Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Diagnose MS kann eine Herausforderung darstellen, da es kein eindeutiges Zeichen oder einen spezifischen Test für die Erkrankung gibt. Stattdessen stützt sich die Diagnose auf eine Kombination aus klinischen Befunden, neurologischen Untersuchungen und bildgebenden Verfahren, wobei die Magnetresonanztomographie (MRT) eine zentrale Rolle spielt.
Einführung in die Multiple Sklerose
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe Erkrankung, bei der die Diagnose oft eine Herausforderung darstellt. Es gibt zwar einige Symptome, die sehr verdächtig für eine MS sind, aber kein eindeutiges Zeichen. Die Diagnose wird in der Regel durch den Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt. Die MRT spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und Überwachung der MS.
Die Bedeutung der MRT in der MS-Diagnostik
Die Magnetresonanztomographie (MRT) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sowohl bei der Diagnosestellung als auch bei der Verlaufskontrolle der Multiplen Sklerose (MS) kontinuierlich an Relevanz gewonnen. Neben der klinischen Untersuchung nimmt die Magnetresonanztomographie (MRT) den höchsten Stellenwert in der Diagnosestellung und der Detektion der Krankheitsaktivität bei MS ein. Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das hochauflösende Bilder von Gehirn und Rückenmark liefert. Sie ermöglicht die Visualisierung von Entzündungsherden (Läsionen), die für MS charakteristisch sind. Die MRT ist besonders wertvoll, da sie Entzündungsherde auch dann nachweisen kann, wenn keine typischen körperlichen Anzeichen dafür vorliegen.
Funktionsweise der MRT
Die MRT nutzt die Eigenschaften von Wasserstoffatomen, die sich in einem Magnetfeld ausrichten. Bei einer MRT-Untersuchung entsteht keine belastende Röntgenstrahlung. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Auflösung einer MRT. Das MRT-Gerät ist röhrenförmig aufgebaut und besitzt eine elektrisch verstellbare Liege. Während der Untersuchung dürfen Sie es sich auf einer fahrbaren Liege bequem machen. Man wird Ihnen einen Gehörschutz aufsetzen, da das MRT-Gerät laute Klopfgeräusche verursacht. Wenn Sie Ihre Position eingenommen haben, kann es losgehen und Sie werden auf mit der Liege in die Öffnung des MRT-Gerätes geschoben. Wichtig ist, dass Sie sich während der Untersuchung ruhig verhalten und Bewegungen vermeiden. Bevor die Untersuchung beginnt, müssen Sie alle Gegenstände aus Metall ablegen wie etwa Uhr, Ohrringe oder Gürtelschnalle. Sollten Sie einen Herzschrittmacher haben, ist eine MRT nicht möglich, da das Magnetfeld die Funktion des Geräts beeinträchtigen könnte. Während der Untersuchung liegen Sie optimalerweise in einer zu beiden Seiten offenen, gut belüfteten MRT-Röhre, in die Sie mit dem Kopf voraus gefahren werden. Sobald Sie ruhig liegen, startet die Untersuchung. Wenn Sie unter Platzangst leiden, kann Ihnen Ihr Arzt ein leichtes Beruhigungsmittel geben. Um Ihre Ohren vor den Klopfgeräuschen des MRT-Geräts zu schützen, bekommen Sie in der Regel Ohrstöpsel oder Kopfhörer. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass bei der Untersuchung Musik läuft.
MRT-Sequenzen und Läsionstypen
MS verursacht relativ typische Bildmuster in der MR-Bildgebung. Man unterscheidet hier zwischen verschiedenen Läsionstypen in Abhängigkeit von ihrer Lokalisation im Zentralnervensystem: periventrikuläre, juxtakortikale, und kortikale supratentoriell Läsionen sowie infratentorielle und spinale Läsionen. Die Standard-MR-Sequenzen jedoch häufig schlecht bis gar nicht zu erkennen. Die magnetische Feldstärke ist eine der wichtigsten MRT-Akquisitionsparameter mit Einfluss auf die Läsionsdetektion im Gehirn. Im Vergleich zu 1,5 Tesla (T) können Untersuchungen bei 3 T mehr MS-Läsionen detektieren. Jedoch gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass eine Untersuchung bei 3 T im Vergleich zu 1,5 T tatsächlich zu einer verbesserten bzw. früheren MS-Diagnose führt. Auch vor dem Hintergrund der begrenzten Verfügbarkeit von 3 T-Geräten bestand daher Konsens darüber, dass eine Feldstärke von 1,5 T zur Diagnosestellung und Verlaufskontrolle der MS ausreichend ist. Auch sollte zur besseren Vergleichbarkeit der Bilder eine standardisierte Repositionierung (fixe Angulierung bzw. Kippung) der Schnittführung festgelegt werden. Aufgrund der weiten Verbreitung bestand Konsens zur bevorzugten Angulierung entlang der HYFA-Linie, welche den Unterrand der Hypophyse mit dem Fastigium des IV. Ventrikels verbindet (Abb. 1). Alternativ kann die sog. „subcallosal line“ als Angulierungslinie verwendet werden, welche das Genu anterius und das Splenium des Corpus callosum verbindet. Eine isolierte Bildgebung der Sehnerven ist im Allgemeinen nicht erforderlich und spezifischen Fragestellungen vorbehalten.
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MRT-Protokoll bei Verdacht auf MS
Die MRT-Untersuchung sollte bei der Verdachtsdiagnose einer MS zur Steigerung von Spezifität und Sensitivität einheitlichen Standards entsprechen. In der klinischen Routine ist häufig nicht eindeutig definiert, wann ein MS-MRT-Protokoll vom Radiologen durchgeführt werden soll. Es bestand Konsens darüber, dass dieses Protokoll zumindest dann ausgeführt wird, wenn der Zuweiser auf dem Überweisungsschein MS bzw. ein entsprechendes Synonym vermerkt. Grundsätzlich sollte ein minimales Zeitintervall von 5 min zwischen der Applikation von Kontrastmittel und dem Akquirieren der kontrastmittelgestützten Sequenzen eingehalten werden. Es sollten nur noch makrozyklische gadoliniumbasierte Kontrastmittel verwendet werden, da in ihnen - im Vergleich zu linearen Kontrastmitteln - das Gadolinium besser gebunden vorliegt, was eine Anreicherung im Körper weniger wahrscheinlich macht. Es bestand Konsens darüber, dass die in Tab. 3 angeführten Sequenzen bei der Erstuntersuchung durchgeführt werden sollten. Alle 2‑D-Aufnahmen sind mit einer Schichtdicke von 3 mm und einer In-plane-Auflösung von 1 × 1 mm zu akquirieren. Für 3‑D-Sequenzen wird eine gemessene Voxelgröße von 1 × 1 × 1 mm empfohlen. Bei der Erstuntersuchung sollte stets die KM-Gabe vor der FLAIR-Sequenz und vor der axialen T2-Sequenz erfolgen; so kann die Zeit der T2-Sequenz genutzt werden, um eine ausreichende Verzögerung vor Anfertigung der Post-KM-T1-Sequenz zu gewährleisten. Für T1w-Sequenzen können statt TSE/SE-Sequenzen auch Gradienten-Echo-Sequenzen angefertigt werden. Sowohl 2‑D- wie auch 3‑D-Sequenzen sind möglich, 3‑D-Sequenzen sind jedoch zu bevorzugen. Bei der Erstuntersuchung zur Abklärung einer MS sollte stets eine MRT der kompletten spinalen Achse durchgeführt werden. Die Untersuchung sollte das gesamte Myelon einschließlich des Conus medullaris abbilden und wenn möglich als Gesamtaufnahme durchgeführt werden (keine Abschnittsuntersuchungen). Eine Untersuchung mit 1,5 T und 3 mm Schichtdicke ist hierfür ausreichend. Die Gabe von Kontrastmittel ist bei der Erstuntersuchung zur Klärung der Diagnose MS sinnvoll. Zeigen sich Läsionen im Myelon, so sollten weitere axiale Aufnahmen durch die Läsion und Post-KM-T1-gewichtete Aufnahmen generiert werden. Spinale MRT Untersuchungen zur Beurteilung der Therapieeffektivität werden im Allgemeinen nicht empfohlen, können aber erwogen werden, wenn dies individuell für sinnvoll erachtet wird. Für etwaige Verlaufsuntersuchungen, ist die Gabe von Kontrastmittel in den meisten Fällen nicht zielführend und sollte vermieden werden (Tab. 4). Die Indikation der Kontrastmittelgabe sollte vom behandelnden Neurologen vor dem Hintergrund der sich daraus ergebenen klinischen Konsequenz dokumentiert werden und interdisziplinär mit dem verantwortlichen (Neuro)radiologen besprochen werden, da letzterer die Endverantwortung für die Kontrastmittelgabe trägt. Neben der magnetresonanztomographischen regelmäßigen Verlaufskontrolle zur Feststellung der Krankheitsaktivität dient die MRT dem Sicherheitsmonitoring hinsichtlich therapieassoziierter Komplikationen, wie beispielsweise zur frühen Feststellung einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter einer Therapie mit Natalizumab. Hierzu sollte in der Anforderung der Vermerk „verkürztes PML-Protokoll“ angegeben sein. Das Protokoll macht nur Sinn, wenn die Untersuchung alle 3 bis 6 Monate durchgeführt wird.
Kontrastmittel
Vor der Untersuchung wird Ihnen häufig Gadolinium gespritzt. Das ist ein Kontrastmittel, das sich besonders in Entzündungsherden anreichert, die erst kürzlich entstanden sind. Es lagert sich in Bereichen ab, in denen kürzlich entstandene Entzündungen vorliegen. Dadurch lassen sich anhand der Aufnahmen frische Entzündungen von bereits abgeklungenen Läsionen unterscheiden. Die MRT kann bei MS bereits im Frühstadium eine Diagnosestellung unterstützen. Für die weitere Behandlung der Erkrankung ist dies von enormer Bedeutung, weil der frühzeitige Einsatz einer verlaufsmodifizierenden Therapie ermöglicht wird. Der Krankheitsverlauf kann dadurch von Anfang an günstig beeinflusst werden.
Die McDonald-Kriterien
Zur Diagnosestellung der MS werden die sog. McDonald-Kriterien herangezogen. Diese beruhen auf dem Konzept der Läsionsdissemination in Raum und Zeit. Das bedeutet, dass das Auftreten von entzündlich-entmarkenden Herden an mehr als einem Ort (räumliche Dissemination) und zu mehreren Zeitpunkten (zeitliche Dissemination) als Beurteilungskriterien für den sicheren Krankheitsnachweis herangezogen werden. Die McDonald-Kriterien haben bereits mehrere Revisionen durchlaufen, die letzte erfolgte Ende 2017. Die wesentliche Neuerung der aktuellen Version bezieht sich auf die Liquordiagnostik, berichtet Prof. Linn: „Oligoklonale Banden im Nervenwasser können gemäß der aktuellen Version der Kriterien bei Vorliegen eines sog. isolierten klinischen Syndroms den bislang für die Diagnosestellung zusätzlich erforderlichen Nachweis der zeitlichen Dissemination ersetzen. Wenn also die Kriterien für eine räumliche Dissemination erfüllt sind und ein positiver Liquorbefund vorliegt, kann in dieser Situation die Diagnose bereits gestellt werden.“ Bezüglich der MR-Bildgebung beinhaltet die Überarbeitung der Diagnosekriterien nach McDonald ebenfalls zwei wichtige Neuerungen. Erstens zählen nun neben den juxtakortikalen auch die rein kortikalen Läsionen als Belege für den Nachweis der räumlichen Dissemination. Zweitens dürfen nun auch Läsionen, die zum Zeitpunkt der MR-Untersuchung symptomatisch sind, zum Nachweis der räumlichen bzw. zeitlichen Dissemination mitberücksichtigt werden. „Das war vorher nicht so“, erläutert die Neuroradiologin. „Diagnoseleitlinien sollen einerseits eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung ermöglichen, andererseits nicht zu einer falsch positiven Diagnose führen. Daher hat man bislang bei der MS die symptomatischen Läsionen nicht mitgezählt, um eine “Doppelbewertung” dieser Läsionen, die ja schon aufgrund ihrer klinischen Präsentation gewertet wurden, zu vermeiden. Die wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass die Einbeziehung symptomatischer Läsionen in die MR-Diagnose-Kriterien deren diagnostische Sensitivität erhöht, ohne die Spezifizität zu verringern.“ Die Diagnose Multiple Sklerose kann gestellt werden, wenn im MRT an mindestens zwei typischen Stellen MS-Herde vorliegen.
Weitere diagnostische Verfahren
Um einen Verdacht auf MS zu bestätigen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Die Multiple-Sklerose-Diagnostik umfasst neben der Krankengeschichte vor allem die Kernspintomografie und die Untersuchung des Liquors. Sie sind für die Abklärung einer möglichen MS von Bedeutung. Ihre Ergebnisse erlauben eine Diagnose der MS anhand der sogenannten McDonald-Kriterien. Diese wurden seit ihrer Einführung mehrfach überarbeitet und betreffen unter anderem die Anzahl der Schübe (bei schubförmigem Krankheitsverlauf) sowie der Entzündungsherde im ZNS. Wie eine MS ärztlich festgestellt werden kann, hängt auch von den Symptomen ab: In manchen Fällen (Sehstörungen, Sprachstörungen usw.) sind zum Beispiel auch neurophysiologische Untersuchungen (evozierte Potenziale) sinnvoll. Untersuchungen von Blut und Urin dienen hauptsächlich dazu, andere Ursachen für die Symptome und Entzündungen im Nervensystem auszuschließen.
Anamnese
Der erste Schritt auf dem Weg zur Diagnose von Multipler Sklerose ist ein ausführliches Gespräch, um die Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Der Mediziner oder die Medizinerin fragt dabei zum Beispiel: welche Beschwerden genau bestehen, wann die einzelnen Symptome das erste Mal aufgefallen sind, ob sich die Beschwerden in irgendeiner Weise verändert haben (also zum Beispiel verstärkt oder zwischenzeitlich nachgelassen haben), ob der Betroffene oder enge Verwandte an einer Autoimmunerkrankung leiden oder ob es Fälle von MS in der Familie gibt. Es ist wichtig, dass Betroffene in diesem Gespräch von allen Beschwerden berichten, an die sie sich erinnern - auch dann, wenn sie harmlos erscheinen oder ein Symptom schon lange wieder abgeklungen ist. Manchmal lassen sich nämlich Beschwerden, die schon Monate oder sogar Jahre zurückliegen, im Nachhinein als die ersten Anzeichen für Multiple Sklerose identifizieren. Einige Menschen mit MS erinnern sich beispielsweise daran, dass sie einmal für wenige Tage bis Wochen ein „komisches Gefühl“ in einem Arm oder einem Bein hatten - ein möglicher Hinweis auf einen Entzündungsherd im Bereich des Rückenmarks. Scheuen Sie sich auch nicht, gegebenenfalls von sexuellen Funktionsstörungen oder Problemen bei der Blasen- oder Darm-Entleerung zu erzählen. Diese Informationen sind wichtig für die Diagnose! Je vollständiger und genauer Ihre Schilderungen sind, desto schneller kann man abschätzen, ob tatsächlich eine Multiple Sklerose als Ursache Ihrer Beschwerden infrage kommt.
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Neurologische Untersuchung
An das Anamnese-Gespräch schließt sich eine ausführliche körperlich-neurologische Untersuchung an. Sie dient in erster Linie dazu, die Funktion des Gehirns und der Nerven zu überprüfen. Im Fokus stehen unter anderem: Funktion von Augen und Hirnnerven, Empfindung von Berührung, Schmerz und Temperatur, Muskelkraft und Muskelspannung, Koordination und Bewegung, Zusammenspiel der Nervenleitung für Harnblase, Mastdarm und Sexualorgane, Reflexe (zum Beispiel sind fehlende Bauchhaut-Reflexe ein häufiges MS-Anzeichen). Die verschiedenen Parameter werden standardisiert ermittelt und dokumentiert. Zur Anwendung kommt oftmals die „Expanded Disability Status Scale“ (EDSS). Anhand dieser Skala lässt sich der Grad der Behinderung bei Multipler Sklerose systematisch erfassen. Ein anderes System für die Bewertung neurologischer Ausfälle bei Multipler Sklerose ist die „Multiple Sclerosis Functional Composite Scale“ (MSFC). Hierbei testen Ärzte zum Beispiel die Armfunktion mittels Steckbrett-Test nach Zeit („Nine-Hole-Peg-Test“) und die Bewältigung einer kurzen Gehstrecke nach Zeit („Timed-25-Foot-Walk“)
Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion)
Aktuell wird weiterhin empfohlen eine Lumbalpunktion bei Verdacht auf MS durchzuführen. Studien haben gezeigt, dass ohne eine Liquoruntersuchung falsche Diagnosen häufiger sind. Bei einer MS zeigen sich spezielle autoimmune Zellen, sogenannte oligoklonale Banden, die im Liquor nachgewiesen werden können. Bei der Lumbalpunktion wird Ihnen Rückenmarksflüssigkeit entnommen. Die Entnahme erfolgt über eine Hohlnadel, die zwischen die Lendenwirbel eingeführt wird. Da die Lumbalpunktion schmerzhaft sein kann, wird Ihnen die Ärztin/der Arzt eine lokale Betäubung anbieten. Die Lumbalpunktion ist grundsätzlich eine ungefährliche Untersuchung, auch wenn sie oft als unangenehm empfunden wird. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass das Rückenmark durch die Nadel verletzt werden könnte, da sich an der Einstichstelle kein Rückenmark befindet. Die Lumbalpunktion wird bevorzugt in sitzender Position durchgeführt. Die Ärztin/der Arzt wird Sie dazu auffordern, den Rücken so rund wie möglich zu machen: „Jetzt machen Sie bitte mal einen Katzenbuckel.“. Durch eine Polsterung, ein Kissen vor dem Bauch und die Hilfe von KrankenpflegerInnen werden Sie bei der Einnahme der gewünschten Position unterstützt. Anschließend kann die Ärztin/der Arzt die Lumbalpunktion durchführen. Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Diagnose ist die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Dazu sticht der Arzt unter örtlicher Betäubung vorsichtig mit einer feinen Hohlnadel in den Kanal des Rückenmarks (Lumbalpunktion), um eine kleine Probe des Nervenwassers zu entnehmen. Sie wird im Labor genauer analysiert (Liquor-Diagnostik). Chronisch-entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem, wie sie unter anderem bei Multipler Sklerose ablaufen, führen zu verschiedenen Auffälligkeiten im Nervenwasser. Dazu zählt unter anderem der Nachweis von bestimmten Eiweiß-Mustern, sogenannten oligoklonalen Banden (OKB). Mittels Liquor-Diagnostik lässt sich auch abklären, ob die Entzündung im Nervensystem möglicherweise durch Keime (wie die Erreger der Borreliose) und nicht durch Multiple Sklerose verursacht wird.
Neurophysiologische Untersuchung
Neurophysiologische Untersuchungen sind unter Umständen hilfreich, um klinisch nicht nachweisbare Schäden im zentralen Nervensystem nachzuweisen und bestehende Symptome objektiv zu erfassen. Möglich ist dies über die sogenannten evozierten Potenziale. Sie erlauben eine Aussage über die Erregungsübertragung an das zentrale Nervensystem. Dazu messen Ärzte elektrische Spannungsunterschiede, die bei gezielter Reizung bestimmter Nervenbahnen auftreten. Die Erfassung erfolgt mittels Elektroden, meist per EEG (Elektroenzephalografie). Im Rahmen der MS-Diagnostik sind die folgenden evozierten Potenziale hilfreich: Visuell evozierte Potenziale (VEP): Zur Beurteilung der Sehbahn im Gehirn reizt der Arzt die Netzhaut (Retina). Dazu schaut sich der Betroffene auf einem Monitor beispielsweise ein Schachbrettmuster an, dessen Felder rasch hintereinander in unterschiedlicher Helligkeit erscheinen. Die so ausgelösten und über den Sehnerv weitergeleiteten Potenziale werden über Elektroden am Kopf abgeleitet und aufgezeichnet. Somato-sensibel evozierte Potenziale (SSEP): Dabei reizt der Arzt sensible Nerven in der Haut mithilfe von elektrischem Strom, zum Beispiel die Nerven für das Tastempfinden. Motorisch evozierte Potenziale (MEP): Über einen speziellen Magnet-Stimulator werden motorische Nervenbahnen im ZNS gereizt, um Zuckungen bestimmter Muskeln auszulösen. Angebrachte Elektroden messen diese motorische Antwort. Die Zeit, die zwischen Reizung und motorischer Antwort vergeht, gibt Aufschluss über die Funktion der getesteten Nervenbahnen. Da hier zur Nervenreizung ein Magnetfeld eingesetzt wird, sprechen Mediziner auch von transkranieller Magnet-Stimulation. Akustisch evozierte Potenziale (AEP): Bei der AEP werden den Betroffenen über einen Kopfhörer Töne vorgespielt. Anschließend misst man mithilfe von Elektroden, wie schnell diese akustischen Reize ins Gehirn weitergeleitet werden.
Blut- und Urinuntersuchungen
Die Untersuchung von Blut und Urin im Rahmen der MS-Diagnostik ist vor allem notwendig, um andere mögliche Ursachen für die auftretenden Symptome und Entzündungen im zentralen Nervensystem auszuschließen. Bei MS sind jedoch keine spezifischen Blutwerte auffällig. Eine MS ist am Blutbild daher nicht so leicht erkennbar. Bei der Blutanalyse sind unter anderem folgende Parameter von Interesse: Großes Blutbild, Elektrolyte wie Kalium und Natrium, Entzündungsmarker C-reaktives Protein (CRP), Blutzucker, Leberwerte, Nierenwerte, Schilddrüsenwerte, Auto-Antikörper: gegen körpereigenes Gewebe gerichtete Antikörper wie Rheuma-Faktor, Antinukleäre Antikörper (ANA), Anti-Phospholipid-Antikörper oder Lupus-Antikoagulans, Antikörper gegen diverse Infektionserreger wie Borrelien (Erreger der Borreliose), Treponema pallidum (Erreger der Syphilis) oder HIV.
Radiologisch isoliertes Syndrom (RIS) und Klinisch isoliertes Syndrom (KIS)
Das radiologisch isolierte Syndrom (RIS): Es sind in der MRT-Untersuchung Entzündungsherde sichtbar, die auch bei einer MS zu finden sind. Meist handelt es sich hierbei um einen Zufallsbefund. Das klinisch isolierte Syndrom (KIS): Es tritt eine Episode von neurologischen Beschwerden auf, zum Beispiel eine Sehnervenentzündung, die mindestens 24 Stunden andauert. Bei etwa 50-60% der Betroffenen geht das RIS oder KIS im Verlauf in eine MS über. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung. Durch regelmäßige Verlaufskontrollen und eine engmaschige Beobachtung kann ein Fortschreiten oder der Übergang in eine MS frühzeitig entdeckt und entsprechend behandelt werden. Lassen sich mittels Kernspintomografie MS-typische Veränderungen im ZNS nachweisen, ohne dass der oder die Betroffene klinische Symptome der Nervenerkrankung zeigt, spricht man vom radiologisch-isolierten Syndrom (RIS). Es handelt sich dabei nicht um Multiple Sklerose!
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Therapiemonitoring und Verlaufskontrolle
Für eine individualisierte medikamentöse Therapie der MS sind routinemäßige MR-Kontrolluntersuchungen unabdingbar. Diese sollten alle sechs bis zwölf Monate stattfinden und zwar unabhängig vom klinischen Zustand des Patienten. Läsionen, die man im MRT sieht, müssen nicht zwangsläufig mit einem Schub einhergehen. Es gibt auch Entzündungsherde, die vom Patienten nicht als Symptom wahrgenommen werden und trotzdem einen Progress anzeigen. Das Ziel ist es aber, die MS mit der Therapie so einzudämmen, dass eben keine neue Krankheitsaktivität entsteht. Deshalb denkt man heutzutage auch dann über eine Medikamentenumstellung nach, wenn am Patienten keine klinische Verschlechterung festzustellen ist, aber während einer Verlaufskontrolle eine neue Läsion in der MR-Bildgebung zu sehen ist. Die MRT-Bildgebung ermöglicht die Dokumentation der örtlichen und zeitlichen Dissemination mit einer einzigen MRT-Untersuchung bei simultaner Anwesenheit schrankengestörter und nichtschrankengestörter Läsionen in MS-typischen Lokalisationen. Es bestand Konsens darüber, dass MRT-Verlaufsuntersuchungen notwendig sind, um auch subklinische Krankheitsaktivität zu erfassen und die Effektivität der eingeleiteten Therapie festzustellen. Diese Verlaufsuntersuchungen sollten in aller Regel in 12-monatigen Intervallen durchgeführt werden. Bei Therapieumstellung sollte nach ca. 6 Monaten ein sog. Rebaselining-MRT (MRT des Gehirns ohne Kontrastmittelgabe) durchgeführt werden.
Standardisierung der MRT-Bildgebung
Die Autorengruppe berichtet hier über ein Projekt zur Standardisierung und Harmonisierung der MRT-Bildgebung bei MS-Patienten auf regionaler Ebene. Dazu wurden im Großraum Essen gemeinsam zwischen Neurologen und (Neuro)radiologen im Rahmen mehrerer strukturierter Treffen Konsensuskriterien verabschiedet. Ein Fragenkatalog zur Standardisierung der Bildakquisition, Interpretation, Befundübermittlung und zu weiteren Aspekten zur Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit wurde im Expertenkreis diskutiert. Zur Konsensfindung wurde die modifizierte Delphi-Methode angewendet, eine strukturierte Kommunikationstechnik, entwickelt als Vorhersagemethode unter Fachexperten [12], welche in der wissenschaftlichen Konsensfindung häufig Anwendung findet [13]. Grundlage des Konsenses waren die aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Magnetresonanztomographie bei der MS [4] sowie praktische Überlegungen zur technischen Verfügbarkeit und der Durchführbarkeit in Anbetracht wirtschaftlicher und zeitlicher Aspekte.
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