Migräne und Gewichtszunahme: Ursachen, Zusammenhänge und Therapieansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise 10 Prozent der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen betroffen sind. Sie äußert sich in anfallsartig und wiederholt auftretenden Kopfschmerzen, die häufig von Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Behandlung von Migräne kann komplex sein und umfasst sowohl Akuttherapien als auch vorbeugende Maßnahmen. In den letzten Jahren hat sich die Forschung intensiv mit dem Zusammenhang zwischen Migräne und Gewichtszunahme auseinandergesetzt, da viele Betroffene eine Gewichtszunahme im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung oder deren Behandlung beobachten.

Mögliche Ursachen und Zusammenhänge zwischen Migräne und Gewichtszunahme

Es gibt verschiedene Faktoren, die einen Zusammenhang zwischen Migräne und Gewichtszunahme nahelegen:

  • Medikamentöse Migräneprophylaxe: Einige Medikamente, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden, können als Nebenwirkung zu Gewichtszunahme führen. Dies gilt insbesondere für ältere Prophylaktika wie Amitriptylin, Pizotifen und Valproat. Aber auch Flunarizin kann zu Gewichtszunahme führen.
  • Lebensstilfaktoren: Migräne kann den Lebensstil der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Häufige oder chronische Migräneattacken können zu Bewegungsmangel, sozialem Rückzug und einer ungesunden Ernährung führen, was wiederum eine Gewichtszunahme begünstigen kann.
  • Psychische Faktoren: Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen treten häufig in Begleitung von Migräne auf. Antidepressiva, die zur Behandlung dieser Erkrankungen eingesetzt werden, können ebenfalls zu Gewichtszunahme führen. Zudem kann Stress, ein häufiger Auslöser von Migräneattacken, zu ungesundem Essverhalten und Gewichtszunahme führen.
  • Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH): Übergewicht kann eine IIH auslösen. Betroffene entwickeln scheinbar ohne Grund vermehrt Kopfschmerzen, oft verbunden mit Übelkeit oder Erbrechen.

Medikamentöse Therapie der Migräne und ihr Einfluss auf das Gewicht

Die medikamentöse Therapie der Migräne gliedert sich in die Akutbehandlung von Migräneattacken und die Migräneprophylaxe zur Reduktion der Anfallshäufigkeit und -intensität.

Akuttherapie

Zur Akuttherapie von Migräneattacken werden in der Regel Schmerzmittel wie Analgetika und Triptane eingesetzt. Diese Medikamente haben in der Regel keinen direkten Einfluss auf das Gewicht. Allerdings ist ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln problematisch, da dies zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz führen kann.

Migräneprophylaxe

Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die jedoch unterschiedliche Nebenwirkungen haben können.

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Medikamente mit potenziellem Risiko für Gewichtszunahme:

  • Amitriptylin: Dieses Antidepressivum wird häufig zur Migräneprophylaxe eingesetzt, kann aber zu Gewichtszunahme, Müdigkeit und Mundtrockenheit führen.
  • Pizotifen: Dieses Antihistaminikum wird ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt und ist bekannt für seine appetitanregende Wirkung, die zu Gewichtszunahme führen kann.
  • Valproat: Dieses Antiepileptikum kann ebenfalls zu Gewichtszunahme, Haarausfall und Leberfunktionsstörungen führen.
  • Flunarizin: Kann zu extrapyramidal-motorischen Störungen, Gewichtszunahme und depressiven Verstimmungen führen.

Medikamente mit potenziellem Risiko für Gewichtsabnahme:

  • Topiramat: Dieses Antiepileptikum kann als Nebenwirkung zu Gewichtsabnahme, Konzentrationsstörungen und Kribbeln in den Extremitäten führen. Es kann daher bei übergewichtigen Patienten eine Option darstellen, sollte aber bei Anorexie vermieden werden.

CGRP-Antikörper (Migräne-Spritze):

  • Es gibt bislang keinen klaren Zusammenhang zwischen Migräne-Spritzen und einer Gewichtszunahme. In Deutschland sind aktuell vier Migräne-Spritzen zugelassen: Aimovig® (Erenumab), Ajovy® (Fremanezumab), Emgality® (Galcanezumab) und Vyepti® (Eptinezumab). Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Migräne-Spritze, wenn mindestens vier Migräne-Tage pro Monat vorliegen und andere vorbeugende Therapien nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen wurden.

Weitere Medikamente:

  • Betablocker: Betablocker sind Arzneistoffe, die Ärzte bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck, aber auch zur Migräne-Prophylaxe verschreiben. Sie können Bindungsstellen von verschiedenen Botenstoffen blockieren und dadurch zum Beispiel die Wirkung des Stresshormons Adrenalin hemmen.

Die Auswahl des geeigneten Medikaments zur Migräneprophylaxe sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen und die individuellen Bedürfnisse und Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigen.

Nicht-medikamentöse Therapieansätze bei Migräne und Übergewicht

Neben der medikamentösen Therapie gibt es verschiedene nicht-medikamentöse Ansätze, die sowohl bei Migräne als auch bei Übergewicht hilfreich sein können:

  • Gewichtsreduktion: Studien haben gezeigt, dass eine Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Migränepatienten die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren kann. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind hierbei essenziell.
  • Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann dazu beitragen, das Gewicht zu reduzieren und Migräneattacken vorzubeugen. Bestimmte Nahrungsmittel wie Alkohol, Schokolade, Käse und Zitrusfrüchte können bei manchen Menschen Migräne auslösen und sollten vermieden werden.
  • Regelmäßige Bewegung: Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken oder Radfahren können helfen, das Gewicht zu reduzieren, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen. Es wird empfohlen, mindestens dreimal pro Woche Sport zu treiben.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräneattacken. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga und Meditation können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Biofeedback-Therapie: Das Prinzip kommt auch zur Vorbeugung von Migräne zum Einsatz. Ziel ist es, über die Rückmeldung (Feedback) der eigenen Körperfunktionen auf bestimmte Situationen zu reagieren und diese bewusst zu beeinflussen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Diese Therapie kann helfen, ungünstige Verhaltensmuster und Denkmuster zu erkennen und zu verändern, die zu Stress und Migräneattacken beitragen.
  • Akupunktur: Nachgewiesen ist bisher, dass die Häufigkeit von Migräne-Attacken nach einer Akupunktur oftmals abnimmt. Wissenschaftlich belegt ist, dass Akupunktur zur Vorbeugung von episodischer Migräne beitragen kann.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Ein strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Schlaf kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Die Rolle der Ernährung bei Migräne

Viele Menschen vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Kopfschmerzen und ihrer Ernährung. Am besten ist der Zusammenhang für alkoholische Getränke gesichert. Sie führen bei übermäßigem Genuss zum Katerkopfschmerz. Weit weniger bekannt ist, dass auch Übergewicht zu Kopfschmerzen führen kann.

Das Auslassen des Frühstücks ist keine gute Diätidee. Ein Energiedefizit in den Morgenstunden kann Migräneattacken auslösen, wie aus Studien bekannt ist. Spätes Essen kann aber auch zu Hunger und Übergewicht führen.

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