Multiple Sklerose: Malu Dreyers Krankheitsbild und neue Forschungserkenntnisse

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die das Leben der Betroffenen maßgeblich beeinflussen kann. Die ehemalige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, lebt seit 1995 mit dieser Erkrankung und hat sich offen damit auseinandergesetzt. Ihr Rücktritt im Jahr 2024 lenkte die Aufmerksamkeit erneut auf diese tückische Krankheit, von der in Deutschland etwa 280.000 Menschen betroffen sind.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die schützende Myelinschicht der Nerven im Gehirn und Rückenmark angreift. Diese Schädigung der Myelinschicht beeinträchtigt die Übertragung von Nervenimpulsen, was zu vielfältigen Symptomen führen kann.

Symptome und Verlauf

Die Symptome von MS sind äußerst vielfältig und können von Person zu Person stark variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Sehstörungen
  • Taubheitsgefühle
  • Motorische Schwächen
  • Koordinationsstörungen
  • Fatigue (abnorme Erschöpfbarkeit)
  • Spastische Lähmungserscheinungen
  • Blasenentleerungs-Störungen
  • Kognitive Störungen (Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen)
  • Depressive Verstimmungen
  • "Verwaschenes" Sprechen
  • Unsicherheit beim Gehen und beim Greifen

Der Verlauf von MS ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Bei den meisten Betroffenen verläuft die Krankheit zunächst in Schüben, bei denen Symptome plötzlich auftreten und sich dann wieder bessern oder vollständig verschwinden. Nach zehn bis 20 Jahren gehen viele Patienten in eine sekundär-chronisch progrediente Verlaufsform über, bei der die Beschwerden langsam zunehmen und sich der Zustand ohne klare Schübe verschlechtert. Es gibt auch primär progrediente Verläufe, bei denen von Beginn an eine kontinuierliche Zunahme der Beschwerden erfolgt.

Ursachen und Diagnose

Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Insbesondere das Immunsystem scheint eine entscheidende Rolle zu spielen, da es sich bei MS gegen den eigenen Körper richtet.

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Die Diagnose von MS kann eine Herausforderung sein, da die Symptome vielfältig sind und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. In der Regel werden neurologische Untersuchungen, Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks sowie Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt, um die Diagnose zu sichern.

Neue Forschungserkenntnisse: Frühe Warnzeichen von MS

Eine aktuelle Studie der University of British Columbia hat neue Erkenntnisse über die Entstehung von MS geliefert. Das Forschungsteam untersuchte die Krankenakten von 2.038 Menschen mit MS und verglich diese mit den Daten von 10.182 Personen ohne MS. Dabei stellten sie fest, dass sich erste Warnzeichen für MS bereits 14 bis 15 Jahre vor der eigentlichen Diagnose zeigen können.

Die Prodromalphase

Die Forscher sprechen von einer sogenannten Prodromalphase, einer Vorstufe der Erkrankung, in der unspezifische Beschwerden auftreten. In dieser Phase suchten die späteren MS-Betroffenen häufiger ärztliche Hilfe, vor allem wegen Müdigkeit, Schwindel oder Schmerzen. Auffällig war auch ein Anstieg psychischer Beschwerden wie Angst und Depression.

Die Ergebnisse der Studie zeigen im Detail:

  • 15 Jahre vorher: Mehr Besuche bei Hausärzten, oft wegen Müdigkeit, Schwindel oder Schmerzen. Auffälliger Anstieg psychischer Beschwerden wie Angst und Depression.
  • 14 Jahre vorher: Ab diesem Zeitpunkt steigt die Gesamtzahl der Arztbesuche und ist signifikant höher als bei vergleichbaren Personen ohne MS.
  • Zwölf Jahre vorher: Zunahme von psychiatrischen Behandlungen.
  • Acht bis neun Jahre vorher: Erste Kontakte mit Neurologen und Augenärzten.
  • Drei bis fünf Jahre vorher: Mehr Notaufnahmen und radiologische Untersuchungen.
  • Ein Jahr vor der Diagnose: Höchststand an Arztbesuchen in fast allen Fachrichtungen.

Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, MS in Zukunft früher zu erkennen und möglicherweise den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

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Malu Dreyer: Leben mit MS in der Öffentlichkeit

Malu Dreyer wurde im Alter von 34 Jahren mit MS diagnostiziert. Trotz dieser Herausforderung setzte sie ihre politische Karriere fort und wurde 2013 Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Sie ging offen mit ihrer Erkrankung um und engagierte sich für die Belange von MS-Betroffenen.

Umgang mit der Erkrankung

Dreyer betonte stets, dass MS zwar ein Teil ihres Lebens sei, aber nicht den Mittelpunkt bilden dürfe. Sie achtete auf eine gesunde Lebensweise, machte regelmäßig Physiotherapie und nutzte Hilfsmittel wie einen Rollstuhl, um ihren Alltag zu erleichtern.

Engagement für MS-Betroffene

Als Schirmherrin des rheinland-pfälzischen Landesverbands der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) setzte sich Malu Dreyer für die Verbesserung der Lebensqualität von MS-Betroffenen und ihrer Angehörigen ein. Sie ermutigte andere Betroffene, sich nicht von der Krankheit einschränken zu lassen, sondern ihren eigenen Weg zu gehen.

Rücktritt und Zukunftspläne

Im Jahr 2024 trat Malu Dreyer als Ministerpräsidentin zurück. Als Grund nannte sie Erschöpfungserscheinungen, die auch im Zusammenhang mit ihrer MS-Erkrankung standen. Sie wolle sich nun mehr Zeit für sich und ihre Familie nehmen und sich weiterhin für soziale Projekte engagieren. So unterstützt sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Stiftung, die Versöhnungs- und Demokratieprojekte fördert.

Behandlungsmöglichkeiten und Perspektiven

MS ist bis heute nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um den Krankheitsverlauf zu beeinflussen und die Symptome zu lindern. In der Schubtherapie werden akute Schübe mit hochdosiertem Cortison behandelt, um die Entzündungen im Körper zu reduzieren. Um Schüben vorzubeugen, werden immunmodulatorische Medikamente eingesetzt. Zudem gibt es Therapien zur Verbesserung der Gehfähigkeit und Motorik sowie zur Linderung von Fatigue.

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Fortschritte in der Forschung

Die Forschung im Bereich MS hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Es wurden neue Medikamente und Therapien entwickelt, die den Betroffenen ein aktives Berufs- und Sozialleben ermöglichen. Zudem werden die Ursachen von MS immer besser verstanden, was die Entwicklung noch gezielterer Therapien in Zukunft ermöglichen könnte.

Leben mit MS heute

Dank der Fortschritte in der Medizin und der zunehmenden Akzeptanz in der Gesellschaft können Menschen mit MS heute ein weitgehend normales Leben führen. Es ist wichtig, sich nicht von der Krankheit entmutigen zu lassen, sondern aktiv zu bleiben, sich Unterstützung zu suchen und die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen.

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