Minimale Weite des Spinalkanals: Definition, Ursachen, Symptome und Behandlung

Einführung

Die lumbale Spinalkanalstenose ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, insbesondere bei älteren Menschen. Sie entsteht durch eine Verengung des Spinalkanals, wodurch Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausgeübt wird. Dies kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Schwäche in den Beinen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Spinalkanalstenose.

Was ist eine Spinalkanalstenose?

Der Spinalkanal ist der knöcherne Kanal, der das Rückenmark und die Nervenwurzeln enthält. Er wird von den Wirbelkörpern und den dazwischenliegenden Bandscheiben sowie den Wirbelgelenken gebildet. Eine Spinalkanalstenose liegt vor, wenn sich dieser Kanal verengt und dadurch Druck auf die darin verlaufenden Nerven ausübt.

Definition der minimalen Weite

An der Wirbelsäule spricht man von einer relativen Spinalkanalstenose, wenn der Durchmesser des Kanals weniger als 12 mm beträgt, und von einer absoluten Spinalkanalstenose, wenn der Durchmesser weniger als 10 mm beträgt.

Ursachen der Spinalkanalstenose

Die Ursachen für eine Spinalkanalstenose sind vielfältig, wobei degenerative Veränderungen die häufigste Ursache darstellen.

Degenerative Veränderungen

Im Laufe des Lebens kommt es zu natürlichen Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule. Die Bandscheiben verlieren an Höhe und Elastizität, wodurch sich der Abstand zwischen den Wirbelkörpern verringert. Der Körper versucht, diese Instabilität auszugleichen, indem er Knochenanbauten (Spondylophyten) bildet. Auch die Wirbelgelenke können sich vergrößern (Arthrose) und in den Spinalkanal hineinragen. Des Weiteren können die Bänder im Spinalkanal, insbesondere das Ligamentum flavum, verdicken und den Kanal zusätzlich einengen.

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Weitere Ursachen

Neben den degenerativen Veränderungen können auch andere Faktoren zu einer Spinalkanalstenose führen:

  • Bandscheibenvorfall: Eine Vorwölbung oder ein Vorfall der Bandscheibe kann den Spinalkanal einengen.
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Eine Verschiebung eines Wirbelkörpers gegenüber dem darunterliegenden kann den Spinalkanal verengen.
  • Angeborene Spinalkanalstenose: In seltenen Fällen ist der Spinalkanal von Geburt an zu eng.
  • Synovialzysten: Aussackungen der Gelenkkapsel der kleinen Wirbelgelenke
  • Epidurale Lipomatose: Übermäßige Fettgewebsansammlung im Spinalkanal

Symptome der Spinalkanalstenose

Die Symptome einer Spinalkanalstenose können je nach Lokalisation und Ausmaß der Verengung variieren. Häufige Symptome sind:

Schmerzen

  • Rückenschmerzen: Tief sitzende Rückenschmerzen, die durch Verschleißprozesse bedingt sind.
  • Beinschmerzen: Ausstrahlung der Schmerzen über das Gesäß in die Ober- und Unterschenkel. Die Schmerzen verstärken sich beim Gehen und Stehen und bessern sich beim Sitzen oder Vorneigen des Rumpfes (Claudicatio spinalis).
  • Radikuläre Schmerzen: Einseitige Beinschmerzen durch Druck auf eine einzelne Nervenwurzel.

Neurologische Ausfälle

  • Taubheitsgefühle: Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Beinen oder Füßen.
  • Muskelschwäche: Schwäche oder Kraftverlust in den Beinen.
  • Gangunsicherheit: Schwierigkeiten beim Gehen und Halten des Gleichgewichts.
  • In seltenen Fällen: Funktionsstörungen der Blasen- oder Darmentleerung.

Claudicatio spinalis

Ein typisches Symptom der lumbalen Spinalkanalstenose ist die Claudicatio spinalis, auch "Schaufensterkrankheit" genannt. Dabei treten Schmerzen und Schwäche in den Beinen beim Gehen auf, die den Betroffenen zwingen, Pausen einzulegen. Durch Vorneigen des Oberkörpers oder Hinsetzen können die Beschwerden gelindert werden.

Diagnose der Spinalkanalstenose

Die Diagnose einer Spinalkanalstenose basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt wird zunächst ausführlich nach den Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensumständen fragen. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft getestet.

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Bildgebende Verfahren

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose einer Spinalkanalstenose. Sie ermöglicht die Darstellung von Bandscheiben, Bändern, Gelenken und Nervenstrukturen und kann die Ursache und das Ausmaß der Verengung des Spinalkanals zeigen.
  • Computertomographie (CT): Die CT ist hilfreich zur Beurteilung von knöchernen Strukturen und kann bei Patienten mit Kontraindikationen für eine MRT (z.B. Herzschrittmacher) eingesetzt werden.
  • Röntgen: Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule im Stehen dienen der Beurteilung der Statik der Wirbelsäule und können Fehlstellungen wie Skoliose oder Kyphose erkennen.

Behandlung der Spinalkanalstenose

Die Behandlung einer Spinalkanalstenose richtet sich nach der Schwere der Symptome und dem Leidensdruck des Patienten. Zunächst werden in der Regel konservative Maßnahmen eingesetzt.

Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Haltungsschulung.
  • Physikalische Therapie: Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen und Elektrotherapie zur Entspannung der Muskulatur und Schmerzlinderung.
  • Injektionen: Injektionen von Kortikosteroiden in die Nähe der Nervenwurzeln können Entzündungen reduzieren und die Schmerzen lindern.
  • Osteopathie: Behandlung von Muskelverhärtungen, Fehlstellungen oder Unklarheit der eigentlichen Ursache.
  • Kinesiotaping: Stabilisierung der Wirbelsäule und Förderung einer optimalen Haltung.

Operative Behandlung

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist die Erweiterung des Spinalkanals (Dekompression) und die Entlastung der Nervenstrukturen.

  • Laminektomie: Entfernung eines Teils des Wirbelbogens (Lamina), um den Spinalkanal zu erweitern.
  • Laminotomie: Entfernung eines kleineren Teils der Lamina.
  • Foraminotomie: Erweiterung des Nervenaustrittsloch (Foramen), um den Druck auf die Nervenwurzel zu verringern.
  • Dekompression mit Stabilisierung (Spondylodese): Bei Instabilität der Wirbelsäule kann zusätzlich zur Dekompression eine Stabilisierung durch Versteifung eines oder mehrerer Segmente erforderlich sein.
  • Minimal-invasive Techniken: Moderne, mikroskopisch gestützte Verfahren ermöglichen eine schonendere Dekompression mit kleineren Hautschnitten und geringerer Muskelverletzung. Dazu gehören die unilaterale Laminotomie mit Over-the-Top-Dekompression, die Slalomtechnik und die vollendoskopische interlaminäre Technik.

Minimal-invasive Dekompressionsverfahren

  • Unilaterale Laminotomie mit Over-the-Top-Dekompression: Bei diesem Verfahren wird von einer Seite der Wirbelsäule aus ein kleiner Teil der Lamina entfernt, um Zugang zum Spinalkanal zu erhalten. Anschließend wird der Spinalkanal auch auf der Gegenseite erweitert (Over-the-Top-Dekompression).
  • Slalomtechnik: Bei multisegmentalen Stenosen wird das lokale Gewebetrauma durch einen "segmentalen" Wechsel der Zugangsseite mit seitengetrennter separater bilateraler Over-the-Top-Dekompression deutlich reduziert.
  • Vollendoskopische interlaminäre Technik: Hierbei wird ein Endoskop über einen kleinen Hautschnitt in den Spinalkanal eingeführt, um die Verengung zu beseitigen.

Nachsorge

Nach einer Operation ist eine Rehabilitation sinnvoll, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Auch nach konservativer Behandlung ist eine kontinuierliche Physiotherapie und ein aktiver Lebensstil wichtig, um die Beschwerden langfristig zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

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