Migräne und Süßstoffe: Ein süßer Schmerz?

Viele Menschen greifen zu zuckerfreien Alternativen, um Kalorien zu sparen oder ihren Zuckerkonsum zu reduzieren. Doch künstliche Süßstoffe, die in vielen Light-Getränken und zuckerfreien Produkten enthalten sind, stehen im Verdacht, Migräne auszulösen oder zu verstärken. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne, Süßstoffen und anderen Ernährungsfaktoren, um Ihnen zu helfen, informierte Entscheidungen für Ihre Gesundheit zu treffen.

Einleitung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland über acht Millionen Menschen betroffen sind. Häufige Auslöser (Trigger) sind Stress, Alkohol oder bestimmte Gerüche. Eine Umfrage der "Lloyd's Pharmacy" in Großbritannien deutete darauf hin, dass auch künstliche Süßstoffe in vielen Light-Softdrinks Migräneattacken auslösen können.

Künstliche Süßstoffe im Visier

Künstliche Süßstoffe sind Zuckerersatzstoffe, die in vielen Lebensmitteln und Getränken verwendet werden. Sie haben eine vielfach höhere Süßkraft als Zucker und enthalten keine Kalorien. Zu den bekanntesten künstlichen Süßstoffen gehören:

  • Aspartam
  • Sucralose
  • Acesulfam-K
  • Saccharin

Diese Süßstoffe stehen seit Jahren wegen ihrer potenziellen Nebenwirkungen in der Diskussion. Obwohl sie grundsätzlich als "sicher" gelten, werden sie von einigen Behörden, wie der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA, aufgrund ihrer Nebenwirkungen weiterhin beobachtet.

Wie Süßstoffe Migräne beeinflussen können

Es gibt verschiedene Theorien, wie künstliche Süßstoffe Migräne beeinflussen können:

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  • Direkte Auswirkung auf das Gehirn: Einige Süßstoffe, wie Aspartam, können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und direkt auf Nervenzellen im Gehirn wirken. Dies kann zu einer Überstimulation führen, die möglicherweise zum Absterben von Gehirnnerven führen kann.
  • Entzündungsprozesse: Zucker, insbesondere raffinierter Zucker, kann Entzündungsprozesse im Körper fördern. Diese Entzündungen können auch das Gehirn betreffen und Migräneanfälle begünstigen.
  • Auswirkungen auf den Darm: Süßstoffe können die Darmflora verändern und das Immunsystem beeinträchtigen. Eine eingeschränkte Darmflora könnte die Entstehung von verschiedenen Krankheiten begünstigen, einschließlich Migräne.
  • Freisetzung von Methanol: Aspartam wird im Körper zu Asparaginsäure, Phenylalanin und Methanol abgebaut. Methanol kann weiter zu Formaldehyd und Ameisensäure zerfallen, die beide als potenziell schädlich gelten.

Die Rolle von Aspartam im Detail

Aspartam ist einer der am häufigsten verwendeten künstlichen Süßstoffe und findet sich in über 6.000 Lebensmitteln, Getränken und Medikamenten. Es besteht aus den Aminosäuren Phenylalanin und Asparaginsäure sowie Methanol.

Mögliche Nebenwirkungen von Aspartam

  • Kopfschmerzen und Migräne: Studien haben gezeigt, dass Aspartam bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen und Migräne auslösen kann.
  • Gedächtnisstörungen und oxidativer Stress: Aspartam kann die Gedächtnisleistung beeinträchtigen und oxidativen Stress im Gehirn verstärken.
  • Stimmungswechsel und andere neurologische Symptome: Einige Menschen berichten von Stimmungswechseln, Schwindel und manischen Anfällen nach dem Konsum von Aspartam.
  • Phenylketonurie (PKU): Menschen mit der Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie dürfen Aspartam nicht konsumieren, da sie Phenylalanin nicht abbauen können.

Weitere gängige künstliche Süßstoffe und ihre potenziellen Risiken

Neben Aspartam gibt es weitere künstliche Süßstoffe, die potenziell gesundheitsschädliche Auswirkungen haben können:

  • Sucralose: Sucralose wird aus Zucker gewonnen, ist aber ein chloriertes Saccharosederivat. Studien haben gezeigt, dass Sucralose den Gehalt an Glukose, Insulin und Glukagon-ähnlichem Peptid 1 verändern kann. Beim Kochen mit Sucralose bei hohen Temperaturen können gefährliche Chlorpropanole entstehen.
  • Acesulfam-K: Acesulfam-K besteht aus Kaliumsalzen, die Methylenchlorid enthalten. Methylenchlorid kann bei langfristiger Einnahme Übelkeit, Stimmungsschwankungen und möglicherweise Krebs hervorrufen sowie die Leber- und Nierenfunktion und das Sehvermögen beeinträchtigen.
  • Saccharin: In den 1970er Jahren vermuteten Wissenschaftler, dass Saccharin Blasenkrebs hervorrufen kann. Obwohl dieser Warnhinweis in den USA mittlerweile aufgehoben wurde, gibt es weiterhin Studien, die eine Verbindung zwischen Saccharin und ernsthaften Erkrankungen herstellen.

Natürliche Süßungsmittel als Alternative

Angesichts der potenziellen Risiken künstlicher Süßstoffe suchen viele Menschen nach natürlichen Alternativen. Natürliche Süßungsmittel enthalten Kalorien und Nährstoffe und werden vom Körper verstoffwechselt. Beispiele für natürliche Süßungsmittel sind:

  • Honig
  • Ahornsirup
  • Melasse
  • Stevia
  • Erythrit
  • Birkenzucker (Xylit)
  • Dattelmus
  • Bananenpüree

Es ist wichtig zu beachten, dass auch natürliche Süßungsmittel in großen Mengen nicht gesund sind. Zucker ist Zucker, auch wenn diese Süßstoffe in geringen Mengen wertvollere Inhaltsstoffe enthalten.

Stevia, Erythrit und Birkenzucker im Detail

  • Stevia: Stevia ist ein natürliches Süßungsmittel, das aus den Blättern der Stevia-Pflanze gewonnen wird. Es ist kalorienarm und hat keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Allerdings sollte man darauf achten, reinen Stevia aus biologischem Anbau zu verwenden und die Produktetiketten aufmerksam zu lesen.
  • Erythrit: Erythrit ist ein Zuckeralkohol, der kalorienfrei ist und eine gute Alternative zu Zucker darstellt.
  • Birkenzucker (Xylit): Birkenzucker hat 40 % weniger Kalorien als Zucker und ein knochenstärkendes Potenzial. Er wird teilweise als Ballaststoff verstoffwechselt und ist gut für die Verdauung.

Kopfschmerzen durch Ernährung: Weitere Auslöser

Neben Süßstoffen können auch andere Nahrungsbestandteile Kopfschmerzen auslösen:

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  • Glutamat: Glutamat ist ein Geschmacksverstärker, der in vielen Fertigprodukten, Chips und Sojasaucen enthalten ist. Eine Glutamatunverträglichkeit kann zu Kopfschmerzen, Schläfendruck, Engegefühl im Brustkorb und Stresssymptomen führen.
  • Histamin: Histamin ist ein Stoff, der in bestimmten Lebensmitteln wie Hartkäse und Wein vorkommt. Eine Histaminintoleranz kann zu Kopfschmerzen, Hautrötungen, Ausschlag, Müdigkeit, Schwindel und Verdauungsproblemen führen.
  • Alkohol: Alkohol, insbesondere Methanol, das beim Abbau von Alkohol entsteht, kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtscheu führen.

Ernährungstagebuch zur Identifizierung von Triggern

Um herauszufinden, welche Lebensmittel oder Inhaltsstoffe Kopfschmerzen auslösen, kann ein Ernährungstagebuch hilfreich sein. Notieren Sie darin jeden Tag alles, was Sie gegessen haben, zusammen mit der Uhrzeit und eventuellen Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Hautausschlag oder Schwindel. Nach einigen Wochen lässt sich meist nachvollziehen, ob die Kopfschmerzen tatsächlich durch die Ernährung bedingt sind und welche Nahrungsmittel die Auslöser sind.

Strategien zur Reduzierung von Kopfschmerzen und Migräne

  • Vermeiden Sie künstliche Süßstoffe: Reduzieren Sie den Konsum von Light-Getränken, zuckerfreien Produkten und anderen Lebensmitteln, die künstliche Süßstoffe enthalten.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung: Essen Sie viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und mageres Eiweiß. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel, Fertiggerichte und zuckerhaltige Getränke.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser: Dehydration kann Kopfschmerzen auslösen. Trinken Sie daher ausreichend Wasser über den Tag verteilt.
  • Führen Sie ein Ernährungstagebuch: Identifizieren Sie potenzielle Trigger, indem Sie ein Ernährungstagebuch führen und Ihre Ernährungsgewohnheiten und Symptome dokumentieren.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe: Wenn Sie häufig unter Migräne leiden, suchen Sie einen Arzt oder Ernährungsberater auf, um eine individuelle Therapie zu entwickeln.

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