Migräne und Taube Beine: Ursachen und Zusammenhänge

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke Kopfschmerzen auszeichnet. In einigen Fällen können Migräneattacken von neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen in den Beinen begleitet sein. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für das Auftreten von tauben Beinen im Zusammenhang mit Migräne und gibt einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die oft mit einer Vielzahl von Symptomen einhergeht. Die typischen Symptome sind meist einseitige, stechende, hämmernde und pulsierende Kopfschmerzen. Der gesamte Körper kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Betroffene sind oft licht- und geräuschempfindlich und leiden unter Übelkeit und Erbrechen.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke lässt sich meist in drei bis vier Phasen einteilen:

  1. Vorboten (Prodrom): Verschiedene Anzeichen kündigen eine Migräneattacke an. Dazu gehören Hochstimmungen, das Gefühl besonderer Leistungsfähigkeit, Gereiztheit oder depressive Verstimmungen.
  2. Aura: Bei ca. 10 bis 15 % der Patienten geht dem Kopfschmerz eine Aura voraus. Diese äußert sich durch Sehstörungen (z.B. Lichtblitze, flimmernde Zickzack-Linien, blinde Flecken), Schwäche, Taubheit oder Kribbeln im Gesicht, an der Hand oder an den Beinen einer Seite. Auch Sprachstörungen können auftreten.
  3. Kopfschmerzphase: Der Kopfschmerz wird als pulsierend, pochend oder stechend empfunden. Er beginnt in der Regel auf einer Seite und breitet sich auf Stirn, Schläfe und Augenbereich aus.
  4. Rückbildungsphase: Der pulsierende Charakter des Kopfschmerzes ändert sich oft zu einem gleichbleibenden Schmerz. Es folgt häufig eine Schlafphase, mit der die Migräneattacke abklingt.

Mögliche Ursachen für taube Beine bei Migräne

Taube Beine im Zusammenhang mit Migräne können verschiedene Ursachen haben:

Migräne mit Aura

Eine Aura kann sich durch neurologische Symptome äußern, die von den kortikalen Arealen im Gehirn ausgehen. Die Aura besteht häufig aus Sehstörungen, kann aber auch Taubheit oder ein Kribbeln im Gesicht, an der Hand oder an den Beinen einer Seite verursachen. Diese Symptome entwickeln sich meist über einen Zeitraum von 5 bis 10 Minuten und halten typischerweise etwa 15 bis 30 Minuten an.

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Migräne mit Hirnstammaura (Basilarismigräne)

Die Migräne mit Hirnstammaura ist eine seltene Form der Migräne mit Aura. Bei dieser Unterform treten die Durchblutungsstörungen im Hirnstamm auf. Daher betreffen die Beschwerden auch die Bereiche, die im Hirnstamm gesteuert werden, zum Beispiel die Motorik.

Folgende, beidseitig auftretende Symptome sind bei der Migräne mit Hirnstammaura möglich:

  • Sprachstörung
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Hörminderung
  • Doppeltsehen
  • beidseitige Sehstörung
  • Ataxie
  • Störung des Bewusstseins
  • auf beiden Seiten gleichzeitig auftretendes Taubheitsgefühl (simultane bilaterale Parästhesie) zum Beispiel der Arme

Die Taubheitsgefühle breiten sich häufig allmählich in die Arme oder Beine aus, sodass Patienten beispielsweise nicht mehr in der Lage sind, zu laufen oder zu stehen.

Hemiplegische Migräne

Die sehr seltene hemiplegische Migräne ist gekennzeichnet durch motorische Ausfälle in Kombination mit mindestens einem weiteren Aura-Symptom, etwa einer visuellen Störung. Lähmungen eines oder mehrerer Gliedmaßen zusammen mit Lichtblitzen sind Beispiele für einen Anfall der hemiplegischen Migräne, genau wie Kopfschmerzen nach der Aura.

Funktionelle neurologische Störungen

Funktionelle Gefühls- und Bewegungsstörungen wie Lähmungserscheinungen (Paresen) oder Taubheitsgefühle können meist unerwartet auftreten - oft in Situationen hoher seelischer Belastung. Ursache ist nicht eine strukturelle Schädigung des Nervensystems.

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Andere Erkrankungen

Kribbeln und Taubheitsgefühle können auch Zeichen für andere Erkrankungen sein, beispielsweise:

  • Polyneuropathie: Schäden an den peripheren Nerven, die sich durch Kribbeln, Ameisenlaufen und Taubheitsgefühle äußern.
  • Multiple Sklerose (MS): Chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die unter anderem Gefühlsstörungen verursachen kann.
  • Bandscheibenvorfall: Druck auf Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks kann neurologische Symptome wie Taubheit hervorrufen.
  • Durchblutungsstörungen: Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) können zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen führen.
  • Psychische Störungen: Angst-/Panikattacken und Angststörungen können von Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen begleitet sein.

Diagnostik

Um die Ursache für taube Beine im Zusammenhang mit Migräne zu ermitteln, ist eine sorgfältige Diagnostik erforderlich. Diese umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Ausführliches Gespräch mit dem Arzt über die Krankengeschichte, Symptome und Begleitumstände. Ein Migränetagebuch kann helfen, die Häufigkeit, Dauer und Auslöser der Migräneattacken zu dokumentieren.
  • Körperliche Untersuchung: Neurologische Untersuchung zur Überprüfung der Reflexe,Sensibilität und Motorik.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und der Wirbelsäule erforderlich sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
  • Blutuntersuchungen: Bluttests können durchgeführt werden, um andere Erkrankungen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Entzündungen auszuschließen.

Bei Verdacht auf eine Migräne mit Hirnstammaura ist es wichtig, andere Erkrankungen wie einen Schlaganfall auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung von tauben Beinen im Zusammenhang mit Migräne richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Akutbehandlung der Migräneattacke

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
  • Triptane: Bei stärkeren Migräneattacken können Triptane eingesetzt werden. Diese wirken spezifischer gegen Migräne, sind jedoch bei der Migräne mit Hirnstammaura nicht empfohlen, da sie die Blutgefäße im Gehirn verengen.

Prophylaktische Behandlung der Migräne

  • Medikamente: Wenn Migräneattacken häufig auftreten, können Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden. Dazu gehören Betablocker, krampflösende Wirkstoffe, bestimmte Antidepressiva oder monoklonale Antikörper.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungstechniken (z.B. autogenes Training, Yoga), Stressbewältigung und Biofeedback können ebenfalls helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.

Behandlung anderer Grunderkrankungen

Wenn die tauben Beine durch eine andere Erkrankung verursacht werden, muss diese entsprechend behandelt werden.

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Physiotherapie und Psychotherapie

Zur Behandlung motorischer und sensibler funktioneller Störungen haben sich sowohl physiotherapeutische als auch psychotherapeutische Verfahren bewährt.

Was Sie selbst tun können

  • Migränetagebuch führen: Notieren Sie, wann die Schmerzen auftreten, wie lange sie dauern, wo sie sitzen, wie sie sich anfühlen und ob Sie weitere Beschwerden haben. Notieren Sie auch, was Sie gegessen oder getrunken haben, bevor die Kopfschmerzen begannen.
  • Regelmäßigkeit im Alltag: Achten Sie auf regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten.
  • Ausreichend Bewegung und Entspannung: Planen Sie ausreichend Bewegung und Entspannung in Ihren Alltag ein.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf die Migräne haben.
  • Auslöser meiden: Versuchen Sie, Ihre persönlichen Migräneauslöser zu identifizieren und zu vermeiden.

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