Die neurologische Versorgung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und anderen neurologischen Erkrankungen erfordert spezialisierte Kenntnisse und eine umfassende Betreuung. In Herten und der umliegenden Region stehen verschiedene Einrichtungen und Spezialisten zur Verfügung, die ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen anbieten. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die neurologische Versorgung in der Region, mit besonderem Fokus auf Multiple Sklerose.
Medizinische Versorgungszentren (MVZ) als Anlaufstelle
In Herne befindet sich ein medizinisches Versorgungs-Zentrum (MVZ) für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, geleitet von Dr. med. E. Mirzaian und F. Köhler. Das MVZ legt großen Wert auf eine umfassende und patientenzentrierte Betreuung, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, sozialem Status, Hautfarbe oder Religion. Das Leitbild des MVZ betont die Ernstnahme der Patientenbeschwerden und eine Behandlung nach aktuellem Wissensstand. Neben der medizinischen Behandlung bietet das Zentrum auch Unterstützung und Beratung zu den sozialen Auswirkungen einer Erkrankung für Patienten und Angehörige. Durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen (Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie) wird eine fachübergreifende Betreuung gewährleistet. Das Leistungsspektrum umfasst die Erstellung von Gutachten, Patienten- und Angehörigenschulungen zu verschiedenen Erkrankungen sowie reisemedizinische Beratung und die Durchführung sämtlicher Impfungen.
Neurologische Erkrankungen und Behandlungsspektrum
Die Klinik für Neurologie deckt ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen ab, darunter Schlaganfälle, Epilepsie, Multiple Sklerose, Meningitis, Parkinson-Syndrome, Demenzen, Schwindel und Kopfschmerzen. Die Stroke Unit im St. Marien-Hospital Borken ist die einzige Einheit im Borkener Kreisgebiet und zählt mit 10 Betten und über 1.000 Schlaganfall-Patienten zu den größeren ihrer Art. Die Parkinson-Komplexbehandlung ist ein intensiver, interdisziplinärer Behandlungsansatz, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und ständig an das wechselnde klinische Bild des Patienten angepasst wird. Als Einrichtung mit überregionalem Versorgungsauftrag im Kreis Borken werden auch Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen (periphere Neuropathien und Myopathien) behandelt. Prof. Dr. Kley ist Sprecher des durch die DGM zertifizierten Neuromuskulären Zentrums Ruhrgebiet.
Diagnostische Möglichkeiten
Die Kliniken verfügen über umfassende radiologische Möglichkeiten zur Diagnostik, darunter:
- Diagnostik des Nervensystems mit MRT einschließlich MR-Angiographien
- CT einschließlich CT-Angiographien und CT-Myelographien
- Digitale Subtraktionsangiographien
- Szintigraphie
- Native Röntgendiagnostik
Zusätzlich stehen moderne apparative Diagnoseverfahren zur Verfügung, wie:
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- Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Gefäße mittels Doppler- und farbkodierter Duplexsonographie und Bestimmung der zerebrovaskulären Reservekapazität sowie Mikroemboliedetektion
- EEG Videoüberwachung, z.B. zur speziellen Epilepsieabklärung
- Elektroneurographie zur Nervenuntersuchung
- Elektromyographie zur Untersuchung der Muskeln
- Evozierte Potentiale (VEP, FAEP, SEP, MEP)
- Hirnstammdiagnostik (FAEP, OOR, Trigeminus-SEP)
- Untersuchung der Funktion des N. facialis
- Untersuchung der neuromuskulären Überleitung
- Schlafapnoe-Screening
- Prüfung des Gleichgewichts
- Psychometrische Verfahren
- Ultraschallrestharnbestimmung
Behandlung von Multipler Sklerose (MS)
Das MS-Zentrum bietet eine ambulante oder stationäre Behandlung an. Ein interdisziplinäres Team stimmt die bestmögliche Therapieform auf die individuelle Erkrankung ab. Die Praxis für Neurologie im Medizinischen Versorgungszentrum bietet eine Primärversorgung für MS-Betroffene an. Diese umfasst von der Erstdiagnose über die Einstellung der passenden Arzneimittel bis zur stationären Begleitung - falls erforderlich - alle Behandlungsschritte für MS-Erkrankte. Hierfür stehen sämtliche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten des Evangelischen Klinikums zur Verfügung, darunter hochwertige Elektrophysiologie, Kernspintomographien, Lumbalpunktionen, Plasmapherese (Austausch des Blutplasmas) und innovative Immunadsorption.
Patienten, die neben der akutneurologischen Behandlung besondere Unterstützung benötigen, beispielsweise bei einem akuten Schub oder einer chronischen Verschlechterung des Gesamtzustandes, können eine Multiple-Sklerose-Komplexbehandlung wahrnehmen. Dieses Behandlungskonzept sieht während eines bis zu 15 Tage dauernden stationären Aufenthaltes verschiedene therapeutische Einheiten aus den Bereichen Neuropsychologie, Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie sowie der Neuropsychologie vor. In diesem Rahmen wird ein medizinischer Status erhoben und eine Evaluation der bestehenden medikamentösen Therapie mit Beratung über weitere Möglichkeiten angeboten. Ziel ist es, die Symptome der Multiplen Sklerose nachhaltig zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern.
Viele MS-Patienten sind bei ihren niedergelassenen Neurologen bereits exzellent betreut. Hier sehen sich die Zentren vor allem in der Pflicht, stationäre Leistungen (Komplexbehandlung, Schubtherapie inkl. Immunadsorption) anzubieten. Auf Wunsch werden auch Zweitmeinungen und die Einstellung bzw. Umstellung der Therapie angeboten.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, an der in Deutschland ca. 280.000 Menschen leiden. Das Spektrum der Symptome reicht von Lähmungen über Sehstörungen bis hin zu Gefühlsstörungen der Haut, aber auch Blasenstörungen, Unsicherheit beim Gehen oder Sprachstörungen können auftreten. In der Multiple Sklerose-Sprechstunde können sich Patienten für die regelmäßige neurologische (Mit-) Behandlung oder eine Zweitmeinung vorstellen. Hierfür ist eine Überweisung durch den behandelnden Fach- oder Hausarzt erforderlich. Eine stationäre Aufnahme (MS-Komplexbehandlung, Schubtherapie - ggf. mittels Immunadsorption) erfordert eine Einweisung durch den behandelnden Fach- oder Hausarzt.
Basierend auf langjährigen fachärztlichen Erfahrungen werden im Ärztehaus Ahrstraße einige neurologische Behandlungsschwerpunkte angeboten. Dazu zählt die Multiple Sklerose - die unter jungen Menschen häufigste neurologische Erkrankung. Es wird das volle Behandlungsspektrum von der Diagnose bis zur langjährigen Begleitung des Krankheitsverlaufs geleistet. Schübe werden ambulant in der Praxis behandelt.
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Weitere neurologische Schwerpunkte
Neben MS werden auch weitere neurologische Schwerpunkte behandelt:
- Migräne und Kopfschmerzen: Medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsansätze sowohl in der Akuttherapie wie in der Prophylaxe.
- Schwindel: Analyse der Ursachen und zielgerichtete Behandlung der Symptome.
- Schlafstörungen: Diagnostikverfahren wie Polygraphie zur Verbesserung des Verständnisses und des Behandlungserfolgs.
- Therapie mit Botulinumtoxin (Botox).
Patienten in Pflegeheimen haben das Recht auf die volle fachärztliche Versorgung. Es bestehen Kooperationen mit geriatrischen Einrichtungen durch regelmäßige Visiten, die gegebenenfalls von einer medizinischen Fachangestellten für Neurologie und Psychiatrie begleitet werden.
Diagnostische Verfahren in der Praxis
Die Praxen nehmen sich Zeit für die persönliche Krankengeschichte und führen basierend auf dieser gründlichen Anamnese in der Praxis alle wichtigen neurologischen Untersuchungsverfahren durch: Ultraschall, Elektroneurographie (NLG), EEG, Elektromyographie (EMG), die Ableitung evozierter Potenziale und die Lumbalpunktion. Für weiterführende neurologische Untersuchungen kooperieren die Praxen mit sicher und schnell arbeitenden Laboren. Neurologische Bildgebungen, also MRT und CT, werden von Radiologen vorgenommen, die den Praxen verbunden sind.
Zertifizierung als MS-Zentrum
Seit dem Mai 2025 darf die Gemeinschaftspraxis den Titel zertifiziertes ambulantes MS-Zentrum der DMSG führen. Die jahrzehntelange Erfahrung wird in dieser Gemeinschaftspraxis weitergeführt.
Das MS-Zentrum der Neurologischen Universitäts- und Poliklinik des Bergmannsheil zeichnet sich durch eine enge Verzahnung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung der Patienten aus. Eingeschlossen ist hierbei auch die gesamte hochspezielle technische Zusatzdiagnostik wie Kernspintomographie, subtile Liquoruntersuchungen, klinische Neurophysiologie und Neurourologie - all diese Methoden unter einem Dach vorhalten zu können, ist der Schlüssel für eine effiziente, auf den einzelnen Patienten ausgerichtete MS-Behandlung. Um den Verlauf der Erkrankung sorgfältig zu überwachen, Therapieerfolge zu verfolgen und gegebenenfalls Therapien anpassen zu können, gibt es ein spezielles MS-Datendokumentationssystem: Alle Untersuchungsergebnisse und Therapien der Patienten werden hier gesammelt und stehen online 24 Stunden auch in Notfallsituationen zur Verfügung.
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Weitere neurologische Praxen in der Region
In Recklinghausen befindet sich die neurologische Praxis Dr. med. Mariam Paulat & Dr. med. Henrieke Borghorst. Die Praxis bietet umfassende Diagnostik und Therapie bei neurologischen Erkrankungen - kompetent, einfühlsam und auf dem neuesten Stand der Medizin.
Diagnostische Verfahren in Recklinghausen
- Farbkodierte Duplexsonographie: Messung aller hirnversorgenden Gefäße zur Erkennung von Einengungen (Stenosen) und Verschlüssen.
- EEG (Elektroenzephalographie): Ableitung der Hirnströme zur Untersuchung von Epilepsien oder anfallsartigen Bewusstseinsstörungen.
Neurologische Versorgung in Gelsenkirchen
Die Praxis für Neurologie in Gelsenkirchen ist Teil des Multiple-Sklerose-Zentrums im Evangelischen Klinikum Gelsenkirchen. Das interdisziplinäre Team bietet Behandlungsansätze für ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen an. Am Anfang einer möglichen Behandlung steht die präzise Diagnostik und Erforschung der Ursache, die einer neurologischen Erkrankung zugrunde liegt. Hierfür nutzt das Praxisteam verschiedene apparative Verfahren.
Diagnostische Verfahren in Gelsenkirchen
- Doppler-Sonografie/Duplexsonografie: Ultraschall-Verfahren zur Beurteilung von Gefäßerkrankungen und Durchblutungsstörungen.
- Elektroneurographie (Nervenmessung): Diagnose von Nerven- oder Muskelschädigungen.
- Elektroenzephalografie (EEG): Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns bei Verdacht auf Epilepsie oder Hirnschädigungen.
- Evozierte Potenziale (VEP, AEP, SEP, MEP): Feststellung verschiedener Schädigungen der Netzhaut, des Gehörs, der Hautempfindung und der Bahnen für die willentliche Ansteuerung der Muskulatur.
Die enge Zusammenarbeit und Verzahnung mit den verschiedenen Fachkliniken wie der Klinik für Neurologie und Frührehabilitation sind eine besondere Stärke der Praxis.
Fazit
In Herten und Umgebung steht ein breites Spektrum an neurologischen Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung. Von spezialisierten MVZs über Kliniken mit Stroke Units und MS-Zentren bis hin zu niedergelassenen Neurologen wird eine umfassende Betreuung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen, insbesondere Multipler Sklerose, gewährleistet. Die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen und die Nutzung moderner diagnostischer Verfahren ermöglichen eine individuelle und effektive Behandlung.