Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der fast 1 % der Bevölkerung betroffen ist. Sie ist gekennzeichnet durch wiederholte Anfälle, die durch plötzliche, abnormale elektrische Aktivität im Gehirn verursacht werden. Ein epileptischer Anfall wird als ein vorübergehendes Auftreten von subjektiven Zeichen und/oder objektivierbaren Symptomen aufgrund einer pathologisch exzessiven und/oder synchronisierten neuronalen Aktivität im Gehirn definiert. Die Phänomenologie variiert beträchtlich, abhängig von Ort und Ausprägung der Anfälle. Die Diagnose wird anhand des Anfallgeschehens und durch Zusatzbefunde erhoben.
Epilepsie: Ein Überblick
Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der beide Gehirnhälften oder einzelne Bereiche vorübergehend übermäßig oder fehlerhaft aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Dadurch kommt es zu einem sogenannten epileptischen Anfall. Wie sich dieser genau äußert, hängt davon ab, welche Nervenzellgruppen im Gehirn betroffen sind und welche Funktionen diese haben. Manchmal zucken nur einzelne Muskeln, es kann aber auch der gesamte Körper krampfen, was zur Bewusstlosigkeit führen kann. Somit können bei Erkrankten neben motorischen auch sensorische, vegetative und psychische Symptome bei einem epileptischen Anfall auftreten.
Rund 0,5 bis 0,9 % Prozent der deutschen Bevölkerung leidet laut der DGN an einer Form von Epilepsie. Am häufigsten tritt die Erkrankung in Kindheit und Jugend sowie in höheren Lebensalter auf.
Epilepsie muss keine lebenslange Erkrankung sein. Sind Patienten mindestens 10 Jahre anfallsfrei und nehmen sie seit mindestens 5 Jahren keine Antiepileptika mehr ein, gilt die Epilepsie als überwunden. Allerdings ist in diesen Fällen nicht bekannt, wie hoch das Rezidivrisiko (Rückfallrisiko) ist.
Anfallsformen
Grundsätzlich kann man zwischen fokalen und generalisierten epileptischen Anfällen unterscheiden. Diese können wenige Sekunden bis mehrere Minuten andauern. Hält ein epileptischer Anfall länger als 5 Minuten an, spricht man von einem „Status epilepticus“. In der Regel haben Menschen mit Epilepsie zwischen den Anfällen keine körperlichen Beschwerden.
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Aura: Manche Patienten berichten vor dem sichtbaren Anfall über eine sogenannte Aura, einem „Vorgefühl“ vor dem Anfall. Das können z. B. ein bestimmtes Gefühl, ein Geruch, Geschmack oder auch Lichtblitze sein.
Fokale Anfälle: Diese entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Je nachdem, wofür der Hirnbereich zuständig ist, kommt es zum Beispiel zum Zucken eines Arms (motorischer Anfall), einer Gefühlsstörung (sensorischer Anfall) oder einer Veränderung des Sehens (visueller Anfall). Fokale Anfälle können mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen und sich in einigen Fällen auf das gesamte Hirn ausbreiten. Dann wird der zunächst fokale Anfall zu einem generalisierten Anfall. Manchmal können fokale Anfälle das Bewusstsein einschränken.
Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle erfassen beide Gehirnhälften. Sie sind nicht unbedingt schwerer als fokale Anfälle, es kommt jedoch häufiger zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen im ganzen Körper. Zu den motorischen generalisierten Anfällen zählen u. a.:
- Tonisch-klonische Anfälle (Grand-Mal-Anfälle): Zunächst meist Sturz zu Boden, evtl. mit einem Schrei und Bewusstlosigkeit, danach oft tonische Phase mit steif gestreckten Gliedmaßen, Atemstillstand (Patient wird blau) und weiten, lichtstarren Pupillen, anschließend klonische Phase mit Zuckungen am ganzen Körper, evtl. Zungen- oder Wangenbiss (Schaum vor dem Mund) und Urin- oder Stuhlabgang. Aufhören der Zuckungen in aller Regel nach wenigen Minuten, nach dem Anfall Schlaf- und Orientierungsphase, später oft Amnesie (Patient erinnert sich nicht).
- Klonische Anfälle: Rhythmische Muskelzuckungen, oft langsamer werdend.
- Tonische Anfälle: Muskelverkrampfungen (Streckung der Extremitäten), teilweise über Minuten.
- Atonische Anfälle: Sturz durch Tonusverlust der Muskulatur.
- Absencen: Diese generalisierten Anfälle sind charakterisiert durch eine Bewusstseinspause, meist ein kurzes Innehalten.
Status epilepticus: Selten hält ein epileptischer Anfall lange an. Wenn er länger als 5 Minuten dauert oder eine Serie von Anfällen auftritt, spricht man von einem „Status epilepticus“. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der schnell mit Medikamenten behandelt werden muss.
Postiktale Phase: Nach einem epileptischen Anfall befinden sich die Patienten häufig in einer Reorientierungsphase, der postiktalen Phase. Diese Phase kann einige Minuten bis mehrere Stunden andauern.
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Diagnose und Behandlung
Um die Diagnose Epilepsie zu stellen, ist vor allem die Krankengeschichte wichtig: Wann und unter welchen Umständen ist der Anfall aufgetreten? Wie hat er sich geäußert? Hier ist es hilfreich, dass eine Person mit zum Arzttermin kommt, die den Anfall miterlebt hat und ihn beschreiben kann. Auch wird bei einem Epilepsie-Verdacht eine körperliche und neurologische Untersuchung durchgeführt und ein Elektroenzephalogramm (EEG) gemacht, das auf eine erhöhte Anfallsneigung hindeuten kann. Ein EEG allein reicht aber für die Diagnose Epilepsie nicht aus. Daher gehört eine Magnetresonanztomografie (MRT) grundsätzlich zur Absicherung einer Epilepsie-Diagnose. Dabei können Veränderungen im Gehirn entdeckt werden, die die Anfälle auslösen könnten. In der Regel ist nach dem zweiten Anfall eine medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika erforderlich, bei hohem Risiko auch schon nach dem ersten. Die Therapie muss über mindestens 2 Jahre durchgeführt werden, oft sogar lebenslang. Die Therapie erfolgt mit Antiepileptika (Arzneimittel, die epileptische Anfälle unterdrücken). Es sollte zunächst versucht werden, mit nur einem Antiepileptikum auszukommen (Monotherapie). Erst wenn die Dosis wegen starker Nebenwirkungen nicht mehr erhöht werden kann und die Person immer noch nicht anfallsfrei ist, sollte das Arzneimittel gewechselt oder eine Kombination unterschiedlicher Medikamente versucht werden. Das Ansetzen, Umstellen oder Absetzen der Antiepileptika erfolgt in der Regel schrittweise („Ein-, Ausschleichen“). Um die richtige Dosis zu finden, wird der Arzneimittelspiegel regelmäßig kontrolliert.
Weitere diagnostische Maßnahmen sind die Durchführung einer Lumbalpunktion: Bei dieser Diagnostik wird mit einer speziellen Nadel eine kleine Menge Liquor (Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit) aus dem Wirbelkanal (Spinalkanal) gewonnen und im Labor untersucht. Der Liquor gibt Auskunft über mögliche krankhafte Prozesse im Gehirn- und Rückenmarkbereich.
Pflegerische Maßnahmen während eines Anfalls
Während eines Krampfanfalls gilt es, den Betroffenen vor weiteren Gefahren zu schützen. Das umfasst:
- Atemwege sichern
- Gegenstände aus dem Weg räumen
- Betroffene zur Sturzprävention auf den Boden gleiten lassen
- Den Kopf abpolstern, um ihn vor Verletzungen zu schützen.
Keinesfalls sollten die Betroffenen festgehalten werden oder ihnen ein Beißkeil in den Mund geschoben werden, weil dadurch Lippen, Zähne und Gaumen verletzt werden können. Auch sollten ihnen wegen der Aspirationsgefahr keine Flüssigkeiten oder Arzneimittel oral eingeflößt werden.
Pflegekräfte sollten während des Krampfanfalls unbedingt die Ruhe bewahren und beruhigend auf den Patienten einwirken. Sie sollten ihn nicht allein lassen und bei unklarer Diagnose sofort einen Arzt benachrichtigen. Auch sollten sie den Betroffenen gut beobachten, damit sie die Dauer, Uhrzeit, den Ablauf und die Besonderheiten des Krampfanfalls später genau dokumentieren können.
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Nach dem Anfall sollten die Pflegenden die Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen, bis sie ihr Bewusstsein vollständig wiedererlangt haben (Aspirationsprophylaxe) und ggf. Erbrochenes entfernen. Bei Bedarf: Mund- und Körperpflege durchführen, Wäsche nach unkontrolliertem Urinabgang wechseln, Mundraum auf Zungen- oder Wangenbiss kontrollieren, für Ruhe sorgen sowie Bewusstsein und Vitalzeichen engmaschig überwachen.
Grundsätzlich gilt: Ein epileptischer Anfall, der maximal 2 Minuten dauert, kann nicht medikamentös unterbrochen werden.
Was tun beim Status epilepticus?
Ein Status epilepticus (Anfall ≥ 5 Min. oder Serie von Anfällen ohne zwischenzeitliche Erholung) ist lebensbedrohlich und muss immer medikamentös unterbrochen werden. Ein Status epilepticus kann dazu führen, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, sodass Herz und Lunge versagen.
Die Leitlinie „Status epilepticus im Erwachsenenalter“ empfiehlt zur Akuttherapie:
Bei Vorhandensein eines venösen Zugangs sollte i.v.-Injektion zur Krampfunterbrechung gegeben werden: Lorazepam, Clonazepam, Midazolam oder Diazepam. Bei Patienten ohne i.v.-Zugang sollte Midazolam intramuskulär per Applikator oder intranasal (als Einzelgabe) appliziert werden. Alternativ zu Midazolam können bei fehlendem i.v.-Zugang Diazepam rektal oder Midazolam bukkal (in der Wangentasche) angewendet werden.
Die Vitalparameter müssen sichergestellt werden und die Betroffenen vor Selbstgefährdung geschützt werden. Eine Intubationsbereitschaft muss immer gesichert sein.
Prävention und Gesundheitsberatung
Ein wichtiger Aspekt in der Betreuung von Menschen mit Epilepsie ist die Prävention. Betroffene sollten einen regelmäßigen Tagesablauf einhalten und anfallsauslösende Faktoren meiden, z. B. Schlafentzug, Flackerlicht (Diskothek, Videospiele) oder Alkohol in größeren Mengen. Wird ein regelmäßiger Anfallskalender geführt, ist es möglich, Auslöser und Medikamentenwirkungen nachvollziehen zu können. Zudem sollten Betroffene immer einen Notfallausweis mit Erste-Hilfe-Maßnahmen mitführen und Kollegen bzw. Lehrer informieren.
Wichtig ist auch, die Betroffenen im Umgang mit Antiepileptika zu schulen: Diese dürfen nicht eigenmächtig umgestellt oder abgesetzt werden. Oft gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, z. B. gegen Schmerzen oder Fieber. Hier sollte der behandelnde Arzt gefragt werden, welche zusätzlichen Medikamente eingenommen werden können. Auch sollten die Betroffenen Kenntnis über mögliche Nebenwirkungen haben. Alle behandelnden Ärzte sollten über die Epilepsie informiert sein. Sinnvoll sind auch spezielle Schulungsprogramme.
Anzustreben ist ein selbstbestimmtes, weitgehend „normales“ Leben mit Epilepsie. Dennoch sollten die Betroffenen:
- sich mit Alkohol zurückhalten,
- keinen Beruf mit erhöhter Selbst- oder Fremdgefährdung (z. B. Kraftfahrer) oder unregelmäßiger Lebensführung (Schichtarbeit) wählen,
- keinen Sport mit erhöhter Selbst- oder Fremdgefährdung treiben.
Das Führen eines (Privat-)Fahrzeugs ist nur erlaubt, wenn Anfallsfreiheit von wenigen Monaten bis 2 Jahren (je nach Erkrankungsform) und ein unauffälliges EEG vorliegen. Schwangerschaften sind in aller Regel möglich. Frauen sollten vorher Rücksprache mit dem Arzt halten, um ggf.
Eine Epilepsie kann die Lebenserwartung verkürzen, muss es aber nicht. Das hängt stark von der Ursache und der Grunderkrankung ab. Hat die Epilepsie z. B. eine genetische Ursache haben die Betroffenen eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne Epilepsie. Die Epilepsie selbst kann jedoch zum Tod führen, wenn jemand aufgrund eines Anfalls einen Unfall hat und sich lebensgefährlich verletzt oder es beim Status epilepticus zu Herz- und Lungenversagen kommt.
Extrem selten ist es, dass Menschen mit Epilepsie plötzlich und unerwartet sterben. Dieses Phänomen wird als „sudden unexpected death in epilepsy“ (kurz SUDEP) bezeichnet. Eine Aufklärung darüber sollte frühzeitig erfolgen - auch, um die Therapieadhärenz zu fördern.
Pupillenweite und ihre Bedeutung
Die Pupille ist die zentrale Öffnung in der Iris des Auges, die sich je nach Lichteinfall verengt oder erweitert. Die Pupillenweite wird durch das vegetative Nervensystem gesteuert. Eine normale Pupillenreaktion ist ein wichtiger Indikator für die Funktion des Gehirns und des Nervensystems.
Anisokorie: Ungleich große Pupillen
Sind die Pupillen unterschiedlich groß, sprechen Fachleute von Anisokorie. Nicht immer steckt etwas Bedenkliches dahinter. Außerdem kommt es in gewissem Maße bei allen Menschen im Tagesverlauf zu leichten Größenunterschieden zwischen den Pupillen. Hat man für eine Augenuntersuchung pupillenerweiternde Augentropfen nur in ein Auge bekommen, ist ein Größenunterschied ebenfalls unbedenklich. Auch andere Medikamente können zu unterschiedlich großen Pupillen führen.
Ursachen für Anisokorie
Anisokorie kann verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Erhöhten Augeninnendruck, z. B. durch ein Glaukom (grüner Star)
- Migräne
- Epilepsie (bei bzw. nach einem Anfall kann es zu unterschiedlich großen Pupillen kommen)
- Eine Entzündung des Hirns oder der Hirnhäute, wie z. B. bei Meningitis oder Enzephalitis
- Erhöhten Hirndruck, z. B. durch ein geplatztes Aneurysma, eine Kopfverletzung, eine Hirnblutung oder einen Schlaganfall
- Raumfordernde Veränderungen im Hirn, z. B. durch einen Hirnabszess oder eine Geschwulst im Hirn
- Eine Nervenschädigung, z. B.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Falls Ihre Pupillen unterschiedlich groß sind und sich die Pupillen nicht von selbst wieder angleichen, sollten Sie das ärztlich abklären lassen. Auch wenn Sie keine weiteren Beschwerden haben. Treten jedoch zusätzlich zu den unterschiedlich großen Pupillen weitere Symptome auf oder hatten Sie kurz zuvor einen Unfall mit einer Augen- oder Kopfverletzung, kann es sich um einen medizinischen Notfall handeln. Zögern Sie in diesem Fall nicht, den Rettungsdienst (112) zu rufen oder sich so rasch wie möglich in eine Augenambulanz zu begeben.
Weite Pupillen bei Epilepsie
Weite Pupillen können während oder nach einem epileptischen Anfall auftreten, insbesondere bei tonisch-klonischen Anfällen (Grand-Mal-Anfällen). Dies liegt daran, dass während eines solchen Anfalls das vegetative Nervensystem stark aktiviert wird, was zu einer Erweiterung der Pupillen führen kann. Die Pupillen können auch lichtstarr sein, d.h. sie reagieren nicht auf Lichteinfall.
Pupillenstörungen und Bewusstseinsstörungen
Pupillenstörungen können Ausdruck eines erhöhten Hirndrucks z. B. sein, gehen dann aber regelmäßig mit einer Bewusstseinsstörung einher. Schlaganfälle sind eine häufige Ursache von plötzlichen Bewusstseinsstörungen.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig zu beachten, dass weite Pupillen nicht immer auf Epilepsie hinweisen. Es gibt viele andere Ursachen für weite Pupillen, wie z.B. Medikamente, Drogenkonsum oder andere neurologische Erkrankungen. Daher ist eine sorgfältige Anamnese und Untersuchung erforderlich, um die Ursache der weiten Pupillen zu ermitteln.
Fazit
Weite Pupillen können bei Epilepsie auftreten, insbesondere bei tonisch-klonischen Anfällen. Sie sind jedoch nicht spezifisch für Epilepsie und können auch andere Ursachen haben. Eine sorgfältige ärztliche Untersuchung ist erforderlich, um die Ursache der weiten Pupillen zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.