Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die sich durch vielfältige Symptome äußern kann. Ein Symptom, über das MS-Patienten gelegentlich berichten, sind blaue Flecken (Hämatome). Es ist wichtig zu verstehen, dass blaue Flecken bei MS verschiedene Ursachen haben können und nicht zwangsläufig direkt mit der Erkrankung selbst in Verbindung stehen müssen.
Ursachen für blaue Flecken bei Multipler Sklerose
Blaue Flecken entstehen, wenn kleine Blutgefäße unter der Hautoberfläche platzen und Blut ins umliegende Gewebe austritt. Dies kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Trauma: Stöße, Prellungen oder Verletzungen sind die häufigsten Ursachen für blaue Flecken. Bei MS-Patienten kann es aufgrund von Gleichgewichtsstörungen, Koordinationsproblemen oder Muskelschwäche leichter zu Stürzen und Verletzungen kommen, die blaue Flecken verursachen.
- Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von MS oder anderen Begleiterkrankungen eingesetzt werden, können das Risiko für blaue Flecken erhöhen. Dazu gehören beispielsweise Kortikosteroide, Antikoagulantien (Blutverdünner) und bestimmte Schmerzmittel. Kortikosteroide werden häufig in der Therapie einer Sehnerventzündung angewendet.
- Thrombozytopenie: In seltenen Fällen kann eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) die Ursache für blaue Flecken sein. Blutplättchen sind für die Blutgerinnung wichtig, und ein Mangel an Thrombozyten kann zu einer erhöhten Blutungsneigung führen. Einige MS-Medikamente, wie z.B. Kesimpta, können in seltenen Fällen eine Thrombozytopenie verursachen.
- Autoimmunerkrankungen: MS ist eine Autoimmunerkrankung, und bei manchen Patienten können auch andere Autoimmunerkrankungen auftreten, die mit einer erhöhten Blutungsneigung einhergehen. Ein Beispiel hierfür ist der systemische Lupus erythematodes (SLE).
- Gefäßerkrankungen: In seltenen Fällen können Gefäßerkrankungen wie das Raynaud-Syndrom oder eine Vaskulitis (Gefäßentzündung) zu blauen Flecken führen. Das Raynaud-Syndrom ist eine Gefäßerkrankung, die durch Gefäßkrämpfe (Vasospasmen) hervorgerufen wird. Die Krämpfe treten anfallsartig meist an den Fingern, seltener an den Zehen und anderen Körperpartien auf.
- Hauterkrankungen: Bestimmte Hauterkrankungen, wie z.B. die systemische Sklerose (Sklerodermie), können die Haut dünner und anfälliger für Verletzungen machen, was das Risiko für blaue Flecken erhöht.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere Vitamin C oder Vitamin K, kann die Blutgerinnung beeinträchtigen und zu einer erhöhten Blutungsneigung führen.
- Alter: Mit zunehmendem Alter wird die Haut dünner und die Blutgefäße fragiler, was das Risiko für blaue Flecken erhöht.
Multiple Sklerose: Ein Überblick
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Bei MS greift das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheide an, eine Schutzschicht, die die Nervenfasern umgibt. Diese Schädigung der Myelinscheide führt zu Entzündungen und Narbenbildung (Sklerose), was die Übertragung von Nervenimpulsen beeinträchtigt.
Die Symptome von MS sind vielfältig und können von Person zu Person stark variieren. Häufige Symptome sind:
- Sehstörungen: Sehnerventzündung (Optikusneuritis) mit Symptomen wie verschwommenem Sehen, Doppeltsehen oder Schmerzen bei Augenbewegungen.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schmerzen in verschiedenen Körperteilen.
- Motorische Störungen: Muskelschwäche, Spastik (Muskelsteifheit), Koordinationsprobleme und Gleichgewichtsstörungen.
- Fatigue: Ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten beim Denken.
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen: Häufiger Harndrang, Inkontinenz oder Verstopfung.
- Sexuelle Funktionsstörungen: Erektile Dysfunktion, vermindertes sexuelles Verlangen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
- Schwindel: Das Gefühl von Schwindel (lateinisch Vertigo) kennt fast jeder. Allerdings irritieren Reize, die wie drehende Körperbewegungen wahrgenommen werden, den Gleichgewichtssinn nur kurzfristig. Dagegen führen diverse gesundheitliche Störungen, wie zum Beispiel MS, zu wiederkehrenden Schwindelattacken.
- Schmerzen: Schmerzen sind ein nicht zu unterschätzendes Symptom bei MS. Es wird noch darüber gestritten, ob MS Schmerzen „auslösen“ kann, ob sie „einfach da sind“ oder doch irgendwie zusammenhängen.
Der Verlauf von MS ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Bei manchen Patienten verläuft die Erkrankung schubförmig, mit Phasen, in denen sich die Symptome verschlimmern (Schübe), gefolgt von Phasen der Besserung (Remissionen). Bei anderen Patienten verläuft die Erkrankung progredient, d.h. die Symptome verschlimmern sich kontinuierlich über die Zeit.
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Diagnose von Multipler Sklerose
Die Diagnose von MS basiert auf einer Kombination von Faktoren, darunter:
- Klinische Untersuchung: Der Arzt führt eine neurologische Untersuchung durch, um die Symptome und neurologischen Defizite des Patienten zu beurteilen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT des Gehirns und Rückenmarks kann Läsionen (Entzündungsherde) zeigen, die typisch für MS sind.
- Liquoruntersuchung: Eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) kann Entzündungszeichen und spezifische Antikörper zeigen, die auf MS hindeuten.
- Evozierte Potentiale: Diese Tests messen die elektrische Aktivität des Gehirns als Reaktion auf bestimmte Reize (z.B. visuelle oder akustische Reize). Sie können helfen, Schädigungen der Nervenbahnen zu erkennen.
Behandlung von Multipler Sklerose
Es gibt keine Heilung für MS, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die helfen können, die Symptome zu lindern, die Schübe zu reduzieren und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Zu den wichtigsten Behandlungsansätzen gehören:
- Immunmodulatorische Therapien: Diese Medikamente zielen darauf ab, das Immunsystem zu regulieren und die Entzündungsreaktionen zu reduzieren, die zu den Schäden an der Myelinscheide führen. Beispiele hierfür sind Interferone, Glatirameracetat, Natalizumab, Fingolimod, Dimethylfumarat, Teriflunomid und Ocrelizumab.
- Schubtherapie: Bei akuten Schüben werden häufig Kortikosteroide eingesetzt, um die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern.
- Symptomatische Therapie: Verschiedene Medikamente und Therapien können eingesetzt werden, um spezifische Symptome wie Spastik, Schmerzen, Fatigue, Blasenfunktionsstörungen oder Depressionen zu behandeln.
- Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie: Diese Therapien können helfen, die körperliche Funktion, die Koordination, die Sprache und die Schluckfunktion zu verbessern.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, mit den emotionalen und psychischen Belastungen der MS umzugehen.
Systemische Sklerose: Eine mögliche Begleiterkrankung
Die systemische Sklerose (SSc) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu einer Verhärtung des Bindegewebes führt. Sie gehört zu den sogenannten Kollagenosen. Bei der systemischen Sklerose sind neben der Haut auch Blutgefäße und innere Organe in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Die systemische Sklerose ist heute zwar leider noch nicht heilbar, aber inzwischen stehen gute Behandlungsoptionen zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und teilweise sogar stoppen können.
Die Symptome der systemischen Sklerose sind vielfältig und können von Person zu Person stark variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Hautveränderungen: Verdickung und Verhärtung der Haut, insbesondere an Fingern, Händen und im Gesicht.
- Raynaud-Syndrom: Anfallsartige Verfärbung der Finger und Zehen bei Kälte oder Stress.
- Gelenkschmerzen und -entzündungen: Arthritis oder Arthralgie.
- Schluckbeschwerden: Ösophagusmotilitätsstörung (von lat. oesophagus = Speiseröhre).
- Sodbrennen: Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre.
- Atemnot: Aufgrund von Lungenfibrose oder pulmonaler Hypertonie.
- Müdigkeit: Fatigue.
Die Diagnose der systemischen Sklerose basiert auf einer Kombination von klinischen Befunden, Blutuntersuchungen und bildgebenden Verfahren. Die Behandlung der systemischen Sklerose zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Organfunktion zu erhalten und Komplikationen zu vermeiden.
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Was tun bei blauen Flecken?
Wenn Sie als MS-Patient häufig blaue Flecken haben, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen. Er kann die Ursache der blauen Flecken abklären und gegebenenfalls eine geeignete Behandlung einleiten.
Hier sind einige allgemeine Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um blaue Flecken zu vermeiden oder zu lindern:
- Vermeiden Sie Verletzungen: Achten Sie auf Ihre Umgebung und vermeiden Sie Situationen, in denen Sie sich leicht verletzen könnten.
- Schützen Sie Ihre Haut: Tragen Sie bei Bedarf Schutzkleidung, z.B. Handschuhe oder lange Ärmel.
- Achten Sie auf Ihre Medikamente: Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, und fragen Sie, ob diese das Risiko für blaue Flecken erhöhen könnten.
- Ernähren Sie sich gesund: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen.
- Kühlen Sie blaue Flecken: Legen Sie unmittelbar nach einer Verletzung eine Kühlpackung auf die betroffene Stelle, um die Schwellung zu reduzieren und die Blutgerinnung zu fördern.
- Lagern Sie das betroffene Körperteil hoch: Dies kann helfen, die Schwellung zu reduzieren.
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