Migräne-Symposium Augsburg: Aktuelle Erkenntnisse und Therapieansätze

Das Migräne-Symposium in Augsburg, veranstaltet von der MigräneLiga, bot im März eine Plattform für Experten, um neueste Forschungsergebnisse und Therapieansätze zu diskutieren. Im Fokus standen insbesondere die Zusammenhänge zwischen Migräne, Angst und Depressionen sowie neue medikamentenfreie Therapieoptionen. Prof. Andreas Straube präsentierte auf dem Symposium seine Forschungsergebnisse.

Migräne und psychische Begleiterkrankungen

Migräne ist nicht nur durch starke Kopfschmerzen gekennzeichnet, sondern oft auch von psychischen Begleiterkrankungen wie Angst und Depressionen begleitet.

Zusammenhang zwischen Kopfschmerzattacken, Angst und Depressionen

Die mögliche Folge von Migräne kann Angst und Depression sein. Depressionen plagten 22,7 Prozent der Migräniker im Gegensatz zu 3,2 Prozent bei einer Vergleichs-Stichprobe. In einer Umfrage aus China berichteten 38,1 Prozent der Kopfschmerz-Patienten von Angst, 17,6 Prozent wiesen eine Depression auf. Aktuelle Daten aus China zeigen ergänzend, dass Angst und Depressionen sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Migräneattacken ansteigen lassen - ein Teufelskreis.

Warnsignale vor der Attacke

Bis zu 24 Stunden vor Einsetzen einer Migräne-Attacke, in der sogenannten Prodromalphase, nehmen viele Patienten Warnsignale wahr. Dazu zählen Müdigkeit, Heißhunger, Bewegungsdrang, Gähnen, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme. Wie eine spanische Studie zeigte, zählt auch Angst zu den Symptomen: Sie trat bei 77 Prozent der Untersuchten in zwei Drittel ihrer Migräneattacken auf.

Sport als Ausweg aus dem Teufelskreis

Prof. Straube appellierte an die Zuhörer, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Als eine Möglichkeit, die Migräne in den Griff zu bekommen, nannte er Sport. Kopfschmerz-Experten empfehlen, sich zwei- bis viermal pro Woche mindestens eine halbe Stunde lang zu bewegen. Ideal sind Ausdauersportarten wie Jogging, Walking oder Schwimmen. Regelmäßiger Sport kann zudem helfen, das Angstniveau zu reduzieren.

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Neue Therapieoption: Remote Electrical Neuromodulation (REN)

Mit der Remote Electrical Neuromodulation (REN) wird in Deutschland ab Frühjahr 2024 eine neue medikamentenfreie Therapieoption zur akuten Behandlung und Prävention von episodischer und chronischer Migräne zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse klinischer Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der neuen Methode wurden im Vorfeld des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) erstmals der Fachöffentlichkeit präsentiert.

Funktionsweise und Anwendung

REN aktiviert durch subjektiv schmerzfreie elektrische Impulse am Oberarm die körpereigenen Mechanismen der Schmerzkontrolle (Conditioned Pain Modulation, CPM), was zu einer Linderung der Migränekopfschmerzen oder zur Schmerzfreiheit führt. Das verschreibungspflichtige Neuromodulations-Armband zur Migränetherapie wird über eine App gesteuert und am Oberarm getragen. Die Selbstbehandlung dauert 45 Minuten und wird akut bei einer beginnenden Migräneattacke oder präventiv jeden zweiten Tag durchgeführt. Geeignet ist REN für Migränepatientinnen und -patienten ab 12 Jahren.

Studienergebnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit

Die Wirksamkeit, Verträglichkeit und Effektivität der nicht invasiven Neuromodulation mit der REN-Methode wurden seit 2017 in einem umfangreichen Studienprogramm evaluiert. Wie die prospektiven, doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studien zeigen, ist REN für Patientinnen und Patienten mit episodischer oder chronischer Migräne geeignet. Zudem erwies sich die Methode sowohl in der Akutbehandlung als auch in der Migräneprophylaxe als wirksam. Die Anwendung der REN verringerte bei den Betroffenen die Schmerzintensität der Migräne oder führte zur vollständigen Schmerzfreiheit. Teils berichteten die Patientinnen und Patienten auch über weniger Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit. Hervorzuheben ist die gute Verträglichkeit, die über alle Studien hinweg beobachtet wurde. REN ist auch bei Jugendlichen effektiv, das zeigt eine prospektive, offene, multizentrische Studie.

Chronische Schmerzen im Kindes- und Jugendalter

Chronische Schmerzen im Kindes- und Jugendalter sind ein zunehmendes Problem. Die regelmäßig erhobenen Daten zur Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zeigen einen stetigen Anstieg von wiederkehrenden Schmerzen. Bei den Jugendlichen berichten 25% von regelmäßigen Schmerzen, die mindestens einmal pro Woche auftreten. Die häufigste Schmerzart ist hierbei der Kopfschmerz. Deutschlandweit leiden ca. 350.000 Kinder und Jugendliche an starken, einschränkenden, wiederkehrenden Schmerzen, im Sinne einer chronischen Schmerzstörung. Diese führt zu einer ausgeprägten Belastung der Betroffenen und deren Familien.

Ursachen und Auswirkungen

Chronischer Schmerz ist ein anhaltendes oder wiederkehrendes Phänomen mit einer Dauer von mehr als drei Monaten. Dabei ist er meist durch eine Vielzahl von Ursachen und Einflüssen bedingt. Bei chronischen Schmerzen ist oft die eigentliche Schutz-/Warnfunktion des Körpers verloren gegangen. Es bildet sich ein Schmerzgedächtnis aus, das Kinder und Jugendliche Schmerzen empfinden lässt, auch wenn keine organische Ursache (mehr) vorliegt. So lässt sich auch oft keine zugrunde liegende körperliche Störung finden. Wenn eine Erkrankung der Auslöser ist (z.B. Migräne), dann ist es wichtig für die Betroffenen, dass sie lernen damit umzugehen und dadurch mehr Selbstsicherheit erlangen.

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Multimodale Schmerztherapie

Die multimodale Schmerztherapie stellt eine ganzheitliche Behandlungsform der bio-psycho und sozialen Beschwerden bei einer chronischen Schmerzstörung dar. Durch ein interdisziplinäres Team erfahren die Kinder und Jugendlichen mehr über Schmerzentstehung, -wahrnehmung und -empfindung. Sie erlernen Techniken, um im Alltag besser mit den Schmerzen umgehen zu können.

Weitere Veranstaltungen und Kongresse im Bereich Neurologie und Schmerztherapie

Neben dem Migräne-Symposium in Augsburg gibt es zahlreiche weitere Veranstaltungen und Kongresse, die sich mit neurologischen Erkrankungen und Schmerztherapie beschäftigen. Hier eine Auswahl:

  • Berliner EEG-Kurs für das Kindes- und Jugendalter
  • N.F.A. Neurophysiologische Fortbildungs-Akademie GmbH
  • Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
  • Deutscher Schmerzkongress
  • Integrierte Weiter-/Fortbildung „Spezielle Schmerzphysiotherapie/Schmerzergotherapie“ der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.
  • Akutschmerzkurs BasisCurriculum der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.
  • Medizinische Hypnose Grundkurs der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.
  • Spezielle Schmerzpflege (Brückenkurs, Weiterbildung)
  • Schmerzwoche Mayrhofen
  • Kurs "Spezielle Schmerztherapie"

Diese Veranstaltungen bieten eine Plattform für den Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Ärzten, Forschern und anderen Fachleuten im Bereich der Neurologie und Schmerztherapie.

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