Migräne und Laktoseintoleranz: Ein möglicher Zusammenhang

Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Viele Menschen suchen nach den Ursachen und Auslösern ihrer Kopfschmerzen, und die Ernährung spielt dabei oft eine wichtige Rolle. Eine mögliche Verbindung, die in den letzten Jahren verstärkt diskutiert wurde, ist der Zusammenhang zwischen Migräne und Laktoseintoleranz.

Mythos oder Wahrheit? Kopfschmerzen und Migräne unter der Lupe

Bevor wir uns dem spezifischen Zusammenhang zwischen Migräne und Laktoseintoleranz widmen, ist es wichtig, einige verbreitete Mythen rund um Kopfschmerzen und Migräne zu entkräften:

  • Mythos 1: Bestimmte Lebensmittel führen zu Kopfschmerzen. Es stimmt, dass Unverträglichkeiten gegen bestimmte Nahrungsmittel oder spezifische Nahrungsbestandteile wie Glutamat, Aspartam oder Histamin hinter den Kopfschmerzen stecken können. Wer einen möglichen Zusammenhang zwischen den Kopfschmerzen und der Ernährung herausfinden will, kann ein Kopfschmerztagebuch führen.
  • Mythos 2: Wetterwechsel ist schuld an Kopfschmerzen. Untersuchungen haben bislang keinen direkten Zusammenhang zwischen der Wetterlage und dem Auftreten von Kopfschmerzen gezeigt. Die Annahme gilt daher weiter als umstritten.
  • Mythos 3: Handystrahlung verursacht Kopfschmerzen. Es gibt bislang keine Studie, die darauf hinweist, dass die Strahlung von Elektrogeräten Kopfschmerzen hervorrufen kann. Allerdings kann die Dauernutzung des Smartphones zu schmerzhaften Muskelverspannungen im Nacken-Schulter-Bereich führen, die wiederum Spannungskopfschmerzen auslösen können.
  • Mythos 4: Ruhe hilft bei Kopfschmerzattacken am besten. Diese Annahme stimmt nur teilweise. Bei Spannungskopfschmerzen, die meist durch Stress oder Verspannungen im Nacken ausgelöst werden, kann absolute Ruhe die Beschwerden sogar verschlimmern. Leichte Bewegung an der frischen Luft ist in diesem Fall ratsam.
  • Mythos 5: Schmerzen im Kopf sind lästig, aber harmlos. Kopfschmerzen und Migräne können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und sollten ernst genommen werden. Bei häufigen oder starken Kopfschmerzen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu finden.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, meist einseitige Kopfschmerzen äußert. Die Schmerzen sind oft pulsierend oder hämmernd und können von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Migräneattacken können Stunden oder sogar Tage andauern und die Betroffenen erheblich in ihrem Alltag einschränken.

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Viele Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass das Gehirn von Migräne-Patienten aufgrund ihrer Veranlagung empfindlicher reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Darum können plötzliche Veränderungen im Körper, beispielsweise hormonelle Schwankungen oder Veränderungen äußerer Einflüsse eine Attacke auslösen. Diese inneren und äußeren Einflüsse, die einen Migräne-Anfall provozieren können, werden Triggerfaktoren genannt. Sie sind nicht die eigentliche Ursache, aber der Auslöser von Schmerzattacken.

Individuelle Triggerfaktoren

Die Frage, welche Triggerfaktoren bei einem Migräne-Kranken eine Attacke auslösen können, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Bei dem einen spielt der abrupte Wechsel zwischen Ruhe und Stress eine Rolle, bei dem anderen ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei manchen Patienten können auch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel die Attacke auslösen. Darum ist es auf jeden Fall wichtig, zusammen mit dem Arzt nach diesen persönlichen Triggerfaktoren zu suchen, damit sie nach Möglichkeit vermieden werden können.

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Dabei hilft ein Kopfschmerztagebuch. Erhältlich sind solche Tagebücher etwa beim Hausarzt oder bei Kopfschmerz-Spezialisten. Ebenfalls vermerken kann man darin auch Ernährungsweise oder andere Faktoren, die als Auslöser verdächtigt werden. Es ist nicht sinnvoll, wenn Migräne-Kranke generell Nahrungs- mittel meiden, von denen bekannt ist, dass sie Anfälle provozieren. Denn Nahrungsmittel spielen nicht bei allen Patienten eine Rolle.

Es gibt keine Migräne-Diät. Wichtig ist es, die ganz persönlichen ernährungsbedingten Einflüsse mit Hilfe des Kopfschmerz-Tagebuchs herauszufinden, um sie gezielt vom Speiseplan zu streichen. Bei dieser „Detektivarbeit“ muss man bedenken, dass zwischen der Aufnahme eines Nahrungsmittels und einer Attacke zumeist mehrere Stunden liegen, mitunter sogar ein ganzer Tag. Selbst wenn Migräniker herausgefunden haben, dass bestimmte Nahrungsmittel bei ihnen eine Attacke auslösen können, kommt es immer wieder vor, dass sie diese Nahrungsmittel trotzdem vertragen, wenn keine weiteren Störfaktoren hinzukommen. Erst wenn weitere Trigger „das Fass zum Überlaufen bringen“, kann es sein, dass die Nahrungsmittel einen Anfall provozieren.

Einige Migräne-Patienten berichten, dass Käse oder Rotwein ihre Attacken auslösen können. Andere reagieren, wenn auch sehr selten, empfindlich auf bestimmte Eiweißstoffe in Joghurt und Milchprodukten oder auf die Inhaltsstoffe bestimmter Früchte, etwa Bananen. Auch das Koffein in Kaffee und koffeinhaltigen Limonaden kann eine Attacke verursachen. Manche Patienten reagieren aber auch auf den Koffein-Entzug am bürostressfreien Wochenende mit einem Anfall. Ebenso können Konservierungsstoffe in Fertiggerichten eine Attacke provozieren. Dazu gehören beispielsweise Nitrate, die häufig in Würstchen oder in konservierten Fleisch- und Wurstwaren enthalten sind. Bekannt als Triggerfaktor ist auch der Geschmacksverstärker Glutamat, mit dem häufig chinesische oder andere asiatische Gerichte gewürzt werden. Selbst Speiseeis kann eine Migräne auslösen - wegen des Kälteschocks, der den Trigeminus-Nerv in Aufruhr versetzt.

Mitunter können Attacken auch auftreten, wenn Migräne-Kranke Mahlzeiten auslassen. Darum ist es wichtig, regelmäßig zu essen. Früher wurde auch Schokolade als Migräne-Auslöser verdächtigt. Inzwischen gibt es jedoch Hinweise, dass Veränderungen im Hirnstoffwechsel, die einer Attacke vorausgehen, einen Heißhunger auf Süßigkeiten auslösen können. Dann wäre die Lust auf Schokolade ein Signal für einen bevorstehenden Schmerzanfall.

Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten als mögliche Auslöser

Manche Mediziner fassen die durch Nahrungsmittel ausgelöste Migräne-Attacke nicht als das Resultat einer biochemischen Wirkung, sondern als eine Art allergischer Reaktion auf. Tatsächlich konnten 43 Prozent der Teilnehmer in einer britischen Studie durch eine Auslassdiät, bei der bestimmte Nahrungsmittel gemieden werden, die Attacken auslösen können, die Häufigkeit ihrer Migräne-Attacken um die Hälfte senken. Darüber hinaus haben mehrere Forscher- gruppen festgestellt, dass sich bei nahrungsmittel-induzierten Migräne-Attacken im Blut unter anderem der für Allergien typische Botenstoff Histamin nachweisen lässt. Allerdings ließen sich die fraglichen „Migräne-Allergene“ nie mit allergologischen Methoden, etwa durch einen klassischen Hauttest, dingfest machen. Darüber hinaus kann keine Diät Patienten von ihrer Migräne völlig befreien.

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Wie Experten vermuten, werden Nahrungsmittel insgesamt als Auslöser wohl eher über- als unterschätzt. Ein bestimmtes Essverhalten vor einer Migräne-Attacke könnte nämlich auch bereits ein Symptom der Anfangsphase einer Attacke sein. Gleichwohl raten Kopfschmerz-Experten: Migräne-Patienten sollten wissen, dass Nahrungsmittel im Einzelfall ein Co-Faktor für die Auslösung einer Attacke sein können. Eine Auslassdiät ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn sich ein Nahrungsmittel eindeutig als Triggerfaktor identifizieren lässt.

Laktoseintoleranz: Wenn Milchzucker Probleme bereitet

Laktoseintoleranz ist eine weit verbreitete Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der der Körper Milchzucker (Laktose) nicht oder nur unvollständig verdauen kann. Ursache ist ein Mangel oder eine verminderte Aktivität des Enzyms Laktase, das Laktose im Dünndarm in die verwertbaren Einfachzucker Glukose und Galaktose aufspaltet.

Ursachen und Formen der Laktoseintoleranz

Es gibt verschiedene Formen der Laktoseintoleranz:

  • Primäre Laktoseintoleranz: Dies ist die häufigste Form und genetisch bedingt. Die Laktaseproduktion nimmt im Laufe des Lebens ab, sodass Milchprodukte im Erwachsenenalter schlechter vertragen werden.
  • Sekundäre Laktoseintoleranz: Diese Form entsteht als Folge einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut, beispielsweise durch Darmerkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn, Magen-Darm-Infektionen oder Nahrungsmittelallergien. Mit Rückbildung der Darmzotten verringert sich die intestinale Laktatexpression, sodass die Laktose unaufgespalten in den unteren Dünndarm und ins Kolon gelangt.
  • Kongenitale Laktoseintoleranz: Dies ist eine sehr seltene, angeborene Form, bei der die Laktaseproduktion von Geburt an fehlt oder stark reduziert ist.

Symptome der Laktoseintoleranz

Die Symptome einer Laktoseintoleranz können vielfältig sein und individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Typische Beschwerden sind:

  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Völlegefühl
  • Magenkrämpfe
  • Blähbauch
  • Darmgeräusche

Neben den typischen Magen-Darm-Beschwerden können auch unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Herzklopfen, Muskel- und Gelenkbeschwerden auftreten.

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Diagnose der Laktoseintoleranz

Zur Diagnose einer Laktoseintoleranz stehen verschiedene Testverfahren zur Verfügung:

  • H2-Atemtest: Dies ist der Goldstandard zur Diagnose einer Laktoseintoleranz. Dabei wird die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft nach Einnahme einer Laktoselösung gemessen. Ein Anstieg des Wasserstoffgehalts deutet auf eine Laktoseintoleranz hin.
  • Laktosetoleranztest: Bei diesem Test wird die Blutzuckerkonzentration nach Einnahme einer Laktoselösung gemessen. Ein ausbleibender Anstieg des Blutzuckerspiegels deutet auf eine Laktoseintoleranz hin.
  • Diät-/Expositionstest: Dabei wird für eine gewisse Zeit auf laktosehaltige Lebensmittel verzichtet und anschließend eine Laktosebelastung durchgeführt, um zu beobachten, ob Beschwerden auftreten.

Behandlung der Laktoseintoleranz

Die Behandlung der Laktoseintoleranz besteht in erster Linie in einer Anpassung der Ernährung. Dabei sollten laktosehaltige Lebensmittel reduziert oder vermieden werden. Viele Betroffene vertragen kleine Mengen Laktose, insbesondere in Kombination mit anderen Lebensmitteln. Es gibt auch laktosefreie Milchprodukte und Laktasetabletten, die vor dem Verzehr laktosehaltiger Speisen eingenommen werden können.

Der mögliche Zusammenhang zwischen Migräne und Laktoseintoleranz

Obwohl der Zusammenhang zwischen Migräne und Laktoseintoleranz noch nicht vollständig geklärt ist, gibt es einige Hinweise darauf, dass eine Verbindung bestehen könnte:

  • Histaminintoleranz: Bei manchen Menschen mit Laktoseintoleranz kann auch eine Histaminintoleranz vorliegen. Histamin ist ein natürlicher Stoff, der in vielen Lebensmitteln vorkommt, insbesondere in lang gereiften Käsesorten. Ein Überschuss an Histamin im Körper kann Migräneattacken auslösen.
  • Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten: Es gibt Hinweise darauf, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien Migräne zur Folge haben können. So ist beispielsweise eine Migräne aufgrund einer Laktoseintoleranz möglich. Das Problem: Die Unverträglichkeiten und Allergien bleiben häufig lange unentdeckt. Denn Symptome wie Kopfschmerzen und Migräne können auch erst Stunden oder Tage auftreten, nachdem du das betreffende Nahrungsmittel zu dir genommen hast.
  • Entzündungsreaktionen: Laktoseintoleranz kann zu Entzündungsreaktionen im Darm führen, die möglicherweise auch Migräneattacken begünstigen können.
  • Nährstoffmangel: Durch die eingeschränkte Aufnahme von Nährstoffen aufgrund der Laktoseintoleranz kann es zu einem Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen kommen, die für die Funktion des Nervensystems wichtig sind.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht jeder Mensch mit Laktoseintoleranz auch unter Migräne leidet und umgekehrt. Der Zusammenhang ist komplex und individuell verschieden.

Was tun bei Verdacht auf einen Zusammenhang?

Wenn Sie unter Migräne leiden und gleichzeitig den Verdacht haben, eine Laktoseintoleranz zu haben, sollten Sie folgende Schritte unternehmen:

  1. Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie, welche Lebensmittel Sie wann essen und wann die Kopfschmerzen auftreten. So können Sie mögliche Zusammenhänge zwischen Ihrer Ernährung und Ihren Migräneattacken erkennen.
  2. Lassen Sie einen Laktoseintoleranztest durchführen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden und lassen Sie einen H2-Atemtest oder einen anderen geeigneten Test durchführen, um eine Laktoseintoleranz auszuschließen oder zu bestätigen.
  3. Achten Sie auf Ihre Ernährung: Reduzieren oder vermeiden Sie laktosehaltige Lebensmittel und beobachten Sie, ob sich Ihre Migräneattacken dadurch verbessern. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen.
  4. Suchen Sie einen Arzt auf: Besprechen Sie Ihre Beschwerden und Ergebnisse mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen bei der Diagnose und Behandlung Ihrer Migräne und Laktoseintoleranz helfen.

Weitere Tipps für Migräne-Patienten

Neben der Berücksichtigung möglicher Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es noch weitere Maßnahmen, die Migräne-Patienten ergreifen können, um ihre Beschwerden zu lindern:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress und lernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Lassen Sie keine Mahlzeiten aus und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
  • Ausdauersport: Treiben Sie regelmäßig leichten Ausdauersport wie Walken, Joggen oder Schwimmen.
  • Medikamentöse Therapie: Bei Bedarf kann Ihr Arzt Ihnen Medikamente zur Behandlung von Migräneattacken oder zur Vorbeugung von Migräneanfällen verschreiben.

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