Multiple Sklerose: Entzündungen im Rückenmark und ihre Bedeutung

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die vor allem die Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark betrifft. Sie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen und führt zu einer Vielzahl von Symptomen, die in ihrer Schwere und Dauer variieren können. Bei MS entstehen an unterschiedlichen Stellen im Gehirn und Rückenmark meist vielfache (multiple) Entzündungsherde. Die Folge ist eine Funktionsstörung der betroffenen Nerven: Nervenimpulse können über die Nervenbahnen nicht mehr oder nur langsamer weitergeleitet werden. Das führt zu verschiedenen neurologischen MS-Symptomen, wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühl.

Einführung

Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem (ZNS) angreift und zu verschiedenen neurologischen Problemen führt. MS zeigt sich oft in Form von Schüben. Das bedeutet, dass sich ein Symptom, z.B. eine Lähmung im Bein, innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen entwickelt. Nach einem Schub können sich die Symptome vollständig oder teilweise zurückbilden, jedoch verschlechtert sich der Gesundheitszustand allmählich. Häufige Symptome sind z.B. Spastiken, Gangstörungen, Fatigue, kognitive Einschränkungen und Schmerzen. Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch unbekannt, es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken. Die Diagnose erfolgt durch Ausschluss anderer Krankheiten und mithilfe bestimmter Untersuchungen, z.B. MRT.

Epidemiologie der Multiplen Sklerose

In Deutschland sind schätzungsweise etwa 250.000 Menschen von Multipler Sklerose betroffen. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf und betrifft Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. MS ist weltweit unterschiedlich verbreitet, wobei in nördlichen Ländern wie Skandinavien und Kanada eine höhere Häufigkeit zu beobachten ist als in südlicheren Regionen. In Deutschland leben etwa 280.000 Menschen mit Multipler Sklerose. Damit ist MS die häufigste chronisch-entzündliche ZNS-Erkrankung junger Menschen. Meist tritt die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erstmals auf.

Pathophysiologie der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose entsteht, wenn das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Zellen angreift. Im Fall der MS richtet sich der Angriff gegen die Myelinschicht, die die Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark umgibt. Diese Myelinschicht dient als „Isolierung“, die dafür sorgt, dass Nervenimpulse schnell und effizient weitergeleitet werden. Durch die Zerstörung des Myelins entsteht Narbengewebe (Sklerose), das die Nervenleitung stört. In der Folge kann es zu einer Vielzahl neurologischer Beschwerden kommen, da das Signal von Gehirn zu Körper nicht mehr richtig übertragen wird. Bei der Multiplen Sklerose kommt es zu überschießenden Reaktionen des Immunsystems. Unser Immunsystem schützt uns, kann aber bei Fehlfunktionen Entzündungen an verschiedenen Stellen im Körper auslösen. Das wird dann eine autoimmune Reaktion genannt. Die Entzündungen entwickeln sich langsam und sind langanhaltend. Ganz entscheidend ist, dass bei MS die Nerven und besonders ihre Ummantelung geschädigt werden. Der Mantel der Nerven sorgt für eine schnelle Weiterleitung der Informationen.

Die bei der Multiplen Sklerose auftretenden Entzündungsherde, auch Plaques genannt, werden von Entzündungszellen verursacht, die sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper richten und damit als „autoaggressiv“ bezeichnet werden. Diese Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und haben die Fähigkeit die Blut-Hirn-Schranke zu passieren. Auf diesem Weg gelangen sie ins Gehirn.

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Rolle des Immunsystems

Eine wichtige Rolle spielt hier das Immunsystem außerhalb des zentralen Nervensystems (ZNS), besonders die Lymphozyten. Bei Multipler Sklerose greift das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen an - es handelt sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Die Immunreaktionen führen zu Entzündungen in Gehirn und Rückenmark. Die Entzündungen schädigen dabei vor allem die Nervenscheiden (Myelinscheiden). Myelinscheiden umschließen die Nervenfasern, ähnlich wie die Isolierung bei einem Kabel. Diese elektrische Isolierung ist wichtig für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Bei MS geht diese Myelinschicht verloren („Demyelinisierung”). Durch den Verlust der Isolierung funktioniert die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen nicht mehr störungsfrei und es kommt zu verschiedenen Beschwerden (neurologische Ausfälle).

Genetische und Umweltfaktoren

Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind (noch) nicht bekannt. Es wird vermutet, dass mehrere verschiedene Umstände zusammenwirken. Das Risiko für eine MS-Erkrankung steigt z.B. durch bestimmte Viruserkrankungen (z.B. genetische Veranlagung (z.B. Rauchen und auch Passiv-Rauchen (z.B. Stress (z.B. Die Multiple Sklerose kann nicht auf eine bestimmte Ursache zurückgeführt werden. Vielmehr ist eine ganze Reihe von Faktoren an der Entstehung beteiligt. So vermutet man, dass nicht nur genetische Faktoren an der Entstehung von MS beteiligt sind, sondern vielmehr die Umwelt eine entscheidende Rolle spielt. In Zahlen heißt das: etwa ein Viertel der Ursachen werden auf Genetik und Dreiviertel auf die Umwelt zurückgeführt. Mit Umwelt ist gemeint wie und wo ein Mensch lebt, also z.B.

Einigen Faktoren, die eine Entstehung von Multipler Sklerose begünstigen, kann effektiv entgegengewirkt werden. Ausreichend Bewegung an der frischen Luft ist wichtig und trägt zu einem gesunden Vitamin-D-Spiegel im Blut bei. Auch rauchen kann das Risiko für Multiple Sklerose erhöhen.

Symptome der Multiplen Sklerose

Die Symptome der Multiplen Sklerose sind sehr vielfältig und hängen davon ab, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Sehstörungen: Dazu gehören verschwommenes Sehen, Doppelbilder oder sogar vorübergehende Erblindung eines Auges. Sehen von Doppelbildern können auftreten.
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen in den Gliedmaßen. Missempfindungen wie z.B. Taubheitsgefühl, Kribbeln können auftreten.
  • Koordinationsstörungen und Gleichgewichtsstörungen: Probleme beim Gehen oder bei der Handhabung von Gegenständen. Gangstörungen können auftreten.
  • Müdigkeit (Fatigue): Eine anhaltende Erschöpfung, die nicht durch Schlaf oder Ruhe behoben wird.
  • Schwäche in den Gliedmaßen: Besonders in den Beinen. Lähmung im Bein kann sich innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen entwickeln.
  • Kognitive Störungen: Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.
  • Schmerzzustände: Oft in Form von brennenden oder stechenden Schmerzen. kurze, schmerzhafte Symptome, z.B. können auftreten.
  • Spastiken: krankhaft erhöhte Muskelspannung, die z.B. Einschränkung der Mobilität zur Folge haben kann.
  • Blasen- oder Mastdarmstörungen (z. B. Blasenschwäche oder Inkontinenz)

Da die Symptome in verschiedenen Formen und in unterschiedlichen Intensitäten auftreten können, sind sie oft schwer zu erkennen und die Diagnose kann eine Weile dauern. MS kann Entzündungen im gesamten zentralen Nervensystem auslösen. Die neurologischen Ausfallerscheinungen treten daher abhängig vom Ort der Entzündung auf und können verschiedene Körperregionen betreffen.

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Verlaufsformen der Multiplen Sklerose

Bei MS werden im Wesentlichen drei Verlaufsformen unterschieden:

  • Schubförmig remittierende MS (RRMS): MS beginnt am häufigsten mit dieser Verlaufsform. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Symptome zwischen den Schüben ganz oder teilweise zurückgehen. Aus einer RRMS kann sich eine SPMS entwickeln. Beim Großteil der Personen macht sich die Erkrankung erstmals im jungen Erwachsenenalter als schubförmig remittierende ( = vorübergehend nachlassende) MS bemerkbar. Typisch sind rasch auftretende neurologische Symptome, sogenannte Schübe. Zwischen den Schüben bessern sich die Beschwerden zum Teil wieder. MS beginnt am häufigsten mit dieser Verlaufsform. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Symptome zwischen den Schüben ganz oder teilweise zurückgehen. Aus einer RRMS kann sich eine SPMS entwickeln.
  • Sekundär progrediente MS (SPMS): Die Symptome und Einschränkungen werden von Beginn an kontinuierlich schlimmer. Die schubförmige MS kann im weiteren Verlauf in die sekundär progrediente MS übergehen (sekundär = an zweiter Stelle, progredient = fortschreitend). Bei dieser Form treten die Schübe mit der Zeit immer seltener auf. Stattdessen ist diese Phase durch eine langsam fortschreitende Verschlechterung der Symptome gekennzeichnet. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass die schubförmige remittierende MS und sekundär progrediente MS nicht zwei unterschiedlichen Formen sind, sondern in einem Kontinuum ineinander übergehen. Moderne Therapien versuchen diesen Zeitpunkt zu verzögern.
  • Primär progediente MS (PPMS): Bei dieser Form (primär = zuerst vorhanden, progredient = fortschreitend) entwickeln sich die Beschwerden von Beginn an schleichend, nehmen aber fortlaufend zu. Seltener ist der sog. progrediente Verlauf, also ein stetiges Fortschreiten der Beeinträchtigungen.

Wie Multiple Sklerose bei Ihnen verlaufen wird, lässt sich zu Beginn der Erkrankung nur schwer abschätzen. Das kann große Unsicherheit auslösen, wenn die Krankheit erstmals festgestellt wird. Durch bestimmte Prognosemarker lässt sich der weitere Verlauf teilweise einschätzen.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose ist schwer zu diagnostizieren. Zuerst wird ausgeschlossen, dass die Beschwerden durch andere Ursachen (z.B. Borreliose oder Syphilis) hervorgerufen werden. Finden sich keine anderen Erklärungen, nutzen Ärzte die sog. Nach diesen Kriterien wird eine schubförmige MS z.B. diagnostiziert, wenn es 2 oder mehr Schübe und 2 oder mehr Läsionen gibt. Läsionen sind Bereiche im Gehirn oder Rückenmark, die auf einem speziellen MRT-Bild heller erscheinen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine schubförmige MS auch diagnostiziert werden, wenn es weniger Schübe oder Läsionen gibt. Voraussetzung ist dann, dass über die Zeit hinweg neue Schübe und/oder Läsionen auftreten, die Läsionen in verschiedenen Bereichen im Gehirn oder Rückenmark vorkommen oder bestimme Antikörpermuster (liquorspezifische oligoklonale Banden) vorhanden sind.

Bei Verdacht auf MS werden i.d.R. Bluttest, um andere Krankheiten (z.B. Je nach Symptomen und Ergebnis bisheriger Untersuchungen, können weitere Diagnoseverfahren (z.B. MRT) durchgeführt werden.

In der Diagnostik der multiplen Sklerose (MS) ist die Magnetresonanztomografie (MRT) schon lange fester Bestandteil - auch Kernspin genannt. Bilder sowohl aus dem Gehirn als auch vom Rückenmark zeigen anfangs, wie es um die Entzündungsaktivität, um das Ausmaß der Schäden an den Nervenzellen und das Gehirnvolumen bestellt ist. Forscher der Universität La Sapienza in Rom (Italien) fordern nun, bei der Verlaufskontrolle der Autoimmunkrankheit zusätzlich Kernspin-Aufnahmen des Rückenmarks miteinzubeziehen. Über diesen Punkt gibt es seit einigen Jahren kontroverse Diskussionen.

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Die Rolle des Rückenmarks in der MS-Diagnostik

Manchmal finden sich die Entzündungsherde jedoch ausschließlich im Rückenmark, wie eine aktuelle Studie zeigt. Ruggeri, S. et al.: Measuring disease activity in Multiple Sclerosis: do we need spinal cord MRI? Präsentation auf dem 4. In ihrer Studie untersuchten die Forscher speziell die Entzündungsaktivität im Rückenmark. Sie wollten herausfinden, ob diese auch unabhängig vom Gehirn auftreten kann. Eine Entzündungsaktivität definierten sie so: Entweder im Gehirn, dem Rückenmark oder in beiden Strukturen des zentralen Nervensystems musste mindestens eine Läsion, also ein Nervenschaden, vorliegen, in der sich das Kontrastmittel Gadolinium (Gd) anreichert. Das Mittel injizieren Radiologen ins Blut. Insgesamt analysierten die Forscher 5.717 Bilder. Davon zeigten 79 Prozent keinerlei verstärkte Anreicherung von Gadolinium. Die Schlussfolgerung der Forscher lautet deshalb: Die Nervenschäden im Rückenmark können unabhängig von den zerstörerischen Prozessen im Gehirn bei einer multiplen Sklerose auftreten. "Unsere Studie zeigt, dass sich die Entzündungsaktivität häufig im Rückenmark abspielt, und zwar in ungefähr 25 Prozent der Fälle ausschließlich dort", schreiben die Wissenschaftler.

Behandlung der Multiplen Sklerose

Die Therapie der Multiplen Sklerose hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Ziel der Behandlung ist es, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dabei kommen verschiedene Ansätze zum Einsatz:

  1. Akutbehandlung von Schüben: In akuten Phasen wird häufig eine hochdosierte Kortisonbehandlung eingesetzt, um Entzündungen zu verringern und die Schübe abzumildern. Kortison wird meist als Infusion verabreicht. Bei der Schubtherapie erhalten Sie Kortison-ähnliche Wirkstoffe in einer hohen Dosis (sogenannte „Kortisonstoßtherapie”). Bei starken Schüben kann auch eine Blutwäsche („Plasmapherese” oder „Immunadsorption”) notwendig sein.

  2. Krankheitsmodifizierende Therapie (DMT): Die krankheitsmodifizierende Therapie (DMT) der Multiplen Sklerose zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, Schübe zu reduzieren und die langfristige Verschlechterung der neurologischen Funktionen zu verhindern. Laut der deutschen Therapieleitlinie werden DMT-Medikamente in drei Kategorien unterteilt, die sich in ihrer Stärke und Wirksamkeit unterscheiden. Immuntherapien sollen den langfristigen Verlauf der MS positiv beeinflussen. Ihre Wirkung auf das Immunsystem ist dabei entweder regulierend („immunmodulierend”) und/oder unterdrückend („immunsuppressiv”). Diese vorbeugende Behandlung soll helfen, die Anzahl der Schübe zu verringern und das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. Grundsätzlich muss für jede Person individuell das passende Medikament ausgesucht und gegen mögliche Risiken abgewogen werden. Jedoch ist für fast alle Menschen mit MS eine Immuntherapie ratsam. Zu welchem Zeitpunkt Sie damit am besten beginnen, besprechen Sie zusammen mit Ihrem Behandlungsteam.

    • Kategorie 1 Therapien: Sie haben eine gute Verträglichkeit und moderate Wirksamkeit. Dazu gehören Interferon-beta-Präparate, Glatirameracetat, Teriflunomid sowie Dimethylfumarat und Diroximelfumarat. Diese Therapien zielen darauf ab, die Häufigkeit von Schüben zu verringern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen, sind jedoch weniger effektiv in der Verhinderung von langfristigen Behinderungen.
    • Kategorie 2 Therapien: Diese Mittel kommen bei Patienten mit aktiver MS oder unzureichendem Ansprechen auf Kategorie 1 Therapien zum Einsatz. Sie sind stärker wirksam und beinhalten Medikamente wie Fingolimod, Ozanimod, Ponesomid oder Cladribin. Sie haben eine größere Wirkung auf die Reduktion von Schüben und die Verlangsamung des Krankheitsfortschritts, können jedoch stärkere Nebenwirkungen mit sich bringen.
    • Kategorie 3 Therapien: Diese potenteren Medikamente werden bei schwer verlaufender MS oder in Fällen eingesetzt, in denen andere Therapien nicht ausreichend wirken. Beispiele sind Natalizumab, Ocrelizumab oder Ofatumumab, die eine starke Wirkung auf die Krankheit haben.Die Wahl der DMT richtet sich nach der Krankheitsaktivität, dem Schweregrad der MS und der Verträglichkeit der Medikamente, wobei immer das individuelle Risiko-Nutzen-Verhältnis berücksichtigt wird. Bei entsprechender Befundkonstellation ist auch der frühe Einsatz von Therapien aus der Kategorie 2 oder 3 sinnvoll.
  3. Symptomatische Behandlung: Hier steht die Linderung von Symptomen im Zentrum der Behandlung. Zur Linderung der Symptome werden oft Medikamente eingesetzt, die gegen spezifische Beschwerden wie Muskelspastik, Blasenprobleme oder Schmerzen helfen. Daneben ist die gezielte Behandlung von Beschwerden (symptombezogene Therapie) ein unverzichtbarer Bestandteil. Dabei kommen neben Medikamenten vor allem Maßnahmen wie Ergotherapie, Physiotherapie und Psychotherapie zum Einsatz.

Aktuelle Forschung und Therapieansätze

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat die Leitlinie "Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-opticaSpektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen" mit ausführlichen Informationen und aktuellen Behandlungsempfehlungen herausgegeben.

Multiple Sklerose und Lebenserwartung

Die Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit MS haben sich in den letzten Jahren weiter verbessert. Moderne Medikamente haben das Ziel, nebenwirkungsarm ein Fortschreiten der MS zu verhindern und eine hohe Lebensqualität zu erhalten. Die Lebenserwartung von Menschen mit MS gleicht sich daher auch immer weiter der Allgemeinbevölkerung an.

Myelitis als Differentialdiagnose

Als Oberbegriff fasst Myelitis alle Entzündungen des Rückenmarks zusammen. Diese unterscheiden sich in ihrer Lage und darin, wie oft sie auftreten. Die seltene Erkrankung hat vielfältige Ursachen, zum Beispiel eine Infektion oder eine Autoimmunkrankheit. Zu den typischen Symptomen gehören unter anderem Muskelschwäche, Lähmungen und Taubheitsgefühle. Die Behandlung einer Myelitis hängt von ihrer jeweiligen Ursache ab.

Das Rückenmark gehört zum zentralen Nervensystem und liegt innerhalb der Wirbelsäule. Es ist für die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper zuständig. So können wir uns bewegen oder eine Berührung spüren. Im Inneren des Rückenmarks befindet sich die graue Substanz, welche die Nervenzellkörper enthält. Die äußere Schicht bildet die weiße Substanz mit den Nervenfasern. Beide können sich entzünden. Auslöser solcher Entzündungen ist eine Reaktion des Immunsystems.

Ursachen der Myelitis

Diese Ursachen können für eine Myelitis verantwortlich sein:

  • Infektion durch Bakterien (zum Beispiel bei Borreliose, Syphilis), Viren (etwa FSME, HIV, Epstein-Barr-Virus) oder Pilze
  • Infektion über das Blut: metastatische Myelitis (zum Beispiel durch eine Sepsis)
  • parainfektiöse Myelitis (auch postinfektiös): indirekt durch eine fehlgeleitete Immunreaktion ausgelöste Entzündung
  • Impfungen: Hier wird von einer postvakzinalen Myelitis gesprochen, die ebenfalls auf eine fehlgeleitete Immunreaktion zurückzuführen ist.
  • Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Lupus, Multiple Sklerose oder Neuromyelitis optica
  • Krebs: Bei einer paraneoplastischen Myelitis greifen Antikörper gegen Krebszellen auch das Rückenmark an.
  • Strahlentherapie
  • Vergiftungen (zum Beispiel mit Blei)

Wenn keine Ursache festgestellt werden kann, wird von einer idiopathischen Myelitis gesprochen. Dass eine Myelitis durch Stress oder Ähnliches ausgelöst werden kann, ist übrigens nicht richtig.

Arten der Myelitis

Poliomyelitis, transverse Myelitis und Co.: Es gibt verschiedene Arten von Rückenmarksentzündungen, die vor allem nach dem Verteilungsmuster oder der Lokalisation unterschieden werden.

  • Nach Verteilung:
    • transverse Myelitis / Querschnittsmyelitis: diffuse Entzündung über den ganzen Rückenmarksquerschnitt
    • disseminierte Myelitis: mehrere verteilte Entzündungen
  • Nach Lokalisation:
    • Leukomyelitis: Entzündung der weißen Substanz
    • Poliomyelitis (Kinderlähmung): Entzündung der grauen Substanz
    • Querschnittsmyelitis: Entzündung der weißen und der grauen Substanz
    • Myeloradikulitis: Myelitis mit Entzündung der Nervenwurzeln
    • Meningomyelitis: Myelitis mit Entzündung der Rückenmarkshäute

Nicht verwechseln: Bei einer Osteomyelitis handelt es sich nicht um eine Entzündung des Rückenmarks, sondern um eine des Knochenmarks. Eine Enzephalomyelitis betitelt eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) und des Rückenmarks (Myelitis).

Symptome und Diagnose der Myelitis

Eine Rückenmarksentzündung tritt in Deutschland vergleichsweise selten und geschlechtsunabhängig auf. Bei den meisten Menschen bleibt eine Myelitis monophasisch, also einmalig. Typische Myelitis-Symptome sind unter anderem Lähmungen, Spastiken, Fieber, Rückenschmerzen und Störungen der Darm- und Blasenfunktion. Betroffene spüren oft Kribbeln oder Taubheit, v. a. in den Beinen und dem Rumpf. Auch Herzrhythmusstörungen und Blutdruckstörungen sowie Atemversagen können auftreten.Die Beschwerden hängen jedoch stark davon ab, wo genau das Rückenmark entzündet ist. Die Symptome entwickeln sich in der Regel innerhalb von vier bis 21 Tagen vollständig. Steigern sie sich besonders schnell, d. h.

Um eine Rückenmarksentzündung zu diagnostizieren, erfolgt zunächst das Anamnesegespräch. Zudem sind eine neurologische Untersuchung und eine Magnetresonanztomografie (MRT) nötig. Auch die Blut- und die Nervenwasserwerte werden gemessen. Es ist entscheidend, mögliche andere Erkrankungen auszuschließen. Während der Anamnese erhebt eine medizinische Fachkraft die Krankengeschichte der Patientin /des Patienten. In diesem Schritt der Myelitisdiagnose geht es vor allem um Vorerkrankungen bzw. Anschließend werden in der Myelitisdiagnostik die Reflexe überprüft. Diese können durch die Entzündung vermindert oder übersteigert sein. Mithilfe der MRT erfolgt eine genauere Diagnose. Hier zeigt sich, wo die Entzündungsherde im Rückenmark liegen. Außerdem kann festgestellt werden, ob die Entzündung Veränderungen an der Wirbelsäule oder Raumforderungen im Rückenmark ausgelöst hat.Ist beispielsweise die Funktion der Blase aufgrund der Rückenmarksentzündung gestört, können außerdem Ultraschalluntersuchungen zum Einsatz kommen. So lassen sich die Einschränkungen besser bewerten.

Behandlung der Myelitis

Eine erfolgreiche Myelitis-Behandlung hängt von der raschen Erstversorgung ab. In erster Linie werden Medikamente eingesetzt, je nach Ursache Medikamente gegen eine Infektion (Virustatika oder Antibiotika) oder hochdosierte Kortikoide bei autoimmuner Ursache. Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf eine Kortikoidtherapie kann ein Plasmaaustausch erfolgen. Nach Abschluss der Akuttherapie mit Medikamenten schließt sich eine intensive Rehabilitationsphase an. Physiotherapie und Ergotherapie sollen dauerhaften Einschränkungen durch Muskelschwäche, Spastizität und Koordinationsstörungen entgegenwirken bzw. deren Auswirkungen verringern. Einige Patienten leiden aufgrund der körperlichen Einschränkungen auch unter psychischen Belastungen wie Ängsten und Depressionen. Die Myelitis ist eine behandelbare Erkrankung, wobei der Erfolg von der Ursache der Entzündung und vom Beginn der Behandlung abhängt. Der Ausgang ist sehr variabel, sodass eine begleitende und an den jeweiligen Ausfällen ausgerichtete Therapie (z. B. Physiotherapie) sehr wichtig ist. Die meisten Menschen mit einer Myelitis führen ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben. Dabei stehen mögliche verbleibende Ausfälle durch die Myelitis grundsätzlich weder Ausbildung noch Beruf, Freundschaften, Sport, sozialen Kontakten oder der Gründung einer Familie im Wege.

Zusammenfassung

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch Entzündungen im Gehirn und Rückenmark gekennzeichnet ist. Diese Entzündungen führen zu einer Schädigung der Nervenfasern undMyelinscheiden, was eine Vielzahl von neurologischen Symptomen verursachen kann. Die Diagnose der MS basiert auf klinischen Befunden, MRT-Untersuchungen und dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Die Behandlung der MS zielt darauf ab, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Moderne Therapien haben die Lebenserwartung von Menschen mit MS deutlich erhöht.

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