Migräne und Autismus-Spektrum-Störung: Ein komplexer Zusammenhang

Einführung

Die Migräne, eine der belastendsten neurologischen Erkrankungen, und die Autismus-Spektrum-Störung (ASS), eine komplexe Entwicklungsstörung, scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben. Neuere Forschungsergebnisse deuten jedoch auf einen möglichen Zusammenhang hin, der weitere Untersuchungen erfordert. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse zu diesem Thema, wobei sowohl genetische als auch umweltbedingte Faktoren berücksichtigt werden.

Migräne: Eine weit verbreitete neurologische Erkrankung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und mit schwersten persönlichen und gesellschaftlichen Belastungen wie Schmerzen, Behinderungen, Beeinträchtigung der Lebensqualität und finanziellen Kosten verbunden sein kann. Die aktuelle Studie „Global, regional, and national burden of disorders affecting the nervous system, 1990-2021“ zeigt, dass Migräne in Westeuropa die am schwersten belastende neurologische Erkrankung ist, insbesondere für Frauen.

Symptome und Phasen

Migräne kann sich durch verschiedene Symptome äußern, darunter:

  • Pulsierende Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lärm- und Lichtempfindlichkeit
  • Aura (visuelle oder sensorische Störungen)

Die Erkrankung verläuft oft in verschiedenen Phasen, von denen jede unterschiedliche Merkmale aufweist.

Therapie

Die Therapie von Migräne umfasst sowohl die Behandlung akuter Attacken als auch die Prophylaxe, um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Medikamente, Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Autismus-Spektrum-Störung: Eine komplexe Entwicklungsstörung

Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine komplexe neurologische und entwicklungsbedingte Störung, die sich auf unterschiedliche Weise äußern kann. Die Prävalenz von ASS in der Gesamtbevölkerung liegt bei 1,85 % der Jungen und 0,40 % der Mädchen. Unter ADHS-Betroffenen liegt die ASS-Prävalenz zwischen 3,6 % und 21 %.

Symptome und Diagnose

Autismus wird seit Jahrzehnten primär anhand männlicher Fallbeispiele beschrieben - in der Forschung, in der Diagnostik, in den Medien. Frauen und Mädchen lernen oft sehr früh, sich anzupassen. Die klassischen „Checklisten“ greifen zu kurz, gerade wenn es um erwachsene Frauen geht, die gelernt haben, sich anzupassen. Autismus zeigt sich bei Frauen oft anders als bei Männern, und oft auch viel verdeckter.

Zu den Hauptmerkmalen von ASS gehören:

  • Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation
  • Wiederholende Verhaltensweisen und eingeschränkte Interessen
  • Sensorische Empfindlichkeiten

Die Diagnose von ASS erfolgt in der Regel im Kindesalter, kann aber auch erst im Erwachsenenalter gestellt werden.

Ursachen

An den Ursachen von Autismus-Spektrum-Störungen wird schon lange geforscht. Aktuelle Erkenntnisse weisen auf eine starke genetische Komponente hin: Eine multinationale Zwillingsstudie schätzt den genetischen Anteil am Krankheitsrisiko von Autismus auf etwa 80 Prozent. Etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle lassen sich auf seltene, hochwirksame De-novo-Mutationen zurückführen, die oft spontan in Keimzellen entstehen. Umweltfaktoren spielen gegenüber der Genetik eine untergeordnete, aber nicht zu vernachlässigende Rolle. Diese haben fast ausschließlich pränatal, also vor der Geburt, einen Effekt. Zu den am besten belegten Umweltassoziationen gehören höheres elterliches Alter (verbunden mit erhöhter De-novo-Mutationsrate), mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft, Luftverschmutzung (insbesondere Ozonexposition) sowie mütterliche metabolische Zustände wie Adipositas oder Gestationsdiabetes.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Therapie

Autismus ist keine Krankheit, sondern eine neurologische Variante. Deshalb ist er nicht „heilbar“. Was aber möglich ist: sich selbst besser verstehen, die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen, mit Reizüberflutung besser umgehen, und ein Leben führen, das passt. Die Therapie von ASS konzentriert sich auf die Förderung der Entwicklung und die Verbesserung der Lebensqualität. Zu den gängigen Therapieansätzen gehören Verhaltenstherapie, Ergotherapie und Logopädie.

Mögliche Zusammenhänge zwischen Migräne und ASS

Obwohl Migräne und ASS unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es Hinweise auf mögliche Zusammenhänge:

Genetische Faktoren

Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte genetische Variationen sowohl bei Migräne als auch bei ASS eine Rolle spielen könnten. Eine dominante Rolle spielt die genetische Veranlagung. Aktuelle Erkenntnisse weisen auf eine starke genetische Komponente hin: Eine multinationale Zwillingsstudie schätzt den genetischen Anteil am Krankheitsrisiko von Autismus auf etwa 80 Prozent.

Gemeinsame Neurotransmitter-Systeme

Störungen des Dopaminsignals werden nicht nur mit ADHS, sondern auch mit ASS (oder eines ASS-Subtyps) in Verbindung gebracht. Das für motorischen Aspekte von zielgerichtetem Verhalten wichtige nigrostriatale Dopaminsystem scheint durch erhöhtes Dopamin im dorsalen Striatum über den D1-Rezeptor repetitives und stereotypes Verhalten auslösen zu können.

Sensorische Verarbeitung

Sowohl Menschen mit Migräne als auch Menschen mit ASS können eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen aufweisen. Reizüberflutung - Überforderung von Seele und Körper, löst in mir seit Jahrzehnten 2 Arten von Migräne aus.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Komorbidität

Es gibt Hinweise darauf, dass Migräne bei Menschen mit ASS häufiger vorkommt als in der Allgemeinbevölkerung.

Einfluss von Medikamenten in der Schwangerschaft

Eine Kohortenstudie in den USA zeigte, dass bei Kindern, die wegen einer Epilepsieerkrankung der Mutter pränatal Topiramat, Valproinsäure oder Lamotrigin ausgesetzt waren, die Inzidenz von Autismus-Spektrum-Störungen höher war als in der Allgemeinbevölkerung. Besonders die mütterliche Einnahme von Valproinsäure während der Schwangerschaft geht mit einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern einher. Die Studie zeigte auch den bereits bekannten Zusammenhang zwischen der Einnahme von Valproinsäure und dem erhöhten Risiko einer Autismus-Spektrum-Erkrankung. Für Topiramat war das Risiko numerisch ebenfalls erhöht. Wenn aber für alle konkurrierenden Faktoren, Begleiterkrankungen und Begleitmedikationen korrigiert wurde, bestand kein erhöhtes Risiko mehr.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Eine aktuelle Studie aus den Vereinigten Staaten identifizierte aus über vier Millionen Schwangerschaften 12 325 Frauen, die während der Schwangerschaft mit Valproinsäure, Topiramat oder Lamotrigin behandelt wurden. Die Studie bestätigte zudem, dass eine Exposition gegenüber Lamotrigin während der Schwangerschaft das Risiko einer Autismus-Spektrum-Erkrankung nicht erhöht. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die neue Erkenntnis, dass das Risiko für eine Autismus-Spektrum-Erkrankung auch dann erhöht ist, wenn der Kindsvater in der Zeit der Konzeption Valproinsäure einnimmt.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Zwei wegweisende Untersuchungen zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zeigen: Akupunktur kann bei komplexen Erkrankungen nachweislich helfen. Eine heute veröffentlichte Meta-Analyse bestätigt die therapeutische Wirkung der Ohrakupunktur bei Migräne, während eine innovative Studie erstmals die Kombination von Akupunktur und Rehabilitation bei Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) nach höchsten wissenschaftlichen Standards untersucht. Die im Journal of Pain Research publizierte Übersichtsarbeit wertet systematisch zahlreiche randomisierte kontrollierte Studien aus - und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Patienten, die Ohrakupunktur erhielten, profitierten signifikant stärker als Kontrollgruppen ohne Behandlung. Konkret verkürzte sich die Dauer der Migräneattacken messbar. Zusätzlich analysierten die Forscher Schmerzwerte anhand der visuellen Analogskala (VAS), einem Standardinstrument zur Erfassung von Schmerzintensität. Das Ergebnis: deutlich niedrigere Schmerzwerte bei den mit Akupunktur behandelten Patienten.

Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der vielversprechenden Erkenntnisse gibt es noch viele offene Fragen. Weitere Forschung ist erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen und die klinische Relevanz dieser Zusammenhänge besser zu verstehen. Zukünftige Studien sollten sich auf die Identifizierung spezifischer genetischer Marker, die Untersuchung der Rolle von Neurotransmittern und die Entwicklung gezielter Therapieansätze konzentrieren.

tags: #migrane #und #autismus