzen verursachen könnten.

Behalte immer im Hinterkopf: Grundsätzlich solltest du während der Schwangerschaft möglichst keine Schmerzmittel einnehmen, bei besonders starken Schmerzen gibt dir ein Arzt jedoch - auch bei der Entbindung - Akutmedikamente. Eine Schmerzlinderung gegen die Wehen, wie zum Beispiel eine Periduralanästhesie (PDA), kannst du ebenfalls bekommen.

Migräne nach der Geburt

Nach der Entbindung gibt es erneut Hormonumstellungen im Körper der Frau, wodurch eine Migräne, die eventuell während der Schwangerschaft seltener vorkam, wieder zunehmen kann. Beispielsweise sinkt der Östrogenspiegel kurz nach der Entbindung schnell ab - während der Schwangerschaft war er auf einem gleichbleibenden, eher hohen Niveau. Das Wochenbett beschreibt die Zeit nach der Entbindung, in der sich der weibliche Körper von der Geburt erholt und sich zurückbildet. Damit gehen auch Hormonveränderungen einher, die sich auf das Auftreten von Migräne auswirken können. Sogar Frauen, die vor der Geburt nie von Migräne geplagt waren, können im Wochenbett erstmals darunter leiden. Oft neigen die Betroffenen dann zu einer Migräne mit Aura.

Wer sich während der Schwangerschaft bereits prophylaktisch auf das Wochenbett vorbereiten möchte, sollte vor allem Ruhe bewahren. Gut ist es immer, mögliche Migräne-Auslöser zu vermeiden. Bei der Behandlung der Migräne nach der Schwangerschaft müssen besonders stillende Mütter aufpassen, welche Medikamente sie einnehmen können, ohne ihrem Säugling zu schaden. Schmerzmittel sowie Triptane gelangen möglicherweise in die Muttermilch.

Einige Arzneimittel darfst du während der Stillzeit gar nicht einnehmen, bei anderen solltest du eine Zeit lang (je nach Wirkstoff 12 bis 24 Stunden) bis zum nächsten Stillen warten. Da insbesondere Säuglinge nicht mehrere Stunden ohne Mahlzeit bleiben können, ist eine Möglichkeit, die Milch vor der Medikamenteneinnahme abzupumpen. Migräne-Mittel haben womöglich auch nach der Entbindung negative Auswirkungen auf das Kind oder sie können die Milchproduktion beeinträchtigen.

Sprich die medikamentöse Behandlung immer zunächst mit deinem Arzt ab. So kannst du gemeinsam eine passende Therapie für deine individuelle Situation finden. Familie, Beruf und Alltag zu organisieren, ist keine leichte Aufgabe. Die Migräne hat viele Gesichter.

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