Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Erkrankung ist durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet, die von Taubheitsgefühlen und Kribbeln bis hin zu Lähmungen und Sehstörungen reichen können. Die Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
Die Behandlung von MS konzentriert sich in der Regel auf die Linderung der Symptome und die Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung. Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden können, darunter Kortikosteroide, Interferon-beta und monoklonale Antikörper. Diese Medikamente können jedoch erhebliche Nebenwirkungen haben, und einige Patienten suchen nach alternativen Behandlungsmethoden.
Alternative Behandlungsmethoden bei MS
Es gibt eine Vielzahl von alternativen Behandlungsmethoden, die von MS-Patienten ausprobiert werden, darunter Ernährungsumstellungen, Nahrungsergänzungsmittel, Akupunktur, Homöopathie und die VEGA-Methode. Die VEGA-Methode ist eine umstrittene Diagnose- und Behandlungsmethode, die von einigen Heilpraktikern und alternativen Therapeuten angeboten wird.
Die VEGA-Methode: Ein Überblick
Die VEGA-Methode basiert auf der Annahme, dass der Körper von elektromagnetischen Feldern durchdrungen ist und dass Krankheiten durch Störungen dieser Felder verursacht werden. Bei der VEGA-Diagnostik wird ein Gerät verwendet, das angeblich die elektromagnetischen Felder des Körpers messen kann. Anhand dieser Messungen soll der Therapeut in der Lage sein, Störungen im Körper zu erkennen und die Ursachen von Krankheiten zu finden.
Die VEGA-Therapie besteht in der Regel aus einer Kombination von verschiedenen alternativen Behandlungsmethoden, wie z. B. Homöopathie, Akupunktur, Ernährungsumstellungen und Nahrungsergänzungsmitteln. Ziel der Therapie ist es, die elektromagnetischen Felder des Körpers zu harmonisieren und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
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Ein "ganzheitlicher Zahnarzt" aus dem Rhein-Main-Gebiet behauptete, "das Wissen um die Verbindungen zwischen Zähnen, Organen und Meridianen" unterstütze ihn darin, "tieferliegende Ursachen eines Symptoms oder einer Krankheit zu finden". Angeblich befinden sich oft "das Symptom und die zugrunde liegende energetische Störung nicht am selben Ort". Zur Diagnostik "körperlicher Probleme, deren Ursachen mithilfe klassischer Diagnostik-Methoden nicht gefunden werden können" und die "beispielsweise durch Umweltbelastungen, Stress etc. ausgelöst werden", setzt er den VEGA-Check ein, "einen so genannten Segmentelektrographen", welcher "Störungen in allen Bereichen des Körpers" lokalisieren könne. Das Gerät zeichne "Kurven auf, die Hinweise auf eventuelle chronische Erkrankungen, Organbelastungen, Entzündungsherde, Unverträglichkeiten und Allergien geben".
Kritik an der VEGA-Methode
Die VEGA-Methode ist in der wissenschaftlichen Gemeinschaft umstritten. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass die VEGA-Diagnostik zuverlässig ist oder dass die VEGA-Therapie wirksam ist. Kritiker bemängeln, dass die VEGA-Methode auf pseudowissenschaftlichen Konzepten basiert und dass die Diagnose- und Behandlungsmethoden nicht validiert sind.
Einige Kritiker warnen davor, dass die VEGA-Methode Patienten dazu verleiten kann, auf eine konventionelle medizinische Behandlung zu verzichten, die möglicherweise wirksam wäre. Dies kann insbesondere bei schweren Erkrankungen wie MS gefährlich sein.
Fallbeispiele und Erfahrungsberichte
Es gibt einige Fallberichte und Erfahrungsberichte von MS-Patienten, die angeben, von der VEGA-Methode profitiert zu haben. Diese Berichte sind jedoch nicht wissenschaftlich belegt und sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirkung einer Behandlung subjektiv sein kann und dass es schwierig ist, den Effekt einer bestimmten Behandlung von anderen Faktoren zu trennen, wie z. B. dem natürlichen Verlauf der Erkrankung oder dem Placebo-Effekt.
Die Paracelsus Messe und alternative Diagnosemethoden
Die jährliche Paracelsus Messe ist eine Veranstaltung, die sich an Menschen richtet, die sich für alternative Behandlungsmethoden interessieren. Auf der Messe werden verschiedene alternative Diagnose- und Behandlungsmethoden angeboten, darunter auch die VEGA-Methode.
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Einige der auf der Paracelsus Messe präsentierten Diagnosemethoden sind wissenschaftlich umstritten. So wurde beispielsweise ein Bioresonanzgerät als "sanfte Hilfe bei Allergien" beworben, obwohl es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass die Bioresonanzmethode bei Allergien wirksam ist. Auch die NLS-Diagnostik (Nichtlineare Systemanalyse) wurde als "detailliert - medizinisch - präzise" angepriesen, obwohl es sich um eine pseudowissenschaftliche Methode handelt, die auf den neuesten Erkenntnissen der Quanten-Physik basieren soll.
Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass viele der auf der Paracelsus Messe angebotenen Diagnose- und Behandlungsmethoden nicht wissenschaftlich validiert sind. Patienten sollten sich daher vor einer Behandlung gründlich informieren und sich von einem Arzt oder Therapeuten beraten lassen.
Ernährung bei Multipler Sklerose: Was ist wissenschaftlich belegt?
Viele Ärzte und Multiple-Sklerose-Gesellschaften betonen immer wieder, es gäbe keine wissenschaftlich untermauerte Ernährung bei Multipler Sklerose - eine Vorgehensweise, die viele MS-Betroffene davon abhält, über eine Ernährungsumstellung nachzudenken. Dennoch integrieren derzeit immerhin 30 Prozent aller Multiple-Sklerose-Patienten auch ein bestimmtes Ernährungskonzept in ihre MS-Therapie, so eine Studie vom Februar 2015 - und zwar meist mit Erfolg.
Im Allgemeinen wird eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung empfohlen, die reich an Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist und wenig gesättigte Fette enthält. Es gibt einige Hinweise darauf, dass bestimmte Nährstoffe, wie z. B. Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D, bei MS von Vorteil sein könnten. Es ist jedoch wichtig, sich von einem Arzt oder Ernährungsberater beraten zu lassen, bevor man seine Ernährung umstellt oder Nahrungsergänzungsmittel einnimmt.
Empfehlungen für eine MS-freundliche Ernährung
- Gemüse und Obst: Essen Sie täglich fünf Portionen Gemüse und Obst. Sie versorgen Ihren Körper mit Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.
- Omega-3-Fettsäuren: Gönnen Sie sich ein- bis zweimal pro Woche Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Fisch, Walnüsse). Oder verwenden Sie Raps- und Sonnenblumenöl zum Kochen, diese enthalten die für uns essenziellen ungesättigten Fettsäuren alpha-Linolensäure (Omega-3) und Linolsäure (Omega-6).
- Gesättigte Fette: Seien Sie sparsam mit gesättigten Fetten, die vor allem in Fleisch-/Wurstwaren enthalten sind: Pro Woche reichen maximal zwei Portionen à 100-140 g aus. Wählen Sie hier auch am besten die mageren Varianten.
- Milchprodukte: Milchprodukte können Sie regelmäßig in den Speiseplan mit einbauen. Sie liefern Eiweiß, B-Vitamine, Vitamin D und Kalzium.
- Kohlenhydrate: Treffen Sie die richtige Wahl: Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten. Dabei sollten Sie ruhig wählerisch sein. Denn Lebensmittel, die reich an Ballaststoffen sind (z. B. Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte) halten Sie länger satt, fördern die Verdauung und sind gut für Ihre Darmflora.
- Zucker: Augen auf beim Kauf: Auch wenn sie lecker schmecken, industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten oft hohe Anteile an versteckten Zuckern. Solche Mono- und Disaccharide (Einfach- und Zweifachzucker) sind schnelle Energielieferanten, lassen den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen, aber auch schnell wieder absinken. Dadurch bekommen Sie schnell wieder Hunger. Wenn Sie einen Snack für Zwischendurch wollen, dann entscheiden Sie sich lieber für ein paar Nüsse (z. B. Walnüsse, Pistazien) oder Saaten (z. B. ein Gericht mit Lein- oder Chiasamen).
- Trinken: Trinken nicht vergessen: Für eine gute Verdauung mindestens 1,5 Liter pro Tag trinken, am besten Wasser.
- Genuss: Das Essen genießen: Nehmen Sie sich Zeit und gönnen Sie sich eine abwechslungsreiche und saisonale Ernährung.
- Aktivität: Seien Sie aktiv: Sport kann bedeutend zu Ihrem seelischen und körperlichen Wohlbefinden beitragen.
Spezielle Diäten bei MS
Es gibt eine Reihe von speziellen Diäten, die von MS-Patienten ausprobiert werden, wie z. B. die Paleo-Diät, die Kousmine-Diät und die ketogene Diät. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass diese Diäten bei MS wirksam sind. Einige dieser Diäten können sogar schädlich sein, wenn sie nicht richtig durchgeführt werden.
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- Paleo-Diät: Bei diesem Konzept steht nur das auf dem Speiseplan, was auch die Steinzeitmenschen zur Verfügung hatten - und das waren Gemüse, Obst, Eier sowie Fisch und Fleisch. Industriell hergestellte oder verarbeitete Lebensmittel und Getreideprodukte sollen bei Paleo möglichst gemieden werden. Milch und Milchprodukte, Kaffee sowie Hülsenfrüchte sollten nur selten auf dem Teller landen. Die Paleoernährung kann in verschiedenen Formen erfolgen. Einige sehen einen hohen Fleischkonsum vor und sind deshalb gerade bei MS nicht zu empfehlen. Der Grund: Durch die Aufnahme von viel Fleisch kommen dem Körper erhebliche Mengen an Arachidonsäure zu. Diese produziert sogenannte Vermittlungshemmer, die Entzündungen im Körper verstärken können. Prinzipiell sollte bedacht werden, dass bei Paleo - wie bei allen Ernährungskonzepten, die mit Einschränkungen verbunden sind - die Gefahr einer einseitigen Ernährung besteht. Daher ist es auch hier wichtig, genau darauf zu achten, dass alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge aufgenommen werden.
- Kousmine-Diät: Die Kousmine-Diät stammt von der Schweizer Ärztin Dr. Catherine Kousmine (1904-1992) und basiert unter anderem darauf, tierische Fette durch kaltgepresste Pflanzenöle zu ersetzen. Das Ernährungskonzept beinhaltet außerdem die Nahrungsergänzung durch hoch dosierte Vitamine und Spurenelemente. Dr. Catherine Kousmine testete ihr Konzept an Menschen mit Multipler Sklerose.
- Ketogene Diät: Das therapeutische Fasten ist eine vieldiskutierte Therapieform in Bezug auf MS. Ein Konzept, dass dem Fasten nachempfunden wurde, ist die ketogene Ernährung. Hierbei wird möglichst ganz auf Kohlenhydrate verzichtet. Die ketogene Ernährungsform lässt sich leicht in den Alltag integrieren. Erste Studien zeigen, dass MS-Patienten von ihr profitieren könnten: Durch die Zufuhr von mehr Fett, wird im Körper eine Veränderung des Gehirnstoffwechsels angeregt. Dies führt nicht nur dazu, dass mehr Energie produziert, sondern auch die Bildung von freien Radikalen verringert wird. Nervenzellen können dadurch besser geschützt werden.
Wichtiger Hinweis
Sollten Sie Ihre Ernährung umstellen wollen, ist es wichtig, dass Sie zunächst mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Er kann mit Ihnen klären, ob Sie gegebenenfalls eine Lebensmittelunverträglichkeit haben, die Sie einschränken könnte. Außerdem kann er Ihnen sagen, ob eine Ernährungsumstellung zu Wechselwirkungen mit Ihrer MS-Therapie führen kann. Wenn Sie wissen möchten, ob sich eine Ernährungsumstellung auf Ihre MS auswirkt, können Sie Ihr Essverhalten in einem Ernährungstagebuch dokumentieren.