Multiple Sklerose und Dampfen: Studienlage und Auswirkungen

Rauchen ist ein globales Gesundheitsproblem, das mit zahlreichen negativen Auswirkungen auf den Körper verbunden ist. Besonders bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS) ist es wichtig, sich der potenziellen Risiken bewusst zu sein. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage zu den Auswirkungen von Rauchen und Dampfen (E-Zigaretten) auf MS, um Betroffenen und Interessierten eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten. Das Ziel ist die Frage zu beantworten, inwieweit Rauchen, Alkoholkonsum und Fettleibigkeit die Neurodegeneration bei MS beeinflussen.

Rauchen als Risikofaktor für MS

Frühere Erkenntnisse zeigen, dass Rauchen ein relevanter Risikofaktor für MS ist. Studien haben gezeigt, dass Rauchen das Auftreten von MS begünstigt. Bei Rauchern ist das Risiko, an MS zu erkranken, um bis zu 50 Prozent höher als bei Nichtrauchern. Eine Studie von Kleerekooper et al. deutet sogar darauf hin, dass Nichtrauchen die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von MS beeinflussen könnte.

Auswirkungen auf den Verlauf der MS

Rauchen wirkt sich ungünstig auf den Verlauf einer MS aus. Es kann dazu führen, dass die schubförmige MS (RRMS) in eine chronisch-progrediente MS (SPMS) übergeht. Untersuchungen an 728 Rauchern mit MS zeigten, dass jedes zusätzliche Raucherjahr nach der MS-Diagnose die Umwandlung zu SPMS um 4,7 % beschleunigte. Raucher entwickelten SPMS im Durchschnittsalter von 48 Jahren, während es bei denen, die mit dem Rauchen aufhörten, 56 Jahre waren.

Behinderungsgrad und Rauchen

Rauchen geht auch mit einem fortschreitenden Behinderungsgrad einher. Das Risiko, einen EDSS-Score (Expanded Disability Status Scale) von 4 oder 6 zu erreichen, ist bei Rauchern höher. Rauchverzicht reduziert signifikant die Wahrscheinlichkeit, einen EDSS-Score von 4 zu erreichen.

Neurodegenerative Auswirkungen

Personen mit MS scheinen empfindlicher für die neurodegenerativen Auswirkungen von Rauchen zu sein. Studien haben gezeigt, dass Rauchen den Prozess der Hirnschrumpfung beschleunigen kann, da der Rauch die Gehirnzellen schädigt.

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Auswirkungen auf MS-Medikamente

Rauchen kann die Wirksamkeit von MS-Medikamenten beeinträchtigen. Zwei Studien haben gezeigt, dass Natalizumab und Interferon beta bei MS-Patienten, die rauchten, weniger wirksam waren.

E-Zigaretten (Dampfen) und MS

Da das Rauchen im Laufe der Zeit immer stärker verpönt wurde und in vielen Innenräumen verboten ist, suchten viele Raucher nach Alternativen. Eine beliebte Alternative ist die E-Zigarette, die oft als weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten angepriesen wird.

Aktuelle Forschungslage zum Dampfen bei MS

Die Forschungslage zu den Auswirkungen von Dampfen auf MS ist noch begrenzt. Einige wenige Studien deuten darauf hin, dass Dampfen ähnlich schädlich für die Blut-Hirn-Schranke sein könnte wie Rauchen. Es gibt derzeit keine ausreichenden Beweise dafür, dass E-Zigaretten nicht schädlich sind, da sie oft viele Chemikalien enthalten, die potenziell schädlich sind. E-Zigaretten oder Verdampfer gibt es noch nicht lange genug, um die langfristigen gesundheitlichen Folgen vollständig zu verstehen.

Inhaltsstoffe von E-Zigaretten

Beim Dampfen werden Liquids aus Base (Propylenglykol + Vegetable Glycerin), Nikotin und Aromen verdampft, statt Tabak verbrannt. Während Dampfen oft als 95 % weniger ungesund und 99,5 % weniger krebserregend gilt (u. a. Meta-Studie Public Health England), ist es wichtig, die potenziellen Risiken zu berücksichtigen.

Nikotin und seine Auswirkungen

Nikotin ist eine stark süchtig machende Substanz, die sowohl in herkömmlichen Zigaretten als auch in den meisten E-Zigaretten enthalten ist. Studien zufolge gehört Nikotin zusammen mit Crack und Heroin zu den drei am stärksten süchtig machenden Substanzen. Nikotin ist zwar nicht krebserregend, aber es ist nicht gut für Herz und Nerven.

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Aromastoffe und Zusatzstoffe in E-Zigaretten

Einweg-E-Zigaretten wie die Elfbar enthalten oft bedenkliche Zusatzstoffe und Aromen. Viele Dampfer bekommen davon gesundheitliche Probleme wie z. B. chronische Bronchitis. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Aromastoffe, wie z.B. Diacetyl (Butteraroma), beim Einatmen sehr schädigend sein können und zu einer sogenannten Popcornlunge führen können.

Studie zu Einweg-E-Zigaretten

Ein Forscherteam des LMU Klinikums München hat mit dem BfR erste Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der Einweg-E-Zigaretten mit herkömmlichen Zigaretten verglichen wurden. Die Studie ergab, dass die getesteten Einweg-E-Zigaretten der Marke Elfbar Höchstkonzentrationen im Blutplasma erreichten, die nahezu auf dem Niveau herkömmlicher Zigaretten lagen. Der Nikotinspiegel stieg bei den Einwegprodukten bereits in der ersten Minute nach Konsumbeginn am stärksten an. Die Probanden bewerteten die Einweg-E-Zigarette außerdem als befriedigender und äußerten eine höhere Lust zum erneuten Konsum im Vergleich zu einer herkömmlichen Zigarette.

Warnungen vor Einweg-E-Zigaretten

Experten warnen vor Einweg-E-Zigaretten, da diese ökologisch eine Katastrophe sind, oftmals bedenkliche Zusatzstoffe enthalten und die Aromen abnormal hoch konzentriert sind. Studienleiter PD Dr. Tobias Rüther vom LMU Klinikum betont, dass die schnelle und hohe Nikotinabgabe von Einweg-E-Zigaretten sehr beunruhigend ist und dass in der Tabakambulanz zunehmend junge Erwachsene gesehen werden, die von diesen neuen Produkten stark abhängig sind und vorher nicht geraucht haben.

Rauchstopp und MS

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. MS-Patienten können durch Rauchverzicht ihr Fortschreitungsrisiko positiv beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die nach einer MS-Diagnose mit dem Rauchen aufhören, in Bezug auf Hirnläsionen, Schübe und Fortschreiten der Behinderung besser dran sind als Menschen, die weiter rauchen.

Vorteile des Rauchstopps

  • Verlangsamung des Fortschreitens der MS
  • Reduzierung des Risikos für Hirnläsionen und Schübe
  • Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und Lebensqualität
  • Geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs

Unterstützung beim Rauchstopp

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Unterstützung beim Rauchstopp zu erhalten:

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  • Gespräche mit Familie und Betreuern
  • Beratung durch den Hausarzt
  • Nikotinersatztherapien (Pflaster, Kaugummi, Inhalatoren, Mundspray oder Lutschtabletten)
  • Medikamente wie Vareniclin und Bupropion
  • Kostenlose Unterstützung durch Organisationen (telefonische Unterstützung, Telefon-Apps usw.)
  • Online-Rauchstopp-Programme, die spezifisch für Menschen mit MS entwickelt wurden

Strategien zur Bewältigung von Entzugserscheinungen

Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, können Nikotinentzugserscheinungen wie Reizbarkeit oder Kopfschmerzen auftreten. Diese lassen nach 3 Tagen nach und sind nach 2-4 Wochen weitgehend verschwunden. Es ist wichtig, in dieser Phase Unterstützung zu suchen und Strategien zur Bewältigung der Entzugserscheinungen zu entwickeln, wie z.B.:

  • Sportliche Betätigung
  • Ablenkung durch Hobbys und Aktivitäten
  • Entspannungstechniken
  • Gesunde Ernährung

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