Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen dar, obwohl die Forschung in diesem Bereich noch unzureichend ist. Eine regelmäßige Menstruation ist ein Indikator für die normale Funktion hormoneller Systeme, wie der Hypothalamus-Hypophysen-Eierstock-Achse, und gibt somit Aufschluss über den Gesundheitszustand einer Frau. Beobachtungsstudien haben bereits Zusammenhänge zwischen Menstruationsbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgezeigt. Nach statistischer Korrektur war eine unregelmäßige Menstruation mit einem höheren Herzinfarktrisiko assoziiert, was auf einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen Veranlagungen zu übermäßiger und unregelmäßiger Menstruation oder Dysmenorrhoe und kardiovaskulären Erkrankungen hindeutet. Störungen der Menstruation im fortpflanzungsfähigen Alter könnten somit als Marker für die Identifizierung von Frauen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dienen.
Einführung in die Multiple Sklerose und ihre potenziellen Auswirkungen auf den Menstruationszyklus
Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark auftreten. Diese Entzündungsherde werden durch einen fehlgeleiteten Angriff körpereigener Abwehrzellen verursacht, was zu einer verminderten Leitfähigkeit der Nervenbahnen führt. Dies kann zu verschiedenen Beschwerden wie Gefühlsstörungen, Schwäche, Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen führen.
Der weibliche Zyklus wird von Hormonen gesteuert und bereitet den Körper jeden Monat auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Er beginnt mit der Menstruation und endet mit dem ersten Tag der nächsten Periode. Störungen dieses hormonellen Gleichgewichts können zu Zyklusstörungen führen.
Unregelmäßige Menstruation: Formen und Ursachen
Jede Frau hat einen individuellen Zyklus der monatlichen Regelblutung, der Schwankungen unterliegt. Von Zyklusstörungen spricht man, wenn die Menstruation zu stark, zu schwach, zu oft, zu selten kommt oder Zwischenblutungen auftreten. Auch schmerzhafte Blutungen (Dysmenorrhoe) zählen zu den Zyklusstörungen. Verläuft die Menstruation gänzlich ohne Beschwerden, spricht man von einer Eumenorrhoe.
Es gibt verschiedene Formen von Zyklusstörungen:
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- Oligomenorrhoe: Zwischen zwei Regelblutungen vergehen 35 bis maximal 45 Tage.
- Polymenorrhoe: Verkürzte Zykluslänge, Regelblutungen treten in einem Abstand von weniger als 25 Tagen auf.
- Metrorrhagie: Zusatzblutungen, die zwischen zwei Zyklen auftreten und mehrere Tage lang andauern können.
- Amenorrhoe: Ausbleiben der Regelblutung. Bei der primären Amenorrhoe ist bis zum 16. Lebensjahr noch keine erste Regelblutung eingetreten. Im Falle der sekundären Amenorrhoe gab es bereits eine Regelblutung, die jedoch - obwohl keine Schwangerschaft besteht - durch Zeiträume von mindestens drei Monaten Dauer unterbrochen wird.
- Hypomenorrhoe: Schwache Blutung und ein geringer Blutverlust von weniger als 25 Millilitern, oft mit verkürzter Blutungsdauer.
- Hypermenorrhoe: Übermäßig starke Menstruation mit einem Blutverlust von mehr als 150 Millilitern.
- Menorrhagie: Sehr starke und länger als sechs Tage dauernde Periode.
- Dysmenorrhoe: Krampfartige Schmerzen im Unterbauch und ein allgemeines Krankheitsgefühl während der Regel.
Die Ursachen für Zyklusstörungen sind vielfältig. Für die Steuerung des Zyklus ist der Hypothalamus im Gehirn verantwortlich. Hier wird das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) freigesetzt, welches die Hirnanhangdrüse zur Produktion der Hormone LH und FSH anregt. Sie sind für die Ausschüttung der Sexualhormone Progesteron und Östrogen in den Eierstöcken verantwortlich, die wiederum die Monatsblutung regulieren. Störungen dieses hormonellen Gleichgewichts führen häufig zu Zyklusstörungen.
Weitere Gründe für Veränderungen können beispielsweise sein:
- Über- oder Untergewicht
- Starke Gewichtsschwankungen
- Schilddrüsenerkrankungen
- Schwangerschaft
- Beginn der Wechseljahre (bei Frauen über 40)
- Verhütungsmittel wie die Pille oder der Vaginalring
- Gelbkörperschwäche
- Verletzungen an den Blutgefäßen
- Blutstauungen im Becken
- Bluthochdruck
- Chronische Entzündungen
- Herz-, Nieren- oder Bluterkrankungen
- Psychische Faktoren wie Stress, Konflikte in der Partnerschaft, wichtige Entscheidungen oder einschneidende Ereignisse im persönlichen Umfeld, ein unerfüllter Kinderwunsch oder Probleme im Sexualleben
- Äußerliche Einflüsse wie Klimawechsel oder Zeitverschiebung bei Urlaubsreisen sowie starke körperliche Belastung (zum Beispiel durch Leistungssport)
Der Zusammenhang zwischen Multipler Sklerose und Menstruationsstörungen
Es gibt keine direkten Hinweise darauf, dass Ocrevus (Ocrelizumab), ein Medikament zur Behandlung von MS, eine Menstruationsstörung verursacht. Es ist jedoch bekannt, dass Frauen mit MS unregelmäßige Perioden haben können. Diese Veränderungen können auf die MS selbst oder auf andere MS-Behandlungen zurückzuführen sein.
Die komplexe Wechselwirkung zwischen dem Nervensystem und dem endokrinen System, das die Hormone steuert, könnte eine Rolle spielen. Entzündliche Prozesse im Gehirn, die bei MS auftreten, könnten möglicherweise die hormonelle Steuerung des Menstruationszyklus beeinflussen. Auch Stress, der oft mit chronischen Erkrankungen wie MS einhergeht, kann sich auf den Zyklus auswirken.
Einige Frauen berichten, dass ihre Menstruation nach der Infusion von Ocrevus ausbleibt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dies auch auf andere Faktoren wie Kortison zurückzuführen sein kann, das häufig zur Behandlung von MS-Schüben eingesetzt wird.
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Diagnose und Behandlung von Menstruationsstörungen bei MS
Die Diagnose von Menstruationsstörungen beginnt mit der Aufnahme der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei geht es um die Lebensumstände, eingenommene Medikamente, Vorerkrankungen und zurückliegende Operationen. Es ist hilfreich, wenn die Frau Notizen zu ihrer unregelmäßigen Periode in Form eines Menstruationskalenders anfertigt und zum Arzttermin mitbringt.
Bei der anschließenden gynäkologischen Untersuchung werden Scheide, Gebärmutter und Eierstöcke abgetastet und gegebenenfalls mittels Ultraschall untersucht, um Veränderungen an den weiblichen Geschlechtsorganen erkennen zu können. Werden allgemeine Erkrankungen als Ursache der Zyklusstörungen ausgeschlossen, können Funktionstests und Hormonanalysen eingesetzt werden. Dabei wird beispielsweise der Östrogen- und Gestagenspiegel im Blut bestimmt. Bei ausbleibender Regelblutung wird auch getestet, ob eine Schwangerschaft vorliegt. Bei Verdacht auf Myome kann eine Bauchspiegelung oder eine Ausschabung durchgeführt werden. Besteht der Verdacht auf einen Tumor an Eierstöcken, Nebennieren oder der Hirnanhangdrüse, kann die Diagnose mittels Röntgenaufnahme, Computertomographie oder Ultraschall-Untersuchung an den entsprechenden Körperstellen sicher diagnostiziert werden. Bei einem erhöhten Risiko für Gebärmutterkrebs kann die Entnahme und Untersuchung von Gewebe (Biopsie) Klarheit verschaffen.
Die Behandlung von Menstruationsstörungen richtet sich nach der Ursache. Bei Hormonstörungen kann eine hormonelle Therapie zur Besserung beitragen. Falls diese nicht wirksam ist, besteht die Möglichkeit, pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer zur Regulierung des Zyklus einzusetzen. Sind Funktionsstörungen der Organe die Ursache für die Beschwerden, wurden gutartige Geschwulste an der Gebärmutter oder Polypen festgestellt, so können diese operativ entfernt werden. Spielen Stress und psychische Probleme eine Rolle bei den Zyklusstörungen, kann der Arzt Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training oder auch eine Psychotherapie empfehlen. Unregelmäßigkeiten im Zyklus können auch durch hormonelle Verhütungsmittel wie der Pille ausgelöst werden. Vergehen diese nach einiger Zeit nicht von alleine, kann der Wechsel auf ein anderes Präparat die Beschwerden manchmal lindern. Bei Unter- oder Übergewicht pendelt sich der Zyklus oft nach einer Gewichtszunahme oder -abnahme wieder ein. Daneben können auch bewährte Hausmittel zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Dies sind beispielsweise kalte Wadenwickel und Beingüsse bei zu starken Regelblutungen, warme Bäder bei Krämpfen im Unterleib oder ansteigende Fußbäder bei einer ausbleibenden oder zu schwachen Blutung. Schmerzen, die während der Menstruation auftreten, können medikamentös gut mit Acetylsalicylsäure behandelt werden. Gegen Übelkeit und Erbrechen kann die Einnahme eines Antiemetikums helfen.
Oft kann sich der Zyklus nach einiger Zeit auch ohne therapeutische Maßnahmen von allein normalisieren. Dies ist vor allem der Fall, wenn psychische Ursachen und Umwelteinflüsse eine unregelmäßige Periode bedingen. Für Frauen mit Kinderwunsch können Zyklusstörungen zu einem Hindernis in der Familienplanung werden, wenn beispielsweise kein Eisprung stattfindet.
Weitere gesundheitliche Aspekte bei Frauen mit MS
Es ist wichtig zu beachten, dass Frauen mit MS auch anfälliger für andere Gesundheitsprobleme sein können, die den Menstruationszyklus beeinflussen können. Dazu gehören Schilddrüsenerkrankungen, polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) und Depressionen.
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Harnwegsinfekte
Harnwegsinfekte (HWI) betreffen zu 75 % Frauen und zu 25 % Männer. Die geringe Distanz von Vagina und Anus erleichtert die Besiedlung der Harnröhre mit Keimen. Von rezidivierenden Harnwegsinfekten wird bei 2 oder mehr Harnwegsinfekten innerhalb von 6 Monaten gesprochen. Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten ist Escherichia coli in drei Viertel aller Fälle der häufigste Erreger.
Eine antibiotische Behandlung lässt sich häufig einsparen, gleichzeitig ist aber die Rate an Nierenbeckenentzündungen und Patientinnen mit hoher Symptomlast bei Verzicht auf ein Antibiotikum erhöht.
Es gibt verschiedene Antibiotika, die zur Behandlung von Harnwegsinfekten eingesetzt werden können. Fosfomycin ist ein Erstlinientherapeutikum bei Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten. Auch Nitrofurantoin ist ein Erstlinientherapeutikum. Unter Therapie mit Nitrofurantoin sind Kontrollen von Blutbild, Leber- und Nierenwerten empfohlen. Nitroxolin ist zugelassen für die Behandlung der akuten und chronischen Infektion der ableitenden Harnwege sowie zur Rezidivprophylaxe. Pivmecillinam ist ein Penicillin mit einer günstigen Resistenzlage.
Bei rezidivierenden Harnwegsinfekten bestehen meist Resistenzlagen > 20 %. GAG-Schicht-Substituent Chondroitinsulfat kann das Anheften der Bakterien an die Harnblasenwand verhindern. Mittels einer antibiotischen, 6-monatigen Prophylaxe lässt sich die Rezidivrate um bis zu 95% senken. Vaginale Östrogensubstitution über 4 Wochen ist off-label möglich. Uro-Vaxom enthält 18 E.coli-Fraktionen und dient als Immuntherapeutikum für Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfekten.
Verschieben der Menstruation
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Menstruation zu verschieben. Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille oder einen Verhütungsring verwenden, können die Monatsblutung vergleichsweise einfach verschieben, indem sie die Einnahmepause weglassen oder verkürzen.
Auch für Frauen, die keine hormonellen Verhütungsmethoden anwenden und einen natürlichen Zyklus haben, gibt es Möglichkeiten, die Periode relativ kurzfristig für einen bestimmten Anlass zu verschieben. Zum Einsatz kommen dafür synthetische, verschreibungspflichtige Gestagen-Präparate. Sie verzögern den Abbau der Gebärmutterschleimhaut, indem sie das Absinken des Gelbkörperhormonspiegels (Progesteron) verhindern.
Einige Frauen versuchen, ihre Periode ganz natürlich mithilfe von Heilpflanzen wie Schafgarbe oder Mönchspfeffer zu beeinflussen. Diese enthalten Phytohormone, die den weiblichen Zyklus regulieren und die Follikelreifung verlängern können. Um eine Zyklusverschiebung mithilfe von Heilpflanzen zu bewirken, müssen die pflanzlichen Mittel allerdings langfristig eingenommen werden.
Prävention von Menstruationsstörungen
Das hormonelle Gleichgewicht kann auf viele verschiedene Außeneinflüsse reagieren und so Zyklusstörungen auslösen. Es ist daher ratsam, einen gesunden Lebenswandel zu führen, um das eigene hormonelle Gleichgewicht nicht negativ zu beeinflussen. Dazu gehören:
- Stressreduktion
- Nichtrauchen
- Vermeidung von extremen Zeitumstellungen
- Gesunde Ernährung
- Vermeidung von extremen Klimawechseln
Bestimmten Zyklusstörungen, wie etwa der Oligomenorrhoe, kann nicht gezielt vorgebeugt werden, da sie zu Beginn und am Ende der fruchtbaren Zeit einer Frau auftreten können.
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