Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der es zu vielfältigen entzündlichen Herden in Gehirn und Rückenmark kommt. Diese Herde werden durch körpereigene Abwehrzellen verursacht, die die Markscheiden der Nervenzellfortsätze angreifen. Die Entzündung selbst ist zwar nicht ursächlich behandelbar, jedoch kann der Verlauf der Erkrankung durch verschiedene Maßnahmen günstig beeinflusst werden. Dazu gehören entzündungshemmende Medikamente und die Behandlung von Entzündungsfolgen.
MS-Therapie und individuelle Bedürfnisse
Vor der Entscheidung für eine MS-Behandlung haben Betroffene viele Fragen zur Krankheit, zu Medikamenten und zum Therapieplan. Dabei spielen persönliche Vorlieben und individuelle Bedürfnisse eine wichtige Rolle. Angehörige müssen ebenfalls lernen, mit der Diagnose umzugehen und die MS in den Alltag zu integrieren.
Injektionstherapien bei MS
Eine wichtige Säule der MS-Therapie sind immunmodulatorische Behandlungen, die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen sollen. Viele dieser Therapien werden als Injektionen verabreicht. Dazu gehören:
- Beta-Interferone: Betaferon®, Rebif®, Avonex®
- Glatirameracetat: Copaxone®
- **Ofatumumab: Kesimpta®
Diese Medikamente müssen unter die Haut (subkutan) oder in den Muskel (intramuskulär) injiziert werden.
Lagerung von Medikamenten
Die Lagerungsbedingungen der immunmodulatorischen Medikamente sind wichtig zu beachten:
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- Betaferon®: unter 25°C
- Avonex® Fertigspritze: 2 - 8°C, für 7 Tage unter 30°C
- Avonex® Lyo: unter 25°C
- Rebif® (Neue Formulierung): 2 - 8°C (muss durchgehend gekühlt werden)
- Copaxone® Fertigspritze: 2 - 8°C, bis zu 30 Tage unter 25°C
- Kesimpta®: 2 - 8°C, darf nach Entnahme aus dem Kühlschrank nicht wieder gekühlt werden.
Für Reisen ist eine Kühltasche empfehlenswert, um die Medikamente kühl zu halten. Viele Hotels bieten Minibars zur Lagerung an.
Reisen mit Injektionen
MS ist kein Grund, auf Reisen zu verzichten. Allerdings erfordert es eine gute Planung, insbesondere in Bezug auf die MS-Therapie. Wichtig ist, zu wissen, wann die nächste Injektion oder Infusion fällig ist und wie man die Medikation unterwegs sicher handhaben kann.
- Medikamente im Handgepäck: Bei Flugreisen sollten Medikamente immer im Handgepäck mitgeführt werden.
- Kühlkette sicherstellen: Für Medikamente, die gekühlt werden müssen, ist es wichtig, die Kühlkette während der Reise sicherzustellen.
- Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit: Eine Bescheinigung (Therapiepass) über die medizinische Notwendigkeit der mitgeführten Medikamente (am besten auf Englisch) und eine vom Neurologen abgestempelte Zollerklärung sollten griffbereit sein.
Spezielle Aspekte bei einzelnen Medikamenten
- Avonex: Die Fertigspritze kann für 7 Tage bei Raumtemperatur gelagert werden. Damit sind 14-tägige Reisen ohne Kühlung möglich.
- Rebif: Die neue Formulierung muss durchgehend gekühlt werden.
- Betaferon und Extavia: Diese Medikamente können bei Raumtemperatur gelagert werden.
Injektionshilfe
Für die Injektion von Teva-Präparaten gibt es eine Injektionshilfe für Fertigspritzen.
Schubtherapie im Urlaub
Schübe sind unvorhersehbar und können auch im Urlaub auftreten. Behandlungsbedürftige Schübe sind neue neurologische Verschlechterungen, die länger als 48 Stunden anhalten und nicht ausschließlich aus Sensibilitätsstörungen bestehen.
Die Behandlung erfolgt nach den Richtlinien der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) mit hochdosierten, intravenösen Methylprednisolongaben. Optional ist eine ausschleichende Gabe von Prednisolon Tabletten.
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Die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden. In typischen Urlaubsländern gibt es Ärzte, die sich mit der Behandlung auskennen. Nur in besonderen Einzelfällen kann eine hochdosierte orale Methylprednisolon-Therapie in Absprache mit dem Neurologen im Heimatland eingenommen werden.
Weitere wichtige Aspekte bei Reisen mit MS
- Fatigue: Auf Reisen sind ausreichende Ruhepausen einzuplanen. Vermeiden Sie organisierte Studienreisen mit täglichen Besichtigungen.
- Uhthoff-Phänomen: Patienten, die unter dem Uhthoff-Phänomen leiden, sollten heiße oder tropische Länder meiden. Kühlung kann die Beschwerden lindern.
- Blasenstörungen: Während langer Reisen können Männer ein Kondom-Urinal mit Beinbeutel tragen. Frauen können Einlagen verwenden.
- Impfungen: Impfungen mit Totimpfstoffen sind in der Regel unproblematisch. Impfungen mit lebenden Erregern sollten nur bei dringender Notwendigkeit erfolgen.
- Thromboseprophylaxe: Auf Langstreckenreisen ist regelmäßige Bewegung wichtig, um Thrombosen zu vermeiden.
- Flüssigkeitszufuhr: An Bord von Flugzeugen ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
- Durchfall: Achten Sie auf eine gute Hygiene, um Durchfall zu vermeiden.
Die Rolle des Arztes
Vor Reiseantritt ist es ratsam, ärztlich abzuklären, ob und wie sich das gewählte Reiseziel mit dem aktuellen Gesundheitszustand und der laufenden Therapie vereinbaren lässt. Sprechen Sie die Reisepläne aktiv an, am besten frühzeitig, auch schon bei der Wahl der passenden Therapie ab der Diagnose. So können Unsicherheiten ausgeräumt und die Behandlung vorausschauend geplant werden.
Hilfreiche Services und Informationen
- Aktiv mit MS Patient:innenservice: Bietet Informationen und Unterstützung für MS-Patienten.
- Aktiv mit MS Nurse-Service: Bietet Injektionstraining und Beratung.
- Medizinischer InfoService von Novartis: Hält eine mehrsprachige Zollbescheinigung bereit.
- Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG): Bietet Informationen und Beratung.
Alternativen zum Fernweh: Staycation
Nicht immer muss es eine Fernreise sein. Eine "Staycation" bietet die Möglichkeit, zu Hause zu entspannen und die Umgebung neu zu entdecken.
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