Migräne ist ein weit verbreitetes chronisches Leiden, von dem in Deutschland schätzungsweise 6 bis 8 Millionen Menschen betroffen sind, vorwiegend Frauen. Viele Betroffene suchen nach alternativen Behandlungsmethoden, da herkömmliche Medikamente oft Nebenwirkungen haben oder nicht für alle Migräneformen wirksam sind. In diesem Artikel werden die pflanzlichen Mittel Mutterkraut, Pestwurz, Ingwer und Curcuma hinsichtlich ihrer potenziellen Wirksamkeit bei der Vorbeugung und Linderung von Migräneattacken verglichen.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium)
Beschreibung und traditionelle Anwendung
Das Mutterkraut, auch bekannt als "falsche Kamille", gehört wie die Kamille zur Familie der Korbblütler und ähnelt ihr optisch sehr. Seinen Beinamen "Fieberkraut" verdankt es seiner traditionellen Anwendung zur Linderung von Kopfschmerzen und Fieber. Bereits seit Jahrhunderten wird es auch bei Bauch- und Zahnschmerzen eingesetzt. Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum, wird aber mittlerweile in Europa sowie Nord- und Südamerika als Zier- und Kräuterpflanze kultiviert.
Inhaltsstoffe und Wirkungsweise
Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Mutterkrauts sind die Sesquiterpenlactone, insbesondere Parthenolid. Dieser Stoff wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. Zudem entspannt Parthenolid die Gefäßmuskulatur, hemmt die Blutgerinnung und die Freisetzung des Botenstoffs Serotonin aus Blutplättchen.
Wirksamkeit bei Migräne
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Mutterkraut in der Migränevorbeugung eine gewisse Wirksamkeit besitzt. Eine Analyse mehrerer Studien aus dem Jahr 2004 (aktualisiert 2015) zeigte, dass Mutterkraut im Vergleich zu einem Placebo einen geringen, aber dennoch vorhandenen Effekt hat. Allerdings ist die Studienlage zur Wirkung von Mutterkraut bei Migräne nicht eindeutig. Einige aktuelle Forschungsergebnisse aus Humanstudien zeigen, dass Mutterkraut bei der Behandlung und Vorbeugung von Migräne nur geringfügig wirksamer ist als ein Placebo, während andere Studien keinen Effekt feststellten. Es ist deshalb weitere Forschung notwendig.
Eine Betroffene berichtete von ihren positiven Erfahrungen mit Mutterkraut: Nachdem sie jahrelang unter Migräne gelitten hatte, verbesserte sich ihr Zustand deutlich nach der regelmäßigen Einnahme von Mutterkraut.
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Anwendung und Dosierung
Für die Migräneprophylaxe wird das zur Blütezeit gesammelte Kraut (Tanaceti parthenii herba) verwendet, das aus Stängeln, Blättern und Blüten besteht. Es kann als Tee zubereitet oder in Form von Fertigpräparaten wie Kapseln, Tabletten oder Tinkturen eingenommen werden.
Die Wirkung von Mutterkraut-Tee wird jedoch als gering eingestuft, da die wirksamen Inhaltsstoffe kaum ins Wasser übergehen. Stattdessen wird empfohlen, standardisierte Fertigpräparate einzunehmen. Die Experten empfehlen gegen Migränesymptome eine Kapsel mit 100 Milligramm pulverisiertem Kraut am Tag über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten einzunehmen.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Mutterkraut gilt als gut verträglich, jedoch können allergische Reaktionen im Bereich der Haut, des Mundes und der Zunge auftreten. Manche Menschen klagen auch über leichte Magen-Darm-Beschwerden.
Personen mit einer Allergie gegen Korbblütler (z.B. Arnika, Ringelblume, Kamille) sollten auf die Einnahme von Mutterkraut verzichten. Aufgrund mangelnder Erkenntnisse wird Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 18 Jahren von der Einnahme abgeraten.
Fazit zu Mutterkraut
Mutterkraut ist ein traditionelles pflanzliches Mittel, das aufgrund seiner schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften potenziell zur Migräneprophylaxe geeignet ist. Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch nicht eindeutig, und weitere Studien sind erforderlich, um die Wirksamkeit abschließend zu beurteilen.
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Pestwurz (Petasites hybridus)
Beschreibung und Inhaltsstoffe
Pestwurz enthält Pyrrolizidinalkaloide, die potenziell leberschädigend sein können.
Wirksamkeit bei Migräne
Die ärztliche Leitlinie zur Therapie und Prophylaxe der Migräne besagt, dass die Wirksamkeit eines Pestwurz-Extrakts in der Vorbeugung der Migräne in zwei Studien belegt wurde. Somit steht hier der nachgewiesenen Wirksamkeit von Pestwurz in der Migräneprophylaxe ein mögliches Risiko für Leberentzündungen gegenüber.
Fazit zu Pestwurz
Pestwurz kann in der Migräneprophylaxe wirksam sein, birgt jedoch aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide ein Risiko für Leberschäden. Daher sollte die Einnahme nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Ingwer (Zingiber officinale)
Beschreibung und traditionelle Anwendung
Ingwer ist in Europa vor allem als scharfes Küchengewürz und als Basis für Teezubereitungen bekannt. In Asien wird er seit Jahrtausenden als Heilpflanze eingesetzt. Die Inhaltsstoffe des Ingwers werden traditionell als krampflösend, entzündungshemmend und schmerzstillend beschrieben.
Wirksamkeit bei Migräne
Ob Ingwer in der Vorbeugung oder Behandlung von Migräneattacken einem Placebo überlegen ist, kann die medizinische Forschung bislang nicht gesichert beantworten. Es gibt eine brasilianische Studie, in der ein Ingwer-Extrakt in Kapselform im Vergleich zu einem Placebo getestet wurde.
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Manche Personen mit Migräne wenden Ingwer-Zubereitungen bei akuten Migräneanfällen als Hausmittel an. Ob Ingwer gegen akute Migräne helfen kann, ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht und beantwortet.
Fazit zu Ingwer
Die Studienlage zur Wirksamkeit von Ingwer bei Migräne ist unklar. Es gibt Hinweise auf eine potenzielle Wirksamkeit, aber weitere Forschung ist erforderlich, um diese zu bestätigen.
Curcuma (Curcuma longa)
Beschreibung und Inhaltsstoffe
Curcuma, auch Kurkuma genannt, ist eine Knolle, die optisch dem Ingwer ähnelt, aber im Inneren sehr intensiv gelblich gefärbt ist. Für eine mögliche Wirkung von Curcuma gegen Migräne wird vor allem der Inhaltsstoff Curcumin untersucht.
Wirksamkeit bei Migräne
Eine Analyse experimenteller und klinischer Studien zu bestimmten Curcumin-Formen kam zu dem Zwischenfazit, dass Curcumin ein "vielversprechender Kandidat in der Vorbeugung und Kontrolle der Migräne" sei - unter anderem wegen seiner antientzündlichen und schmerzlindernden Eigenschaften.
Fazit zu Curcuma
Curcumin, der Hauptwirkstoff von Curcuma, könnte aufgrund seiner entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften potenziell bei der Migränevorbeugung und -kontrolle hilfreich sein. Allerdings sind weitere Studien erforderlich, um diese Annahme zu bestätigen.
Koriander (Coriandrum sativum)
Beschreibung und traditionelle Anwendung
Koriander ist eine Gewürz- und Heilpflanze, die in der traditionellen persischen Medizin als Antagonist neurologischer Leiden wie Kopfschmerzen genannt wurde und heute im Rahmen der Volksmedizin immer noch bei derartigen Beschwerden eingesetzt wird.
Wirksamkeit bei Migräne
In einer placebokontrollierten Studie erhielten Migränepatienten über einen Zeitraum von einem Monat zusätzlich zu Natriumvalproat entweder einen Sirup aus Korianderfrüchten oder ein Placebo. Die Analyse der durchgeführten Messungen ergab eine deutliche Überlegenheit des Koriandersirups gegenüber der Placebo-Kontrolle. Im Mittel konnte für den Gewürzsirup eine um die Hälfte reduzierte Anfallshäufigkeit und eine um 5,7 Stunden kürzere Anfallsdauer festgestellt werden. Auch die Höhe des Schmerzgrads zeigte sich unter dem gemessenen Wert der Patienten in der Placebo-Gruppe.
Fazit zu Koriander
Eine prophylaktische Einnahme von Koriandersirup (in Ergänzung zu Natriumvalproat) kann auf der Grundlage des Studienergebnisses helfen, die Häufigkeit, Dauer und Schmerzintensität von Migräneattacken zu senken. Eine verbindliche Empfehlung kann jedoch noch nicht ausgesprochen werden, da die Studiendauer von einem Monat zu kurz und das Fehlen einer Nachbeobachtungsphase keine Rückschlüsse auf die Langzeitwirkung und längerfristige Sicherheit von Koriandersirup zulässt.
Weitere pflanzliche Optionen bei Migräne
Neben den bereits genannten Pflanzen gibt es noch weitere Heilpflanzen, die potenziell bei Migräne hilfreich sein könnten:
- Hanf (Cannabis indica/sativa): Der Hanfwirkstoff Cannabidiol (CBD) könnte bei Migräne hilfreich sein, da er den Abbau von Endocannabinoiden hemmt, die bei Migräne möglicherweise in zu geringer Menge produziert werden.
- Johanniskraut (Hypericum perforatum): Johanniskraut lindert Nervenschmerzen und unterdrückt die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) in Blutgefäßen, was bei der Entstehung von Migräneattacken eine Rolle spielt.
- Silber-Weide (Salix alba): Die Rinde der Silber-Weide enthält das schmerzstillende Salicin, eine Vorstufe der Salicylsäure. In Kombination mit Mutterkraut könnte sie die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneanfällen reduzieren.
Teerezeptur gegen Migräne
Es gibt auch Teerezepturen, die verschiedene Heilpflanzen kombinieren, um bei Migräne zu helfen. Eine solche Teemischung könnte folgende Zutaten enthalten:
- Jasminblüten
- Johanniskraut
- Mutterkraut
- Schafgarbe
- Haferkraut
- Weidenrinde
Die Zubereitung erfolgt durch Übergießen eines Esslöffels der Mischung mit 250 ml siedendem Wasser, das 15 Minuten ziehen gelassen wird. Es werden 3 Tassen täglich empfohlen.
Wichtiger Hinweis: Diese Teerezeptur sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker angewendet werden, insbesondere bei Schwangerschaft, Stillzeit, Salicylat-Unverträglichkeit, Allergie gegen Korbblütler oder Einnahme von Medikamenten.