Migräne Ursachen: Der Zusammenhang mit fehlenden Zähnen und anderen dentalen Problemen

Zahnschmerzen sind ein häufiges Problem, das viele Menschen betrifft. Oftmals liegen die Ursachen im Bereich der Zähne selbst, wie Karies oder Entzündungen. Jedoch gibt es auch Fälle, in denen Zahnschmerzen nichtodontogener Natur sind, also von anderen Strukturen im Körper herrühren. Diese Schmerzen können schwer zu erkennen sein und erfordern einen Blick über den dentalen Tellerrand hinaus. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Zahnschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne, fehlenden Zähnen und anderen dentalen Problemen, und stützt sich dabei auf die "International classification of orofacial pain" (ICOP).

Diagnostik und Behandlung von Zahnschmerzen

Die zahnärztliche Praxis spielt eine zentrale Rolle bei der Diagnostik und Behandlung von Zahnschmerzen. Eine korrekte Diagnose ist entscheidend, um die Ursache der Schmerzen zu identifizieren und eine geeignete Therapie einzuleiten. Dabei ist es wichtig, alle vorhandenen Informationen zu berücksichtigen, einschließlich Anamnese, klinische Befunde und radiologische Untersuchungen. Patienten können den Schmerz oft nicht korrekt am verursachenden Zahn verorten, was die Diagnose zusätzlich erschwert.

Odontogene Schmerzen

Akute Zahnschmerzen haben fast immer odontogene Ursachen. Symptomatische Pulpitiden und periradikuläre Entzündungen sind die häufigsten Schmerzursachen. Bei einer Pulpitis kann der Schmerz spontan sowie thermisch und mechanisch provoziert werden. Eine periapikale Parodontitis hingegen ist durch einen klar lokalisierbaren Schmerz gekennzeichnet, der durch Klopfen und Aufbiss verstärkt wird.

Nichtodontogene Schmerzen

Persistierende Schmerzen über einen Zeitraum von drei Monaten sind häufig nichtodontogener Natur. Diese Schmerzen können schwerer zu erkennen sein, da Regelmechanismen die Schmerzreaktion bei Entzündungen im Laufe der Zeit abschwächen. Es ist wichtig, nichtdentogene Schmerzursachen und Zusammenhänge zu berücksichtigen, um eine korrekte Diagnose zu stellen.

Atypische odontogene Zahnschmerzen

Atypische und länger andauernde Zahnschmerzanamnesen können auch bei einer odontogenen Genese auftreten, beispielsweise bei verdeckter Karies unter Restaurationen, Infraktionen und Längsfrakturen sowie bei externen Resorptionen in Pulpanähe. Frakturen, die bis zum peripulpalen Dentin reichen, können kurzzeitige, blitzartige, aber auch anhaltende pulpitische Schmerzen verursachen.

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Schmerz von umgebenden Strukturen

Schmerzen im Zahnbereich können auch von umgebenden Strukturen herrühren:

Intraorale Herpesviren-Infektionen

Intraorale Virusinfekte wie Herpes Zoster können zu Schmerzen in dem betroffenen Bezirk führen, auch schon Tage vor Auftreten der typischen Virenbläschen.

Speicheldrüsenentzündungen

Speicheldrüsenentzündungen können akute und anhaltende Schmerzen im Wangen- und Kieferbereich verursachen, die vor allem beim Essen zunehmen können.

Tumoren

Orofaziale Tumoren und Tumoren des Nasenrachenraums können in fortgeschrittenen Stadien zu Schmerzen führen.

Sinusitis maxillaris

Eine akute Sinusitis maxillaris kann zu Schmerzen im seitlichen Oberkiefer führen, die mit Zahnschmerzen der oberen Molaren verwechselt werden können.

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Übertragene Schmerzen

Übertragene Schmerzen sind Schmerzen, bei denen sich Schmerzquelle und Ort der gefühlten Schmerzen voneinander unterscheiden. Dies wird durch die Konvergenz von Schmerzfasern aus der Peripherie im Hirnstamm verursacht. Es kann zu Verwechslungen mit Nachbarzähnen oder sogar Zähnen im Gegenkiefer kommen. Auch außerhalb des Trigeminusgebiets kann es zu übertragenen Schmerzen im Kieferbereich kommen, wie zum Beispiel Unterkieferschmerzen bei Herzinfarkt.

Neuropathische Schmerzen

Schmerzen können auch im Nervensystem selbst entstehen, beispielsweise bei multipler Sklerose. Dies kann zu Schmerzen in dem von dem Nerv versorgten Gebiet führen, oft in Kombination mit einer sensorischen Störung des schmerzhaften Bereichs.

Blitzartige neuropathische Schmerzen: Trigeminusneuralgie

Typisch für die Trigeminusneuralgie ist der getriggerte oder spontan blitzartig einschießende Schmerz meist im 2. und 3. Trigeminusast. Der Zahnarzt sollte mit dieser Schmerzform vertraut sein, da Patienten mit einer Trigeminusneuralgie initial häufig einen Zahnarzt konsultieren.

Idiopathische Schmerzen

Persistierende Schmerzen ohne odontogene Ursachen werden in der ICOP als "Persistent idiopathic dentoalveolar pain - 6.3" (PIDP) klassifiziert. Dieser Schmerz kann Zähne oder auch zahnlose Areale betreffen. Die Patienten haben häufig eine lange Leidensgeschichte und berichten typischerweise über mehrere fehlgeschlagene Behandlungsversuche.

Kopfschmerzvarianten

Es gibt Kopfschmerzformen, die nicht nur im Schädelbereich, sondern auch in der Gesichts- und Kieferegion zu Schmerzen führen können. Eine Behandlung der Zähne im betroffenen Bereich führt zu keiner Besserung. So gibt es auch bei Migräne Ausprägungen, die mit Schmerzen im Kieferbereich verbunden sein können (ICOP 5.1).

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Zahnprobleme als Ursache unerwarteter Übel

Funktionsstörungen des Kauorgans können schmerzhafte Konsequenzen haben, wie Tinnitus, Migräne, Kopfschmerzen und Rückenverspannungen. Bei mehr als 85 Prozent der Deutschen ist die Funktion von Kiefergelenk, Muskulatur und Zähnen bereits gestört. Stress, falscher Biss, fehlerhafter Zahnstand, nicht richtig sitzender Zahnersatz oder ein fehlender Zahn können die unangenehmen Krankheitssymptome hervorrufen.

Zahnschmerzen und Kopfschmerzen - ein unangenehmes Zusammenspiel

Kopfschmerzen können durch Zahnprobleme ausgelöst werden. Oftmals wird eine Kiefergelenkserkrankung, die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), als Ursache für Migräne diagnostiziert. Auch Kopfschmerzen durch Zähneknirschen oder Weisheitszähne können vorkommen.

Ursachen von Kopfschmerzen durch die Zähne

  • Kieferfehlstellung und CMD: Eine Fehlfunktion im Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer kann zu dauerhaften Muskelverspannungen führen, die in den Kopf- und Nackenbereich ausstrahlen und Spannungskopfschmerzen verursachen.
  • Bruxismus: Nächtliches Zähneknirschen und Zähnepressen führt zu Verspannungen der Kiefer-, Kau- und Gesichtsmuskulatur, die in Stirn und Schläfen ausstrahlen und Kopfschmerzen verursachen können.
  • Zahninfektionen und Entzündungen: Unbehandelte Karies kann zu einer Zahnwurzelentzündung führen, die sich auf das umliegende Gewebe ausbreitet und Kopfschmerzen auslösen kann.
  • Zahnfehlstellung: Durch den ungleichmäßigen Kontakt der Zähne entstehen Fehlbelastungen, die sich auf die Kiefergelenke und Muskeln auswirken und zu chronischen Muskelverspannungen führen können.
  • Weisheitszähne: Wenn Weisheitszähne keinen Platz haben oder schief im Kiefer liegen, können sie Druck auf benachbarte Zähne oder Nerven ausüben, der in den Kiefer und die Schläfen ausstrahlt und Kopfschmerzen auslösen kann.

Fehlende Zähne und ihre Auswirkungen

Fehlende Zähne sind oft mehr als nur ein ästhetisches Problem. Sie können den Kieferknochen falsch belasten, wodurch er sich schneller abbauen kann. Zudem verursachen Zahnlücken nicht selten Kopfschmerzen, da die Kau- und Nackenmuskulatur verspannt. Um diese Probleme zu umgehen, kann die Zahnlücke durch Implantate oder eine festsitzende Brücke geschlossen werden.

CMD - Craniomandibuläre Dysfunktion

CMD ist eine Störung im Zusammenspiel von Kiefer, Muskulatur und den Kiefergelenken. CMD kann zu Beschwerden führen, die nicht nur den Mundbereich betreffen, sondern auch Kopf, Nacken und Rücken beeinflussen können.

Ursachen von CMD

  • Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers
  • Bruxismus (Zähneknirschen)
  • Zahnfehlstellungen oder schlecht sitzende Kronen und Brücken
  • Stress
  • Verletzungen

Symptome von CMD

  • Schmerzen im Kiefergelenk oder in der Kiefermuskulatur
  • Schwierigkeiten beim Öffnen oder Schließen des Mundes
  • Knacken oder Reiben des Kiefergelenks beim Kauen oder Sprechen
  • Kopfschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen
  • Tinnitus (Ohrgeräusche) oder Schwindelgefühle

Behandlungsmöglichkeiten von CMD

  • Aufbissschienen
  • Physiotherapie
  • Stressmanagement
  • Zahnkorrekturen
  • Medikamente

Migräne und Kiefergelenkbeschwerden

Migräne und Kiefergelenkbeschwerden können oft unter dem Oberbegriff der Craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) zusammengefasst werden. Schuld sind nicht selten ein besonders stressiger Alltag, ein ungleichmäßig abgestützter Biss (bei fehlenden Zähnen) sowie Beckenschiefstände und Bandscheibenvorfälle, die vom Körper häufig über die Zähne, die Muskulatur oder das Kiefergelenk kompensiert werden.

Die Anatomie des Knirschens

Auch orthopädisch haben wir engsten Kontakt zum Kiefergelenk: Jeder, der Schulter- oder Nackenprobleme und damit Asymmetrien mitbringt, hat oft mitunter Unterkieferprobleme. Die Position des Unterkiefers liegt hierbei ungleichförmig, also eher verschoben und nicht physiologisch in Relation zum Oberkiefer. Das führt zu einem verfälschten Biss, zu Kontraktion beteiligter Muskeln und damit Spannungen und je nach Ausprägungsgrad bringt es Schmerzen mit sich und kann durch Fehlbelastung des Kiefergelenks über Diskusverschiebung auch zu Arthrose führen.

CMD Behandlung

Eine CMD muss ganzheitlich behandelt werden. Dies bedeutet, dass nicht nur die Fehlstellung des Kiefers korrigiert werden muss, sondern auch die Ursachen und weitere Symptome mit einbezogen werden müssen.

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