Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die das Leben vieler Menschen beeinträchtigt. Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren das Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten stark erweitert. Mit der Einführung neuer Medikamente, darunter die sogenannten Gepante, eröffnen sich neue Perspektiven für die Akutbehandlung und die Prophylaxe von Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Migränebehandlung mit besonderem Fokus auf die neuen Tabletten, die seit kurzem auf dem deutschen Markt erhältlich sind.
Erweiterung des Behandlungsspektrums bei Migräne
In den vergangenen Jahren hat sich das Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten stark erweitert. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie sowie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft haben die wissenschaftlichen Studien dazu ausgewertet. Die Ergebnisse sind in die frisch aktualisierte S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ eingeflossen.
Triptane bleiben wichtiger Bestandteil der Akutbehandlung
Als wirksamste Medikamente zur Akutbehandlung gelten weiterhin Triptane. Eine neue Wirkstoffkombination mit einem Triptan und einem langwirksamen Schmerzmittel hat sich nach der aktualisierten Einschätzung der Fachgesellschaften als wirksam gezeigt. Tipp: Die Deutsche Hirnstiftung hat erstmals eine patientenverständliche Version der Leitlinie erstellt. Je früher Sie ein Triptan bei einer Attacke einsetzen, desto besser die Wirkung - bei Migräne mit Aura aber erst, wenn die Kopfschmerzen losgehen. Hilft ein Triptan-Wirkstoff nicht ausreichend, kann es sinnvoll sein ein anderes Triptan auszuprobieren. Zahlreiche große Studien haben gezeigt: Bei einer akuten Migräne-Attacke sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane am wirksamsten, allen voran Eletriptan, Rizatriptan und Sumatriptan. Sie verengen die durch Migräne geweiteten Blutgefäße im Gehirn und sollten bei schweren Attacken zum Einsatz kommen, wenn Schmerzmittel nicht ausreichend wirken. Tipp: Einige der Triptane sind als Nasensprays oder Schmelztabletten erhältlich und daher bei Übelkeit eine gute Alternative zu Tabletten. Seit Anfang April 2025 in Deutschland verfügbar ist das verschreibungspflichtige Medikament Suvexx, das das Triptan Sumatriptan mit dem langwirksamen Schmerzmittel Naproxen kombiniert. In Studien wirkte es besser als die einzelnen Substanzen. Neun Tabletten kosten knapp 33 Euro. Einige Menschen sollten keine Triptane einnehmen: zum Beispiel jene mit Herz- und Gefäß-Erkrankung, einem bereits erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen. Beide Substanzen zeigten sich in Studien bei akuten Migräneattacken wirksamer als ein Placebo. Sie können daher zum Einsatz kommen, wenn medizinische Einwände gegen den Einsatz von Triptanen bestehen oder diese nicht wirksam sind. Rimegepant ist gut verträglich. Wer den Einsatz von Medikamenten gegen Migräne verringern möchte, hat laut der aktualisierten Leitlinie mit verschiedenen Strategien gute Chancen - vor allem vorbeugend, aber auch während einer Attacke. Einzelne Studien wiesen etwa die Wirksamkeit von Verfahren zur Nervenstimulation bei akuten Attacken nach: Die dafür nötigen kleinen Stimulationsgeräte, die an der Stirn oder am Oberarm selbst angewendet werden, müssen Migräne-Geplagte bislang allerdings selbst zahlen. Biofeedback kann der Leitlinie zufolge auch der Vorbeugung von Migräne dienen. Alternativ empfiehlt sie Entspannungsverfahren und kognitive Verhaltenstherapie und auch regelmäßigen Ausdauersport. Die Leitlinie nennt auch Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung von Migräne − etwa Magnesium oder Vitamin B2. Der Wissensstand dazu sei aber gering: Bei Magnesium sei die Studienlage nicht eindeutig, es eigne sich in der Dosierung zweimal 300 Milligramm pro Tag aber für Betroffene, die eine Therapie mit einem Medikament nicht wünschen. Tipp: Wer oft unter Migräne leidet, kann von Apps profitieren, die etwa Kopfschmerztagebuch, Infos und Übungen bieten. Leiden Betroffene häufig und stark an Migräne, sodass die Lebensqualität eingeschränkt ist und das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs besteht, kann laut der Leitlinie die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten getroffen werden. Infrage kommen mehrere, gut erprobte Mittel aus der Behandlung von Bluthochdruck, Epilepsie und Depressionen. Die Leitlinie nennt auch zwei neuartige Wirkstoffe aus der Gruppe der Gepante - eine Klasse von Medikamenten mit neuartigem Wirkansatz -, die zur Prophylaxe zugelassen und wirksam sind: Rimegepant zur Vorbeugung episodischer Migräne sowie das seit März 2025 auf dem deutschen Markt verfügbare Atogepant zur Vorbeugung episodischer und chronischer Migräne.
Was sind Gepante?
Viele verzweifeln an ihren Migräne-Attacken: Oft wirken die eingesetzten Mittel nur kurzzeitig oder können wegen anderer Erkrankungen nicht verwendet werden. Hoffnung macht jetzt ein neuer Ansatz. In rund zwei Monaten soll in Deutschland ein neues Migräne-Medikament auf den Markt kommen: ein sogenanntes Gepant. Gepante wirken nicht nur prophylaktisch, sondern lindern auch akute Migräne-Attacken. Zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung leiden laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft unter Migräne. Eine von ihnen ist Annika Sandré, die in Hamburg eine Selbsthilfegruppe leitet. Sie ist mit bis zu 25 Migräne-Tagen im Monat stark betroffen. Die Schmerzen, die sie während eines Migräneanfalls erlebt, beschreibt sie als kaum aushaltbar. "Dann liege ich im Bett, alles ist dunkel. Bislang nimmt Annika Sandré vor allem Triptane. Seit einigen Jahren gibt es auch Antikörper, die das Calcitonin Gene-Related-Peptide (CGRP) hemmen und so Migräneattacken verhindern. CGRP wirkt gefäßerweiternd und ist an Entzündungsreaktionen während eines Migräneanfalls beteiligt. Beide Effekte führen bei Betroffenen zu starken Kopfschmerzen. Annika Sandré erlebte mit diesen Antikörpern eine deutliche Verbesserung, doch nach ein paar Monaten ließ die Wirkung nach. Gepante sollen ebenso wie die zur Prophylaxe dienenden Antikörper bei dem Botenstoff CGRP ansetzen. Neurologe May schätzt die neuen Medikamente als durchaus effektiv ein - auch wenn es keine Wundermittel seien. "Es ist einfach ein neuer Wirkansatz. Gepante erweitern also die Therapieoptionen und ermöglichen maßgeschneiderte Behandlungen, vor allem für Migräne-Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen. Zwar sei das neue Medikament vergleichsweise teuer, doch die Nebenwirkungen der Gepante - wie Übelkeit und Verstopfung - gelten in der Regel als gut verkraftbar.
Gepante sind eine neue Klasse von Medikamenten, die Migräneanfällen vorbeugen und auch im Akutfall helfen sollen. Die Wirkstoffe setzen an einem Botenstoff an, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle zu spielen scheint: Dem Calcitonin-Gene-Related-Peptide kurz CGRP. Dockt er an bestimmten Stellen im Hirn an, führt das zu einer Entzündungsreaktion. Gleichzeitig steigt die Schmerzempfindlichkeit. Es kommt zu einer Migräneattacke. „Gepante blockieren die Andockstelle“, erklärt Prof. Burkhard Hinz, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universitätsmedizin Rostock. Dadurch werden Migräneattacken verhindert oder abgeschwächt.
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Was unterscheidet Gepante von bislang gängigen Migräne-Medikamenten?
Es gibt bereits einige Medikamente, die erfolgreich bei Migräne eingesetzt werden. Zur Akutbehandlung schwerer Migräneanfälle sind die sogenannten Triptane empfohlen. Für die Vorbeugung von Migräneattacken (Migräneprophylaxe) werden unter anderem bestimmte Antikörper eingesetzt. Sie binden entweder das CGRP, sodass es erst gar nicht im Gehirn andocken kann. Oder aber sie blockieren - wie Gepante -die Andockstelle selbst, sodass CGRP keine Wirkung entfalten können.
Antikörper werden per Spritze verabreicht. „Sie wirken nicht so schnell, dafür aber länger anhaltend“, so Pharmakologe Hinz. Deshalb kommen sie nur bei der Vorbeugung von Migräneaanfällen zum Einsatz.
Gepante können in Tablettenform eingenommen werden. Sie wirken nach der Einnahme zwar relativ schnell, werden im Vergleich zu den Antikörpern aber auch viel schneller wieder ausgeschieden. Sie sind grundsätzlich sowohl für die Behandlung einer Attacke als auch für die Vorbeugung von Migräne geeignet.
Für wen sind Gepante geeignet?
Gepante könnten vor allem für Menschen geeignet sein, die Triptane beispielsweise aufgrund ihres Herz-Kreislauf-Risikos nicht einnehmen dürfen. „Triptane bewirken eine Verengung der beim Migräneanfall erweiterten Blutgefäße der Hirnhaut. Sie können aber gleichzeitig auch andere Blutgefäße wie die Koronararterien verengen“, erklärt Schmerzforscher Hinz. Deshalb sollten unter anderem Menschen mit koronarer Herzkrankheit oder nicht medikamentös eingestelltem Bluthochdruck sowie Personen nach Schlaganfall oder Herzinfarkt keine Triptane einnehmen.
Gepante haben dagegen keine gefäßverengenden Eigenschaften. „Man kann sie grundsätzlich bei Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verschreiben“, sagt Prof. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums an der Universitätsmedizin Essen. Trotzdem gibt es auch bei dieser Substanzklasse eine Unsicherheit: Im Mäuse-Experiment konnte gezeigt werden, dass ein Schlaganfall unter der Einnahme von Gepanten ein größeres Hirnareal betrifft. Bei Menschen ist das bislang nur theoretisch. „Wenn jemand aber ein hohes Risiko hat, einen Schlaganfall zu erleiden, würden wir diese Präparate derzeit eher nicht geben“, so die Migräne-Expertin. „Auch wenn wir wissen, dass die Gepanten selbst das Risiko für einen Schlaganfall nicht erhöhen.“
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
Nicht geeignet sind Gepante auch für Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber diesen Arzneimitteln. Außerdem vertragen sie sich nicht mit allen anderen Arzneien.
Können Gepante schon gegen Vorboten-Symptome der Migräne wirken?
Eines der neuen Medikamente, Ubrogepant, könnte nicht nur gegen die Kopfschmerzen wirken, sondern auch schon gegen vorhergehende Symptome der Migräne. Das ergab eine Nachauswertung einer Studie, deren Ergebnisse im Mai 2025 im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde.
Viele Menschen erleben bis zu zwei Tage vor Auftreten der Migräne-Kopfschmerzen - in der sogenannten Prodromalphase - Symptome wie Müdigkeit, erhöhte Empfindlichkeit für Licht und Geräusche, Nackenschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Auch eine sogenannte Aura kann auftreten, bei der Menschen Seh- und Sprechstörungen erleben.
Bislang fehlt gegen die Vorboten der Migräne eine Therapie. Prof. Dr. Holle-Lee weist darauf hin, dass die vorliegende Analyse keine Studie war, die sich gezielt mit dieser Fragestellung befasst hat. „Dennoch liefern die vorliegenden Daten erste Hinweise darauf, dass Ubrogepant in der Vorphase der Migräne wirksam sein könnte“, sagt Holle-Lee dem Science Media Center. „Besonders interessant wäre der Einsatz bereits in der Prodromalphase, da dies eine Therapieerweiterung darstellen würde, die bislang nicht zur Verfügung steht“.
Prof. Dr. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, sieht sogar einen möglichen „Paradigmenwechsel“: „Diese Erkenntnisse eröffnen eine neue therapeutische Perspektive: die gezielte pharmakologische Intervention in einem sehr frühen Stadium der Migräne - möglicherweise noch vor Beginn des Schmerzes.“ Allerdings ist das Arzneimittel in der EU noch nicht zugelassen.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
Welche Nebenwirkungen haben Gepante?
In der Zulassungsstudie waren die häufigsten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Gepanten Übelkeit und Verstopfung. „Einige Studienpatienten berichteten auch von Müdigkeit. Und tendenziell kommt es unter der Medikation eher zu einem Gewichtsverlust“, berichtet Prof. Holle-Lee, die selbst an einer Studie über Gepante beteiligt war. Die meisten Menschen haben aber kaum oder keine Nebenwirkungen. „Diese Medikamente sind in den USA schon länger auf dem Markt, funktionieren sehr gut und werden von den meisten Patienten auch sehr gut vertragen“, so die Neurologin.
Ab wann sind Gepante in Deutschland verfügbar?
Das erste Gepant kam am 1. März 2025 in Deutschland auf den Markt. Der Name des Arzneistoffs: Atogepant. Dieser Wirkstoff wird allerdings zunächst ausschließlich als Prophylaxe, also zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt. „Man muss ihn jeden Tag als Tablette einnehmen“, erklärt Dagny Holle-Lee. Die Neurologin und Kopfschmerzexpertin freut sich, demnächst diese neue Therapiemöglichkeit zur Verfügung zu haben. „Bisher können wir nicht allen Menschen helfen“, sagt sie.
Atogepant (Aquipta®): Der erste orale CGRP-Rezeptorantagonist in Deutschland
Mit Atogepant (Aquipta®) ist seit 1. März 2025 der erste orale CGRP-Rezeptorantagonist zur Prophylaxe von Migräne in Deutschland verfügbar. Für wen ist das neue „Gepant“ geeignet?
Atogepant (Aquipta®) ist ein small molecule und bindet als Antagonist an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related Peptides (CGRP), das eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der Migräne-Erkrankung spielt. Die EU-Kommission hatte Atogepant im Sommer 2023 zur Migräneprophylaxe für erwachsene Patienten mit vier oder mehr Migränetagen pro Monat zugelassen. Nun wurde das oral einzunehmende Gepant von AbbVie am 1. März 2025 auf den deutschen Markt gebracht.
Dosierung und Einnahme von Atogepant
Atogepant ist in den Darreichungsformen 10 mg und 60 mg erhältlich. Die empfohlene Dosierung beträgt dabei eine Tablette mit 60 mg Atogepant täglich, die unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann. Die Tabletten sind dabei im Ganzen zu schlucken und dürfen nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut werden. Wenn die Einnahme vergessen wird, ist diese so schnell wie möglich nachzuholen.
Indikation und Kontraindikation von Atogepant
Atogepant ist indiziert zur Prophylaxe von Migräne bei erwachsenen Patienten mit mindestens vier Migränetagen pro Monat.
Bei Patienten, die einen starken CYP3A4-Inhibitor (z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Ritonavir) oder einen Inhibitor des Organic Anion Transporting Polypeptide (OATP) (z. B. Rifampicin, Ciclosporin oder Ritonavir) einnehmen, wird die 10-mg-Dosierung eingesetzt. Bei Patienten mit schwerer oder terminaler Niereninsuffizienz beträgt die empfohlene Dosis ebenfalls 10 mg einmal täglich.
Atogepant sollte nicht bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz zum Einsatz kommen. Indiziert ist das Arzneimittel nur bei Erwachsenen, denn zur Sicherheit und Wirksamkeit von Atogepant bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Daten vor. Ebenso nicht empfohlen wird die Anwendung von Atogepant während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass Atogepant in die Muttermilch übergeht und ein Risiko für das Neugeborene bestehen könnte. Atogepant sollte daher nicht angewendet werden, wenn Patientinnen stillen oder beabsichtigen zu stillen.
Mögliche Nebenwirkungen von Atogepant
In den Zulassungsstudien traten am häufigsten verminderter Appetit, Übelkeit, Verstopfung, Fatigue und Gewichtsabnahme auf. Atogepant hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Bei einigen Patienten kann es jedoch zu Somnolenz führen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Arzneistoffe, die von CYP-Enzymen verstoffwechselt werden, sind anfällig für Wechselwirkungen, da andere Medikamente die CYP-Enzyme hemmen oder ihre Wirkung verstärken können. Dadurch steigt das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen oder für einen Wirkungsverlust.
Bewertung des IQWiG zu Atogepant
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2025 geprüft, ob Atogepant als Migräneprophylaxe im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.
Der Hersteller legte für vorbehandelte Personen sowie Patientinnen und Patienten, bei denen eine konventionelle Therapie nicht ausreichte oder nicht vertragen wurde, einen indirekten Vergleich vor.
In diesem Fall wurde in 3 Studien Atogepant mit einem Placebo verglichen, in den anderen 2 Studien wurde Erenumab oder Fremanezumab ebenfalls mit einem Placebo verglichen. Daraus wurde dann ein Vergleich von Atogepant mit Fremanezumab oder Erenumab abgeleitet.
Rimegepant: Eine weitere Option in der Klasse der Gepante
Rimegepant ist ein weiterer CGRP-Antagonist, der in Europa zugelassen ist. Am 24. Februar 2022 gab der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) ein positives Gutachten ab, in dem er die Erteilung einer Genehmigung für das Inverkehrbringen des Wirkstoffs Rimegepant empfahl. Die Wirkung besteht darin, dass es ein CGRP-Antagonist ist.
Das Medikament wir in Tablettenform eingenommen und hat zwei Anwendungsbereiche:
- Akute Behandlung von Migräne mit oder ohne Aura bei Erwachsenen
- Vorbeugende Behandlung der episodischen Migräne bei Erwachsenen, die mindestens 4 Migräneanfälle pro Monat haben.
Die Vorteile von Vydura sind die Schmerzlinderung bei akuter Migräne und die Verringerung der monatlichen Migränetage in Präventionsstudien.
Bedeutung der Leitlinien und Patienteninformation
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) erwartet im Vergleich zu klassischen unspezifischen Migräneprophylaxen wie Amitriptylin, Betablockern, Flunarizin oder Topiramat bei Aquipta eine bessere Verträglichkeit und damit bessere Therapieadhärenz.
Die DMKG setzt aus wirtschaftlichen Gründen für eine Verordnung von Aquipta Therapieversagen oder Kontraindikationen für klassische unspezifische Migräneprophylaxen voraus.
Ein Wechsel von anderen Prophylaxepräparaten zu Aquipta sei dann sinnvoll, „wenn keine zufriedenstellende Reduktion der monatlichen Migränetage durch eine Migräneprophylaxe erreicht wird und sollte in jedem Fall bei gesundheitseinschränkenden Nebenwirkungen erfolgen“, teilte die DMKG dem Ärzteblatt mit. Die Fachleute gehen davon aus, dass mindestens 10 % der Bevölkerung in Deutschland von Migräne betroffen sind. Die DMKG betont, dass in den klinischen Studien zu Aquipta Patienten mit kardio- und zerebrovaskulären Erkrankungen nicht untersucht wurden. „Für diese Patientengruppe liegen also keine Daten vor.“
Es ist wichtig, dass Patienten Zugang zu verständlichen Informationen über ihre Erkrankung und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten haben. Die Deutsche Hirnstiftung hat erstmals eine patientenverständliche Version der Leitlinie erstellt. Der Wissensstand zu Nahrungsergänzungsmitteln zur Vorbeugung von Migräne − etwa Magnesium oder Vitamin B2 ist aber gering: Bei Magnesium sei die Studienlage nicht eindeutig, es eigne sich in der Dosierung zweimal 300 Milligramm pro Tag aber für Betroffene, die eine Therapie mit einem Medikament nicht wünschen. Wer oft unter Migräne leidet, kann von Apps profitieren, die etwa Kopfschmerztagebuch, Infos und Übungen bieten.