Multiple Sklerose (MS) kann zu einer Vielzahl von motorischen Beeinträchtigungen führen, darunter auch Fußfehlstellungen, die das Gangbild erheblich beeinträchtigen können. Orthesen, orthopädische Hilfsmittel, spielen eine entscheidende Rolle bei der Korrektur dieser Fehlstellungen, der Verbesserung der Mobilität und der Steigerung der Lebensqualität von MS-Patienten.
Was ist eine Orthese?
Eine Orthese ist ein orthopädisches Hilfsmittel, das vom behandelnden Arzt als begleitende Therapiemaßnahme verordnet wird. Sie dient der Stabilisierung, Entlastung, Ruhigstellung, Führung oder Korrektur von Gliedmaßen. Orthesen können kurzfristig oder dauerhaft bei Unfällen oder nach Operationen eingesetzt werden, aber auch bei angeborenen Fehlstellungen oder chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose.
Orthesen bei Multipler Sklerose
Bei MS können Orthesen dazu beitragen, Defizite auszugleichen und eine schonende Korrektur und Stabilisierung der betroffenen Körperteile zu erreichen. Sie unterstützen und verbessern die Funktion verletzter bzw. funktionseingeschränkter Körperteile, beispielsweise bei Lähmungen oder Muskelschwäche. Orthesen können zur Stabilisierung von Gelenken, aber auch zur Entlastung oder Ruhigstellung eingesetzt werden.
Arten von Orthesen für die unteren Extremitäten
Für die unteren Extremitäten gibt es verschiedene Arten von Orthesen, die je nach Bedarf eingesetzt werden:
- Statische Orthesen: Fixieren die betroffenen Gelenke in ihrer Korrekturstellung.
- Dynamische Orthesen: Korrigieren die Fehlstellung unter Krafteinwirkung.
- AFO (Knöchel-Fuß-Orthese): Betrifft Fuß und Knöchel. Bei Lähmungen gleichen AFOs funktionelle Abweichungen aus. Durch den Einsatz von Orthesengelenken können diese an die Bedürfnisse von Anwendern angepasst werden.
- KAFO (Knie-Knöchel-Fuß-Orthese): Bezieht Knie, Knöchel und Fuß ein. Bei Lähmungen eingesetzt, gleicht eine KAFO funktionellen Abweichungen aus, die sich aus dem Krankheitsbild des Patienten ergeben.
- KO (Knieorthese): Umfasst ausschließlich das Kniegelenk. Dient postoperativ zum Schutz und zur Entlastung von Strukturen, aber auch dauerhaft.
Neuro-Orthesen
Neuro-Orthesen sind speziell für Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie MS entwickelt worden. Sie können die Mobilität und Unabhängigkeit im Alltag verbessern. Moderne Neuro-Orthesen werden individuell gefertigt, um den spezifischen Bedürfnissen und Anforderungen jedes Patienten gerecht zu werden. Sie können auch als Hilfsmittel im Rahmen von Trainings- und Rehabilitationsprogrammen eingesetzt werden.
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Innovative Versorgungsmöglichkeiten
Eine besonders innovative Versorgung in diesem Bereich ist das Bioness-System. Betroffene, die durch MS oder andere Störungen des zentralen Nervensystems geschädigt sind, haben Schwierigkeiten, ihre Muskulatur zu aktivieren und zu steuern. Die dadurch entstehenden Einschränkungen der Gehfähigkeit können von diesem System kompensiert werden. Das Bioness-System übernimmt die Ansteuerung der Muskeln über den betroffenen Nerv. Der 3D-Sensor des drahtlosen Systems erkennt, in welcher Gangphase sich das Bein befindet. Über eine am Unterschenkel und/oder Oberschenkel befestigte Manschette wird der Nerv durch Stromreize so stimuliert, dass die Muskeln zum richtigen Zeitpunkt aktiviert werden.
Ein weiteres innovatives System ist das computergesteuerte Orthesensystem C-Brace. Durch die Möglichkeit, das System unter völliger Körperlast zu beugen, ist das Hinuntergehen von Treppen und Schrägen wieder sicher möglich, sogar im Wechselschritt. Ob Sie langsam oder schnell gehen, in unebenem Gelände unterwegs sind oder sich hinsetzen möchten, alle diese Anforderungen werden der Situation entsprechend unterstützt.
Der Exopulse Mollii Suit dient zur Aktivierung von Muskeln sowie zur Verminderung von Spastiken und chronischen Schmerzen. Somit kann ein Erhalt und sogar die Erweiterung des Bewegungsumfangs erreicht werden. Der Exopulse Mollii Suit verbessert die Durchblutung und hilft bei der Aktivierung bzw.
Das Keeogo ist eine intelligente, Restkraftunterstützende Knieorthese. Das Keeogo kann Menschen mit neurologischen Erkrankungen und/oder Instabilität und Schwäche der unteren Extremität dabei unterstützen, ihren Alltag wieder eigenständig zu bewältigen. Das Keeogo wird an Unterschenkeln, Oberschenkeln und im Hüftbereich mit Gurten befestigt.
Materialien und Fertigung
Bei der Anfertigung von Orthesen kommen Hochleistungsmaterialien wie Carbonfaser und Titan zum Einsatz, welche individuell auf die Bedürfnisse und Ansprüche des Kunden abgestimmt werden. Die Fertigung von individuell angefertigten Orthesen erfolgt in aller Regel nach einem präzise erstellten Gipsabdruck. Danach kommt es zur Fertigung in einer modern ausgestatteten Werkstatt. In einer Anprobe wird dann die Passform und Funktion der im Rohbau gefertigten Orthese überprüft. Nach der Endfertigung erhalten Sie dann Ihr Unikat einer handwerklich gefertigten Orthese, die nur für Sie angefertigt wurde.
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Dank der weitreichenden Möglichkeiten, ihre Elastizität und Formgebung gezielt zu definieren, unterstützen aus Silikon gefertigte Orthesen wichtige Bewegungsumfänge und Funktionen der Muskulatur. Mit weichen und flexiblen Eigenschaften bieten sie zudem einen sehr hohen Tragekomfort. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass Sie direkt auf der Haut getragen werden können.
Als innovatives Unternehmen, das sich auf die Herstellung von maßgeschneiderten Orthesen für Patienten spezialisiert hat, bietet man auch die Versorgung mit 3D-gedruckten Orthesen an. Durch den Einsatz von 3D-Druck können auch komplexe Designs und Strukturen realisiert werden, die mit traditionellen Herstellungsmethoden nur schwer oder gar nicht möglich wären. Die Vorteile von 3D-gedruckten Orthesen sind eine hohe Genauigkeit, eine bessere Passform und mehr Komfort für den Patienten.
Die Bedeutung der individuellen Anpassung
Nicht alle Patienten können ausreichend gut mit konfektionierten Orthesen versorgt werden. Komplexe und starke Lähmungen oder Deformitäten sind meist nur mit individuellen Orthesen adäquat zu versorgen. Eine individuelle Anpassung ist entscheidend, um den bestmöglichen Nutzen aus der Orthese zu ziehen. Die Orthese muss richtig sitzen, ohne einzuschnüren oder Druckstellen zu verursachen. Je nach Bedarf kann die Orthese während des Heilungsprozesses nachjustiert werden.
Orthesenschuhe und Therapieschuhe
Orthesenschuhe werden speziell für die Ansprüche von Trägern einer Orthese entwickelt. Fuß, Orthese und Orthesengelenk auf Knöchelhöhe sollten darin Platz finden. Zudem sollte ein Orthesenschuh besonders strapazierfähig sein, hohen Tragekomfort sowie gelungenes Design vereinen und das einfache An- und Ausziehen ermöglichen.
Therapieschuhe werden nach Operationen, bei Verletzungen oder Diabetes eingesetzt. Sie schützen, entlasten und führen den Fuß, indem sie den Heilungsprozess unterstützen. Ein Therapieschuh wird auf die speziellen Bedürfnisse des Trägers angepasst und gewährleistet weiterhin Mobilität.
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Kosten und Versorgung
Die Kosten einer Orthese liegen zwischen zehn und tausend Euro. Wird die Orthese ärztlich verschrieben, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Je nach gewähltem Modell müssen Patienten einen Eigenanteil bis maximal zehn Euro zahlen. Die Orthesenversorgung übernimmt ein Sanitätshaus. Dort kann man das orthopädietechnische Hilfsmittel fertig konfektioniert als Standardausführung kaufen oder es wird individuell angefertigt.
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