Nachtschweiß bei Multipler Sklerose: Ursachen und Linderung

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft und meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr einsetzt. Welche Beschwerden bei einer Multiplen Sklerose im Vordergrund stehen, ist individuell verschieden. Mitunter sind diese sehr unspezifisch und können auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein. Dass die Symptome oft unterschiedlich stark ausgeprägt sind und einzeln oder in Kombination auftreten können, erschwert die Diagnose zusätzlich. Ein Symptom, das viele MS-Patienten betrifft, ist Nachtschweiß. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nachtschweiß im Zusammenhang mit MS und gibt Hinweise zur Linderung.

Was ist Nachtschweiß?

Nachtschweiß, auch als nächtliche Hyperhidrose bekannt, bezeichnet das übermäßige Schwitzen während des Schlafs. Dabei kann Bettwäsche und Kleidung so stark durchnässt sein, dass Betroffene sich umziehen oder die Bettlaken wechseln müssen. Diese Schwitzattacken unterscheiden sich vom normalen Schwitzen, das der Körper zur Temperaturregulation nutzt, da sie meist unabhängig von äußeren Faktoren wie hohen Raumtemperaturen oder einer ungeeigneten Bettdecke auftreten. Medizinisch wird Nachtschweiß in zwei Kategorien unterteilt: primäre Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen ohne erkennbare Ursache) und sekundäre Hyperhidrose (starkes Schwitzen als Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung).

Ursachen von Nachtschweiß bei MS

Nachtschweiß kann viele Ursachen haben, von harmlosen Faktoren bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Im Zusammenhang mit MS gibt es verschiedene mögliche Auslöser:

  • Autoimmunprozesse: Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise Bestandteile des eigenen Körpers angreift. Diese Überreaktionen des Immunsystems können zu allgemeinen Krankheitsgefühlen führen, die mit nächtlichem Schwitzen verbunden sein können.

  • Neurologische Störungen: MS kann neurologische Erkrankungen mit Störung der Temperatur- und Schweißregulation verursachen. Läsionen im Rückenmark oder Gehirn können die Libido unmittelbar beeinträchtigen.

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  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, können Nachtschweiß als Nebenwirkung verursachen. Dazu gehören beispielsweise Antidepressiva (insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI), Hormonpräparate und Blutdrucksenker. Auch Zytostatika (Medikamente zur Chemotherapie) und neurologische Medikamente gegen Parkinson oder Epilepsie können starkes nächtliches Schwitzen auslösen.

  • Hormonelle Veränderungen: Studien zeigen, dass Sexualstörungen bei Personen mit Multipler Sklerose drei- bis viermal häufiger vorkommen als bei gesunden Menschen. Fachleute unterscheiden verschiedene Formen: Bei einer primären Sexualfunktionsstörung wird die Libido durch Läsionen im Rückenmark oder Gehirn unmittelbar beeinträchtigt. Auch bei Frauen können hormonelle Schwankungen, insbesondere in den Wechseljahren, Hitzewallungen und Nachtschweiß auslösen.

  • Infektionen: Infektionen, die mit einer Fiebersymptomatik einhergehen (Grippe, Malaria, Pfeiffersches Drüsenfieber), können ebenfalls zu Nachtschweiß führen.

  • Schlafstörungen: Schlafstörungen wie das obstruktive Schlafapnoesyndrom können ebenfalls eine Ursache für Nachtschweiß sein.

  • Weitere Faktoren: Dysregulationen im Hormonhaushalt und Stoffwechselerkrankungen sind ebenfalls häufige Ursachen. Auch Übergewicht kann eine Ursache sein.

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Symptome und Diagnose

Typische Symptome von Nachtschweiß sind übermäßiges Schwitzen während des Schlafs, nasses Bettzeug und durchgeschwitzte Kleidung. Wiederholtes Erwachen durch Schweißausbrüche kann zu Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit führen. Zusätzliche Symptome wie ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Herzklopfen oder Atemnot sollten ärztlich abgeklärt werden.

Die Diagnose von Nachtschweiß erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst führt der Arzt ein ausführliches Gespräch (Anamnese), um mögliche Ursachen einzugrenzen. Anschließend können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, wie Blutuntersuchungen (z.B. zur Bestimmung der Schilddrüsenwerte, Hormonspiegel, Entzündungsmarker, Blutzuckerwerte) oder bildgebende Verfahren (z.B. Ultraschall, Röntgen, CT, MRT). Gegebenenfalls erfolgt eine Überweisung an Fachärzte (z.B. Endokrinologen, Kardiologen, Neurologen, Onkologen, Schlafmediziner).

Linderung und Behandlung

Die Behandlung von Nachtschweiß richtet sich nach der Ursache. Falls eine medizinische Erkrankung die Schweißausbrüche auslöst, ist die gezielte Behandlung dieser Erkrankung entscheidend. In anderen Fällen können Lebensstiländerungen und unterstützende Maßnahmen helfen, das nächtliche Schwitzen zu reduzieren:

  • Medikamentöse Behandlung: Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die bei nächtlichem Schwitzen helfen können. Dazu gehören z.B. Anticholinergika oder Clonidin.

  • Ernährungsgewohnheiten anpassen: Vermeiden Sie schwere und scharf gewürzte Mahlzeiten sowie Genussmittel wie Nikotin, Kaffee oder Alkohol vor dem Zubettgehen.

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  • Schlafbedingungen optimieren: Achten Sie auf eine gute „Schlafhygiene“. Die Raumtemperatur sollte zwischen 18-21°C liegen. Verwenden Sie leichte, atmungsaktive Nachtkleidung und Bettwäsche aus Baumwolle oder Leinen. Sorgen Sie für eine gut belüftete Matratze.

  • Stress reduzieren: Stress kann die Cortisolproduktion anregen und zu vermehrtem Schwitzen führen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, das Stressniveau zu senken.

  • Alternative Maßnahmen: Salbeitee kann die Aktivität der Schweißdrüsen reduzieren. Akupunktur wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zur Regulation des vegetativen Nervensystems eingesetzt. Homöopathische Präparate wie Belladonna, Sepia oder Sulfur werden in der Homöopathie gegen vermehrtes Schwitzen eingesetzt.

  • Schlafapnoe-Therapie: Wenn Nachtschweiß durch Schlafapnoe verursacht wird, kann die Behandlung der Schlafapnoe helfen, den Nachtschweiß zu verringern. Dazu gehören z.B. CPAP-Therapie oder eine Operation.

Das Uhthoff-Phänomen

Bei MS-Patienten kann es durch das sogenannte Uhthoff-Phänomen zu einer Verschlimmerung der Symptome bei erhöhter Umgebungstemperatur kommen. Dies gilt auch für die Körpertemperatur: Leiden Betroffene unter Fieber, verstärken sich die MS-Beschwerden. Daher ist es wichtig, bei Sommerhitze den Schatten zu suchen und sich vor Überanstrengung zu schützen.

CBD bei Fatigue

Einige MS-Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit CBD (Cannabidiol) zur Linderung von Fatigue. CBD soll entspannend wirken und die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Es wird davon ausgegangen, dass sich im Körper erst einmal ein gewisser CBD-Spiegel aufbauen muss, bis die Wirkung eintritt.

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