Aphasie: Sprachstörungen nach Schädigung von Broca- und Wernicke-Areal

Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die nach abgeschlossenem Spracherwerb durch hirnorganische Schäden entsteht. Sie betrifft die sprachliche Kommunikationsfähigkeit und kann verschiedene Bereiche wie Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben beeinträchtigen. Die Ausprägung einer Aphasie kann von minimalen Defiziten bis zu schwersten Störungen reichen. Es ist wichtig zu betonen, dass eine Aphasie keine Denk- oder Hörstörung ist.

Einführung in die Aphasie

Aphasiker haben Teile ihrer Sprachfähigkeit verloren, etwa durch einen Schlaganfall. In mühseliger Kleinarbeit müssen sie selbst die einfachsten Dinge neu lernen. Prof. Dr. Störungen der Sprachfähigkeit heißen Aphasien. Sie entstehen, wenn Sprachzentren im Gehirn beschädigt sind, etwa durch Schlaganfall, Unfall oder Tumore. Das Medizin-Lehrbuch unterscheidet unterscheidet die Syndrome Broca-Aphasie, Wernicke-Aphasie, globale Aphasie und amnestische Aphasie. Den verschiedenen Aphasie-Syndromen werden typische Symptome zugeordnet. Häufig sind aber Mischformen. Die Therapie nach dem Verlust der Sprache ist sehr mühselig und kann Jahre dauern. Betroffene haben zudem oft ein eingeschränktes Sozialleben, viele finden nicht in ihren Job zurück. Auch Demenz kann zu Aphasien führen. Meist beginnt es mit Wortfindungsstörungen, dann vergisst der Patient einzelne Wörter, später gehen ganze Sätze verloren und am Ende ist die Sprache komplett weg. Ursache ist der zunehmende Zerfall der neurologischen Funktionen des Gehirns, der auch die Sprachzentren betreffen kann. Tatsächlich sind voranschreitende Sprachstörungen ein wichtiges Symptom, um Demenzen wie etwa Alzheimer diagnostizieren zu können. Bei der Primär progressiven Aphasie und bei der Semantischen Demenz sind im frühen Stadium Sprachstörungen sogar das vorherrschende Symptom: Bei der Primär progressiven Aphasie gehen vor allem die Nervenzellen des linken Stirnlappens zugrunde. Die Folge ist eine Aphasie sowohl der gesprochenen Sprache als auch des Sprachverständnisses, des Lesens und Schreibens. Auffällig bei Patienten der Semantischen Demenz ist, dass sie zwar die Worte noch aussprechen können, aber ihre Bedeutung, sprich die Semantik, vergessen haben.

Ursachen und Risikofaktoren

Aphasien entstehen meist, wenn eine dieser Hirnregionen geschädigt ist. Schlaganfälle sind die häufigste Ursache. Aphasien können aber auch ausgelöst werden durch Unfälle, Tumore, Entzündungen im Hirn, Vergiftungen oder Demenz. Bei Erwachsenen zählt ein Schlaganfall als häufige Ursache einer Aphasie. Bei einem Schlaganfall ist die Durchblutung von einem Teil des Gehirns gestört. Dieser Teil erhält nicht mehr ausreichend Sauerstoff, sodass Gehirnzellen absterben.

Häufige Risikofaktoren für Schlaganfälle sind:

  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Herzerkrankungen
  • Rauchen
  • Dauerstress

Bei Kindern ist dagegen häufig ein Schädel-Hirn-Trauma die Ursache. Ein Schädel-Hirn-Trauma ist eine Kopfverletzung, die zum Beispiel durch einen Sturz oder einen Schlag ausgelöst werden kann. Auch bei Erwachsenen kann ein Schädel-Hirn-Trauma eine Aphasie auslösen. Etwa 10 von 100 Aphasien im Erwachsenenalter sind auf ein Schädel-Hirn-Trauma zurückzuführen. Bei etwa sieben Prozent aller Aphasiker*innen ist ein Hirntumor die Ursache der Sprachstörung.

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Die Rolle von Broca- und Wernicke-Areal

Mediziner nennen Störungen der Sprachfähigkeit Aphasien. Bei den meisten Menschen wird die Sprache überwiegend in der linken Hirnhälfte verarbeitet, die bei ihnen dominant ist. Dort sind neben anderen zwei Bereiche wichtig: das Broca-​und das Wernicke-​Areal. Die Neuroanatomen Broca und Carl Wernicke haben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus ihren Beobachtungen von Personen mit Aphasie geschlossen, wie das Hirn die Sprache verarbeitet. Das prägte über lange Zeit die Forschung zu dem Thema. Seit es allerdings mit Magnetresonanztomographen möglich ist, dem Hirn bei der Arbeit zuzuschauen, wurde dieses Wissen stark ergänzt (Das Netzwerk der Sprache). So weiß man heute, dass es über das gesamte Hirn verteilte Netzwerke gibt, die für die verschiedenen Sprachfunktionen wichtig sind. Die beiden klassischen Sprachzentren Broca und Wernicke sind zwar wichtige Teile dieser Netzwerke - aber es gibt noch viele weitere Bereiche im Hirn, die aktiv sind, wenn wir sprechen oder Sprache verstehen. Zudem wird immer deutlicher, dass nicht nur die aktiven Hirnareale von Bedeutung für die Sprache sind, sondern auch die Nervenbahnen, die diese verbinden. So sind zum Beispiel auch das Broca- und das Wernicke-​Areal verknüpft, mit zwei ausgeprägten Nervenschleifen (dual loop). Da erscheint es plausibel, dass eine Schädigung in dem einen Sprachzentrum auch das andere beeinträchtigen kann - so wie es die Sprachtherapeuten seit langem beobachten. Tatsächlich gibt es auch Aphasien, bei denen Broca- und Wernicke-​Areal normal funktionieren, aber eine der beiden Leitungen zwischen ihnen geschädigt ist. Der Mediziner spricht dann von einer Leitungsaphasie. Sowohl Sprachverständnis als auch Sprachproduktion funktionieren bei solchen Patienten normal.

  • Broca-Areal: Das Broca-Areal befindet sich im linken Frontallappen und ist für die Sprachproduktion verantwortlich. Es steuert die Muskeln, die für das Sprechen benötigt werden, und ist wichtig für die Grammatik.
  • Wernicke-Areal: Das Wernicke-Areal liegt im linken Temporallappen und ist für das Sprachverständnis zuständig. Hier werden die gehörten Worte verarbeitet und ihre Bedeutung erkannt.

Formen der Aphasie

Das Medizin-​Lehrbuch unterscheidet entsprechend der auftretenden Sprachprobleme zwischen der Broca-​Aphasie, der Wernicke-​Aphasie und der globalen Aphasie. Dann gibt es noch die amnestische Aphasie, bei der Menschen Probleme haben, auf bestimmte Wörter zuzugreifen, die sie sprechen oder schreiben möchten (Wortfindungsstörungen). Je nachdem, welcher Teil des Gehirns geschädigt ist, unterscheiden Ärzt*innen verschiedene Formen von Aphasie. Die vier wichtigsten Aphasie-Formen sind:

  • Broca-Aphasie
  • Wernicke-Aphasie
  • Amnestische Aphasie
  • Globale Aphasie

Jede dieser Formen geht mit charakteristischen Symptomen einher.

Broca-Aphasie

Bei der Broca-Aphasie (früher auch: motorische Aphasie) ist hauptsächlich die Sprachbildung gestört: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, Sprache aktiv hervorzubringen. Sie stocken beim Sprechen und verwechseln Laute. Sie sprechen langsam und machen häufig Pausen zwischen einzelnen Worten. Ihre Sätze wirken abgehackt und sind oft unvollständig. Zusätzlich kann auch das Sprachverständnis beeinträchtigt sein. Wichtigstes Symptom der Broca-Aphasie ist der Agrammatismus (griech. a = ohne, nicht): Menschen mit Broca-Aphasie sind nicht in der Lage, grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden. Ihre Sprache besteht aus kurzen Äußerungen im Telegrammstil, die aus ein bis drei Wörtern mit stark vereinfachtem Satzbau bestehen. Die Ordnung der Wörter folgt häufig nicht den grammatischen Regeln der Wortstellung, sondern der thematischen Wichtigkeit.

Das Leitsymptom ist der Agrammatismus. Hier produzieren die Patienten meist Ein- bis Zweiwort-Sätze z.B. „Ich Auto“ oder „Krankenhaus fahren“. Dabei fehlen Funktionswörter (z.B. Präpositionen) und Flexionsformen. Man nennt das Agrammatismus. Zudem können sie oft nur Inhaltswörter wie „Auto“ oder „Kuchen“ verwenden, während Funktionswörter wie „wenn - dann“ oder „obwohl“ weggelassen werden. Wenn sie sprechen, reden sie daher meist im Telegrammstil, etwa: „Kino gehen, Film. Gut.“

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Aus solchen charakteristischen Sprachausfällen hat schon vor mehr als 150 Jahren der Arzt Pierre Paul Broca geschlossen, dass das später nach ihm benannte Hirnareal für die Bildung von Sätzen und die Anwendung der Grammatik wesentlich sein könnte. Das Verstehen von Sprache ist bei einer klassischen Broca-​Aphasie hingegen kein so großes Problem. Neuere Studien zeigen jedoch, dass einige Patienten Schwierigkeiten haben, grammatikalisch komplexe Sätze zu verstehen.

Wernicke-Aphasie

Bei der Wernicke-Aphasie (auch: sensorische Aphasie) ist vor allem das Sprachverständnis beeinträchtigt. Betroffenen fällt es schwer, selbst einfache gesprochene Wörter zu verstehen. Die Sprachbildung kann ebenfalls gestört sein. Menschen mit Wernicke-Aphasie können sich nicht präzise sprachlich ausdrücken und das sagen, was sie eigentlich meinen. Wenn sie sprechen, verwechseln sie Worte oder einzelne Laute. Ganze Sätze sind oft falsch aufgebaut oder stark ineinander verschachtelt, sodass das Gegenüber Mühe hat, den Sinn zu erfassen.

Das Leitsymptom ist der Paragrammatismus, bei dem komplexe Sätze mit Satzteilverschränkungen, -dopplungen und -vertauschungen, sowie falschen Flexionsformen (z.B. „Mein Freund will mir morgen besuchen.“) gebildet werden. Außerdem kommt es zu semantischen (z.B. „Tisch“ statt „Stuhl“) und phonematischen (z.B. „Tinsch“ statt „Tisch“) Verwechslungen. Häufig treten ebenfalls Wortneuschöpfungen (Neologismus) z.B. „Eiergarten“ oder „Uksenstein“ auf.

Typische Symptome der Wernicke-Aphasie sind:

  • Paragrammatismus (griech. para = neben, bei): Die gebildeten Sätze sind oft auffallend lang, wobei die Satzteile falsch verbunden sind oder einfach abbrechen. Auch Verdopplungen von Satzteilen und eingeschobene nichtssagende Äußerungen sind typisch.
  • Paraphasie: Die Lautstruktur von Wörtern kann verändert sein, weil die Betroffenen beispielsweise Laute umstellen, auslassen oder hinzufügen (etwa "Tamm" statt "Stamm", "Vergebrecher" statt "Verbrecher").

Menschen mit Wernicke-​Aphasie sprechen oft in sehr komplexen Satzkonstruktionen, die inhaltlich allerdings keinen Sinn ergeben, weil Buchstabenfolgen, Semantik und Syntax durcheinander geworfen werden. Typisch ist zudem, dass Personen mit Wernicke-​Aphasie große Schwierigkeiten haben, das Gesagte des Gegenübers zu verstehen. Wegen solcher Symptome von Personen mit Hirnschädigungen folgerte der Neuroanatom Carl Wernicke, der Namensgeber besagten Areals, bereits im Jahr 1874, dass in dieser Hirngegend eine Art inneres Lexikon sitzt: Dort ordnet das Hirn den Worten eine Bedeutung zu.

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Amnestische Aphasie

Typisch für die amnestische Aphasie sind Wortfindungsstörungen. Eine Wortfindungsstörung führt zu größeren Sprechpausen oder Satzabbrüchen im ansonsten fast normalen Redefluss. Häufig entwickeln Menschen mit solchen Sprachstörungen Strategien, die fehlenden Wörter durch Umschreibungen (beispielsweise "das Ding") zu ersetzen. Bei einer amnestischen Aphasie ist häufig ein Bereich im unteren Schläfenlappen am Übergang zum Scheitellappen geschädigt.

Das Leitsymptom sind Wortfindungsstörungen. Der Patient kommt beim Sprechen ins Stocken und es zeigen sich Wiederholungen, Satzabbrüche oder Redefloskeln. Dies lässt auf eine ungenaue Bedeutung des Zielwortes (z.B. „Ich gehe ins Kino…nein, nicht Kino…ich meine…ach egal.“ Zielwort: Oper) oder auf Schwierigkeiten bei der Wortformaktivierung schließen. Bei Letzterem ist dem Patienten die Bedeutung des Zielwortes klar und er kann dieses gut umschreiben. Es liegt ihm sozusagen „auf der Zunge“ (z.B. Ich habe meine Mu, nein nicht Mutter.

Globale Aphasie

Die globale Aphasie stellt die schwerste Form dar. Die Störung ist so ausgeprägt, dass sprachliche Kommunikation nahezu unmöglich ist. Sowohl das Sprechen, Lesen und Schreiben als auch das Verstehen von Sprache sind schwer beeinträchtigt. Typisch für die globale Aphasie sind Sprachautomatismen. Die Aphasiker*innen wiederholen häufig formstarre Äußerungen, die keinen kommunikativen Zweck verfolgen und im Zusammenhang keinen Sinn ergeben (zum Beispiel "jajaja"). Über diese Automatismen hinaus sind viele Betroffene kaum zu sprachlichen Äußerungen fähig. Das Sprachverständnis ist massiv gestört. Dies betrifft meist alle Bestandteile des Sprachsystems wie Wortschatz (Lexik), Bedeutung von Wörtern (Semantik), Satzbau (Syntax) oder Lautbildung (Phonologie) und auch alle Arten der sprachlichen Ausführung (Sprechen, Schreiben, Verstehen, Lesen). Die globale Aphasie entsteht durch sehr ausgedehnte Schädigungen des Gehirns.

Hierbei zeigen sich meist deutliche Beeinträchtigungen in allen Sprachmodalitäten. Das Leitsymptom sind Sprachautomatismen z.B. eine Aneinanderreihung von Silben „dododo“, Wörtern „Auto Auto“ oder Phrasen „passt schon“. Sprechversuche des Patienten enden häufig in der Produktion des für ihn typischen Automatismus.

Sonderformen

Seltener tritt eine Aphasie in anderen Formen auf:

  • Leitungsaphasie (auch: Nachsprechaphasie): Hierbei funktionieren das Sprachverständnis und die Spontansprache meist verhältnismäßig gut. Das Nachsprechen von Wörtern oder Sätzen ist jedoch stark beeinträchtigt.
  • Transkortikal-sensorische Aphasie: Diese Sonderform entspricht weitgehend der Wernicke-Aphasie.

Diagnose

Bei einer Aphasie macht sich dieder ÄrztinArzt (meist mit neurologischer Fachausrichtung) zunächst ein erstes Bild von den sprachlichen Fähigkeiten. Interessant sind etwa die Sprachproduktion, der Sprachfluss oder der allgemeine Wortschatz und dahingehende Fehler. Wichtig ist dabei, dass durch die Untersuchung andere Störungen ausgeschlossen werden, welche die Sprache ebenfalls beeinträchtigen können. Dazu zählt zum Beispiel eine Dysarthrie, bei der Personen die Sprechbewegungen nicht kontrollieren können (etwa im Rahmen von Parkinson).

Um die Ausprägung einer Aphasie genauer beurteilen und sie in eine der Formen einteilen zu können, stehen verschiedene Tests zur Verfügung. Beim sogenannten Token-Test wird derdie Patientin* mündlich angewiesen, unter 10 bis 20 verschiedenen Plättchen 1 bis 2 Plättchen von bestimmter Farbe, Form und Größe herauszusuchen. Dieser Test zeigt mit einer Treffsicherheit von etwa 90 Prozent an, ob eine erworbene Sprachstörung infolge einer Gehirnschädigung vorliegt.

Zur genaueren Diagnose kommt häufig der sogenannte Aachener Aphasie-Test (AAT) zum Einsatz. Dieser ermöglicht es, die verschiedenen Aphasie-Formen und den jeweiligen Schweregrad festzustellen. Darüber hinaus ist der Test auch therapiebegleitend geeignet, um zu beurteilen, ob die Behandlung Fortschritte erzielt. Beim Aachener Aphasie-Test prüft dieder ÄrztinArzt in einem standardisierten Interview die Leistungen von:

  • Nachsprechen
  • Schreiben
  • Lesen
  • Benennen
  • Sprachverstehen

Durch die Hirnschädigung können auch andere Fähigkeiten beeinträchtigt sein, etwa Wahrnehmung und Intelligenz.

Bereits im Gespräch können die Ärzt*innen das spontane Sprachverhalten der Betroffenen beurteilen und evtl. Auffälligkeiten feststellen. Folgende Informationen können wichtig sein:

  • Wie äußern sich die Schwierigkeiten beim Sprechen?
  • Haben sie plötzlich begonnen oder schleichend?
  • Gab es ein auflösendes Ereignis, z. B. einen Unfall?
  • Gibt es weitere Symptome (z. B. Lähmung, Schluckstörung, Zittern) oder Zeichen einer Demenz?
  • Sind weitere Erkrankungen bekannt (z. B. Multiple Sklerose, Alzheimer-Erkrankung)?
  • Haben die Sprechstörungen Auswirkungen auf das private oder berufliche Umfeld?

Unter Umständen sollten Angehörige und/oder Freund*innen ergänzende Informationen geben.

Nach der körperlichen Untersuchung (Wie ist der Allgemein- und Ernährungszustand? Gibt es Verletzungen als Hinweis auf einen Unfall? Gibt es in Mund und Rachen Auffälligkeiten?) werden Untersuchungen auf neurologische Auffälligkeiten durchgeführt (z. B. Zungenbewegung, Muskelzuckungen). Das Sprach- und Sprechvermögen kann durch einen einfachen Test geprüft werden:

  • Wörter und Sätze nachsprechen lassen.
  • Einfache Gegenstände (z. B. Stift, Uhr) benennen lassen.
  • Geschriebene Aufforderungen ausführen lassen, z. B. „Falten Sie dieses Blatt.“

Die weiteren Untersuchungen (Bluttests, Bildgebung etc.) sind abhängig von der vermuteten Ursache der Sprachstörung. Es gibt spezielle neurologische und logopädische Untersuchungen, um die Sprech- und Sprachfähigkeit zu beurteilen. Beispielsweise der Aachener Aphasie-Test und der Token-Test werden bei Aphasie zur Feststellung des Schweregrads und zur Beurteilung der Sprachleistung eingesetzt.

Therapie

Je nachdem, was die Aphasie ausgelöst hat, erfolgt die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung. Die Therapie der eigentlichen Aphasie gehört in die Hände einereines LogopädinLogopäden. Ein Ziel der Sprachtherapie ist, die Kommunikation im Alltag zu verbessern. Dabei können unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz kommen. Nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma sind viele Betroffene zunächst oft kaum zu einer sprachlichen Äußerung fähig. Dann zielt die Sprachtherapie darauf ab, die Sprachleistung zu reaktivieren. Dabei werden in der Logopädie verschiedene Methoden eingesetzt. Eine besteht zum Beispiel darin, dendie Aphasikerin zum Mit- oder Nachsprechen von automatisierten Wortreihen (Wochentage, Zahlenreihen) oder Begriffen zu motivieren. Auch richtet sich der Inhalt der Therapie danach, welche sprachliche Fähigkeit beeinträchtigt ist. Wenn die Sprachstörungen beispielsweise hauptsächlich den Bereich der Sprachproduktion betrifft, wird vor allem der Aufbau grammatikalisch korrekter, einfacher Sätze geübt. Ist die Therapie bereits fortgeschritten, geht es darum, die bislang erzielten Sprachleistungen auf die Erfordernisse der Alltagskommunikation zu übertragen. Um dies zu erleichtern, findet die Behandlung der Aphasie in dieser Phase häufig in Gruppen statt. In Rollenspielen und kleinen Dialogen können Betroffene ihre Fähigkeiten trainieren.

Die Behandlung einer Sprach- und Sprechstörung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab und richtet sich nach den individuellen Zielsetzungen und Fähigkeiten der Betroffenen. Bei bekannter Grunderkrankung steht deren Therapie im Vordergrund. Die Einbindung der Angehörigen ist von großer Bedeutung. Ein Rückhalt im familiären und sozialen Umfeld hat einen positiven Einfluss auf den Behandlungserfolg. Selbsthilfegruppen können Angehörige und Patient*innen unterstützen. Eine Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie verbessert die Sprachfähigkeiten. Es gibt zahlreiche Verfahren, die bei bestimmten Erkrankungen Anwendung finden (z. B. nach Schlaganfall oder bei Parkinson-Erkrankung), sowie computergestützte Therapien, die zu Hause eingesetzt werden können. Einige Medikamente zeigen bei einer Aphasie nach einem Schlaganfall Wirksamkeit, in seltenen Fällen kommt eine Operation infrage (z. B. Gaumensegelprothese bei Gaumensegellähmung). Alternative Therapiemethoden wie Akupunktur, Hypnose, Entspannung haben keinen Wirksamkeitsnachweis.

Rehabilitation bei Aphasie

Auch eine Rehabilitation kann im Rahmen einer Aphasie angeordnet werden. Dabei kann eine intensive Sprachtherapie, etwa in einer neurologischen Fachklinik, sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt werden. Ebenso können zugleich andere (neurologische) Symptome therapiert werden.

Logopädische Therapie

Ziel der logopädischen Therapie ist eine größtmöglichen Verbesserung bzw. der Erhalt der vorhandenen Fähigkeiten. Grundsätzlich gilt, dass die logopädische Therapie so früh wie möglich begonnen werden sollte, am besten noch während des Krankenhausaufenthaltes. Wenn der Betroffene wieder zuhause ist, muss die logopädische Therapie von einem Arzt verordnet werden. Grundsätzlich kann die ambulante Logotherapie einzeln oder in Gruppen stattfinden.

Hilfsmittel und Kommunikationsstrategien

Es gibt Hilfsmittel, die es Aphasikern trotz eingeschränkter Sprachfähigkeit ermöglichen, an Gesprächen teilzunehmen. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine große Vielfalt an elektronischen Kommunikationshilfen. Bevor sich Aphasiker Hilfsmittel anschaffen, sollten sie einen Antrag auf Kostenübernahme für elektronische oder nicht-elektronische Hilfsmittel beim zuständigen Kostenträger stellen. Dem Antrag muss ein Kostenvoranschlag beigefügt werden. Kommunikationshilfen gibt es inzwischen auch als digitale Anwendungen (Apps) für Smartphones und Tablets. Nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten für Aphasie-Apps. Zur therapeutischen Begleitung von Krankheiten etablieren sich Digitale Gesundheitsanwendungen jedoch immer mehr.

Tipps für Angehörige und Betroffene

Vor allem im frühen Stadium der Erkrankung sind Betroffene häufig gereizt, ungeduldig und überfordert. Angehörige sollten deshalb keinen Druck ausüben und für ein verständnisvolles Umfeld sorgen. Denn besonders wichtig ist, dass erkrankte Personen Sprach- und Sprechängste abbauen können. Hilfreich kann auch sein, wenn Angehörige in die Therapie mit einbezogen werden, um so mehr Verständnis für die Erkrankung zu erlangen.

Weitere wichtige Hinweise, die Angehörige im Alltag mit Aphasiker*innen beachten sollten:

  • Sprechen Sie in normaler, gewohnter Sprache. Lassen Sie Betroffene ausreden und halten Sie stets Blickkontakt.
  • Bleiben Sie geduldig und behandeln Sie Betroffene auf Augenhöhe.
  • Korrigieren Sie Gesagtes nicht.
  • Sorgen Sie für ein angenehmes und ruhiges Umfeld, Störquellen wie Fernseher oder Musik sollten ausgeschaltet werden.
  • Formulieren Sie bei ausgeprägter Krankheit und Sprachstörungen klare Sätze, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können.
  • Auch Kommunikation mit unterstützender Gestik und Mimik kann für Angehörige und Betroffene hilfreich sein.

Sowohl Patient*innen als auch Angehörigen hilft oftmals der Austausch mit anderen Menschen, die an der Erkrankung leiden.

Empfehlungen für Angehörige:

  • Familienmitglieder und andere nahestehende Personen solltenden Betroffenen ausreichend Zeit zum Reden lassen.
  • natürlich und respektvoll im Gespräch mit den Patient*innen umgehen.
  • Ablenkungen, wie z. B. lautes Radio oder Fernseher, vermeiden.
  • Sprache vereinfachen und kurze, unkomplizierte Sätze verwenden.
  • Gesagtes ggf. wiederholen und Wichtiges aufschreiben, um das Verständnis zu verbessern.
  • die betroffene Person in Gruppenunterhaltungen einbinden.
  • sich aktiv nach der Meinung der Betroffenen erkundigen.
  • jede Art der Kommunikation fördern (Sprache, Gesten, Zeigen, Zeichnen etc.).
  • vermeiden, die Betroffenen zu korrigieren.
  • die Therapie begleiten, falls möglich.
  • den Betroffenen helfen, weitere Unterstützungen zu finden (z. B. Selbsthilfegruppen).

Verlauf und Prognose

Wie eine Aphasie verläuft, hängt in erster Linie von der Art und Schwere der ursächlichen Schädigung des Gehirns und vom Alter der Betroffenen ab. Meist setzt eine Aphasie plötzlich nach einer akuten Gehirnschädigung ein, etwa nach einem Schlaganfall. In vielen Fällen bessern sich die Sprachprobleme innerhalb der nächsten Wochen von selbst. Die Krankheit kann jedoch auch länger andauern oder sich langsam entwickelt. Früher ging man davon aus, dass eine Aphasie spätestens nach zwei Jahren chronisch ist. Doch inzwischen weiß man: Auch noch Jahre später können starke Verbesserungen eintreten.

Berufliche Wiedereingliederung

Der berufliche Wiedereinstieg mit einer Aphasie kann Betroffene vor große Herausforderungen stellen. Nicht alle Berufe sind mit einer Aphasie gleichermaßen vereinbar. Das Heidelberger Aphasie-Modell ist ein Angebot des Berufsförderungswerks in Kooperation mit dem Bundesverband Aphasie e. V. und den SRH Fachschulen. In dieser Zeit werden die Menschen zudem darüber beraten, welche beruflichen Tätigkeiten in Frage für sie kommen könnten. Danach absolvieren sie eine drei- bis sechsmonatige Berufsvorbereitung. Im gewählten Berufszweig folgt eine Qualifizierung in Form einer Umschulung oder Ausbildung.

Selbsthilfegruppen und Unterstützung

Es gibt Selbsthilfegruppen, deren Angebote sich speziell an Aphasiker richten. Für viele Betroffene ist es hilfreich, sich in diesem Rahmen über Themen auszutauschen, die sie mit nicht betroffenen Menschen schwierig nur besprechen können. Selbsthilfegruppen unterscheiden sich zum einen in professionell geführte Gruppen, die auch therapeutische Angebote haben. Zum anderen gibt es von Betroffenen selbst organisierte Gruppen. Eine zentrale Interessenvertretung ist der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V.

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