Erythema migrans: Erkennung und Behandlung in der Notaufnahme

Die Lyme-Borreliose, oft einfach als Borreliose bezeichnet, ist eine durch Zecken übertragene Krankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Sie kann verschiedene Organe befallen und unterschiedliche Symptome hervorrufen. Ein frühes und charakteristisches Anzeichen ist das Erythema migrans, eine sich ausbreitende Hautrötung um die Einstichstelle. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung des Erythema migrans für die Diagnose und Behandlung von Borreliose, insbesondere im Kontext der Notaufnahme.

Was ist Borreliose?

Die Borreliose, auch bekannt als Lyme-Borreliose, Lyme-Krankheit oder Lyme-Disease, ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Art Borrelia burgdorferi ausgelöst wird. Diese Bakterien werden hauptsächlich durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls durch Zecken übertragen wird, tritt die Borreliose im gesamten Bundesgebiet auf. Die Erkrankung tritt gehäuft in den Monaten Juni bis August auf.

Erythema migrans: Ein Warnsignal

Das Erythema migrans, auch als Wanderröte bekannt, ist ein typisches Symptom einer frühen Borreliose. Es tritt bei etwa 70 bis 80 Prozent der Borreliose-Fälle innerhalb von 14 bis 30 Tagen nach einem Zeckenstich auf. Die Hautrötung beginnt an der Stichstelle und breitet sich ringförmig aus.

Erscheinungsbild

Das Erythema migrans beginnt 7 bis 40 Tage nach dem Zeckenstich mit einer kleinen roten Macula oder Papula an der Stichstelle. Innerhalb von Tagen bis Wochen breitet sich diese zentrifugal aus. Der Rand des Erythems ist meist betont und kann einen Durchmesser von 4 bis 15 cm erreichen. Oft wird das Erythema migrans von lokalem Juckreiz und Brennen begleitet. Die Morphologie kann sehr variabel sein, und es kommen auch homogene, nicht-migrierende Formen vor. Prädilektionsstellen sind Hautfalten (Leiste, Kniekehle, Axilla), bei Kindern Kopf und Nacken.

Atypische Formen

Es gibt auch atypische Formen des Erythema migrans, die schwer zu deuten sein können. Diese Formen weichen von den typischen Merkmalen ab und können von Ärzten leicht übersehen werden. Bei Verdacht auf eine atypische Form sollte ein Dermatologe hinzugezogen werden.

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Begleitsymptome

Oft wird das Erythema migrans von einer grippeähnlichen Allgemeinsymptomatik begleitet. Dazu gehören:

  • Müdigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Fieber
  • Lymphknotenschwellungen

Diagnose des Erythema migrans in der Notaufnahme

In der Notaufnahme ist eine schnelle und sichere Diagnose entscheidend. Das Erythema migrans ist ein klinisches Zeichen, das bei Verdacht auf Borreliose sofort ins Auge fallen sollte.

Anamnese

Eine sorgfältige Anamnese ist der erste Schritt. Wichtig sind Fragen nach:

  • Aufenthalt in Risikogebieten
  • Gartenarbeit
  • Zeckenstich

Klinische Untersuchung

Bei der klinischen Untersuchung wird die Haut auf typische oder atypische Erythemata migrantia untersucht. Der Durchmesser des Erythems sollte mindestens fünf Zentimeter betragen. Es ist randbetont, nicht erhaben, nicht überwärmt und breitet sich zentrifugal um den Zeckenstich herum aus.

Differenzialdiagnosen

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Hautrötung auszuschließen. Differenzialdiagnosen des Erythema migrans sind:

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  • Erysipel
  • Lokale Reaktionen auf Zeckenstich bzw. Stich anderer Insekten
  • Tinea corporis
  • Arzneimittelreaktion
  • Kontaktdermatitis
  • Granuloma anulare
  • Urtikaria
  • Erythema exsudativum multiforme

Labordiagnostik

Erregerspezifische Antikörper sind erst etwa 3 bis zu 8 Wochen nach der Infektion zu erwarten. Bei einem klassischen klinischen Bild kann daher auf eine serologische Diagnostik verzichtet und die Antibiotikatherapie sofort eingeleitet werden. Bei atypischem klinischen Befund ist die Untersuchung von Serum auf Antikörper gegen Borrelia burgdorferi zu empfehlen, wobei das diagnostische Fenster von ca. 2-4 Wochen zu beachten ist. Der neue Borrelien recomBead Test stellt dabei eine Alternative zum bisherigen Borrelien-Westernblot dar.

Wenn die den Biss verursachende Zecke zur Verfügung steht (auch abgetötet), kann mittels PCR zu einem frühen Zeitpunkt untersucht werden, ob die Zecke Borrelien-Erreger trägt. Bei einem negativen PCR-Ergebnis ist eine Borrelienübertragung auf den Patienten wenig wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

Behandlung des Erythema migrans in der Notaufnahme

Die Behandlung des Erythema migrans sollte so früh wie möglich erfolgen, um eine Ausbreitung der Infektion und das Auftreten von Spätfolgen zu verhindern.

Antibiotikatherapie

Die Borreliose-Therapie setzt auf Antibiotika. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin verordnet in der Regel ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Doxycyclin oder Amoxicillin, das Sie zwei bis vier Wochen lang einnehmen müssen. In bestimmten Fällen kommt auch eine intravenöse Gabe eines Antibiotikums in Frage. Mitunter ist der Wechsel zu einem anderen Antibiotikum notwendig, falls das erste Mittel nicht ausreichend wirkt.

  • Doxycyclin: Erwachsene: 200 mg täglich; Kinder > 9 Jahre: 1 - 2 mg/kg auf zwei Einzeldosen, maximal 2x 100 mg. Doxycyclin sollte bei Kindern erst ab dem neunten Lebensjahr gegeben werden.
  • Amoxicillin: Erwachsene: 3x 750 mg täglich; Kinder: 50 mg/kg KG auf drei Einzeldosen, maximal 3x 750 mg. Insbesondere bei Kindern und Schwangeren geeignet.
  • Cefuroxim-Axetil: Erwachsene: 2x 500 mg täglich; Kinder: 30 mg/kg KG auf zwei Einzeldosen, max. 2 mal 500 mg.
  • Makrolide: Wenn ß-Laktame und Doxycyclin nicht in Betracht kommen.

Die Therapiedauer beträgt in der Regel 21 Tage. Es sollte so lange behandelt werden, bis das Erythem abgeklungen ist, jedoch mindestens 21 Tage.

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Überweisung

Bei atypischen Verläufen oder Unsicherheiten sollte der Patient an einen Dermatologen überwiesen werden.

Spätfolgen und Komplikationen

Wenn die Borreliose nicht rechtzeitig behandelt wird, kann es zu Spätfolgen und Komplikationen kommen. Dazu gehören:

  • Neuroborreliose: Befall des Nervensystems, der sich durch Nervenschmerzen, Gesichtslähmung oder Schäden des zentralen Nervensystems äußern kann.
  • Lyme-Arthritis: Chronische Gelenkentzündungen, die meist die Kniegelenke betreffen.
  • Lyme-Karditis: Seltene Entzündung des Herzens, die mit Herzrhythmusstörungen einhergehen kann.
  • Acrodermatitis chronica atrophicans: Chronische Entzündung der Haut, die vor allem an der Innenseite der Arme und Beine auftritt.

Prävention

Da es keine Impfung gegen Borreliose gibt, sind präventive Maßnahmen besonders wichtig. Dazu gehören:

  • Schutz der Haut: Lange Hosen und Oberbekleidung mit langen Ärmeln tragen, geschlossene und feste Schuhe tragen (Hose in die Strümpfe stecken).
  • Helle Kleidung: Nach Möglichkeit helle Kleidung wählen, auf der Zecken besser zu sehen sind.
  • Zeckenabsuchen: Nach dem Ausflug in die Natur Kleidung direkt wechseln und den Körper gründlich nach Zecken absuchen, vor allem in Hautfalten, etwa unter den Achseln.
  • Repellents: Es ist auch möglich, Kleidung und Schuhe mit Anti-Zecken-Mitteln zu behandeln oder speziell vorbehandelte Kleidung zu nutzen. Abwehrmittel (Repellents) für die Haut (z.B. Icaridin oder Diethyltoluamid [DEET]) wirken in gewissem Umfang auch gegen Zecken.

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