Aimovig (Erenumab): Anwendung, Wirkung und wichtige Hinweise zur Migräne-Prophylaxe

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die moderne Medizin hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte bei der Behandlung und Vorbeugung von Migräne erzielt. Ein wichtiger Durchbruch ist die Entwicklung von monoklonalen Antikörpern, die gezielt gegen Substanzen wirken, die bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen. Einer dieser Antikörper ist Erenumab, der unter dem Handelsnamen Aimovig® vertrieben wird.

Was ist Aimovig (Erenumab)?

Erenumab ist ein rekombinanter, vollständig humaner monoklonaler IgG2-Antikörper. Er wurde im Juli 2018 in Deutschland und der EU zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen zugelassen, die mindestens vier Migränetage pro Monat haben. Erenumab wirkt, indem er sich an den Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)-Rezeptor bindet und dessen Funktion blockiert.

CGRP und seine Rolle bei Migräne

CGRP ist ein Neuropeptid, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt. Es reguliert die nozizeptive Signalübertragung und wirkt stark gefäßerweiternd. Während eines Migräneanfalls steigt der CGRP-Spiegel an und normalisiert sich wieder, wenn die Kopfschmerzen abklingen. Durch die Blockade des CGRP-Rezeptors kann Erenumab die durch CGRP vermittelten Entzündungsreaktionen und Gefäßerweiterungen reduzieren, die zu Migräne beitragen.

Anwendungsgebiete von Aimovig

Aimovig ist indiziert zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Das Medikament wird eingesetzt, wenn andere Migränemedikamente nicht eingenommen werden können, nicht vertragen werden oder nicht ausreichend helfen.

Die Aimovig Spritze: Anwendung und Dosierung

Erenumab wird subkutan (unter die Haut) verabreicht. Die Injektion kann am Bauch, am Oberschenkel oder an der Außenseite des Oberarms erfolgen. Um Hautreizungen zu vermeiden, sollte bei jeder Folge-Injektion eine andere Injektionsstelle gewählt werden. Injektionen dürfen nicht in empfindliche, verletzte, gerötete oder verhärtete Hautpartien gegeben werden.

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Aimovig ist als Fertigpen erhältlich, der für den einmaligen Gebrauch bestimmt ist. Die Anwendung sollte durch Fachpersonal oder nach Anweisung des Arztes erfolgen. Viele Migränepatienten sind bereits mit der Anwendung eines Autoinjektors vertraut, da ein ähnlicher Pen auch zur subkutanen Applikation von Sumatriptan verwendet wird.

Empfohlene Dosierung

Die empfohlene Dosis von Erenumab beträgt 70 mg alle vier Wochen. Einige Patienten können jedoch von einer Dosis von 140 mg alle vier Wochen profitieren, die in Form von zwei subkutanen Injektionen mit jeweils 70 mg verabreicht wird. In klinischen Studien zeigte sich durch die Dosierung mit 140 mg eine zahlenmäßig höhere Ansprechrate, die statistisch jedoch nicht signifikant war.

Behandlungsdauer und Erfolgskontrolle

Das Ansprechen auf die Therapie kann sich bereits in den ersten zwei Behandlungswochen abzeichnen. Bei Patienten, die nach drei Monaten noch kein Ansprechen zeigen, sollte die Behandlung nicht weitergeführt werden. Die Behandlung sollte kontinuierlich evaluiert werden.

Zur Verlaufs- und Erfolgskontrolle kann eine Migräne-App (kostenlos für iOS und Android erhältlich) verwendet werden, die eine genaue quantitative Evaluation der Vorbeugung und der Akuttherapie ermöglicht.

Wie wirkt Aimovig?

Erenumab ist ein monoklonaler Antikörper, der spezifisch an den CGRP-Rezeptor bindet und dessen Aktivierung verhindert. Durch die Blockade des Rezeptors kann CGRP seine Wirkung nicht mehr entfalten, was zu einer Reduktion der Migräneattacken führt.

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Studienergebnisse zur Wirksamkeit

Die Wirksamkeit von Erenumab wurde in mehreren klinischen Studien nachgewiesen. In diesen Studien konnte gezeigt werden, dass Erenumab die Anzahl der monatlichen Migränetage signifikant reduziert und die Lebensqualität der Patienten verbessert.

In einer Studie mit Patienten mit chronischer Migräne (≥ 15 Kopfschmerztage/Monat) führte die Behandlung mit Erenumab zu einer signifikanten Reduktion der monatlichen Migränetage im Vergleich zu Placebo. Auch die Anzahl der Tage mit akuter Migränemedikation konnte reduziert werden.

In einer Studie mit Patienten mit episodischer Migräne (4-14 Migränetage pro Monat) zeigte die Behandlung mit Erenumab ebenfalls eine signifikante Reduktion der monatlichen Migränetage und der Tage mit akuter Migränemedikation.

Vergleich mit anderen Migräneprophylaktika

Vergleichende Studien mit den bisherigen vorbeugenden Medikamenten liegen noch nicht vor. Die Reduktion der Migränetage pro Monat im Vergleich zu Placebo liegt mit etwa ein bis drei Migränetagen in ähnlichen Größenordnungen wie durch die bisherigen für diese Indikation zugelassenen Prophylaktika.

Was ist vor der Anwendung zu beachten?

Vor Beginn einer Behandlung mit Erenumab sollten einige wichtige Punkte beachtet werden:

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  • Ärztliche Beratung: Die Behandlung mit Erenumab sollte von einem Arzt eingeleitet werden, der Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Migräne hat.
  • Krankengeschichte: Der Arzt sollte über die vollständige Krankengeschichte des Patienten informiert sein, einschließlich aller Vorerkrankungen und Medikamente, die eingenommen werden.
  • Ausschlusskriterien: Bestimmte Patientengruppen, wie z.B. ältere Patienten (> 65 Jahre), Patienten mit Opioid-Übergebrauch oder Patienten mit vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen, waren von der Teilnahme an den klinischen Studien ausgeschlossen. Für diese Patientengruppen liegen daher keine Wirksamkeits- oder Sicherheitsdaten vor.
  • Latexallergie: Die abnehmbare Kappe des Erenumab-Fertigpens enthält getrockneten Naturkautschuklatex, der bei Personen mit Latexempfindlichkeit zu allergischen Reaktionen führen kann.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Aus Vorsichtsgründen sollte eine Anwendung von Erenumab während der Schwangerschaft vermieden werden. Es ist nicht bekannt, ob Erenumab in die menschliche Muttermilch übergeht.

Mögliche Nebenwirkungen von Aimovig

Wie alle Medikamente kann auch Erenumab Nebenwirkungen verursachen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerzen, Rötung, Juckreiz)
  • Verstopfung
  • Muskelspasmen
  • Juckreiz

Die meisten dieser Nebenwirkungen sind von leichter oder mittlerer Schwere.

Seltenere, aber schwerwiegendere Nebenwirkungen

In seltenen Fällen können schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten, wie z.B. allergische Reaktionen. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion (z.B. Hautausschlag, Juckreiz, Schwellung von Gesicht, Zunge oder Rachen, Atembeschwerden) sollte die Behandlung mit Erenumab sofort abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.

Kardiovaskuläre Risiken

CGRP hat eine ausgeprägte vasodilatatorische Wirkung. Die Hemmung seines Rezeptors birgt daher theoretisch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, das bei Migräne ohnehin gering erhöht ist. Die verfügbaren Studien ergaben keine eindeutigen Hinweise auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, allerdings wurden Patienten > 65 Jahre oder mit kardiovaskulären Ereignissen in der Vorgeschichte ausgeschlossen. Die Risiken einer langfristigen Blockade von CGRP mit Erenumab - insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer Nebenwirkungen - können zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilt werden, da Langzeitdaten zur Anwendung von Erenumab fehlen.

Lagerung von Aimovig

Das Arzneimittel muss im Kühlschrank bei 2-8 Grad Celsius gelagert und vor Frost geschützt werden. Der Autoinjektor soll im Umkarton lichtgeschützt aufbewahrt werden. Wird das Arzneimittel bei Raumtemperatur bis zu 25 Grad Celsius gelagert, muss es innerhalb von 14 Tagen angewendet oder entsorgt werden. Vor der Anwendung sollte die Lösung visuell überprüft werden.

Wirtschaftlichkeit und Erstattung

Der Preis für die monatliche Dosis von 70 mg Erenumab (Aimovig®) beträgt 688,36 Euro. Dies entspricht Jahrestherapiekosten von 8.260,32 Euro, die möglicherweise über Jahre oder Jahrzehnte anfallen können. Bei einer Behandlung mit 140 mg betragen die Jahrestherapiekosten 16.520,64 Euro.

Es ist derzeit noch nicht abschließend festgelegt, für welche Migräneformen und für welche Patienten die Erstattung durch gesetzliche Krankenkassen erfolgen wird. Vor diesem Hintergrund strebt der Hersteller eine zeitlich begrenzte Erstattung für schwer betroffene Migränepatienten an, bei denen vier (für die episodische Migräne, d.h. weniger als 15 Kopfschmerztage pro Monat) bis fünf (für die chronische Migräne, d.h. 15 und mehr Kopfschmerztage pro Monat) zugelassene Vortherapien erfolglos waren.

Aimovig: Ein Überblick über Vor- und Nachteile

Erenumab (Aimovig®) ist ein innovatives Medikament zur Migräneprophylaxe, das im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant die durchschnittlichen Migränetage reduziert. Es bietet eine vergleichbare Wirksamkeit wie andere verfügbare Migräneprophylaktika, zeichnet sich jedoch durch eine bessere Verträglichkeit aus. Ein weiterer Vorteil ist die vierwöchentliche Applikation, die allerdings subkutan erfolgen muss.

Allerdings gibt es auch einige Nachteile zu berücksichtigen:

  • Unerwünschte Wirkungen wie Reaktionen an der Injektionsstelle, Obstipation, Muskelspasmen und Juckreiz treten unter Erenumab häufiger als unter Placebo auf.
  • Die langfristigen Risiken einer Blockade von CGRP sind noch nicht abschließend beurteilbar.
  • Die Kosten für die Behandlung sind hoch, und die Erstattung durch die Krankenkassen ist nicht immer gewährleistet.

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK)

Etwa 50% der Patienten mit mehr als 15 Kopfschmerztagen pro Monat seit mindestens drei Monaten haben neben der ursprünglichen primären Kopfschmerzform als weiteren ursächlichen Grund für die zunehmende Häufung der Kopfschmerztage einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK). Die meisten Betroffenen zeigen im Gegensatz zur Ausgangssituation nach einer Medikamentenpause eine Reduktion der Kopfschmerztage pro Monat und ein erneutes Ansprechen auf vorbeugende sowie Akutmedikation. Die Beratung dazu, das Wissen um den Zusammenhang und die Konsequenzen des Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes (MÜK) sind daher essentiell.

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