Mudras gegen Nervenschmerzen im Kopf: Linderung und Heilung durch Handgesten

Bei Schmerzen oder Unwohlsein legen wir instinktiv unsere Hände auf die betroffene Stelle oder auf wichtige Energiepunkte des Körpers. Diese natürliche Reaktion kann durch gezielte Anwendung von Mudras und Jin Shin Jyutsu verstärkt werden, um Energieströme zu harmonisieren und Blockaden zu lösen.

Die Ursprünge von Jin Shin Jyutsu

Das Heilströmen, auch bekannt als Jin Shin Jyutsu, wurde vom Japaner Jirô Murai wiederentdeckt. Murai, geboren 1886, erlebte im Alter von 26 Jahren eine lebensbedrohliche Erkrankung, die ihn dazu veranlasste, sich in die Berge zurückzuziehen. In dieser Zeit meditierte er und nahm Finger- und Handpositionen von Buddhastatuen ein. Nach einer intensiven Erfahrung von Kälte und anschließendem Fieber erlangte er seine Gesundheit zurück. Ergriffen von dieser Heilung, widmete er sein Leben der Erforschung dieses Geheimnisses.

Murai studierte alte Schriften in der kaiserlichen Bibliothek und erprobte sein Wissen an sich selbst und anderen. Seine Heilerfolge führten dazu, dass Mary Burmeister ihn 1942 in Japan traf. Burmeister, eine US-Amerikanerin japanischer Abstammung, studierte 12 Jahre lang bei Murai und brachte das Wissen über Jin Shin Jyutsu in die USA, wo sie es weitergab.

Was ist Jin Shin Jyutsu?

Jin Shin Jyutsu ist eine Methode, die Körper, Geist und Seele harmonisiert und für jeden zugänglich ist. Sie basiert auf der Vorstellung, dass Energiekreisläufe den Körper durchströmen und ihn auf allen Ebenen versorgen. Blockaden in diesen Kreisläufen können zu Problemen führen. Durch das Auflegen der Hände auf bestimmte Energiepunkte, die sogenannten 26 Energiepunkte, können diese Blockaden gelöst und der Energiefluss wiederhergestellt werden.

Die Hände dienen dabei als eine Art Starthilfe für die Energiepunkte. Durch das Halten oder leichte Berühren dieser Punkte wird die Energie aktiviert und Blockaden können sich lösen. Der Atem spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da er den Körper reinigt, energetisiert und heilt.

Lesen Sie auch: Entspannung durch Mudras

Mudras: Handgesten mit heilender Wirkung

Mudras sind spezielle Hand- und Fingerpositionen, die in Jin Shin Jyutsu verwendet werden. Sie leiten Energie durch bestimmte Körperteile und beeinflussen unser Denken und Bewusstsein. Durch das Beugen, Dehnen und Aneinanderlegen einzelner Finger können wir gezielt auf verschiedene Körperfunktionen einwirken.

Ein Beispiel ist das Mudra Nr. 5, bei dem die Fingerbeere des Daumens auf den Fingernagel des Mittelfingers gelegt wird, um einen geschlossenen Kreis zu bilden. Dieses Mudra soll alle Körperfunktionen reinigen und energetisieren.

Die Bedeutung der Finger

In Jin Shin Jyutsu wird jedem Finger eine bestimmte Bedeutung zugeschrieben. Jeder Finger ist mit 14.400 Funktionen im Körper verbunden. Das Umschliessen eines Fingers mit den Fingern der anderen Hand kann somit das Wohlbefinden auf verschiedenen Ebenen fördern.

  • Zeigefinger: Unterstützt Niere und Blase und hilft bei Ängsten.
  • Mittelfinger: Ist den Organen Leber und Gallenblase zugeordnet und unterstützt die Entgiftung des Körpers.
  • Ringfinger: (Hinweis im Text) Ansatz des Ringfingers in der gleichseitigen Hand massieren, bis der Schmerz nachlässt.
  • Kleiner Finger: Verbindung zum Punkt 15 (Leiste), der beim Heilen hilft und Freude und Lachen bringt.

Die Sicherheits-Energie-Schlösser

Im Jin Shin Jyutsu werden die Energiepunkte als Sicherheits-Energie-Schlösser bezeichnet. Bei einem Energiestau schnappt das nächstliegende Schloss zu, um den Bereich zu schützen. Durch das Handauflegen auf ein solches Schloss kann die Blockade gelöst und das Schloss wieder geöffnet werden.

Praktische Anwendungen von Jin Shin Jyutsu

  • Energiepunkt 25: Dieser Punkt befindet sich rund um die Sitzbeinhöcker. Das Halten dieses Punktes soll beruhigen, Ermüdung vorbeugen und die Regeneration fördern.
  • Atemübung: Bewusstes Ein- und Ausatmen mit einem Lächeln für drei Minuten soll regenerieren, Stress abbauen und neue Kraft tanken.
  • Energiepunkte an der Ferse (5 und 16): Das Halten dieser Punkte soll Ängste lösen und Schmerzen lindern.
  • Energiepunkte 3 und 25 oder 3 und 15: Das Halten dieser Punkte unterstützt die Heilung und bringt Freude. Alternativ kann der Mittelfinger (Verbindung zu den Punkten 3 und 25) oder der kleine Finger (Verbindung zum Punkt 15) gehalten werden.
  • Entgiftung: Das Umschliessen des Mittelfingers unterstützt Leber und Gallenblase bei der Entgiftung des Körpers.
  • Blutungen und Verbrennungen: Bei blutenden Wunden die rechte Hand auf die Wunde und die linke Hand über Kreuz darüber legen. Bei Verbrennungen oder zum Herausziehen von Fremdkörpern die linke Hand auf die Stelle und die rechte Hand über Kreuz darüber legen.
  • Herzenge: Beide Handgelenke halten.
  • Schock: Die Hände locker auf die Knie-Innenseiten ablegen.
  • Drohende Ohnmacht: So fest wie möglich auf die Mitte zwischen Nase und Oberlippe (Philtrum) drücken.

Mudras im Alltag

Mudras können leicht in den Alltag integriert werden. Sie können beim Fernsehen, Busfahren oder als Beifahrer im Auto angewendet werden. Auch im Beruf können Mudras helfen, Stress abzubauen und die Konzentration zu fördern.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

  • Ushas-Mudra: Für Menschen, die unter Antriebsschwäche leiden.
  • Shaakini-Mudra: Löst Verspannungen in Nacken und Kiefergelenken.
  • Trommel-Mudra: Beruhigt und macht den Kopf frei. Hilft bei Nervosität und Anspannung.

Akupressurpunkte an der Hand

Neben den Mudras gibt es auch Akupressurpunkte an der Hand, die bei verschiedenen Beschwerden Linderung verschaffen können. Diese Punkte befinden sich hauptsächlich am Handgelenk und den Fingern.

Die fünf Elemente und ihre Mudras

In der yogischen Tradition werden die fünf Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther) mit den Fingern verbunden. Durch die Anwendung spezifischer Mudras können diese Elemente im Körper beeinflusst und ins Gleichgewicht gebracht werden.

  • Prithvi Mudra (Erde): Berühren Sie mit dem Daumen die Ringfingerspitze. Erhöht das Erdelement im Körper.
  • Jala Mudra (Wasser): Verbinden Sie das Polster des kleinen Fingers mit dem des Daumens. Verbessert die Flüssigkeitszirkulation im Körper.
  • Agni Mudra (Feuer): Biegen Sie den Ringfinger vom zweiten Glied an, legen sie ihn am Daumenansatz an und drücken Sie ihn mit dem Daumen nach unten. Hilft bei der Wiederherstellung des Stoffwechsels.
  • Vayu Mudra (Luft): Biegen Sie den Zeigefinger vom zweiten Gelenk zur Daumenwurzel und drücken Sie ihn mit dem Daumenpolster nach unten. Lindert Schmerzen und beruhigt ein überreiztes Nervensystem.
  • Akasha Mudra (Äther): Verbinden Sie das Mittelfingerpolster mit dem des Daumens. Hilft bei der Schaffung oder Reduzierung von Raum im Körper.

Weitere Hinweise und Tipps

  • Bei Tinnitus kann der Ansatz des Ringfingers in der gleichseitigen Hand massiert werden, bis der Schmerz nachlässt.
  • Der Dünndarmstrom kann ebenfalls bei Tinnitus helfen.
  • Das Halten direkt oberhalb der Schwimmhäute kann Spannungen der Atemwege sowie der Ohren harmonisieren.
  • Die Energiepunkte SES 5 (Hörbeschwerden) und SES 20 (Ohren, Gleichgewichtssinn) können geströmt werden.
  • Die Mudras "Kleine Finger-Große Zehen" können bei Ohrproblemen helfen.

Jin Shin Jyutsu und betriebliches Gesundheitsmanagement

Jin Shin Jyutsu kann auch im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements eingesetzt werden, um Mitarbeitenden in stressigen Situationen zu helfen und ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie

tags: #mudra #nervenschmerzen #am #kopf