Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, oft einseitige Kopfschmerzen auszeichnet, die von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Die Behandlung von Migräne erfordert einen individuellen Ansatz, der sowohl die akute Schmerzlinderung als auch die langfristige Vorbeugung von Anfällen berücksichtigt. In diesem Zusammenhang spielen Akutkliniken und Rehabilitationskliniken eine wichtige Rolle, wobei sie unterschiedliche Schwerpunkte und Therapieansätze verfolgen.
Akute Schmerzbehandlung in der Klinik
Akute Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers und ein Symptom dafür, dass die innere Balance gestört ist oder funktionale Defizite vorliegen. Im Falle einer Migräneattacke zielt die Akutbehandlung darauf ab, die Schmerzen schnell und effektiv zu lindern und die Begleitsymptome zu kontrollieren. Eine Akutbehandlung in einer Schmerzklinik dauert meist zwischen 7 und 20 Tagen, abhängig von der Ausprägung des Schmerzes und der jeweiligen Indikation.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Akutbehandlung von Migräne. Dabei kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, darunter:
- Analgetika: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen.
- Triptane: Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden und wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können helfen, die Begleitsymptome der Migräne zu lindern.
- Cortison: In manchen Fällen kann Cortison eingesetzt werden, um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
Die medikamentöse Therapie sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, um die richtige Wahl des Medikaments und die Dosierung sicherzustellen.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Neben der medikamentösen Therapie können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Linderung der akuten Schmerzen beitragen. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
- Ruhe und Entspannung: Ein dunkler, ruhiger Raum kann helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Kühlende Umschläge: Das Auflegen von kühlen Umschlägen auf die Stirn oder den Nacken kann die Schmerzen reduzieren.
- Akupunktur: Diese traditionelle chinesische Behandlungsmethode kann bei manchen Menschen die Schmerzen lindern.
Rehabilitation bei chronischer Migräne
Chronische Schmerzen liegen vor, wenn der Schmerz seit mindestens 3 Monaten besteht und den Patienten physisch, psychisch-kognitiv und sozial einschränkt. Ebenso sinnvoll ist die Schmerztherapie, wenn durch bestimmte bio-psycho-soziale Faktoren eine Chronifizierung droht. In diesem Fall kann eine Rehabilitation in einer spezialisierten Klinik sinnvoll sein. Die Rehabilitation zielt darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, die Schmerzen zu reduzieren und die Selbstmanagementfähigkeiten zu stärken.
Multimodale Schmerztherapie
Die multimodale Schmerztherapie / interdisziplinäre Schmerztherapie gilt durch ihre Vielzahl (lat. multi) an Behandlungen (lat. modi) als einer der effektivsten Ansätze der Schmerzmedizin. Eine multimodale Schmerzbehandlung umfasst mehrere Fachbereiche, die eng miteinander verzahnt sind und therapeutisch aufeinander aufbauen. Der Therapieplan umfasst mindestens 100 Therapieeinheiten und enthält neben der ärztlichen Begleitung auch bewegungstherapeutische und psychologische Elemente sowie eine Pharmakotherapie. Darüber hinaus finden zahlreiche Informationsveranstaltungen statt, in denen ein umfassendes Wissen zur Schmerzentstehung, Schmerzwahrnehmung und bestimmten Schmerzmedikamenten vermittelt wird. Jede interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) wird mit wöchentlichen Behandlungsplänen individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten.
Die multimodale Therapie umfasst in der Regel folgende Elemente:
- Medizinische Behandlung: Die medikamentöse Therapie wird überprüft und gegebenenfalls angepasst. Ziel ist es, die Schmerzen zu reduzieren und die Medikamenteneinnahme zu optimieren.
- Physiotherapie: Durch gezielte Übungen und Anwendungen werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die Körperwahrnehmung geschult.
- Psychotherapie: Die psychologische Behandlung hilft den Betroffenen, ihre Schmerzen besser zu verstehen und zu bewältigen. Dabei werden Strategien zur Stressbewältigung, Schmerzbewältigung und zur Verbesserung der Lebensqualität erlernt.
- Ergotherapie: Die Ergotherapie unterstützt die Patienten dabei, ihre Alltagskompetenzen zu verbessern und wieder aktiv am Leben teilzunehmen.
- Entspannungsverfahren: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.
- Sport- und Bewegungstherapie: Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Joggen beugen Kopfschmerzen vor.
Multimodale Behandlungen fördern das Verlernen schmerzbedingter Verhaltensmuster, die Aufgabe von Schonhaltungen und die Stärkung von Aktivität und Eigenverantwortung. Auf diese Weise wird das Gehirn gewissermaßen umprogrammiert und das Schmerzgedächtnis gelöscht. Ebenso werden die allgemeine Fitness, die Koordination und die Körperwahrnehmung gesteigert, so dass die Patienten Alltagstätigkeiten wiederaufnehmen können und die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt wird.
Stationäre vs. ambulante Rehabilitation
Die multimodale Schmerztherapie kann sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt werden. Während klassische Schmerzkliniken mit Ausnahme von teilstationären Einrichtungen / Tageskliniken vollstationär arbeiten, führen die meisten Rehakliniken die spezielle Schmerztherapie sowohl stationär als auch ganztägig ambulant durch. Die Qualität der Behandlungen ist dieselbe, Unterschiede bestehen lediglich in der Unterbringung. Erfolgt die multimodale Schmerztherapie ambulant, suchen die Rehabilitanden die Klinik an den Werktagen für mehrere Stunden auf und verbringen die Abende und die Wochenenden im gewohnten sozialen Umfeld. Welche Maßnahme die richtige ist, entscheiden der Einzelfall und die Lebenssituation des Schmerzpatienten. In vielen Fällen wird einer stationären Therapie der Vorzug gegeben, weil sich die Betroffenen hier ausschließlich auf sich und ihre Genesung konzentrieren können. Chronische Schmerzpatienten sollten den behandelnden Arzt nach längerer, erfolgloser ambulanter Schmerzbehandlung auf eine ambulante oder stationäre Schmerztherapie ansprechen. Schließlich gilt es rechtzeitig einzugreifen und die Anlage des Schmerzgedächtnisses und eine Chronifizierung zu verhindern.
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
Die Dauer der Rehabilitation beträgt in der Regel drei Wochen, kann aber bei medizinischer Notwendigkeit verlängert werden.
Kostenträger
Erfolgt die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie als Rehabilitation, sind die zuständigen Kostenträger entweder die Rentenversicherung oder die Krankenkasse. Welcher Kostenträger der individuell richtige ist, hängt dabei von der persönlichen Lebenssituation des Betroffenen ab. So übernimmt die DRV in der Regel die Kosten bei Berufstätigen, wenn die Rehabilitation eine Minderung der Erwerbsfähigkeit oder eine Erwerbsunfähigkeit abwenden kann. Bei Menschen, die nicht oder nicht mehr im Berufsleben stehen, ist die Krankenkasse der verantwortliche Ansprechpartner. Allerdings sind die Hürden für die Bewilligung aufgrund der Behandlungsintensität und der hohen Kosten relativ schwer zu nehmen. Stationäre Aufenthalte in Kliniken und Reha-Kliniken sind ab dem vollendeten 18. Lebensjahr für eine bestimmte Anzahl an Tagen pro Kalenderjahr zuzahlungspflichtig. Bei der Krankenkasse sind an 28 Tagen 10 EURO für ambulante und stationäre Rehabilitationen zu leisten.
Migräne Prophylaxe
Um Migräneattacken effektiv zu vermeiden, ist es wichtig, seinen Kopfschmerz gut kennenzulernen, mögliche auslösende Faktoren ausfindig zu machen und diese zu vermeiden. Hierzu können Nahrungsmittel wie Alkohol, Weglassen von regelmäßigem Koffeinkonsum oder bestimmte Medikamente gehören. Diese Auslöser dürfen aber nicht überinterpretiert werden. Wichtig ist hier nicht nur die Menge, sondern auch der Zeitpunkt der Einnahme.
Medikamentöse Prophylaxe
Eine Prophylaxe kann die Migräne nicht heilen und muss mindestens über drei Monate erfolgen, um die Wirksamkeit beurteilen zu können. Eine Prophylaxe ist dann wirksam, wenn sie die Häufigkeit der Kopfschmerzen halbieren kann. Zur Prophylaxe werden Medikamente wie beta-Blocker oder Calciumantagonisten verschrieben, also Medikamente, die sonst bei der Behandlung des Bluthochdruckes zum Einsatz kommen. Oft ist die Einnahme über sechs bis zwölf Monate notwendig, bevor man wieder über ein Absetzen dieser Prophylaxe nachdenken kann. Individuell muss das richtige Medikament ausgetestet werden. In schwierigen Fällen kann eine Prophylaxe mit Antikonvulsiva in geringer Dosierung helfen.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe
Nicht nur Medikamente, sondern auch Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Joggen beugen Kopfschmerzen vor. Entspannungsverfahren, wie zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jakobson sind ebenfalls hilfreich. Sollte kein Medikament und keine Allgemeinmaßnahme die Häufigkeit der Schmerzattacken vermindern, ist die Diagnose erneut zu überprüfen.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
Psychosomatische Aspekte der Migräne
Der Begriff Psychosomatik leitet sich von den beiden griechischen Wörtern Psyche (Seele) und Soma (Körper) ab. Fast alle Krankheiten äußern sich sowohl auf körperlicher als auch seelischer Ebene. Ebenso beeinflussen sich psychisches und körperliches Befinden wechselseitig. Die Psychosomatik ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Behandlung von Krankheiten befasst, bei denen psychische Faktoren besondere Relevanz besitzen. Dabei berücksichtigt die psychosomatische Reha grundsätzlich jedoch seelische, soziale und körperliche Aspekte der Erkrankung. Die Therapiekonzepte bei psychosomatischen Erkrankungen sind multimodal und integrativ, beinhalten psychodynamische und verhaltenstherapeutische Aspekte, entwickeln zu Therapiebeginn die Selbstregulationsfähigkeiten und Achtsamkeit der Rehabilitanden.
In unseren psychosomatischen MEDIAN Rehakliniken bieten wir für zahlreiche psychosomatische Erkrankungen eine rehabilitative Behandlung an. Dazu gehören:
- Psychische Störungen
- Psychosomatische Störungen
- Somatoforme Störungen
- Arbeitsplatzstörungen und Arbeitsplatzphobien
- Affektive Störungen (Depressionen & Dysthyme Störungen)
- Anpassungsstörungen & Zwangsstörungen
- Posttraumatische Belastungsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Erschöpfungssyndrome & Burnout
- chronische Kopfschmerzsyndrome & Migräne
- Schmerzsyndrome
- Tinnitus
- Funktionelle Schlafstörungen
- Funktionelle Sexualstörungen
- Psychische Faktoren bei Asthma bronchiale, Neurodermitis und Urticaria
Leben mit Migräne
Familie, Beruf und Alltag zu organisieren, ist keine leichte Aufgabe. Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht durch ein stressiges Leben. Den meisten Betroffenen sieht man die Krankheit nicht an, außer, man erwischt sie im akuten Anfall. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen. Sie zählt zu den schwersten Behinderungen, insbesondere von Frauen. So bestehen nicht nur die typischen meist einseitigen, stechenden, hämmernden, pulsierenden Kopfschmerzen - nein, der gesamte Körper ist in Mitleidenschaft gezogen. Betroffene lieben und brauchen frische Luft und gehen hinaus, so oft es möglich ist. Gemäßigter Ausdauersport kann prophylaktisch wirken und wird auch oft betrieben in schmerzfreien Zeiten. Während einer Attacke ist sportliche Betätigung nicht möglich. Viele sind bettlägerig und fühlen sich schwer krank.
Falsche Mythen über Migräne
Tipps dieser Art sind zwar gut gemeint, für Betroffene aber eher ein Ärgernis, denn hilfreich. Würde man einem Patienten mit Beinbruch raten, sich ein Hobby zu suchen, um damit die Heilung zu beschleunigen? Wenn es denn so einfach wäre. Natürlich wird man die Attacke behandeln, doch meist bestehen ja nicht nur der Schmerz, sondern weitere schwer behindernde Zustände wie oben beschrieben. Zudem wirkt nicht jede Tablette zuverlässig und ausreichend gut, mit einer einzigen Tablette ist es meist auch nicht getan. Richtig ist, dass mehr Frauen von Migräne betroffen sind als Männer, da die hormonellen Trigger hinzukommen. Migräne ist eine eigenständige primäre Erkrankung und nie das Symptom einer anderen Erkrankung! Betroffene sind weder arbeitsunwillig, psychisch krank noch suchen sie nach Aufmerksamkeit. Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die nicht durch Allergien bedingt ist. Auch besteht keine Vergiftung im Körper, nichts muss ausgeleitet, entschlackt oder entsäuert werden. Diäten sind wirkungslos. Wichtig ist vielmehr eine vollwertige Mischkost, die ausreichend Kohlenhydrate enthalten sollte.
Fazit
Die Behandlung von Migräne erfordert einen individuellen Ansatz, der sowohl die akute Schmerzlinderung als auch die langfristige Vorbeugung von Anfällen berücksichtigt. Akutkliniken und Rehabilitationskliniken spielen dabei eine wichtige Rolle, wobei sie unterschiedliche Schwerpunkte und Therapieansätze verfolgen. Die Wahl der geeigneten Behandlung hängt von der individuellen Situation des Patienten ab.
tags: #migrane #unterschied #reha #akutklinik