Die Multiple Sklerose (MS) und die Magersucht (Anorexia nervosa) sind zwei unterschiedliche Erkrankungen, die jedoch in seltenen Fällen gleichzeitig auftreten oder deren Symptome sich überschneiden können. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um eine häufige Kombination handelt und weitere Forschung notwendig ist, um die genauen Zusammenhänge zu verstehen.
Multiple Sklerose: Eine kurze Einführung
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Myelinscheiden, die Schutzhüllen der Nervenfasern, angreift. Dies führt zu einer Schädigung der Nerven und beeinträchtigt die Signalübertragung zwischen Gehirn und Körper. Die Symptome von MS sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Häufige Symptome sind:
- Sehstörungen
- Schwierigkeiten beim Gehen und Sprechen
- Kognitive Beeinträchtigungen ("Gehirnnebel")
- Schmerzen, Steifheit, Zittern
- Blasen- und Darmprobleme
- Mühe beim Schlucken
MS wird überwiegend bei Frauen diagnostiziert, meist in ihren 20ern und 30ern. Die Erkrankung ist schwer zu diagnostizieren, da die Symptome von Person zu Person variieren und auch andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können.
Magersucht: Eine psychische Erkrankung mit körperlichen Folgen
Die Magersucht ist eine schwere psychische Erkrankung, die durch ein gestörtes Körperbild, extreme Angst vor Gewichtszunahme und eine restriktive Nahrungsaufnahme gekennzeichnet ist. Betroffene haben ein starkes Bedürfnis, dünn zu sein oder zu werden, und setzen alles daran, ihr Gewicht zu reduzieren. Dies kann zu gefährlichem Untergewicht und zahlreichen körperlichen Komplikationen führen. Zu den Symptomen der Magersucht zählen:
- Absichtliche Gewichtsabnahme
- Vermeiden kalorienreicher Nahrungsmittel oder vollständiger Verzicht auf Nahrung
- Tägliches Wiegen
- Rituale beim Essen
- Missbrauch von Abführmitteln
- Bewegungsdrang
- Körperschema-Störung
- Verlust der Libido
- Haarausfall, Haarflaum, kalte Hände und Füße
- Bei Patientinnen auch Ausbleiben der Regelblutung
- Soziale Isolation, Perfektionismus, Schuld- und Schamgefühle, Angst und Trauer
Die Magersucht tritt vor allem im Alter zwischen 15 und 24 Jahren auf, und zwar fast ausschließlich bei Mädchen beziehungsweise jungen Frauen. Schätzungen zufolge sind etwa drei von 1000 jungen Frauen magersüchtig. Langzeitstudien zufolge wird knapp die Hälfte der Magersüchtigen wieder vollständig gesund, bei einem Drittel verbessern sich die Symptome, und etwa ein Fünftel bleibt chronisch anorektisch. Etwa fünf Prozent der Magersüchtigen sterben - das ist eine der höchsten Todesraten unter den psychiatrischen Krankheiten.
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Mögliche Zusammenhänge zwischen MS und Magersucht
Obwohl MS und Magersucht unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es einige mögliche Zusammenhänge, die in Betracht gezogen werden sollten:
Gemeinsame Risikofaktoren
Beide Erkrankungen treten häufiger bei Frauen auf. Dies könnte auf hormonelle oder genetische Faktoren zurückzuführen sein, die das Risiko für beide Erkrankungen erhöhen.
Psychische Belastung und Stress
Sowohl MS als auch Magersucht können mit erheblicher psychischer Belastung und Stress verbunden sein. Eine MS-Diagnose kann Angst, Depressionen und ein Gefühl des Kontrollverlusts auslösen. Ebenso können psychische Belastungen wie Mobbing Magersucht auslösen. Stress kann auch die Symptome beider Erkrankungen verschlimmern.
Auswirkungen auf das Gehirn
Sowohl MS als auch Magersucht können Auswirkungen auf das Gehirn haben. Bei MS kommt es zu einer Schädigung der Myelinscheiden, was die Signalübertragung im Gehirn beeinträchtigt. Bei Magersucht kann es zu einer Hirn-Atrophie kommen, bei der das Volumen der grauen Substanz im Gehirn abnimmt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich das Hirnvolumen bei Magersucht in der Regel wieder normalisiert, wenn sich das Gewicht normalisiert.
Medikamentenwirkungen
Einige Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, können Nebenwirkungen haben, die das Essverhalten beeinflussen. Zum Beispiel können Kortikosteroide, die häufig bei MS-Schüben eingesetzt werden, den Appetit steigern und zu Gewichtszunahme führen. Dies kann bei Menschen mit einer Veranlagung zu Essstörungen ein problematisches Verhalten auslösen.
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Fallbeispiele und Forschungsergebnisse
Es gibt einige Fallberichte, die über das gleichzeitige Auftreten von MS und Magersucht berichten. Diese Fälle sind jedoch selten und es ist schwierig, allgemeine Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.
Eine Studie aus Melbourne untersuchte Jugendliche mit atypischer und klassischer Anorexie. Die Forscher bewerteten die atypische Anorexie daher als schwere Essstörung mit beträchtlichen körperlichen und psychischen Konsequenzen. In Melbourne ist ihr Anteil binnen sechs Jahren von 8 Prozent auf knapp 50 Prozent gestiegen.
Es bedarf weiterer Forschung, um die genauen Zusammenhänge zwischen MS und Magersucht zu verstehen. Insbesondere sind Studien erforderlich, die untersuchen, wie sich die beiden Erkrankungen gegenseitig beeinflussen und welche Behandlungsansätze am wirksamsten sind.
Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung
Sowohl MS als auch Magersucht sind ernsthafte Erkrankungen, die eine frühzeitige Diagnose und Behandlung erfordern. Eine frühzeitige Diagnose von MS kann dazu beitragen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Eine frühzeitige Behandlung von Magersucht kann dazu beitragen, das Untergewicht zu normalisieren, die psychischen Probleme zu behandeln und langfristige Komplikationen zu verhindern.
Parentifizierung als möglicher Risikofaktor
Parentifizierung, also die Rollenumkehr zwischen Eltern und Kind, kann ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen wie Essstörungen sein. Wenn ein Kind frühzeitig Verantwortung für die Eltern oder Geschwister übernehmen muss, kann dies zu einem Gefühl der Überforderung, des Kontrollverlusts und der Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse führen. Dies kann das Risiko für die Entwicklung einer Essstörung erhöhen.
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