Müdigkeit, Haarausfall, Muskelkrämpfe: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Symptome Müdigkeit, Haarausfall und Muskelkrämpfe sind unspezifisch und können vielfältige Ursachen haben. Oftmals werden sie als Begleiterscheinungen von Stress, Schlafmangel oder den Wechseljahren abgetan. Es ist jedoch wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu ermitteln, um eine gezielte Behandlung einzuleiten und mögliche Folgeerkrankungen zu vermeiden. Dieser Artikel beleuchtet die häufigsten Ursachen dieser Symptome und gibt Hinweise zu Diagnose und Therapie.

Schilddrüsenerkrankungen als mögliche Ursache

Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), können sich durch Müdigkeit, Haarausfall und Muskelschmerzen äußern. Die Schilddrüse produziert Hormone, die zahlreiche Körperfunktionen steuern, darunter den Stoffwechsel, die Energieproduktion und das Wachstum. Eine Unterfunktion der Schilddrüse führt zu einem verlangsamten Stoffwechsel, was sich in vielfältigen Beschwerden äußern kann.Schilddrüsenerkrankungen nehmen ab der Lebensmitte zu, vor allem bei Frauen. Beschwerden wie Müdigkeit, Schwitzen, Haarausfall, Gewichtszunahme und Schlaflosigkeit werden dann häufig vorschnell den Wechseljahren zugeschrieben.

Hashimoto-Thyreoiditis: Eine häufige Ursache der Schilddrüsenunterfunktion

Die Hashimoto-Thyreoiditis, auch bekannt als chronisch lymphozytäre oder Autoimmunthyreoiditis (AIT), ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen. Sie ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem fälschlicherweise die Zellen der Schilddrüse an und schädigt diese. Die Entzündung der Schilddrüse beginnt meist langsam, sodass die Symptome und Beschwerden zunächst kaum wahrgenommen oder andere Ursachen vermutet werden.

Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis:

  • Allgemeine Symptome: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, allgemeine körperliche Erschöpfung, fehlende Belastbarkeit, Motivationslosigkeit, Gewichtszunahme, erhöhte Kälteempfindlichkeit, Depressionen, Infektanfälligkeit.
  • Halsbereich: Räusper- oder Hustenzwang, Stimmveränderungen, Engegefühl am Hals, Globusgefühl.
  • Haut und Haare: Haarausfall, trockene Haut, brüchige Fingernägel.
  • Verdauung: Blähungen, Verstopfung.
  • Weitere Symptome: Zyklusstörungen bei Frauen, nächtliches Kribbeln und Einschlafen von Händen und Unterarmen (Karpaltunnelsyndrom), Libidoverlust, depressive Verstimmung, Muskelschwäche, Anstieg der Blutfette, Herzrhythmusstörungen, verlangsamter Herzschlag, Wassereinlagerungen, Ödeme, Schwerhörigkeit, Muskelschmerzen, raue Stimme, unerfüllter Kinderwunsch, Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei Kindern.

Da fast alle Organe durch die Schilddrüsenhormone beeinflusst werden, sind auch die Symptome einer Unterfunktion sehr vielseitig. Die Vielfalt und Variabilität der möglichen Symptome bei Hashimoto-Thyreoiditis führen in der Regel dazu, dass die Diagnose erst sehr spät gestellt wird.

Hashimoto-Schub verursacht eine passagere Schilddrüsenüberfunktion:

Zu Beginn der Hashimoto-Thyreoiditis kann es zu einer übermäßigen Produktion von Schilddrüsenhormonen kommen, sodass im Organismus ein entsprechendes Überangebot entsteht. Diese Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird als „Hashitoxikose“ bezeichnet. Auch im weiteren Krankheitsverlauf kann es in Phasen einer besonders hohen Entzündungsaktivität zu vorübergehenden Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion kommen, da die Schilddrüse die Hormone auf Vorrat produziert und diese dann durch die Zerstörung der Schilddrüsenzellen unkontrolliert ausgeschüttet werden. Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind: Schwitzen, Herzrasen, hoher Blutdruck (Hypertonie), Gewichtsabnahme, Durchfall, gesteigerte Angst, Rast-und Ruhelosigkeit („immer auf der Überholspur“), zitternde Hände, Muskelschwäche, Muskelzittern, Schlaflosigkeit, Nervosität und Heißhunger.

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Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung ist eine Blutuntersuchung der Schilddrüsenhormone unerlässlich. Dabei wird der Wert des Thyreoidea-stimulierendes Hormons (TSH) bestimmt. Ein erhöhter TSH-Wert kann ein Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Zusätzlich können die Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie Antikörper gegen Schilddrüsengewebe (Anti-TPO, Anti-TG) gemessen werden. Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse kann weitere Informationen liefern.

Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen

Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt in der Regel durch die Einnahme von Schilddrüsenhormontabletten (L-Thyroxin), die das fehlende Hormon ersetzen. Die Dosierung wird individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert. Ziel der Behandlung ist es, die Hormonwerte in den normalen Bereich zu bringen und die Beschwerden zu lindern.

Mineralstoffmangel als Ursache von Muskelkrämpfen und Müdigkeit

Ein Mangel an bestimmten Mineralstoffen, insbesondere Magnesium, Calcium und Eisen, kann Muskelkrämpfe, Müdigkeit und Haarausfall verursachen.

Magnesiummangel

Magnesium ist an der Reizweiterleitung von den Nerven auf die Muskeln sowie an der Muskelkontraktion beteiligt. Ein Magnesiummangel kann daher zu Muskelkrämpfen, insbesondere Wadenkrämpfen, führen. Weitere Symptome eines Magnesiummangels sind Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Muskelzuckungen, Müdigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Schwindel und Verdauungsbeschwerden.

Calciummangel

Calcium ist ein wichtiger Baustein von Knochen und Zähnen und spielt eine Rolle bei der Blutgerinnung, Immunabwehr, Muskeltätigkeit und Nervenübertragung. Ein Calciummangel kann sich durch Kribbeln am Mund und/oder an den Händen oder Füßen, Muskelzucken und einen verlangsamten Herzschlag äußern.

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Eisenmangel

Eisen ist ein wichtiger Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und am Transport des Sauerstoffs im Körper beteiligt. Ein Eisenmangel kann zu Müdigkeit, Blässe, brüchigen Haaren und Haarausfall führen. Eisenmangel führt zu einer verminderten Sauerstoffversorgung der Haarfollikel. Dies führt dazu, dass das das Haarwachstum verlangsamt wird. Zudem stört Eisenmangel den Energiestoffwechsel und die Zellteilung in den Follikeln. Ein Eisenmangel kann zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Gehirns führen. Bei Eisenmangel kann die Haut blass erscheinen, da weniger Hämoglobin und rote Blutkörperchen vorhanden sind. Wer unter einem Eisenmangel leidet, friert häufiger, weil weniger Sauerstoff ins Körpergewebe gelangt. Zudem leidet der Energiestoffwechsel, wenn nicht genügend Eisen vorrätig ist, wodurch der Körper weniger Wärme produziert.

Ursachen für Mineralstoffmangel

Eine häufige Ursache für Mineralstoffmangel ist eine falsche bzw. unausgewogene Ernährung. Besonders wichtig sind Mineralstoffe in der Wachstumsphase, aber auch bei Sportlern, Schwangeren oder Stillenden und älteren Menschen besteht ein erhöhter Bedarf an Mineralstoffen. Weitere Ursachen sind Durchfall, Erbrechen, Organerkrankungen (z. B. Niere), starkes Schwitzen, starker Alkoholkonsum, Essstörungen und die Einnahme bestimmter Medikamente.

Diagnose und Behandlung von Mineralstoffmangel

Ein Mineralstoffmangel kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Mangels. In den meisten Fällen kann ein Mineralstoffmangel durch eine ausgewogene Ernährung behoben werden. In einigen Fällen kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erforderlich sein.

Vitaminmangel als mögliche Ursache

Auch ein Mangel an bestimmten Vitaminen kann Müdigkeit, Haarausfall und Muskelschmerzen verursachen.

Vitamin-D-Mangel

Bei einem Mangel an Vitamin D sind Symptome wie Haarausfall und Muskelschmerzen typisch. Außerdem kommt es manchmal zu Störungen der Knochenmineralisation.

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Vitamin-B12-Mangel

Vor allem Veganer sind von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen. Er zeigt sich unter anderem in Müdigkeit, Blässe sowie einem Kribbeln in Händen und Füßen. Auch Blutarmut und Haarausfall sind typisch.

Ursachen eines Vitaminmangels

Ein Mangel an Vitaminen hat meist folgende Ursachen: Falsche beziehungsweise einseitige Ernährung, vegetarische oder vegane Ernährung, falsche Nahrungszubereitung oder -lagerung, unzureichende Aufnahme im Darm, Lichtmangel, erhöhter Vitaminbedarf, erhöhte Verluste, hohes Alter.

Diagnose und Behandlung von Vitaminmangel

Ein Vitaminmangel kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Mangels. In den meisten Fällen kann ein Vitaminmangel durch eine ausgewogene Ernährung behoben werden. In einigen Fällen kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erforderlich sein.

Lupus erythematodes

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine Autoimmunerkrankung, die verschiedene Organe und Gewebe im Körper betreffen kann. Die Symptome sind vielfältig und unspezifisch, was die Diagnose oft erschwert. Müdigkeit und Haarausfall können Symptome für Lupus sein.

Symptome von Lupus

  • Schmetterlingsausschlag (Schmetterlingserythem): Eine Hautrötung über Nasenrücken und Wangen.
  • Hautveränderungen: Sonnenempfindlichkeit mit schuppigen, roten Flecken oder ein schuppiger, violetter Ausschlag im Gesicht, am Hals und an den Armen.
  • Gelenkschmerzen: Betreffen etwa 85 % der Patient*innen.
  • Müdigkeit ("Fatigue"): Ein Gefühl völliger Erschöpfung ohne große körperliche Anstrengung.
  • Weitere Symptome: Muskeln und Gelenke, Haut und Haar, Zentralnervensystem, Herz und Blutgefäße, Brustkorbschmerzen, Durchblutungsstörungen (z. B. Lunge, Niere).

Diagnose von Lupus

Die Diagnose von Lupus ist oft schwierig, da die Symptome unspezifisch sind. Es gibt kein einzelnes diagnostisches Kriterium. Die Diagnose basiert auf einer Kombination von klinischen Symptomen, Laborbefunden und dem Ausschluss anderer Erkrankungen.

Behandlung von Lupus

Die Behandlung von Lupus zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Entzündung zu kontrollieren. Die Behandlung kann Medikamente wie Kortikosteroide, Immunsuppressiva und Antimalariamittel umfassen.

Weitere mögliche Ursachen

Neben den genannten Ursachen können Müdigkeit, Haarausfall und Muskelkrämpfe auch durch andere Faktoren verursacht werden, wie z. B.:

  • Stress
  • Schlafmangel
  • Depressionen
  • Chronische Erkrankungen
  • Medikamente

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