Migräne vom Basilaristyp: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Migräne vom Basilaristyp, heute korrekter als Migräne mit Hirnstammaura bezeichnet, ist eine spezielle Form der Migräne mit Aura. Sie zeichnet sich durch neurologische Symptome aus, die auf eine Beteiligung des Hirnstamms hindeuten. Früher wurde diese Form als „Basilarismigräne“ bezeichnet, da man annahm, dass die Arteria basilaris, die den hinteren Teil des Kopfes versorgt, eine zentrale Rolle spielt.

Kurzübersicht

Die Migräne mit Aura ist eine von mehreren Migräneformen. Die Aura tritt meist vor der eigentlichen Migräne auf und kündigt verschiedene Symptome an. Die Aura tritt auf unterschiedliche Weise auf und wird von den Betroffenen individuell wahrgenommen. Sie dauert in der Regel höchstens eine Stunde. Auf die Aura folgen nicht immer migränetypische Kopfschmerzen. Manchmal ist die Aura das einzige Symptom. Eine Aura ohne nachfolgenden Kopfschmerz heißt in Medizinerkreisen „Migraine sans migraine“. Dabei handelt es sich aber um eine Ausnahme. Meistens folgt auf eine Aura auch ein Migräne-Anfall. Insgesamt kommt bei etwa einem Drittel der Migräne-Betroffenen eine Aura vor. Es handelt sich also nicht um eine Seltenheit.

Ursachen der Migräne mit Hirnstammaura

Die genauen Ursachen der Migräne sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und individuellen Auslösern (Triggern) eine Rolle spielt.

Genetische Faktoren

Es gibt eine familiäre Veranlagung für Migräne. Auch wenn bei den meisten erblichen Migräneformen mehrere Gene beteiligt sind und die Erforschung komplex ist, weiß man heute ziemlich sicher, dass es eine sogenannte familiäre Veranlagung (Disposition) gibt.

Individuelle Auslöser (Trigger)

Zusätzlich gibt es bestimmte Trigger, die eine Migräne mit Aura auslösen können:

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  • Stress
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Reizüberflutung
  • Wetter bzw. Wetterwechsel
  • Bestimmte Lebens- und Genussmittel
  • Unterzuckerung durch unregelmäßige Mahlzeiten
  • Hormonelle Veränderungen

Warum diese Faktoren einen Migräne-Anfall - mit oder ohne Aura - „triggern“ können und was genau dabei im Körper geschieht, wird medizinisch als Pathophysiologie bezeichnet.

Nervenaktivität

An der Nervenaktivität im Gehirn kann man erkennen, wie die Aura entsteht: Wenn eine Nervenzelle „übererregt“ wird, entsteht eine sogenannte Streudepolarisation. Diese Erregung findet zuerst in nur einem Hirnbereich statt. Von dort aus breitet sich diese Depolarisation wie eine Welle auch in andere Areale des Gehirns aus. Dort nimmt die Nervenaktivität dann ab.

Foramen Ovale

Die Migräne mit Aura kann in seltenen Fällen auch auf einen genetischen Defekt des sogenannten Foramen ovale zurückzuführen sein. Das Foramen ovale ist ein kleines Loch im kindlichen Herz, das während der Schwangerschaft für die Blutversorgung des Ungeborenen sorgt. Normalerweise verschließt sich dieses Loch von alleine nach der Geburt, aber nicht bei allen Menschen. In den meisten Fällen bleibt ein unverschlossenes Foramen ovale im Laufe des Lebens unentdeckt und macht keine Probleme. Trotzdem lohnt es sich, Nachforschungen in diese Richtung anzustellen, wenn keine andere Ursache für die Migräne mit Aura gefunden wird.

Symptome der Migräne mit Hirnstammaura

Die Symptome der Migräne mit Hirnstammaura sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Sie treten während der Aura-Phase auf, die der eigentlichen Kopfschmerzphase vorausgeht oder sie begleitet. Die Symptome dauern in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten an.

Hirnstammsymptome

Die folgenden Symptome sind typisch für die Migräne mit Hirnstammaura:

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  • Beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder: Dieses Symptom betrifft als einziges Symptom der Hirnstammaura das Sehen. Flimmern oder Lichtblitze kommen bei der Hirnstammaura allerdings seltener vor.
  • Sprachstörungen (Dysarthrie): Diese Artikulationsstörung betrifft die Sprechwerkzeuge. Die Betroffenen wissen und verstehen zwar, was sie ausdrücken möchten, wegen einer Koordinationsstörung von Zunge, Lippen oder Kehlkopf kommt aber keine Lautbildung zustande.
  • Bewegungsstörungen (Ataxie): Bei einer Ataxie sind die Bewegungsabläufe und Koordinationsfähigkeiten gestört. Den Betroffenen gelingt es dann nicht, sich fortzubewegen oder alltägliche Aufgaben zu erledigen, weil der Körper nicht „gehorcht“.
  • Hörminderung: Einige Betroffene hören während der Aura-Phase schlechter als sonst. Tinnitus, also das Dauerpfeifen im Ohr, und Schwindel können begleitend auftreten. Weil das Vestibularorgan im Innenohr an diesen Symptomen beteiligt ist, gehen sie oft Hand in Hand.
  • Bewusstseinsstörungen: Bei einer Hirnstammaura treten manchmal Bewusstseinsstörungen auf. Das bedeutet nicht immer Ohnmacht: Auch eine verminderte Ansprechbarkeit ist eine Bewusstseinsstörung.
  • Keine motorischen Defekte: Die Ursache dieser Störungen ist nicht in der Motorik zu finden. Vielmehr betrifft das Problem die Koordination der einzelnen Körperteile, die normalerweise im Gehirn stattfindet.

Weitere Symptome

Neben den Hirnstammsymptomen können auch andere Symptome auftreten, die typisch für Migräne mit Aura sind:

  • Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen sind meist pulsierend, pochend oder stechend und treten häufig einseitig auf. Sie können sich bei körperlicher Anstrengung verstärken.
  • Übelkeit und Erbrechen: Viele Betroffene leiden während der Migräneattacke unter Übelkeit und Erbrechen.
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Betroffene sind während der Attacke oft sehr empfindlich gegenüber Licht und Geräuschen.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, die Migräne mit Hirnstammaura von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören unter anderem:

  • Transitorische ischämische Attacke (TIA)
  • Schlaganfall
  • Epilepsie
  • Multiple Sklerose
  • Tumore im Bereich des Hirnstamms

Diagnose der Migräne mit Hirnstammaura

Die Diagnose der Migräne mit Hirnstammaura basiert in erster Linie auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der neurologischen Untersuchung. Der Arzt wird sich nach den Symptomen, der Häufigkeit und Dauer der Attacken sowie nach möglichen Auslösern erkundigen.

Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung werden verschiedene Funktionen des Nervensystems überprüft, wie z.B. die मोटरik, die Sensorik, die Koordination und die Reflexe.

Bildgebende Verfahren

In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

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Behandlung der Migräne mit Hirnstammaura

Die Behandlung der Migräne mit Hirnstammaura zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren.

Akutbehandlung

Zur Akutbehandlung einer Migräneattacke können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) helfen.
  • Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die bei mittelschweren bis schweren Attacken eingesetzt werden können. Sie wirken gefäßverengend und entzündungshemmend.
  • Mittel gegen Übelkeit: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingenommen werden.

Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)

Wenn die Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

  • Betablocker: Betablocker werden eigentlich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Antiepileptika: Einige Antiepileptika wie Topiramat und Valproinsäure können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Calciumantagonisten: Flunarizin ist ein Calciumantagonist, der die Übererregbarkeit der Nervenzellen reduzieren kann.
  • CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die gezielt gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) wirken, einen Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt.

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