Taubheitsgefühl im Gesicht: Ursachen, Behandlung und was Sie wissen sollten

Ein Taubheitsgefühl im Gesicht kann beunruhigend sein. Es kann plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln und von anderen Symptomen wie Kribbeln, Schmerzen oder sogar Lähmungen begleitet sein. Die Ursachen für ein Taubheitsgefühl im Gesicht sind vielfältig und reichen von harmlosen vorübergehenden Zuständen bis hin zu ernsten Erkrankungen, die sofortiger medizinischer Behandlung bedürfen. Dieser Artikel soll Ihnen einen umfassenden Überblick über mögliche Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze geben.

Was ist ein Taubheitsgefühl (Hypästhesie)?

Ein Taubheitsgefühl, medizinisch als Hypästhesie bezeichnet, beschreibt eine verminderte Sensibilität der Haut. Betroffene können äußere Reize wie Berührung, Druck, Wärme, Kälte, Schmerz oder Vibrationen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr wahrnehmen. Ein vollständiger Ausfall des Gefühlssinns wird als Anästhesie bezeichnet.

Wo tritt ein Taubheitsgefühl auf?

Taubheitsgefühle treten häufig in den Extremitäten auf, also in Fingern, Zehen, Armen und Beinen. Seltener sind Gesicht oder Rumpf betroffen. Das Gefühl kann einseitig oder beidseitig auftreten und oft von Kribbeln ("Ameisenlaufen") begleitet sein.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle im Gesicht

Ein Taubheitsgefühl im Gesicht kann verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen reichen. Es ist wichtig, die Symptome zu beachten und bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden einen Arzt aufzusuchen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

1. Neurologische Ursachen

  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall ist eine der schwerwiegendsten Ursachen für plötzliches Taubheitsgefühl im Gesicht, insbesondere wenn es einseitig auftritt und von anderen Symptomen wie Sprachschwierigkeiten, Sehproblemen oder Schwäche in den Gliedmaßen begleitet wird. Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet, was zu einem Sauerstoffmangel führt. Dies kann lebensbedrohlich sein und erfordert sofortige medizinische Hilfe.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Nervenfasern angreift. Dies kann zu vielfältigen Symptomen führen, darunter auch Taubheitsgefühle im Gesicht, Armen oder Beinen.
  • Fazialisparese (Gesichtslähmung): Die Fazialisparese ist eine Lähmung der Gesichtsmuskeln, die durch eine Schädigung des Gesichtsnervs (Nervus facialis) verursacht wird. Dies kann zu einem hängenden Mundwinkel, einem unvollständigen Lidschluss und einem Taubheitsgefühl im Gesicht führen. Ursachen können Infektionen, Entzündungen, Verletzungen oder Tumore sein. In vielen Fällen ist die Ursache jedoch unbekannt (idiopathische Fazialisparese).
  • Trigeminusneuralgie: Diese Erkrankung verursacht starke, stechende Schmerzen im Gesicht, die durch eine Reizung des Trigeminusnervs verursacht werden. In einigen Fällen kann auch ein Taubheitsgefühl auftreten.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore im Gehirn oder im Gesichtsbereich auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen.

2. Infektionen

  • Gürtelrose (Herpes Zoster): Eine Gürtelrose-Infektion kann Nervenschmerzen und Taubheitsgefühle im Gesicht verursachen, insbesondere wenn der Trigeminusnerv betroffen ist.
  • Borreliose: Diese bakterielle Infektion, die durch Zecken übertragen wird, kann neurologische Symptome verursachen, darunter auch Taubheitsgefühle im Gesicht.

3. Durchblutungsstörungen

  • Transitorische ischämische Attacke (TIA): Eine TIA ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns, die ähnliche Symptome wie ein Schlaganfall verursachen kann, einschließlich Taubheitsgefühlen im Gesicht. Die Symptome sind jedoch nur von kurzer Dauer.
  • Migräne: Kribbeln und Taubheitsgefühle können eine Migräne-Attacke ankündigen. Die Missempfindungen treten zumeist im Gesicht auf oder einseitig an Armen oder Beinen.

4. Weitere Ursachen

  • Zahnärztliche Eingriffe: Nach zahnärztlichen Behandlungen, insbesondere nach dem Ziehen von Weisheitszähnen oder Wurzelbehandlungen, kann es vorübergehend zu Taubheitsgefühlen im Gesicht kommen, wenn Nerven gereizt oder verletzt wurden.
  • Kiefergelenksprobleme (CMD): Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezieht sich auf Probleme mit der Kiefergelenkfunktion und den umliegenden Muskeln. Dies kann zu Schmerzen, Verspannungen und auch zu Taubheitsgefühlen im Gesicht führen.
  • Stress und Angst: In Stresssituationen oder bei Panikattacken kann es zu Hyperventilation kommen, wodurch die Menge an Kohlendioxid im Blut abnimmt. Dies kann zu Gefühlsstörungen und Verkrampfungen, einschließlich Taubheitsgefühlen im Gesicht, führen.
  • Mangelerscheinungen: Ein Mangel an Vitamin B12 oder Magnesium kann in seltenen Fällen zu Taubheitsgefühlen im Gesicht führen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Taubheitsgefühle im Gesicht verursachen.

Symptome, die in Verbindung mit Taubheitsgefühlen im Gesicht auftreten können

Das Taubheitsgefühl im Gesicht kann von einer Reihe anderer Symptome begleitet sein, die bei der Diagnose helfen können:

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  • Kribbeln: Ein unangenehmes, meist schmerzloses Gefühl auf der Hautoberfläche, oft als "Ameisenlaufen" beschrieben.
  • Schmerzen: Stechende, brennende oder dumpfe Schmerzen im Gesicht.
  • Schwäche oder Lähmung: Schwierigkeiten, die Gesichtsmuskeln zu bewegen oder das Gesicht zu kontrollieren.
  • Sprachschwierigkeiten: Schwierigkeiten, Wörter zu finden oder klar zu sprechen.
  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen oder Verlust des Sehvermögens.
  • Schwindel: Das Gefühl, sich zu drehen oder das Gleichgewicht zu verlieren.
  • Kopfschmerzen: Starke oder anhaltende Kopfschmerzen.
  • Hängender Mundwinkel: Ein Absinken des Mundwinkels auf einer Seite des Gesichts.
  • Unvollständiger Lidschluss: Schwierigkeiten, das Augenlid vollständig zu schließen.
  • Veränderungen des Geschmackssinns: Ein metallischer Geschmack im Mund oder Schwierigkeiten, Geschmäcker zu unterscheiden.

Diagnose von Taubheitsgefühlen im Gesicht

Um die Ursache für ein Taubheitsgefühl im Gesicht zu ermitteln, wird der Arzt eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Detaillierte Beschreibung der Symptome: Wo genau tritt das Taubheitsgefühl auf? Seit wann besteht es? Tritt es plötzlich oder allmählich auf? Gibt es Begleitsymptome?
  • Medizinische Vorgeschichte: Gibt es Vorerkrankungen wie Diabetes, MS oder Schlaganfall? Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Neurologische Untersuchung: Prüfung der Reflexe, der Muskelkraft, der Sensibilität und der Koordination.

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:

  • Blutuntersuchungen: Zur Überprüfung des Blutzuckerspiegels, der Vitamin- und Mineralstoffwerte, der Entzündungswerte und zum Ausschluss von Infektionen.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Zur Darstellung des Gehirns, der Nerven und der Weichteile im Gesichtsbereich.
    • Computertomographie (CT): Zur Darstellung von Knochenstrukturen und zur Beurteilung von Verletzungen oder Tumoren.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen:
    • Elektromyographie (EMG): Zur Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln und zur Beurteilung von Nervenschäden.
    • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Zur Messung der Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale entlang der Nerven wandern.
  • Lumbalpunktion: In seltenen Fällen kann eine Lumbalpunktion erforderlich sein, um die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit zu untersuchen und Entzündungen oder Infektionen auszuschließen.

Behandlung von Taubheitsgefühlen im Gesicht

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen im Gesicht richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Hier sind einige gängige Behandlungsansätze:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen, die mit dem Taubheitsgefühl einhergehen.
    • Entzündungshemmende Medikamente: Zur Reduzierung von Entzündungen, die Nervenreizungen verursachen.
    • Antivirale Medikamente: Zur Behandlung von Virusinfektionen wie Gürtelrose.
    • Antibiotika: Zur Behandlung von bakteriellen Infektionen wie Borreliose.
    • Kortikosteroide (Kortison): Zur Reduzierung von Entzündungen und Schwellungen bei Fazialisparese oder anderen Nervenentzündungen.
    • Botulinumtoxin: Zur Behandlung von Synkinesien (unwillkürlichen Mitbewegungen der Mimik) nach Fazialisparese.
  • Physiotherapie:
    • Gesichtsmuskeltraining: Zur Stärkung der Gesichtsmuskeln und zur Verbesserung der Kontrolle über die Gesichtsbewegungen bei Fazialisparese.
    • Manuelle Therapie: Zur Lösung von Verspannungen und Blockaden im Nacken- und Kieferbereich.
  • Chirurgische Eingriffe:
    • Dekompression von Nerven: Bei Nervenkompressionen, z. B. beim Karpaltunnelsyndrom oder bei Tumoren, kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
    • Bandscheibenoperation: Bei einem Bandscheibenvorfall, der auf Nervenwurzeln drückt, kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck zu reduzieren.
    • Plastische Chirurgie: Bei chronischer Fazialisparese mit gestörtem Lidschluss kann eine Operation zur Korrektur des Augenlids erforderlich sein.
  • Weitere Behandlungen:
    • Entspannungstechniken: Stressreduktion durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung.
    • Akupunktur: Kann bei einigen Patienten zur Linderung von Schmerzen und Taubheitsgefühlen beitragen.
    • Ergonomische Anpassungen: Anpassung des Arbeitsplatzes, um Fehlhaltungen und Verspannungen zu vermeiden.
    • Vitamin- und Mineralstoffergänzung: Bei nachgewiesenem Mangel an Vitamin B12 oder Magnesium.

Was Sie selbst tun können

Neben der ärztlichen Behandlung können Sie selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern:

  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Je nach Ursache können Wärme- oder Kälteanwendungen im Gesichtsbereich wohltuend sein.
  • Massagen: Sanfte Massagen können Verspannungen lösen und die Durchblutung fördern.
  • Stress vermeiden: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Schlaf.
  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Regelmäßige Bewegung: Fördert die Durchblutung und kann Verspannungen lösen.
  • Rauchstopp: Rauchen kann die Durchblutung beeinträchtigen und Nervenschäden verursachen.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Ein Taubheitsgefühl im Gesicht sollte immer ärztlich abgeklärt werden, wenn:

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  • es plötzlich auftritt, insbesondere wenn es von anderen Symptomen wie Sprachschwierigkeiten, Sehproblemen oder Schwäche in den Gliedmaßen begleitet wird (Verdacht auf Schlaganfall!).
  • es anhält oder immer wiederkehrt.
  • es sich verschlimmert.
  • es von starken Schmerzen begleitet wird.
  • es mit anderen neurologischen Symptomen wie Schwindel, Koordinationsstörungen oder Lähmungen einhergeht.

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