Ein abgebrochener Zahn, besonders wenn der Nerv freiliegt, ist ein schmerzhaftes und beunruhigendes Ereignis, vor allem bei Kindern. Ob durch einen Sturz, einen Biss oder ein anderes Trauma verursacht, schnelles und angemessenes Handeln ist entscheidend, um den Zahn zu retten und Komplikationen zu vermeiden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden, was zu tun ist, wenn ein Milchzahn abbricht und der Nerv freiliegt.
Ursachen und Vorbeugung von abgebrochenen Zähnen
Ein abgebrochener Zahn kann verschiedene Ursachen haben. Bei Kindern sind Stürze beim Spielen und Toben häufige Gründe. Auch Sportverletzungen und Unfälle im Haushalt können zu Zahntraumata führen. Bei Erwachsenen können Karies, Zähneknirschen, altersbedingte Zahnschmelzschwächung oder der Biss auf harte Gegenstände Ursachen sein. In all diesen Fällen, in denen äußere Gewalt für den abgebrochenen Zahn verantwortlich ist, spricht man von einem Zahntrauma.
Vorbeugende Maßnahmen können das Risiko eines abgebrochenen Zahns erheblich reduzieren. Dazu gehören:
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Früherkennung und Behandlung von Karies können die Zähne stärken und anfälliger für Brüche machen.
- Professionelle Zahnreinigung: Entfernung von Zahnstein und Plaque, um Karies vorzubeugen.
- Ausgewogene Ernährung: Kalziumreiche Ernährung zur Stärkung des Zahnschmelzes. Vermeidung von übermäßigem Konsum von Süßigkeiten und sauren Lebensmitteln.
- Mundschutz: Tragen eines Mundschutzes bei Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko.
- Knirschschiene: Bei nächtlichem Zähneknirschen zum Schutz des Zahnschmelzes.
- Sichere Umgebung für Kinder: Aufsicht und altersgerechte Regeln, um Stürze und Unfälle zu vermeiden.
- Wickeltisch-Sicherheit: Immer eine Hand am Kind lassen! Alle Utensilien vorher bereitlegen. Bei Störung (Telefon, Türklingel): Kind mitnehmen oder sicher auf den Boden legen. Keine zu dicke Auflage verwenden, damit die seitlichen Ränder schützen.
Erste Hilfe bei einem abgebrochenen Milchzahn
Wenn ein Milchzahn abgebrochen ist und der Nerv freiliegt, sind folgende Schritte wichtig:
Ruhe bewahren: Beruhigen Sie das Kind und bewahren Sie selbst einen kühlen Kopf. Hektik und Panik übertragen sich auf das Kind und können die Situation verschlimmern.
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Blutung stillen: Bei starker Blutung das Kind vorsichtig auf eine saubere Mullkompresse oder ein Stofftaschentuch beißen lassen.
Kühlen: Die betroffene Stelle von außen mit einem kalten Waschlappen oder Kühlpack (in ein Tuch gewickelt) kühlen, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
Mundraum untersuchen: Überprüfen Sie vorsichtig den Mundraum auf weitere Verletzungen. Ist ein Zahn abgebrochen, locker, verschoben oder fehlt er ganz?
Abgebrochenes Zahnstück suchen: Suchen Sie das abgebrochene Zahnstück, falls vorhanden. Auch bei Milchzähnen kann es in manchen Fällen wieder angeklebt werden.
Richtiger Umgang mit Zahnfragment: Fassen Sie den Zahn oder das Bruchstück IMMER nur an der Krone an (dem sichtbaren Teil), NIEMALS an der Wurzel! An der Wurzel sitzen winzige, lebende Zellen, die für das Wiederanwachsen wichtig sind und die du nicht berühren oder beschädigen darfst. Und ganz wichtig: Den Zahn oder das Fragment NICHT säubern, NICHT abbürsten, NICHT desinfizieren, auch wenn er schmutzig ist! Das Entfernen von Schmutz würde auch die wichtigen Zellen an der Wurzeloberfläche zerstören.
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Feuchte Lagerung: Der Zahn bzw. das Fragment muss sofort feucht gelagert werden, um nicht auszutrocknen. Trockene Lagerung, selbst für kurze Zeit, zerstört die Zellen an der Wurzeloberfläche und macht ein erfolgreiches Wiederanwachsen fast unmöglich. Die beste Aufbewahrung ist eine Zahnrettungsbox. Falls keine Zahnrettungsbox zur Hand ist, kann der Zahn kurzzeitig in kalte H-Milch oder Kochsalzlösung gelegt werden.
- Zahnrettungsbox: Die beste Option. Sie enthält eine spezielle Nährlösung, die die Zellen auf der Wurzeloberfläche am Leben erhält. In der Zahnrettungsbox können die Zellen des Zahnes bis zu 24 oder sogar 48 Stunden überleben.
- Kalte H-Milch (ultrahocherhitzt): Eine gute Alternative, falls keine Zahnrettungsbox verfügbar ist.
- Isotone Kochsalzlösung: Eine weitere Option, falls vorhanden.
- Eigener Speichel des Kindes: Zahn in ein sauberes Gefäß mit Speichel legen oder (nur bei kooperativen, älteren Kindern!) vorsichtig in der Backentasche transportieren - Achtung, nicht verschlucken! Nur für ca.
- Plastikfolie/-tüte: Zahn in saubere Frischhaltefolie wickeln oder in einen kleinen Gefrierbeutel geben. Auch nur für ca.
Zahnarzt aufsuchen: Gehen Sie so schnell wie möglich zum Zahnarzt oder in eine Zahnklinik.
Zahnärztliche Behandlung eines abgebrochenen Milchzahns mit freiliegendem Nerv
Die Behandlung eines abgebrochenen Milchzahns mit freiliegendem Nerv hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe des Bruchs, das Alter des Kindes und der Zustand des Zahnnervs.
Der Zahnarzt wird zunächst den Unfallhergang erfragen und den Mundraum gründlich untersuchen. Eventuell wird ein Röntgenbild angefertigt, um das Ausmaß der Verletzung zu beurteilen und Schäden an der Zahnwurzel auszuschließen.
Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:
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Glättung scharfer Kanten: Bei kleineren Brüchen, bei denen nur ein kleiner Teil des Zahnes abgebrochen ist, werden oft nur die scharfen Kanten geglättet, um Verletzungen an der Zunge und der Mundschleimhaut zu vermeiden.
Nerventfernung (Pulpektomie): Wenn der Zahnnerv freiliegt und entzündet ist, kann eine Nerventfernung notwendig sein. Dabei wird der Zahnnerv vollständig entfernt und das Zahninnere mit einer Füllung aufgegossen. Diese Behandlung kann unter Umständen in Vollnarkose durchgeführt werden, insbesondere bei kleinen Kindern.
Zahnextraktion (Ziehen des Zahns): In manchen Fällen, insbesondere wenn der Zahn stark beschädigt ist oder eine Entzündung droht, die den bleibenden Zahnkeim gefährden könnte, muss der Zahn gezogen werden.
Platzhalter: Nach der Extraktion eines Milchzahns kann ein Platzhalter eingesetzt werden, um zu verhindern, dass die Nachbarzähne in die Lücke wandern und den Durchbruch des bleibenden Zahns behindern.
Milchzahn vs. bleibender Zahn
Es ist wichtig zu wissen, ob ein Milchzahn oder ein bleibender Zahn betroffen ist. Milchzähne sind die ersten Zähne, die etwa ab dem 6. Lebensmonat durchbrechen. Sie sind kleiner und haben dünneren Schmelz als die bleibenden Zähne. Eine schwere Verletzung des Milchzahns, besonders wenn er in den Kiefer hineingeschoben wird (Intrusion) oder sich entzündet, kann den Zahnkeim des bleibenden Zahns schädigen. Deshalb gilt: Jede Zahnverletzung, egal ob Milchzahn oder bleibender Zahn, sollte zahnärztlich abgeklärt werden! Man könnte meinen, eine Verletzung am Milchzahn sei nicht so schlimm, weil er ja sowieso ausfällt. Das ist so nicht richtig, denn unter jedem Milchzahn liegt im Kiefer schon der Keim für den bleibenden Zahn.
Was tun, wenn der Nerv immer größer wird?
Wenn der Nerv nach der Erstversorgung immer größer wird und Schmerzen verursacht, ist es wichtig, umgehend den Zahnarzt zu kontaktieren. Dies kann ein Zeichen für eine Entzündung des Zahnnervs sein. In diesem Fall ist möglicherweise eine Nerventfernung (Pulpektomie) oder Zahnextraktion erforderlich.
Die Rolle der Eltern
Als Eltern spielen Sie eine entscheidende Rolle bei der Behandlung eines abgebrochenen Milchzahns. Neben der Ersten Hilfe und dem Zahnarztbesuch ist es wichtig, das Kind zu beruhigen und ihm die Angst zu nehmen. Erklären Sie dem Kind altersgerecht, was passiert ist und was der Zahnarzt tun wird.
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