Multiple Sklerose und die Kousmine-Therapie: Ein umfassender Überblick

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die oft als "Krankheit mit 1.000 Gesichtern" bezeichnet wird, da ihr Verlauf und ihre Symptome von Patient zu Patient stark variieren. In Deutschland sind mehr als 120.000 Menschen von MS oder ihren selteneren Varianten betroffen. Die Ursachen der MS sind noch weitgehend ungeklärt, obwohl das Immunsystem eine zentrale Rolle spielt. Bei MS richtet es sich gegen den eigenen Körper und bildet Antikörper, die die Schutzschicht der Nervenfasern angreifen. Auch genetische Faktoren werden nicht mehr ausgeschlossen.

Die MS kann in Schüben oder fortschreitend verlaufen. Entzündungen können abklingen, sich normalisieren oder zu Vernarbungen des Nervengewebes (Sklerose) führen. Dies beeinträchtigt die Signalübertragung vom Gehirn zum Körper, was zu Lähmungen, Gehstörungen, Missempfindungen, Gleichgewichtsproblemen, Sehstörungen, Muskelverkrampfungen, Sprach- und Schluckstörungen sowie Funktionsstörungen der Blase führen kann.

Ernährungskonzepte bei Multipler Sklerose

Während die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. und die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie keinen direkten Zusammenhang zwischen Ernährung und MS sehen, zeigen Patientenberichte und ärztliche Beobachtungen, dass die Ernährung einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben kann.

Historische und alternative Ernährungsansätze

Seit Max Bircher-Benner gibt es Frischkostkonzepte, die bei chronischen Entzündungen, insbesondere bei Rheuma, eingesetzt werden. Die Budwig-Diät, eine Öl-Eiweiß-Ernährung der Apothekerin Johanna Budwig, wird von einigen MS-Patienten praktiziert. Sie soll entzündungshemmend und krebshemmend wirken und einen hohen Anteil an pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl enthalten.

Die Kousmine-Diät

Die Schweizer Ärztin Dr. Catherine Kousmine (1904-1992) entwickelte eine weitere Ernährungsform für MS und chronische Polyarthritis, die ebenfalls krebshemmend und entzündungshemmend wirken soll. Kousmine war eine Vertreterin der orthomolekularen Medizin und forschte an Krebs, Multipler Sklerose und chronischer Polyarthritis. Ihre Diät basiert auf der Öl-Eiweiß-Diät von Johanna Budwig.

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Bestandteile der Kousmine-Diät

Die Kousmine-Diät umfasst mehrere Elemente, darunter:

  • Budwig-Creme: Ein wichtiger Bestandteil der Diät.
  • Darmhygiene: Förderung einer gesunden Darmflora.
  • Säure-Basen-Gleichgewicht: Ausgleich des Säure-Basen-Haushaltes im Körper. Regelmäßige Urinkontrollen geben den Patienten im Verlauf der Diät Auskunft über ungünstige pH-Werte. Die Ärztin nahm an, dass viele Krankheiten durch falsche Ernährung entstehen. Verantwortlich für die Erkrankung sei ein hoher Säureanteil im Körper. Patienten sollten regelmäßig den pH-Wert des Urins ermitteln und bei Unterschreiten eines festgelegten Werts basische Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Hochdosierte Vitamine und Spurenelemente.
  • Psychosoziale Betreuung: Unterstützung des psychischen Wohlbefindens.

Kousmine ging davon aus, dass viele Krankheiten auf einen zu hohen Säureanteil im Körper aufgrund von falscher Ernährung zurückzuführen seien.

Weitere Ernährungsansätze

  • Evers-Diät: Dr. Joseph Evers entwickelte eine naturbelassene Vollwertkost speziell für MS-Kranke, die vorwiegend vegetarische Frischkost mit fettarmen Milchprodukten kombiniert. Die positiven Wirkungen werden den Inhaltsstoffen der Lebensmittel und dem Verzicht auf entzündungsfördernde Arachidonsäure zugeschrieben.
  • Swank-Diät: Der amerikanische Neurologe Roy L. Swank entwickelte eine vegetarisch-fettarme Ernährungsform, die wenig tierische Fette enthält und auf Omega-3-Fettsäuren basiert.

Die mediterrane Küche als idealer Ansatz

Viele Ernährungsexperten sehen die mediterrane Küche als ideale Ernährungsform bei MS an, da sie die Vorteile verschiedener Ernährungskonzepte vereint. Sie zeichnet sich durch einen hohen Anteil an unerhitzten oder schonend zubereiteten pflanzlichen Lebensmitteln, wenig Fleisch und Fleischprodukte und dadurch wenig entzündungsfördernde Arachidonsäure aus. Pflanzliche Öle und Nüsse sorgen für ein günstiges Fettsäurenmuster, und komplexe Kohlenhydrate haben eine geringe Insulinwirkung.

Weitere wichtige Ernährungsaspekte bei MS

Fasten als Therapie

In der Naturheilkunde stellt Fasten eine Basistherapie bei rheumatoider Arthritis dar, und es wird vermutet, dass sich die positiven Effekte auch auf Autoimmunerkrankungen übertragen lassen.

Die Rolle von Vitamin D

Studien haben gezeigt, dass eine erhöhte Aufnahme von Vitamin D mit der Nahrung sowie erhöhte Serumspiegel für Vitamin D vorbeugend bezüglich MS wirken können. Heute gilt als relativ gesichert, dass ein Vitamin-D-Mangel die Entwicklung einer MS begünstigt. Basis ist vermutlich eine genetische Disposition und möglicherweise das Zusammenwirken anderer Einflüsse wie ungünstige Nahrungsfette. Der Vitamin-D-Status sollte daher bei Personen mit erblicher Belastung wie mit manifester MS-Erkrankung untersucht werden und im Falle eines nachgewiesenen Mangels offensiv angegangen werden.

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Gemüse und MS-Risiko

Ein hoher Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln hat vermutlich einen schützenden Effekt nicht nur vor Krebs, sondern auch vor MS. Das Risiko wird erhöht durch eine energiereiche Ernährung mit viel Fleisch und Fett.

Entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren haben sich bei Rheuma als entzündungshemmend erwiesen und scheinen auch bei MS die Entzündung günstig zu beeinflussen.

Gluten und Autoimmunerkrankungen

Eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) ist mit einem gehäuften Auftreten weiterer Autoimmunkrankheiten verbunden und kann mit ihren neurologischen Symptomen eine MS überdecken. Fallbeispiele zeigen, dass sich eine MS nach Diagnose und Therapie einer Zöliakie verbessern kann.

Ernährungsempfehlungen und Nahrungsergänzungsmittel

Es sind mehrere Ernährungskonzepte bekannt, nach denen sich ein MS-Patient vorteilhaft und langfristig ohne Mangelerscheinungen ernähren kann und die entzündungshemmend wirken. Sie enthalten ausschließlich oder überwiegend Frischkost oder sind eine kohlenhydratarme bis -freie Kost mit günstigen Fettsäuren.

Die Meinung von Experten

Umfassende Ernährungskonzepte wie die Budwig-, Swank-, Kousmine- oder Evers-Diät scheinen sich bei vielen MS-Kranken günstig ausgewirkt zu haben. Sie sind derzeit die aussichtsreichsten Kandidaten für eine therapeutisch wirksame grundlegende Ernährungsumstellung. Zusammen mit der mediterranen Kost stehen somit glaubwürdige Ernährungsweisen zur Verfügung, um die MS-Therapie zu unterstützen. Einzelne Nährstoffe wie Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren verdienen besondere Aufmerksamkeit. Ihre Aufnahme sollte mindestens den Empfehlungen entsprechen.

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Professor Olaf Adam empfiehlt, dass MS-Erkrankte Fischöl, Vitamin E und Selen als Supplemente benötigen. Alle anderen Nährstoffe sind in einer vollwertigen Ernährung ausreichend enthalten. Im Schub empfiehlt er Vitamin E 200 mg/Tag und 200 Mikrogramm Selen, in der Remission Vitamin E 100 mg und 100 Mikrogramm Selen. Fischöl am besten in Form von Kapseln mit einem hohen Gehalt an Eicosapentaensäure (z. B. EPAMAX 300 mg /Gramm, Fenika 273 mg/Gramm) zu Beginn 900 mg/Tag, nach 2 -3 Monaten 300 mg/Tag.

Was sollte man bei MS nicht essen?

Professor Adam empfiehlt, dass man zu viel Fleisch, Butter, versteckte Fette (Wurst, Torten, Kekse) und zu viel Alkohol vermeiden sollte.

Welche Öle und Fette sind empfehlenswert?

Rapsöl, Walnussöl, Weizenkeimöl, Leinöl (besonderer und gewöhnungsbedürftiger Geschmack) und Sojaöl sind empfehlenswert.

Ursachen und Entstehung der Multiplen Sklerose

Wenn das Immunsystem wie bei der MS aus dem Gleichgewicht gerät, muss man sich natürlich fragen, wie es eigentlich dazu kommt. Meist sind es viele Faktoren, die gemeinsam das Immunsystem aus dem Tritt bringen. Dazu gehören:

  • Schwermetalle
  • Fehler in der Ernährung
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Viren
  • Pilz-Erkrankungen
  • Allergien
  • Infektionen mit neurotropen Viren

Schwermetalle

Schwermetallbelastungen gehören unbedingt zur Suche nach den Ursachen der Multiplen Sklerose. Zu nennen ist hier insbesondere Quecksilber, das vor allem aus Amalgamfüllungen freigesetzt wird. Solche Schwermetalle können an der Abwehr beteiligte Zellen so stören, dass sie ihre Funktion nicht mehr normal erfüllen. Hinzu kommt, dass Schwermetalle direkt das Nervensystem schädigen können.

Störungen in Magen und Darm

Ein weiterer Faktor, der als Ursache der Multiplen Sklerose mit einbezogen werden sollte, ist die Darmflora. Unsere Darmbakterien leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer Versorgung mit Nährstoffen, aber auch zu unserer Abwehr. Gestört werden kann unsere Darmflora z. B. durch Zusatzstoffe in der Nahrung (Konservierungsstoffe, Farbstoffe …), aber auch durch Stress.

Nährstoffmangel

Weiterhin beobachtete Perger in den meisten Fällen einen Zinkmangel. Zink wird u. a. für die Entgiftung von Schwermetallen benötigt, die daher bei Zinkmangel beeinträchtigt war. Infolgedessen entwickeln die Patienten besonders hohe Quecksilberbelastungen.

Abwehrschwäche

Ein weiterer Hinweis auf eine allgemeine Verschlechterung der Abwehr ist die Zunahme von Störfeldern und Herden (z. B. Zahnstörfelder, chronisch entzündete Mandeln, belastende Narben usw.) in der Bevölkerung. Ein weiterer Grund für die Tendenz zu einer schlechteren Abwehr könnte in der gestörten Darmflora liegen.

Weitere Ursachen für die Verschlechterung der Abwehr sind:

  • Konservierungsstoffe
  • Wasserdesinfektion
  • Mangel- oder Fehlen von Magensäure
  • Mangel an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen u. a. durch eine gestörte Aufnahme im Darm (Resorptionsstörungen)
  • Bewegungsmangel
  • Schlechtere Sauerstoffversorgung der Gewebe
  • Störfelder (mit oder ohne Beteiligung von Bakterien)
  • Stress und Reizüberflutung
  • Herde und Störfelder

Viren

Ein anderer Faktor, der bei den Ursachen der Multiplen Sklerose eine Rolle zu spielen scheint, sind Viren, die auf die Nerven wirken (sog. neurotrope Viren). So lassen sich bei MS-Patienten häufiger Antikörper gegen Zoster-, Röteln- und Masernviren finden. Auch das Ebbstein-Barr-Virus, der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, wird in Zusammenhang mit der MS Erkrankung gebracht.

Genetische Faktoren

Es scheint, dass auch genetische Faktoren eine MS Erkrankung begünstigen können. Verwandte von MS-Patienten haben selbst ein 10- bis 30-fach erhöhtes Risiko selbst an Multiple Sklerose zu erkranken.

Psychische Faktoren

Bekannt ist, dass psychische Faktoren einen MS-Schub zumindest begünstigen oder mit auslösen können. Dazu gehören u. a. Stress, aber auch starke hormonelle Schwankungen, wie sie in der Pubertät oder in den Wechseljahren auftreten.

Traumata

Auch Verletzungen (Traumata) von Schädel und Rückenmark können als (Mit-)Ursache der Multiplen Sklerose eine Rolle spielen.

Anzeichen und Symptome der Multiplen Sklerose

Es sind vor allem die Entzündungen des Nervengewebes in Gehirn und Rückenmark, die für die typischen MS Symptome verantwortlich sind. Selbst nach Abklingen einer stärkeren Entzündung (MS-Schub) bleiben Schäden in Form von Narben zurück. Darunter leiden vor allem die Reizweiterleitung und damit die Informationsübertragung in den Nerven. Hieraus erklären sich auch die typischen MS Symptome wie:

  • Sehstörungen
  • Körperliche Missempfindungen (Kribbeln, Ameisenlaufen)
  • Einschränkungen bei den Bewegungen (z. B. Lähmungserscheinungen, Muskelschwund, aber auch Spastiken)
  • Probleme beim Wasserlassen

Frühe Anzeichen einer Multiplen Sklerose

Bereits einige Zeit vor dem Auftreten der typischen MS Symptome, lassen sich oft allgemeine Frühsymptome beobachten. Hierzu können gehören:

  • Gewichtsverlust
  • Antriebsschwäche
  • Diffuse Schmerzen in Muskeln und Gelenken

Einige Wochen bis Monate nach dem Auftreten dieser frühen Multiple Sklerose Anzeichen bilden sich die typischen MS Symptome aus.

Weitere MS Symptome

Da sich die Multiple Sklerose vor allem gegen die Myelinscheiden der Nerven richtet, gehören Nervenstörungen (neurologische Störungen) zu den charakteristischen MS Symptomen. Zu den möglichen MS Symptomen, die auftreten können, aber nicht müssen, gehören:

  • Schwäche der Gliedmaßen, die sich in zunehmenden Lähmungserscheinungen bis hin zum Muskelschwund fortsetzen kann, bes. im Bereich von Armen und Beinen
  • Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit (u. a. bedingt durch spastische Muskelverkrampfungen, Gangunsicherheit)
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Störungen der Bewegungskoordination
  • Zittern
  • Sensibilitätsstörungen (z. B. Taubheit, Empfindungsstörungen, Schmerzen)
  • Allgemeine Symptome wie Müdigkeit und Erschöpfung
  • Darmentleerungsstörungen (z. B. Verstopfung)
  • Gestörte Blasenfunktion (unkontrollierbarer Harndrang oder Harnverlust)
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Schluckstörungen, Geschmacksstörungen
  • Sprachstörungen, Artikulationsstörungen
  • Schwindel
  • Chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom) mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit, erhöhtes Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe
  • Stimmungsschwankungen, Traurigkeit, Antriebslosigkeit
  • Schlafstörungen

Verlauf der Multiplen Sklerose

Der genaue Verlauf der MS Erkrankung lässt sich nur schwer abschätzen. Grundsätzlich lassen sich drei Verlaufsformen unterscheiden:

  • Wiederkehrende Schübe: Im MS-Schub treten die typischen neurologischen MS Symptome auf.
  • Primär chronisch progredient: Hier handelt es sich um einen langsam fortschreitenden Verlauf ohne akute MS Schübe.
  • Sekundär chronisch progredient: Bei MS-Patienten mit diesem Verlauf, geht die Zahl der Schübe im Laufe der Zeit immer weiter zurück bis sie ganz ausbleiben.

Lebenserwartung und Multiple Sklerose

Die Lebenserwartung ist bei MS ist höher als bislang meist angenommen. Untersuchungen zeigen, dass die Lebenserwartung von Patienten mit Multipler Sklerose, die keine stärkeren Behinderungen haben, gegenüber anderen Menschen gleichen Alters kaum verringert ist.

MS-Schub

Ausgelöst werden kann ein MS-Schub durch verschiedene Faktoren, die von Patient zu Patient verschieden sein können. Neben psychischen Faktoren (Stress) kommen z. B. Impfungen, Desensibilisierungstherapien und das Immunsystem anregende Medikamente in Frage.

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