Hirntumoren sind vielfältige Erkrankungen, die in der medizinischen Praxis vorkommen. In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 7.000 bis 8.000 Menschen neu an bösartigen Hirntumoren, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Gliome stellen einen großen Teil der malignen Neubildungen dar. Die Medizin unterscheidet zwischen primären Tumoren, die als Erkrankungen des Gehirns und seiner Strukturen entstehen, und Metastasen anderer Tumorerkrankungen.
Überblick über Hirntumoren
Nicht jeder Tumor im Gehirn ist ein Gehirntumor. Hypophysen-Adenome werden beispielsweise den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet. Auch Sarkome oder bösartige Lymphome können im zentralen Nervensystem auftreten, sind aber keine eigentlichen Hirntumoren. Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn und können sich aus verschiedenen Zellen entwickeln, am häufigsten aus den Gliazellen, was zu Gliomen führt. Sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben.
Häufige Arten von Hirntumoren
Gliome
Gliome sind die häufigsten primären Hirntumoren und entwickeln sich aus Gliazellen. Zu den verschiedenen Arten von Gliomen gehören:
- Astrozytome: Entwickeln sich aus Astrozyten. Das Glioblastom ist ein besonders aggressives Astrozytom.
- Oligodendrogliome: Entstehen aus Oligodendrozyten.
- Ependymome: Entwickeln sich aus Ependymzellen.
Meningeome
Meningeome gehen von den Hirnhäuten (Meningen) aus und sind meist gutartig. Sie machen etwa 30 % der intrakraniellen Tumore bei Erwachsenen aus und treten vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf. Die meisten Meningeome wachsen langsam und das umgebende Gewebe passt sich gut an, sodass sie relativ groß werden können, bevor sie Symptome verursachen.
Neurinome/Schwannome
Diese Tumoren entstehen aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen.
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Medulloblastome
Medulloblastome entwickeln sich aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn und treten häufiger bei Kindern auf.
ZNS-Lymphome
Das primäre ZNS-Lymphom ist eine seltene, hochmaligne Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, das im Gewebe des ZNS auftritt. Häufig betroffen ist das Großhirn. Die Erkrankung selbst ist eher selten und zeigt sich bevorzugt bei immunsuppressiven Patienten. Neben dem Gehirn können bei etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten auch die Augen betroffen sein.
Glioblastome: Ein aggressiver Hirntumor
Glioblastome sind aggressive und schnell wachsende Tumoren, die zu den häufigsten primären Hirntumoren gehören. Sie machen etwa 50 Prozent der Gliome aus und entstehen im Stützgewebe des Gehirns. Aufgrund ihres diffus infiltrierenden Wachstums ist die Prognose oft ungünstig. Risikofaktoren für die Entstehung von Glioblastomen sind verschiedene Mutationen, Erbkrankheiten wie das Lynch-Syndrom und das Li-Fraumeni-Syndrom, Neurofibromatose und die Exposition gegenüber Strahlung.
Symptome von Glioblastomen
Aufgrund ihres schnellen Wachstums können sich Glioblastome innerhalb kurzer Zeit entwickeln. Typischerweise sind sie im Bereich der Schläfe oder Stirn lokalisiert und infiltrieren von dort aus verschiedene Gewebeschichten des Gehirns. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von motorischen Ausfällen über Krampfanfälle und Persönlichkeitsveränderungen bis hin zu Bewusstseinseintrübungen. Durch das Wachstum und die Bildung von Ödemen kann ein erhöhter Hirndruck entstehen, der Übelkeit, Erbrechen und sogar schlaganfallähnliche Symptome verursachen kann.
Diagnose und Behandlung von Glioblastomen
Zur Diagnose von Glioblastomen werden bildgebende Verfahren wie die Gadolinium-verstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. In den MRT-Bildern können sich ein Ödem und eine ringförmige, irreguläre Kontrastmittelaufnahme darstellen. Spezielle MRT-Sequenzen können weitere Informationen zum Wachstum, der Abgrenzung des Tumors und dessen Infiltration in umliegendes Gewebe liefern. Die MRT kann auch in Kombination mit einer PET eingesetzt werden, um eine Verlaufsprognose im Zusammenhang mit der Radiochemotherapie zu ermöglichen. Die Behandlung besteht in der Regel aus einer Kombination aus Resektion (chirurgischer Entfernung) und Radiochemotherapie, wobei begleitend zur Strahlentherapie Temozolomid eingesetzt wird.
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Meningeome: Meist gutartige Tumoren der Hirnhäute
Meningeome sind meist gutartige Raumforderungen, die von den Hirnhäuten (Meningen) ausgehen. Sie werden oft zufällig bei anderen Untersuchungen gefunden. Die Inzidenz liegt bei neun zu 100.000 Menschen, wobei eine Zunahme mit dem Lebensalter zu erkennen ist. Viele der diagnostizierten benignen Tumore werden innerhalb des Schädels gefunden.
Symptome von Meningeomen
Meningeome verursachen oft anfangs kaum oder keine Symptome. Erst mit dem Erreichen einer gewissen Größe kann es zu neurologischen Beeinträchtigungen kommen, wie Kopfschmerzen, epileptische Anfälle und motorische Störungen. Die Symptome hängen stark von der genauen Lokalisation des Tumors ab.
Diagnose und Behandlung von Meningeomen
Im Rahmen einer kontrastmittelbasierten Untersuchung zeigen sich bei einem Meningeom in der T1-Sequenz isointense Signale im Vergleich zur grauen Substanz. In der T2-Sequenz ist eine variable Signalintensität möglich. Das Dura-Schwanz-Zeichen (Dural Tail Sign) kann auf das Vorliegen eines Meningeoms hinweisen. Zur Abklärung, ob es sich um ein atypisches Meningeom handelt, kommen weitere Untersuchungen wie die PET zum Einsatz.
Die Behandlung hängt von Faktoren wie Größe und Lage des Tumors ab. Kleine, zufällig entdeckte Tumoren ohne akute Symptome können nach dem Watch-and-Wait-Ansatz beobachtet werden. Bei Auftreten von Symptomen wird das Meningeom operativ entfernt. Entsprechend der Größe und Lokalisation kann eine Strahlentherapie erforderlich sein.
Ursachen und Risikofaktoren für Meningeome
Die genauen Ursachen für die Entartung von Deckzellen der Arachnoidea, einer Hirnhautschicht, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und bestimmten Umweltbedingungen zur Entwicklung dieser Art von Hirntumor beitragen kann. Ionisierende Strahlung ist nach heutigem Wissensstand einer der größten Risikofaktoren für die Entstehung von Meningeomen. Eine Ursache für Meningeome könnte auch das Hormon Östrogen darstellen, was erklären würde, warum Frauen häufiger betroffen sind als Männer.
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MRT-Bilder von Meningeomen
In der Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen sich Meningeome in der Regel als klar abgegrenzte Tumore. Sie sind meist außerhalb des Hirngewebes lokalisiert und sitzen großflächig der harten Hirnhaut (Dura mater) auf, wobei sie angrenzendes Hirngewebe verdrängen und nicht zerstören. Meningeome nehmen gleichmäßig Kontrastmittel auf. Auf CT-Aufnahmen können Verkalkungen und sekundäre Veränderungen an den Knochen besonders gut erkannt werden. In MRT-Scans werden oft nach außen verlaufende Verdickungen der harten Hirnhaut, das sogenannte „Dural Tail Sign“, sichtbar. Auch kann hier eine eventuelle Verwachsung (Invasion) des umgebenden Hirngewebes und die den Tumor umgebende Wassereinlagerung (Hirnödem) sehr gut dargestellt werden.
ZNS-Lymphome: Seltene, hochmaligne Lymphome im Gehirn
Das primäre ZNS-Lymphom ist eine seltene, hochmaligne Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, die im Gewebe des ZNS auftritt. Häufig betroffen ist dabei das Großhirn. Die Erkrankung selbst ist eher selten und zeigt sich bevorzugt bei immunsuppressiven Patienten. Neben dem Gehirn können bei etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten auch die Augen betroffen sein.
Symptome von ZNS-Lymphomen
Das ZNS-Lymphom kann sich durch verschiedene Symptome äußern, wobei der multilokale Charakter der Erkrankung die Identifizierung erschwert. Die Symptome entwickeln sich teilweise innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums und sind eher unspezifisch. Bei vielen Patienten kommt es zu einer Wesensänderung, aber auch kognitive Defizite oder fokalneurologische Ausfälle können auftreten.
Diagnose und Behandlung von ZNS-Lymphomen
Die Diagnostik erfolgt unter anderem unter Zuhilfenahme der MRT. In den Scans zeigen sich die Raumforderungen häufig als homogen mit einer hohen Aufnahme des Kontrastmittels. Bei etwa einem Drittel der Patienten werden mehrere Tumore entdeckt. Da sich mit der MRT nicht bei allen Patienten die Raumforderungen hinreichend bestimmen lassen, ist im Zusammenhang mit dem ZNS-Lymphom eine histopathologische Sicherung der Diagnose angezeigt. Die Behandlung erfolgt unter Berücksichtigung individueller Faktoren, etwa dem Alter der Patienten. Aktuell gilt die Chemotherapie als wichtige Maßnahme zur Therapie der ZNS-Lymphome. Eine gute Remissionsrate erreicht außerdem die Strahlentherapie.
Hirnmetastasen: Absiedelungen anderer Krebserkrankungen im Gehirn
Neben den primären Tumoren, die direkt aus dem Gewebe im Gehirn entstehen, kommt es in der medizinischen Praxis regelmäßig zur Diagnose von Raumforderungen, deren Ursprung in bösartigen Erkrankungen anderer Organe (extrakranieller Primärtumor) zu sehen ist. Häufig kommt es zu solchen Absiedelungen in das Gewebe des ZNS zum Beispiel durch Lungenkarzinome, Brustkrebs und Melanome.
Symptome von Hirnmetastasen
Hinsichtlich der Krankheitszeichen, welche die Metastasen auslösen, ist die genaue Lokalisation entscheidend. Häufig lassen sich die Symptome auf den steigenden Hirndruck durch das Wachstum und peritumorale Ödeme zurückführen. Patienten klagen unter anderem über zunehmend stärker werdende Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, epileptische Anfälle sowie psychische und kognitive Veränderungen.
Diagnose und Behandlung von Hirnmetastasen
Im Rahmen der Diagnostik wird auf bildgebende Verfahren gesetzt, von denen die MRT eine zentrale Rolle einnimmt. In den Sequenzen der mit Kontrastmittel durchgeführten radiologischen Untersuchung sind die Raumforderungen an ihrer Intensität zu erkennen. Darüber hinaus lassen sich Ödeme auf den Bildern identifizieren. Neben der MRT liefert bei Hirnmetastasen auch die Computertomographie (CT) wichtige diagnostische Hinweise. Zusätzliche Informationen kann die Radiologie auch aus dem Verteilungsmuster des Kontrastmittels gewinnen. Weitere Unterstützung kann die nuklearmedizinische PET-Untersuchung liefern.
Hinsichtlich der Behandlung ist die Prognose häufig eher ungünstig. Grundsätzlich kann mit der Strahlen- oder Chemotherapie gearbeitet sowie eine Entfernung in Erwägung gezogen werden. Welcher Behandlungsweg den größten Erfolg verspricht, hängt von individuellen Faktoren, wie der Lokalisation und Größe der Metastasen, ab.
Bedeutung der Magnetresonanztomographie (MRT) in der Diagnostik
Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine zentrale Rolle bei der Diagnose und Überwachung von Hirntumoren. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Gehirns und seiner Strukturen, wodurch Tumoren frühzeitig erkannt und differenziert werden können. Die MRT kann Informationen über die Größe, Lage, Form und Beschaffenheit des Tumors liefern, sowie über seine Beziehung zu umliegenden Strukturen. Durch die Verwendung von Kontrastmitteln können die Tumoren besser sichtbar gemacht und von gesundem Gewebe unterschieden werden. Spezielle MRT-Techniken, wie die Perfusions-MRT und die Diffusions-MRT, können zusätzliche Informationen über die Durchblutung und die Zelldichte des Tumors liefern.
Symptome von Hirntumoren
Es gibt keine Leitsymptome, anhand derer Betroffene erkennen können, dass sie an einem primären Hirntumor oder Metastasen erkrankt sind. Grundsätzlich sollten anhaltende, sich verschlimmernde Kopfschmerzen, Schwindelgefühle sowie Übelkeit oder Erbrechen ernst genommen werden und Anlass für einen Termin beim Arzt sein. Welche Beschwerden eine Patientin oder ein Patient mit Gehirntumor hat, hängt von der Größe und Lage des Tumors ab.
Behandlungsmöglichkeiten von Hirntumoren
Betroffene können unterschiedliche Therapien erhalten: eine Operation, eine Bestrahlung und/oder eine Chemotherapie, je nach Erkrankungssituation auch zielgerichtete Medikamente. Neue Therapien erhalten Patienten im Rahmen von klinischen Studien. Die Prognose für die Behandlung eines Hirntumors wird maßgeblich von der Variante, seiner Größe und Lage beeinflusst. Besonders bei benignen Raumforderungen kann bereits das Abwarten zu den Therapieoptionen gehören. Nach der operativen Entfernung eines Hirntumors ist eine weitere Behandlung und engmaschige Nachsorge erforderlich, um ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen und eine Behandlung umgehend einzuleiten.
Nachsorge bei Hirntumoren
Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor. Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Zur Nachsorge gehören auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).
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