Migräne ist eine weitverbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Betroffene leiden oft unter erheblichen Einschränkungen ihrer Lebensqualität. Die Forschung zu Migräne ist daher von großer Bedeutung, um neue Therapieansätze zu entwickeln und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen Überblick über aktuelle Migräne-Studien und die Möglichkeiten zur Teilnahme.
Migräne: Ein Überblick
Migräne stellt weltweit die dritthäufigste Erkrankung dar und geht mit vielen Beschwerden und häufigen Migräneattacken einher. Je nach individueller Ausprägung berichten Patienten von einigen wenigen Attacken im Jahr bis hin zu fast täglichen Migräneanfällen. Eine Migräneattacke äußert sich meist durch sehr starke, oft einseitige Kopfschmerzen, die als scharf, stechend, hämmernd oder pochend empfunden werden können. Häufig treten Begleitsymptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit auf. Körperliche Betätigung kann die Schmerzen während eines Anfalls verstärken.
Ursachen und Auslöser
Die genaue Entstehung der Migräneerkrankung ist noch ungeklärt. Es wird vermutet, dass das Zusammenspiel von Gefäß- und Nervensystem bedingt durch einen relativen Energiemangel im Gehirn bei Migräneerkrankten beeinträchtigt ist. Auch der Neurotransmitter Serotonin spielt vermutlich eine Rolle, dessen Konzentration sich bei einer Migräneattacke verändert und zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn führen kann.
Neben den Ursachen gibt es bei Betroffenen bestimmte Auslöser einer Migräneattacke, die einen Anfall begünstigen. Häufige Auslöser sind:
- Schlafstörungen: zu viel oder zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus
- Hormone: Frauen klagen über häufige Migräneanfälle während ihrer Periode
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke
- Stress
- Wetterumschwünge
Aktuelle Migräne-Studien
Es gibt verschiedene Studien, die sich mit der Erforschung und Behandlung von Migräne beschäftigen. Einige Beispiele sind:
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sinCephalea: Personalisierte Ernährung bei Migräne
sinCephalea behandelt Migräne durch personalisierte Ernährung. Ziel ist es zu beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen Migräne und Ernährung gibt und dass eine personalisierte Ernährung als digitale Migränetherapie die Lebensqualität verbessert. Bei sinCephalea wird Migräne ganz natürlich, ohne Nebenwirkungen von Arzneimitteln und nachhaltig behandelt.
Ablauf der Studie
Wenn der Fragebogen erfolgreich ausgefüllt wurde, kann man einen Termin mit dem Studienzentrum für die Visite ausmachen. Die Visiten werden telemedizinisch durchgeführt, also über einen Videoanruf. Alle weiteren Phasen der Studie werden zu Hause mit der App durchgeführt. Zudem wird das, was benötigt wird, postalisch zugesendet. Es sind also während der gesamten Studie keine persönlichen Besuche beim Arzt nötig.
Die Einschlussvisite findet telemedizinisch, also über einen Video- und Ton-übertragenden Anruf statt. In der Visite wird die Migränediagnose ärztlich bestätigt bzw. gestellt. Die Studie wird ab diesem Zeitpunkt über die App durchgeführt. Die Baselinephase dient dazu, die Ausprägung der Migräneerkrankung über vier Wochen zu erfassen.
sinCephalea hat ein Programm entwickelt, bei dem durch eine zweiwöchige Gewebezuckeranalyse mit einem Glukosesensor eine personalisierte Ernährungsempfehlung erstellt wird. Dafür wird ein kleiner Sensor am Oberarm befestigt. Der Sensor wird mit einem Pflaster an der Haut fixiert und stellt keine Beeinträchtigung im Alltag dar. Die Ernährungsinterventionsphase umfasst 12 Wochen. In dieser Phase erhält man in der App seine personalisierte Ernährungsempfehlung.
Es muss lediglich ein Kopfschmerztagebuch für 4 Monate geführt werden. Zudem werden mit dem Teilnehmer bis zu 2 Arztgespräche per Videoanruf gemacht. Der Teilnehmer erhält für seine Teilnahme an der Studie eine Aufwandsentschädigung. Sollte die Studie vorzeitig abgebrochen werden, erhält der Teilnehmer die Aufwandsentschädigung anteilig.
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Wichtiger Hinweis: Die Studie ist komplett gefüllt, daher sind keine Teilnahmen mehr möglich.
MINT-C-Studie: Vorbeugung von Migräneattacken mit Botulinumtoxin bei chronischer Migräne
Die MINT-C-Studie ist eine Phase-III-Studie zur Untersuchung von Xeomin (im Vergleich zu Placebo) in zwei verschiedenen Dosierungen, um herauszufinden, wie wirksam und sicher es zur Vorbeugung vor einer chronischen Migräne bei Erwachsenen ist. Xeomin ist ein Botulinumtoxin Typ A, das in vielen Ländern (einschließlich der USA und europäischer Länder) bereits zur Behandlung verschiedener anderer Erkrankungen zugelassen ist. Da es jedoch nicht zur Vorbeugung vor einer chronischen Migräne zugelassen ist, gilt es für die Zwecke dieser Studie als „in der Erprobung befindlich“.
MINT-E-Studie: Vorbeugung von Migräneattacken mit Botulinumtoxin bei episodischer Migräne
Die MINT-E-Studie ist eine Phase-III-Studie zur Untersuchung von Xeomin (im Vergleich zu Placebo) in zwei verschiedenen Dosierungen, um herauszufinden, wie wirksam und sicher es zur Vorbeugung vor einer episodischen Migräne bei Erwachsenen ist. Xeomin ist ein Botulinumtoxin Typ A, das in vielen Ländern (einschließlich der USA und europäischer Länder) bereits zur Behandlung verschiedener anderer Erkrankungen zugelassen ist. Da es jedoch nicht zur Vorbeugung vor einer episodischen Migräne zugelassen ist, gilt es für die Zwecke dieser Studie als „in der Erprobung befindlich“.
Studie des ZI: Daith-Piercing bei Migräne
Für eine wissenschaftliche Studie sucht das ZI Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, die unter Migräneattacken leiden und bereit sind, sich ein Daith-Piercing stechen zu lassen.
Was wird in der Studie untersucht?
In den sozialen Medien verbreiten sich immer mehr positive Erfahrungsberichte über Ohrpiercings als alternative Behandlungsmethode bei Migräne. Insbesondere das sogenannte Daith-Piercing scheint bei vielen Betroffenen aus dieser Indikation bevorzugt zu werden: Es handelt sich hierbei um ein Piercing, das durch die Knorpelfalte über dem Gehörgang gestochen wird. Die deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. rät derzeit von Piercings gegen Migräne ab, da die Gefahr von Entzündungen des Ohrknorpels besteht und derzeit noch keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit vorliegen. Diese Forschungslücke soll geschlossen und in der Studie untersucht werden, ob Ohrpiercings die Häufigkeit, Dauer und Stärke von Migräneattacken verringern und die Lebensqualität und Stimmung verbessern können. Die Teilnahme an dieser Studie bietet zweierlei Vorteile: So können die Teilnehmer den Verlauf ihrer Migräne genau nachvollziehen - also beurteilen, inwieweit die Piercings ihre Migräneattacken beeinflussen. Darüber hinaus tragen die Teilnehmer mit ihrer Teilnahme dazu bei, die vorbeugende Behandlung von Migräne künftig zu verbessern.
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Wer kann an der Studie teilnehmen?
Gesucht werden Männer und Frauen, zwischen 18 und 65 Jahren, die von Migräne betroffen sind, die sich an beiden Ohren ein Piercing durch die Knorpelfalte über dem Gehörgang stechen lassen (Daith-Piercing), die während der Studienteilnahme keine sonstigen Änderungen in ihrer Migränevorbeugung vornehmen und sich keine weiteren Ohrpiercings stechen lassen, die keine schweren körperlichen oder keine psychischen Erkrankungen haben, die aktuell keine Drogen konsumieren und die nicht schwanger sind.
Wie läuft die Studie ab?
Zunächst wird in einem telefonischen Gespräch geklärt, ob die Teilnehmer für die Studie geeignet sind. Dann startet das Kopfschmerztagebuch: Mithilfe einer App dokumentieren die Teilnehmer täglich ihre Migräneattacken. Außerdem werden sie alle zwei Monate - also bis zu ihrem Piercing-Termin - online Fragebögen ausfüllen. Nach Erhalt ihrer Piercings führen sie für weitere vier Monate Tagebuch und beantworten die Fragebögen nochmals nach zwei und vier Monaten.
Aufwandsentschädigung
Für ihren Einsatz an der Studie erhalten die Teilnehmer bei vollständiger Teilnahme eine Aufwandsentschädigung. Das Piercen selbst ist nicht Teil der Studie. Die Kosten für das Piercing werden daher nicht übernommen. Gerne wird jedoch für die Teilnehmer der Kontakt zum Piercer hergestellt.
Wichtiger Hinweis: Derzeit gibt es eine lange Warteliste zur Studienteilnahme.
Studie zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Schmerz
Zahlreiche Patientinnen mit chronisch-entzündlichen oder funktionellen Darmerkrankungen leiden unter wiederkehrenden Schmerzen oder Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Insbesondere lang andauernde (chronische) Verläufe können zu einer Schmerzzunahme auch anderer Schmerzen führen. Viele Patientinnen, die an chronischen Schmerzerkrankungen leiden, leiden auch an Depressionen, die überwiegend mit trauriger oder niedergeschlagener Stimmung einhergehen.
Ziel dieser Studie ist es, zunächst bei Gesunden die Wahrnehmung von wiederholten Dehnungsreizen aus dem Enddarm im Vergleich zu wiederholt auf der Haut applizierten Hitzereizen im Rahmen einer schmerzlindernden Behandlung zu untersuchen. Hierzu werden alle Teilnehmenden dem Zufallsprinzip nach (wie beim Werfen einer Münze) in verschiedene Gruppen zugelost. Entsprechend ihrer Zuordnung wird Teilnehmer*innen entweder traurige oder gefühlsmäßig „neutrale“ Musik und Sätze präsentiert, um vorübergehend eine negative bzw. „neutrale“ Stimmung herbeizuführen. Direkt im Anschluss wird jeweils die Empfindlichkeit gegenüber Reizen aus dem Darm und auf der Haut untersucht. Dies ermöglicht Rückschlüsse auf die Wirkmechanismen von Schmerzbehandlungen für verschiedene Körperregionen unter negativer und neutraler Stimmung und ist ein wichtiger Schritt, um zu verstehen, wie chronische Schmerzen entstehen und sich auf die Behandlung auswirken.
Die Studie gliedert sich in drei Tage auf. An Tag 1 wird eine MRT-Messung durchgeführt, um die Struktur und die Ruheaktivität des Gehirns zu erheben, an diesem Tag erhalten die Teilnehmer keine Schmerzreize und auch KEIN Kontrastmittel (ca 1h). An Tag 2 (ca. 4h) und 3 (ca. 1,5h) erfolgen die eigentlichen Untersuchungstermine in der Klinik für Neurologie. Tag 2 umfasst außerdem noch eine kurze körperliche Voruntersuchung.
Weitere Studien und Register
Das Kopfschmerzregister der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Das DMKG-Kopfschmerzregister ist ein Projekt der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), um Daten von Migränepatienten zu Forschungszwecken zu erheben. Das Kopfschmerzzentrum Frankfurt nimmt aktiv an diesem Forschungsprojekt teil. Das Register hilft den Teilnehmern, gut vorbereitet mit allen wichtigen Informationen zu ihrem Arzttermin zu kommen und diese mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin zu teilen. Sie gewinnen Zeit für das persönliche Gespräch mit ihrem Arzt! Im Patientenportal werden die wichtigsten Informationen über ihre Kopfschmerzen, Vorbehandlungen, Medikamente etc. abgefragt. Das Patientenportal soll vor dem Arzttermin ausgefüllt werden. Ideal ist 1-2 Wochen vorher, so dass der Arzt aktuelle Daten hat. Ohne Einträge im Patientenportal ist eine Teilnahme am Register nicht möglich. Die DMKG-App ist ein digitaler Kopfschmerzkalender. Am besten beginnen die Teilnehmer sofort damit, so dass der Arzt einen möglichst langen Zeitraum ihrer Kopfschmerzen überblicken kann.
Weitere Studien: Auf der Website von FutureMeds werden verschiedene Studien angeboten. Die Studien werden in der Regel an einem der Studienzentren durchgeführt. In Deutschland gibt es bisher zwei Standorte. Die Studie startet voraussichtlich im Winter 2026.
Allgemeine Informationen zur Studienteilnahme
Wie kann eine Studienteilnahme helfen?
Die Teilnahme an klinischen Studien verschafft Zugang zu innovativen und potenziell lebensrettenden Behandlungen und trägt zur medizinischen Forschung bei, was sowohl den aktuellen als auch den künftigen Ergebnissen der Gesundheitsversorgung zugute kommt. Sie bietet medizinische Spitzenversorgung unter professioneller Aufsicht und befähigt den Einzelnen, einen Beitrag zum Wohl der Gesellschaft zu leisten. Die Teilnehmenden sollten jedoch Risiken und Nutzen sorgfältig abwägen und sich vor der Teilnahme an einer Studie von ihremr Ärztin beraten lassen.
Anmeldung zur Teilnahme
Die Anmeldung zur Teilnahme ist einfach! Wenn man sich für eine bestimmte Studie interessiert, meldet man sich am besten über das Kontaktformular auf der jeweiligen Studienseite an. Eine Liste aller Studien findet man hier. Falls derzeit keine Studie durchgeführt wird, die für einen interessant ist, kann man sich hier in der Datenbank registrieren. Man wird dann benachrichtigt, wenn eine passende Studie für einen startet.
Sicherheit und Risiken
Die Durchführung von klinischen Studien unterliegt strengen Vorschriften und ethischen Richtlinien. Die Sicherheit der Teilnehmenden steht zu jedem Zeitpunkt an erster Stelle. Zwar sind alle medizinischen Eingriffe mit einem gewissen Risiko verbunden, aber bei der Konzeption jeder Studie werden Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um mögliche Risiken zu minimieren. Die Teilnehmenden werden über mögliche Risiken informiert, bevor sie ihrer Teilnahme zustimmen, und die Studien werden von medizinischen Fachkräften und Aufsichtsbehörden genau überwacht, um die Sicherheit während des gesamten Prozesses zu gewährleisten.
Entschädigung
Die Entschädigung ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Man kann jedoch mindestens eine Entschädigung für seine Reisekosten erwarten. Oft erhält man zusätzlich zur Fahrtkostenerstattung auch eine Aufwandsentschädigung, die von einer Ethikkommission bewilligt wird. Die Höhe der Entschädigung erfährt man vor Teilnahme.
Datenschutz
FutureMeds Deutschland und das Netzwerk internationaler Studienzentren haben einen Datenschutzbeauftragten und halten sich konsequent an alle nationalen und internationalen Datenschutzgesetze. Das bedeutet, dass nur anonymisierte Krankheitsdaten an die Kunden weitergegeben werden, die für die Beurteilung von Arzneimittelwirkungen erforderlich sind. Namen und Adressdaten werden niemals an Kunden, werbende Unternehmen oder andere potenzielle Interessenten weitergegeben. Darüber hinaus unterliegen alle Mitarbeiter*innen von FutureMeds selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht.
Was geschieht nach Studienende?
FutureMeds kann nach dem Ende der Studie keine privatärztliche Behandlung anbieten. Dennoch werden die Teilnehmer nicht allein gelassen, sondern bei der Suche nach einer geeigneten Weiterbehandlung unterstützt. Die Ärztinnen werden umfassend beraten. Auf Wunsch erhält derdie behandelnder Ärztin einen Verlaufsbericht mit Behandlungsempfehlungen.
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